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Lutold, Gegenabt

Nr. 29

 

Lutold

 

Er regierte von Ostern (16. April) 1077 bis ca. 1083 (s. u.).[i]

 

Nach Abt Ulrichs II. Tod wurde St.Gallen in die grossen Kämpfe zwischen Gregor VII. und Heinrich IV. hineingezogen. Die St.Galler Mönche standen, wie es scheint, von Anfang an auf Seite des Königs, aber zunächst war dessen Gegenkönig Rudolf von Rheinfelden in Süddeutschland übermächtig. Dieser setzte darum nach Ulrichs Tod den St.Galler Mönch Lutold, der offenbar durch verwandtschaftliche Beziehungen[ii] auf Rudolfs Seite stand, zum Abte ein. Der Reichenauer Chronist, Oehem, berichtet, dass dies an Ostern 1077 geschehen sei: «Do satzt küng Rudolff zu der österlichen Zitt zu Ougspurg hoff haltend, Lüttolten, desselben closters ain münch, zu einem abt.» Nach Berthold[iii] hätten allerdings die St.Galler Mönche Lutolt gewählt und Rudolf ihn nur – ebenfalls an Ostern – bestätigt. Berthold war aber Gregorianer, was seine Anschauung der Dinge stark beeinflusste; die kaiserfreundliche Haltung St.Gallens ist anderseits zu gut bezeugt, als dass man dessen Bericht für glaubwürdig halten könnte.

 

Die Mönche von St.Gallen nahmen denn auch den neuen Abt sehr unwillig auf; nach der Continuatio hätten sie sogar seinen Abtsstab zerbrochen. Bald wurde er übrigens verjagt; denn Heinrichs IV. Einfluss erreichte St.Gallen, wo er anfangs September 1077 Ulrich III. als seinen Abt einsetzte (s. u.). Lutold floh zu Abt Ekkehard von der Reichenau (1071-1088), der Gregorianer und Parteigänger Rudolfs war. Zwischen Abt Ekkehard und dem neuen Abt von St.Gallen brach in der Folge ein erbitterter Krieg aus (s. u.). Freilich wurde Abt Ekkehard 1077 in Italien von den Anhängern Heinrichs gefangen und erst 1079 wieder freigelassen. Da es diesseits der Alpen hiess, er sei gestorben, übertrug Heinrich nun Ulrich III. von St.Gallen auch die Reichenau. Nach der Rückkehr Ekkehards loderte der Kampf erneut auf (1080). Viermal griff Ekkehard St.Gallen an; dabei erfahren wir, dass er beim dritten Überfall, an Weihnachten 1080, Abt Lutold mit sich führte und versuchte, ihn in St.Gallen wieder einzusetzen. Da aber die Mönche geflohen waren, gelang dies nicht. Unterdessen war König Rudolf am 15. Oktober 1080 gefallen und der an seiner Stelle erwählte Hermann von Salm-Lützelburg setzte 1083[iv] Lutold ab und brachte an seine Stelle den Reichenauer Mönch Werinhar (s. u.). Über die Gründe, die zu Lutolds Absetzung führten, erfahren wir nichts. Immerhin muss es auffallen, dass Hermann den von seinem Vorgänger eingesetzten Abt fallen liess. Auch sonst erfahren wir über Lutold nichts mehr. Nicht einmal sein Todestag ist bekannt, ausser man wolle einen der Einträge im Nekrologium aus dem 11. Jahrhundert: «Liutold mon. diac. 23.X.» oder aus dem 12. Jahrhundert: «Liutold mon. pbr. 4.X.» auf ihn beziehen. Jedenfalls starb er nach 1083. Im Äbteverzeichnis fehlt Lutold ganz.


 

[i] Vgl. Continuatio Cas. c. 21 und 27; dazu Meyers Anmerkungen

[ii] Man hat in ihm einen Verwandten der Regensberger Herren vermutet; dafür, dass er ein Nellenburger war, wie v. Arx meint (I. 280), fehlen jede Beweise.

[iii] Dem Fortsetzer Hermanns des Lahmen

[iv] Nach Oehem. – Über Lutold vgl. Kultur der Abtei Reichenau: Zur Einführung in die Geschichte des Klosters. Beyerle K., Von der Gründung bis zum Ende des freiherrlichen Klosters, p. 124

 

 

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