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Heinrich von Wartenberg, Gegenabt

Nr. 43

 

Heinrich III. von Wartenberg

 

regierte vom 14. Juni 1272 bis zu seinem Tode, am 26. April 1274.[i]

 

Nach dem Tode des Falkensteiners brach unter den Konventualen grosser Zwist aus. Die einen wählten am 14. Juni 1272 Heinrich von Wartenberg, die andern Ulrich von Güttingen. Es kam zu einem Prozess über die strittige Wahl, worin von Rom aus der Augsburger Archidiakon Ludwig von Dillingen zum Richter bestimmt wurde. Aus den Prozessakten erhalten wir zunächst über das Vorleben Heinrichs von Wartenberg nähere Aufschlüsse.[ii] Darnach war er zuerst Mönch in der Reichenau gewesen; von dort trat er infolge des trostlosen Zustandes seines Klosters, bis sich dieser gebessert hätte, nach St.Gallen über. Von religiösem Eifer, der ihn zu diesem Schritte bewog, kann aber kaum die Rede sein; denn sein Leumund war schlecht. Abt Berchtold hatte ihn mehrere Jahre eines Diebstahls wegen eingesperrt gehalten. Aber auch nach der Freilassung hatte er sich des gleichen Vergehens wieder schuldig gemacht. Ebenso hatte er während mehrerer Jahre Kloster und Kutte verlassen und sich mit einer Jüdin herumgetan. Die ihm übertragenen Ämter hatte er schlecht versehen. Man zweifelte, ob er die hl. Regel auslegen, ja überhaupt lesen könne. Ebenso ward ihm Simonie und Gewalttätigkeit bei Erlangung der Abtwürde vorgeworfen, wobei er – und sein Bruder Struz – nicht einmal vor Blutvergiessen zurückschreckten. Diese Aussagen sind nun allerdings vorsichtig aufzunehmen, weil sie von der Gegenpartei ausgehen; aber ganz aus der Luft gegriffen werden sie kaum sein.

 

Urkundlich wird Heinrich vor der Wahl nur einmal (1270) genannt, wo er unter den dort aufgeführten Konventualen identisch ist mit dem Diakon Heinrich.[iii] Er war ein naher Verwandter des Abtes Berchtold. Einen Sohn seines schon genannten Bruders Struz, ebenfalls Heinrich geheissen, finden wir 1275 als Mönch in St.Gallen.[iv] Gerade wegen seinen nahen Beziehungen zu Abt Berchtold fürchteten die Untergebenen, er möchte es diesem nachtun, und stellten sich darum auf die Seite seines Gegners.

 

Bei der Wahl, an der auch Laien sich einmischten, wie aus dem Vorgehen des Struz von Wartenberg hervorgeht, kam es – wie gesagt – sogar zu Blutvergiessen. Nachher zog jede der beiden Parteien in die Kirche; während die einen dort Ulrich von Güttingen auf den Hauptaltar setzten und ihm huldigten, geschah das gleiche mit Heinrich auf dem Otmarsaltar. Da Ulrich die stärkere Partei für sich hatte, musste Heinrich das Feld räumen. Bischof Eberhard von Konstanz öffnete ihm Arbon; auch der Abt der Reichenau, Albrecht von Ramstein, dessen Mutter eine Wartenbergerin gewesen, nahm für ihn Partei. Von den st.gallischen Ministerialen hielten die von Rorschach, die Schenken von Glattburg (Landegg) und der von Bichelsee zu Heinrich; doch war die Partei des Gegners bedeutend stärker (s. u.). Bischof Eberhard gelang es zwar, den einen und andern Gegner auf Heinrichs Seite hinüberzuziehen. Beide Parteien rüsteten zum Kriege. Der Graf von Montfort, einer der stärksten Parteigänger Ulrichs, überfiel im Verein mit dem von Ramswag das dem Bischof gehörende Städtchen Bischofszell und verbrannte es; ebenso überfiel der Montforter das bei der st.gallischen Feste Neu-Ravensburg gelegene Städtchen.

 

So stritt man sich fast zwei Jahre herum. Da starb Heinrich von Wartenberg am 26. April 1274 in Arbon, wo er in der St. Galluskapelle beigesetzt wurde. Er hatte zwei Jahre weniger sieben Wochen regiert. Urkundlich erscheint er, ausser in den genannten Prozessakten[v], nicht.


 

[i] Kuchimeister c. 34; dazu Meyers Anmerkungen

[ii] W. III., Ap. 93

[iii] W. III., Nr. 989

[iv] W. III., Nr. 1003

[v] W. III., Ap. 93

 

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