Nr. 46

 

Konrad von Gundelfingen

 

(Gegenabt) ward durch König Rudolf zwischen dem 10. und 15. Oktober 1288 in St.Gallen eingeführt und hielt sich dort bis vor dem 25. Juli 1291[i] auf.

 

Als Wilhelm von Montfort zu Anfang 1288 als der Abtei für verlustig erklärt worden war, beförderte König Rudolf an seine Stelle den Abt von Kempten im Allgäu, Konrad von Gundelfingen. Er gehörte dem freiherrlichen Geschlechte an, das seine Stammburg Hohen-Gundelfingen im heutigen württembergischen Amt Münsingen hatte. In Kempten erscheint er seit 1284 als Abt. Wie der damals in St.Gallen lebende Konventuale Friedrich von Gundelfingen mit ihm verwandt war, steht nicht fest.

 

In St.Gallen wurde Konrad durch König Rudolf selbst in der Woche vor dem St.Gallustag 1288 eingeführt. Freilich blieb der neue Abt nicht lange im Kloster, sondern folgte bald dem Hofe des Königs; denn wir treffen ihn am 28. Oktober schon in Ulm, dann in Ravensburg; 1290 ist er wieder beim Hof in Erfurt, 1291 zu Konstanz und Baden. Auch den Zug Rudolfs nach Besançon machte er 1289 mit. Seine· erste Urkunde in einer St.Galler Angelegenheit datiert vom 12. Mai 1289[ii] und betraf bezeichnenderweise eine Veräusserung zu Gunsten der Herzoge von Österreich, deren Schutz und Hilfe er sich überhaupt teuer erkaufen musste. Wie König Rudolf aber starb (15. Juli 1291), da fiel auch·dessen Schutz dahin. Sein Sohn Albrecht war anderwärtig zu sehr in Anspruch genommen, und so musste Konrad mitsamt dem Vogt von Ramswag vor dem Unwillen der Bürger und den Bemühungen des rechtmässigen Abtes Wilhelm (s.o.) das Feld räumen. Er begab sich zunächst unter habsburgischen Schutz nach Schwarzenbach, von wo aus er nochmals einen kriegerischen Versuch gegen Wil machte (vor Dezember 1291). Dann hört man nichts mehr von ihm. Als trauriges Andenken an seine kurze Regierung liess er einen gewaltigen Schuldenrodel zurück.[iii]

 

Urkundlich erscheint Abt Konrad nicht oft und meist nur in Geschäftsangelegenheiten; erstmals am 12. Mai 1289, zum letzten Mal am 21. Juni 1291.[iv]

 

Später muss zwischen Konrad und Abt Wilhelm ein gütlicher Vergleich zustande gekommen sein, der nicht mehr vorliegt; wir erfahren nur, dass die Konrad zugesicherten 100 Mark Silber am 26. Oktober 1298 nach Kempten, wo Konrad noch Abt war, abbezahlt wurden.[v]


 

[i] Kuchimeister c. 52-58; dazu Meyers Anmerkungen

[ii] W. III., Nr. 1063

[iii] W. III., Ap. 58, p. 736-746; den Meyer 1. c., p. 229, n. 400 genauer untersucht hat.

[iv] W. III., Nr. 1063. – W. IV., Ap. 143

[v] W. III., Nr. 1107