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Gotthard Giel von Glattburg

Nr. 59

 

Gotthard Giel von Glattburg-Gielsberg

 

regierte vom 18. März 1491 bis zu seinem Tode, am 12. April 1504.[i]

 

Nach dem Tode Ulrichs VIII. wählte das Kapitel – es war seit mehr als 100 Jahren das erste Mal – wieder einen Abt, obwohl Rom sich die Besetzung noch vorbehalten hatte. Aus der Wahl, die am 18. März 1491 stattfand, ging Gotthard Giel von Gielsberg hervor. Die Stammburg dieses st.gallischen Ministerialengeschlechtes war Glattburg an der Glatt. Werner II. verkaufte diese Herrschaft 1486 an Abt Ulrich und behielt nur mehr den Burgstall Gielsberg bei Glattburg bei, nach dem sich das Geschlecht fortan nannte. Der Vater des Abtes, Rudolf, war Vogt zu Murbach im Elsass. Diesem verlieh Gotthard, Abt geworden, 1493 die Herrschaft Wengi im Thurgau, zu der zwei Schlösser gehörten, wodurch die Familie wieder zu grösserem Ansehen gelangte. Seinen Brüdern Peter, Johann und Rudolf gab er die immer noch bedeutenden st.gallischen Klosterbesitzungen und Einkünfte im Sundgau, Elsass, Breisgau und Schwarzwald zu Lehen; Peter machte er überdies zum Vogt in Romanshorn. Zwei seiner Schwestern, Amalia und Johanna, waren in das von ihrem Vorfahren, Rudolf II., 1244 gestiftete Cisterzienserinnenkloster Magdenau eingetreten, wo Amalia Äbtissin wurde.

 

Gotthard führte in gewissem Sinne die Politik Ulrichs weiter. Er begann den Wiederaufbau des zerstörten Klosters in Rorschach, ohne dass er aber beabsichtigte, das Kloster dorthin zu verlegen; der Bau sollte vielmehr Verwaltungs- und Schulzwecken dienen. Dadurch, dass er am 13. Februar 1497 in Rorschach den ersten Korn- und Wochenmarkt abhalten liess – was übrigens Abt Ulrich schon beabsichtigt hatte – trug er mächtig zur Hebung dieses Ortes bei; Steinach, das bis anhin Anlageplatz der Schiffe gewesen war, trat in der Folge ganz zurück.

 

Der sogen. Schwabenkrieg zog auch das Gebiet der Abtei in Mitleidenschaft, vor allem ihre Besitzungen im Thurgau und Rheintal. Der Abt selber musste seine Truppenkontingente zu den Eidgenossen stossen lassen. Auch seine Brüder, Hans und Rudolf, halfen diesen; sie bildeten ein Freikorps, verloren aber sogar ihr Leben (7. April 1499 bei Oberrieden). Das hinderte freilich nicht, dass andere eidgenössische Scharen das den Giel gehörende Schloss Wengi niederbrannten und die dazu gehörenden Gebiete verwüsteten, weil sie in den adeligen Herren geheime Anhänger der Schwaben vermuteten. Bei den Friedensverhandlungen, die in Basel geführt wurden und am 22. September 1499 zu Ende kamen, wirkte der Abt persönlich auf Seite der Eidgenossen mit. Diese erhielten dadurch Blutbann und Landgericht im Thurgau, die beide die Stadt Konstanz bisher innegehabt hatte. Abt Gotthard, der auch seinen Anteil an den Entschädigungen und der Beute verlangte, wurde von den Eidgenossen nicht bloss abgewiesen, sondern musste es bald erleben, dass diese im Thurgau in die Rechtsame seines Stiftes eingriffen. Auf die Klage des Abtes hin sollte ein Schiedsgericht den entstandenen Streit beilegen. Am 1. Februar 1501 wurde durch die Schiedsrichter die Grenze gezogen, die den Blutbann der Eidgenossen von dem des Abtes schied; die Grenze bildet heute noch die Landesmark zwischen St.Gallen und Thurgau. Auch im Rheintal erweiterten die Eidgenossen um diese Zeit ihre Rechte auf Kosten der Abtei (15. April 1500). Hingegen gelang es dem Abte, eine engere Verbindung der Appenzeller mit den Eidgenossen zu verhindern; unter seinem Nachfolger sollte sie doch zustande kommen. Die Gossauer zwang er, den grossen Zehnten, den sie seit den Appenzellerkriegen verweigert hatten, wieder zu zahlen. Streitigkeiten, die er u. a. mit den Klöstern Münsterlingen und Magdenau hatte, wurden schiedsgerichtlich beigelegt; ebenso auch ein Streit, den er mit der Stadt St.Gallen wegen einem Walde hatte.

 

Allgemein wird Abt Gotthard vorgeworfen, dass er seine Verwandten zu sehr begünstigte; die eingangs erwähnten Lehenverteilungen bestätigen dies auch. Ebenso liebte er auch ein prunkvolles Auftreten, wie Vadian sagt: «Abt Gothard was ein gar prachtlich man, liess sich gemeinklich mit vil pferden sechen, was gern bin gsellen und kurzwil, gern mit mönchen und pfaffen und andern verwanten mit würflen und charten; was sunst nit gelert, und hielt man in darbei ouch für einen frowen man.» Vadian erwähnt auch, dass der Abt 1502 in Zürich bei Goldschmied Ulrich Trinkler einen kostbaren Schrein für die Gebeine des hl. Gallus anfertigen liess, die Abt Ulrich erhoben hatte.

 

Abt Gotthard erkrankte, erst 60 Jahre alt, an einem Blasenleiden[ii], das auch der von Basel berufene Arzt Silberberg nicht heilen konnte. Er starb in Wil am 12. April 1504. Die Leiche wurde nach St.Gallen gebracht und zwischen den Äbten Kuno und Ulrich VIII. beigesetzt. Man errichtete ihm ein ähnliches Grabmal wie seinem Vorgänger, das aber in der Reformationszeit gleichfalls zerstört wurde. «Was gar ein froudsam, hüpsch persönlich man und vil leut im missgonted, dass er ein mönch was, ee er in die bösen Krankheit viel» (Vadian).[iii]

 

Abt Gotthard war Besitzer der Handschrift 84(3) der Stiftsbibliothek St.Gallen, eines Alten Testaments[iv], das dem Beginenhaus zu St.Johann an dem Schmalzmarkt gehörte und von den Schwestern anno 1491 dem Abte geschenkt wurde.[v]


 

[i] Vadian II. 387-393. – v. Arx II. 433ff.

[ii] Blaterlemmi, wohl nicht Kinderblattern, wie v. Arx hat

[iii] Siehe Histor.-biogr. Lexikon der Schweiz III. 512

[iv] Aus dem XV. Jahrhundert, 2°, 622 S.

[v] Scherer p. 33

 

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