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Nortpert

Nr. 26

 

Nortpert

 

begann seine Regierung nach dem 7. Januar 1034 und trat 1072 von seinem Amte zurück.[i]

Nortpert war – worüber der unbekannte Chronist merkwürdigerweise kein Wort verliert[ii] – kein St.Galler Mönch, sondern stammte aus dem Kloster Stablo[iii], das durch Clunys Reform beeinflusst, unter Abt Poppo (1048) eine ganz bedeutende Stellung einnahm und sich der besondern Gunst Konrads II. erfreute. Wie wir aus der Vita Popponis[iv] erfahren, war Konrad sehr darauf bedacht, die Reform in den Klöstern des Reiches durchzuführen; er gab Poppo die Vollmacht, dort wo Abteien erledigt waren, von seinen Mönchen als Äbte einzusetzen. So kam unter anderm Nortpert, wie in der Vita ausdrücklich vermerkt wird, nach St.Gallen. Mit ihm kamen einige seiner Mitbrüder, um das Reformwerk durchzuführen. Die Reformer waren begreiflicherweise in St.Gallen nichts weniger als willkommen, wie Ekkehards gelegentliche Bemerkungen erhellen. Gerade der Gegensatz, der sich einstellte, mag Ekkehard bestimmt haben, als ein «laudator temporis acti» seine Casus zu schreiben.[v]

 

Von einem solchen Gegensatz weiss allerdings der Fortsetzer der Casus – der ja kurz nach 1076 schrieb – nichts. Man hat seine Darstellung dieser Epoche eine farblose genannt, obwohl er gerade die Farben zugunsten Nortperts sehr dick aufträgt. Man dürfte darum wohl in dem Schreiber einen Anhänger der durch Nortpert geführten Richtung sehen, der sich umso eher mit dessen Regierung befreundete, als sie für St.Gallen nochmals eine glückliche war, auf die dann umso schlimmere Zeiten folgten. Während Ekkehard sagt: «Norpertus, cujus hodie sub regimine quidem non prout ipse et nos, ut inquiunt, volumus, sed prout possumus, vivimus,» rühmt ihn der Continuator als «piissimus et ecclesiae nostrae gubernator fidissimus .... Imitator Theopaldi fidelis existens etc.» Er sagt von ihm, dass er die Brüder wahrhaft geliebt, die Kirche erweitert, den Lebensunterhalt der Brüder gemehrt habe. Für die Rechte des Klosters sei er besonders Bischof Rumold von Konstanz (1051 bis 1069) gegenüber fest eingetreten, worüber es sogar zu einem Kriege kam, in dessen Verlauf die Abtei schwer geschädigt wurde. Da anderweitige Nachrichten über diesen Krieg fehlen, hält es sehr schwer, darüber etwas Sicheres zu sagen. Zutreffend dürfte v. Arx' Behauptung sein, Abt Nortpert sei der erste der kriegführenden St.Galler Äbte gewesen. Doch bestanden jedenfalls zeitweise auch wieder bessere Beziehungen zu Bischof Rumold, wie aus der einzigen aus Nortperts Zeit erhaltenen Urkunde hervorgeht, worin er erklärt, dass die von Bischof Thietmar von Chur in Appenzell erbaute Kirche im Einverständnis mit dem Konstanzer Bischof geschaffen worden sei.[vi]

 

Nach den Annales Sang. maj. – die Continuatio Cas. meldet nichts davon – besuchte Heinrich III. 1040 St.Gallen. Auf Verwenden eben dieses Herrschers, den Nortpert 1046 auf seinem Italienerzug begleitete, erlangte er von Clemens II. – wohl unmittelbar im Anschluss an die den 25. Dezember 1046 erfolgte Kaiserkrönung Heinrichs – im Januar 1047 die Heiligsprechung Wiboradas, deren Fest am 2. Mai begangen wurde. Nach 30-jähriger Regierung – wie der Äbtekatalog sagt – dankte Nortpert 1072 ab.

 

Nortpert starb am 2. September, am Vortage des von ihm besonders verehrten hl. Remaklus, Bischof von Mastricht, dessen Fest er von Stablo her übernehmend in St.Gallen eingeführt hatte. Auch die Eintragung ins Necrologium: «Obitus Nortperti benignissimi Abbatis» zeugt für die Beliebtheit dieses Abtes; ebenso auch die Schlussbemerkung der Contin.: «Quantus autem fletus omnium et praecipue fratrum fuerit, dies ante finiretur, quam in cedula scriberetur.» Er überlebte, wie die Continuatio berichtet, seinen Nachfolger Ulrich II. um einige Jahre, starb also nach 1076. – Ein späterer Eintrag im Necrologium bemerkt: «Iste Nortpertus canonizavit s. Wiboradam et instituit festum s. Remacli, paravit etiam fontem in claustro et fuit primus, qui inter Abbates anniversarium suum instituit.» Ein anderer nekrologischer Eintrag von späterer Hand besagt: «Iste primus inter abbates anniversarium suum instituit ordinavitque dare vinum, pisces, caseum, ova et pisa, et majorem panem de Husin et die sequenti eadem de Utiwillere.» Daran erinnern auch noch spätere Eintragungen in Rödel, die unter Abt Georg 1360 angelegt wurden, worin es heisst: «In feria secunda (Paschatis) ad nonam datur ciatus et oblate, ex institutione Norpertis abbatis. – De Husin ... in vigilia Remacli de anniversario Nortperti abbatis 4 fercula, ut sopra[vii] cum vino et majori leibunculo».[viii]


 

[i] Continuatio Cas. c. 20 mit Meyers Anmerkungen

[ii] Er sagt nur Norpertus de Stafile.

[iii] Stavelot in Belgien

[iv] M.G. SS. XI., p. 305

[v] Vgl. Einleitung dazu von Meyer v. Knonau, G., Mitteilungen XV./XVI., p. V.-VII.

[vi] C. 1061; W. III., Nr. 822; vgl. auch Ladewig, Regesta Episc. Constant. I., p. 61, Nr. 481 und Meyer Contin. Cas., p. 39, n. 107

[vii] Sc. carnes, caseus, ova et faba

[viii] S. Meyer 1. c., p. 42, Nr. 114. – Über Nortpert s. Histor.-biogr. Lexikon der Schweiz V, 309

 

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