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Kilian Germann

Nr. 61

 

Kilian Germann

 

regierte vom 25. März 1529 bis zu seinem Tode, am 30. August 1530.

 

Kilian Germann, der, wie wir eben gesehen, am 25. März 1529 in Rapperswil insgeheim gewählt wurde, war Ende 1485 als Sohn des Johannes Germann, genannt Käufi, fürstäbtlicher Vogt zu Lütisburg, geboren worden. Seit 1508 ist er als Mitglied des Stiftes nachweisbar; 1516 erscheint er als Kellermeister, 1523 als Statthalter in Rorschach und seit 1528 als solcher in Wil. Vadian sagt von ihm: «Was ein schön, persönlich man, senftmüetigs und fründlichs dings mit iedem man, doch nit glert (wie ietzmal der mönchen brauch ist).» – Ein Bruder des Abtes, Gallus, ist von 1527-1547 als Nachfolger des Vaters, Vogt auf Lütisburg; während ein anderer Bruder, Hans, sich zunächst in französischen Kriegsdiensten auszeichnete, dann aber während der Regierungszeit Kilians als dessen ständiger Gesandter bei den Eidgenossen eine bedeutende Rolle spielte.

Die katholischen Schirmorte Luzern und Schwyz anerkannten Kilian als Abt, während die Glarner zögerten und die Zürcher sich von Anfang an gegen ihn erklärten. Der Abt suchte die Leute zur Huldigung zu bewegen, was ihm an einigen Orten gelang; aber der Schutzhauptmann Frei arbeitete ihm allerwärts entgegen. Auch die Toggenburger, die sich anfänglich gefügig gezeigt, änderten unter dem Einflusse Zürichs bald ihre Gesinnung. Durch Verhandlungen mit den Schirmorten Luzern, Schwyz und Glarus, die der Abt in Wil, wo er sich meist aufhielt, führte, erlangte er, dass diese drei Schirmorte die Alte Landschaft zur Huldigung aufforderten; doch blieb diese Aufforderung wegen der Haltung Zürichs ohne Wirkung.

 

Unterdessen spitzte sich unter den Eidgenossen die Lage immer mehr, zu. Als die Schwyzer am 27. Mai 1529 den Prädikanten Kaiser gefangen nahmen, rückten bald darauf die Zürcher unter Rudolf Lavater am 9. Juni mit 500 Mann in Wil ein und besetzten hierauf die ganze Alte Landschaft, überall die Neuerung einführend. Abt Kilian floh beim Anrücken der Zürcher (am 7. Juni) aus Wil mit dem Dekan Diethelm Blarer, beide als Fuhrleute verkleidet, nach Überlingen. In St.Gallen besetzte der Rat am 8. Juni das Kloster, setzte die noch dort weilenden Konventualen sowie die Brüder und Kapläne gefangen und zwang die Mönche zur Ablegung des Ordensgewandes. Nach vier Tagen entliess man sie aus der Gefangenschaft gegen das Versprechen, jeden Verkehr mit dem Abte aufzugeben und die Kutte nicht wieder anzuziehen. Die Kapläne wurden des Landes verwiesen und flohen nach Mehrerau, wo Abt Kilian für sie sorgen liess. In den Stiftslanden aber schalteten die Zürcher als die eigentlichen Herren.

 

Inzwischen kam es zu dem für die Katholiken sehr ungünstigen ersten Kappelerfrieden, der die Zürcher faktisch im Besitze ihrer Herrschaft beliess. Abt Kilian gab sich freilich alle Mühe, auf Grund des Friedensvertrages, der die frühern Herren wieder in ihren Besitz einsetzte, seine Lande an sich zu bringen. Er hielt sich damals meist in Einsiedeln auf und suchte von da aus zunächst auf die Glarner einzuwirken, deren Landsgemeinde sich aber am 24. August 1529 zu Gunsten der Zürcher entschied, so dass nur Schwyz und Luzern für die Wiedereinsetzung des Abtes, die Zürcher und Glarner aber dagegen waren. Der Abt wandte sich nach langen, ergebnislosen Verhandlungen an die Eidgenossen; ja, er begab sich öfters persönlich nach Baden. Doch scheiterten alle Bemühungen am Widerstande Zürichs, das von einer Einsetzung Kilians nicht nur nichts wissen, sondern sich selber in den Besitz seiner Gebiete bringen wollte. Als so alle Bemühungen Kilians scheiterten, wandte er sich, der sich nach dem Schlösschen Wolfurt bei Bregenz, das er gemietet hatte, zurückzog, an den Kaiser. Er suchte persönlich im Juli 1530 den Reichstag in Augsburg auf. Er erhielt wohl gute Worte, aber keine tatkräftige Hilfe, wozu übrigens auch der Kaiser beim besten Willen kaum imstande war.

 

Das Toggenburg sagte sich unterdessen am 20. Juni 1530 förmlich vom Stifte los und erkaufte sich die Freiheit. Die Stadt aber erwarb sich von Zürich und Glarus (resp. der Landschaft) am 25. August 1530 die Klostergebäude, den Brüel und alle Rechte, Renten und Lehen innerhalb des Stadtbezirks um 14'000 Gulden, wovon 3000 den sechs abgefallenen Kapitularen zukommen mussten. Das Stift wurde völlig ausgeplündert; vor allem gingen damals kostbare Urkundenschätze verloren. Den Kirchenschatz, den man zunächst einschmelzen lassen wollte, teilte man unter sich auf.

 

So war die Lage St.Gallens trostloser denn je. Da ward zu allem Unglück Abt Kilian durch einen frühzeitigen Tod mitten aus seiner rastlosen Tätigkeit gerissen. Er hatte sich am 29. August geschäftehalber von Wolfurt zum Grafen Hugo von Montfort-Tettnang begeben. Als er tags darauf heimkehrte, verlor sein Pferd beim Durchsetzen der Bregenzer Ach den Halt und begrub den Abt unter sich, der sich, in seine Kleider verwickelt, nicht freimachen konnte. So ertrank er am 30. August 1530. Ein schwerer Schlag für das unglückliche Stift.[i]


 

[i] Hist.-biogr. Lexikon der Schweiz III. 488. – Stiftsarchiv, Band 221, Historische Miscellanea, bes. die Zeiten der Äbte Ulrich VIII. und Kilian betreffend.

 

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