Accesskeys

Hiltbold von Werstein

Nr. 48

 

Hiltbold von Werstein

 

regierte vom 5. August 1318 bis zu seinem Tode, am 13. Dezember 1329.[i]

 

Als Heinrichs Nachfolger erscheint Hiltbold von Werstein, dessen freiherrliches Geschlecht auf der Burg Werstein im obern Nekartale sass. Er muss etwas vor 1250 geboren sein. Als Mönch von Sankt Gallen wird er erstmals 1279 als der siebente von zehn Kapitularen genannt.[ii] Weiter erscheint er 1282[iii]; 1283 wird er als Verwalter der Höfe Gochain und Höchst genannt[iv]; 1284 ist er Thesaurar[v]; 1287 tritt er als Kläger gegen Abt Wilhelm bei König Rudolf auf. Er erscheint ferner in Urkunden 1291, 1293, 1296.[vi] 1297 wird er Kustos genannt[vii]; 1303 ist er Portarius.[viii]

Am 5. August 1318 erfolgte seine Wahl durch fünf Kapitularen, während Ulrich von Trauchburg wieder als Gegenkandidat auftrat. Das alte Treiben begann von neuem; jede Partei suchte sich Anhang zu verschaffen. Für Hiltbold waren vor allem die Ministerialen: «won sie wissten wol, das er ain lichtsenfter man was und nieman dehain laid tet». Wieder zog Ulrich den kürzern und blieb, was er vorher war, Cammerarius. Da damals der Konstanzer Sitz erledigt war, empfing Hiltbold vom Weihbischof Johannes die Abtweihe. Die Regalien holte er sich nicht, da wieder zwei Könige im Reiche waren, Ludwig der Bayer und Friedrich von Österreich, die sich gegenseitig aufs heftigste bekämpften. St.Gallen hatte aber auch nicht mehr die Bedeutung wie früher, wo den Königen jeweilen an der Hilfe der Äbte viel gelegen war. Hiltbold neigte sich indessen mehr auf die Seite der Österreicher, wie gelegentliche Akte[ix] zeigen. Im übrigen war Hiltbold bereits ein hinfälliger Greis, sehr friedliebend «gieng das gotzhus vast ab an werlichait». Auch die ökonomische Schwächung des Stiftes ging weiter, wie zahlreiche Urkunden beweisen.[x] Einen Gewinn für das Gotteshaus bedeutete der Heimfall der Burg Schönenberg u.a. Güter nach dem Tode Dietegens von Castel. Gegen seinen Willen wohl wurde Abt Hiltbold in eine Fehde mit den Toggenburgern verwickelt. Diese entspann sich wegen dem Ministerialen von Bichelsee (vor 1325). Herzog Leopold von Österreich führte am 27. November 1325 einen Vergleich herbei.[xi] An Herzog Leopold hatte übrigens König Friedrich am 1. November 1320 die Vogtei St.Gallen um 800 Mark verpfändet.[xii]

 

Abt Hiltbold wurde mit den Jahren immer übelmögender und geistesschwacher. Es kam soweit, dass man ihm das Siegel wegnahm und es einem Konventualen, einem Ministerialen und einem Stadtbürger anvertraute (Ende 1325 oder Anfang 1326). Er nahm «ab von tag ze tag an den sinnen, das er nit wis was, was er er schuof». Man brachte ihn zunächst auf die Burg Falkenstein, wo niemand ohne Vorwissen des Konvents zu ihm kommen durfte. Später führte man ihn nach der Burg Appenzell. Auch hier durfte niemand mit ihm ohne Beisein von zwei Kapitularen verkehren. In seinem Namen siegelte die genannte Kommission und zwar recht häufig.[xiii] Nach anderthalbjährigem Aufenthalt in Appenzell starb Hiltbold am 13. Dezember 1329, über 80 Jahre alt, nachdem er 11 Jahre, 18 Wochen und 4 Tage regiert hatte. Die Leiche brachte man nach St.Gallen, wo sie im Kreuzgang bei den übrigen Äbten ehrenvoll beigesetzt wurde.[xiv]


 

[i] Kuchimeister c. 80-82; dazu Meyers Anmerkungen

[ii] W. III., Nr. 1018

[iii] W. III., Nr. 1030

[iv] W. III., Nr. 1036

[v] W. III., Nr. 1038

[vi] W. III., Nr. 1074, 1083, 1094

[vii] W. III., Ap. 42; W. III., Nr. 1100, 1118, 1227

[viii] W. III., Nr. 1141, 1147, 1186, 1194

[ix] So in W. III., Nr. 1253

[x] Meyer 1.c., p. 336, n. 645

[xi] W. III., Nr. 1305

[xii] W. III., Nr. 1267; s. auch 1307

[xiii] Meyer 1.c., p. 343, n. 657

[xiv] Necr. Hilboldi de Werdenstain abbatis hujus loci

 

Servicespalte