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Heinrich von Klingen

Nr. 36

 

Heinrich II. von Klingen

 

regierte vom 17. Januar 1200 bis zu seinem Tode, am 16. Dezember 1204.[i]

 

Nach Ulrichs V. Tod folgte ihm zwei Tage später, am 17. Januar 1200[ii], der bisherige Propst Heinrich von Klingen· als Abt nach.[iii] Bei dieser Wahl wird zum ersten Mal – wie die Continuatio berichtet – auch die Zustimmung der Ministerialen und des gesamten Volkes erwähnt, ein Zeichen, dass das Laienelement in St.Gallen immer mehr Einfluss gewann. Der neue Abt, ein Verwandter Ulrichs von Tegerfelden, gehörte der· thurgauischen Familie derer von Klingen an; eine nähere Bezeichnung seiner Abstammung ist freilich nicht möglich.[iv]

 

Conradus von Fabaria, der mit seiner Continuatio Casuum mit Heinrich von Klingen einsetzt[v], schildert uns Heinrich als «non parvae auctoritatis vir, genere, persona, moribus, providencia elegans». Wie die Continuatio Cas. c. 43 noch berichtet, führte er den Plan seines Vorgängers und Vetters Ulrichs IV., der damals noch lebte (s.o.), aus, indem er die Güter, die dem Kloster so oder anders entfremdet worden waren, wieder zurückerwarb, die Schulden bezahlte, ja die Einkünfte sogar mehrte und den Schatz, den dieser hinterlassen, zu äufnen suchte. Er fuhr auch zu mehreren Hoftagen; so ging er Ende 1200 nach Ulm, wo König Philipp von Schwaben weilte und erlangte von ihm die Bestätigung. Im folgenden Jahre finden wir ihn wiederum am Hofe in Bamberg; 1202 von neuem in Esslingen und Ulm. Ende 1202 machte er – wohl mit Bewaffneten – den Zug König Philipps gegen Würzburg mit; 1203 erscheint er beim Hofe in Ravensburg, wo er dem König verspricht, den Zug gegen Hermann I. von Thüringen mitzumachen, was er auch mit 20 Mann, die er dem König zuführte, tat. Natürlich waren die Ausgaben des Abtes daher sehr gross[vi], sie beliefen sich insgesamt auf 840 Mark Silber. Dazu kamen noch 200 Mark Silber, die er für den Rückkauf der unter seinem Vorgänger verliehenen Höfe Elgg, Hütenswil und Romanshorn aufwandte. Wenn der unbekannte Chronist uns sagt, dass er all dies ohne Belastung des Klosters leistete, so ist das dahin zu verstehen, dass er dem Kloster keine neuen Schulden zuzog. Wie wir aber aus Konrad de Fabaria erfahren, nahm er dafür den von Ulrich IV. aufgespeicherten Schatz in Anspruch. Freilich bemerkt auch Konrad, dass der Abt der Ansicht war, dies Geld sei sehr gut angewandt gewesen; denn von des Königs Ansehen hänge auch das der Kirche ab. Jedenfalls war Heinrich ein sehr eifriger Parteigänger Philipps.

 

In seiner Regierung schildert uns Konrad de Fabaria Abt Heinrich als «laudis cupidus, qui de facili commoveretur ad iram et in momento ad misericordiam, omnibus omnia se ipsum faciens, parvis parvum, magnis majorem se ipsum exhibuit». Bezeichnend für die innere Gesinnung Heinrichs sind die Worte, die er kurz vor seinem Tode an seine Umgebung richtete, die ihn drängte, Geld und Gut an sie zu verteilen: «Nec michi, nec aliis licet prelatis res dispergere ecclesie, cum dispersa nequaquam possimus recolligere.»

 

Heinrich starb am 16. Dezember[vii], und zwar 1204, wie eine Notiz in Cod. 613 sagt: «decimo septimo Kalendis Januarii, qui et rexit annos quatuor, anno ab incarnatione Domini 1204». Damit stimmen auch mehr oder weniger die etwas variierenden Angaben der verschiedenen Äbtekataloge[viii] überein. Auch das Reichenauer Nekrologium hat zum 16. Dezember den Eintrag: «Heinricus abb. S. Galli».[ix] – Urkundlich kommt Abt Heinrich nirgends vor.


 

[i] Continuatio Cas. c. 42; Konrad de Fabaria c. 1; dazu Meyers Anmerkungen

[ii] Die Notiz findet sich wieder bei Goldast (s. o.).

[iii] Damit stimmt auch eine Notiz in Cod. 613: Heinricus abbas sedecimo Kalendis Februarii eligitur anno Domini millesimo ducentesimo, non infime auctoritatis vir.

[iv] S. Meyer 1. c., p. 115, n. 279; Histor.-biogr. Lexikon der Schweiz IV. 505

[v] Die Continuatio Casuum hört mitten in seiner Regierungszeit auf.

[vi] Sie werden in der Continuatio stets genannt.

[vii] Heinrici de Clingin venerandi abbatis hujus loci

[viii] 4 Jahre, 48 Wochen, 3 Tage etc.

[ix] Baumann, Necrol. I., p. 282

 

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