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Craloh

Nr. 17

 

Craloh

 

regierte vom 31. Mai 942 bis zu seinem Tode, am 26. Februar 958.[i]

 

Craloh war ein Bruder Thietos – nach Ekkehard soll noch ein dritter Bruder, Anno (s. u.), in St.Gallen gewesen sein.[ii] Er findet sich im Liber Promissionum (XV, 24). Craloh trat jedenfalls nach 895 ein, denn im bekannten Verzeichnis der Mönche aus diesem Jahre fehlt er noch. Urkundlich wird er 920 als Schreiber erwähnt.[iii]

 

Seine Wahl zum Abt erfolgte am 31. Mai 942. Eine Bestätigung derselben durch Otto I. mag wohl erfolgt sein, doch fehlt ein urkundlicher Beleg dafür. Als Abt erscheint er erstmals urkundlich am 12. Juli 947[iv] in dem Diplom Ottos I., worin der Kaiser ihm das Markt- und Münzrecht zu Rorschach verleiht. Der nämliche Herrscher schenkte am 7. Februar 948[v] mehrere Höfe dem Kloster. Auch sonst flossen unter Abt Craloh noch einige Schenkungen, wie aus den erhaltenen Urkunden hervorgeht.[vi]

 

Was Ekkehard über die Zerwürfnisse Cralohs mit dem aus Rhätien stammenden Mönch Viktor, die Abtei Pfäfers betreffend, erzählt, ist sehr unzuverlässig. Sicherer ist einigermassen, was über Liudulfs Eingreifen in St.Gallen berichtet wird. Dieser älteste Sohn Ottos I. empörte sich gegen seinen Vater (853/54) und versicherte sich dabei auch St.Gallens. Craloh floh unter Mitnahme von Kostbarkeiten – von denen ihm manche geraubt wurden – zum Kaiser. An seine Stelle kam in St.Gallen Anno (s. u.), der aber schon 954 starb. Craloh, für den sich besonders der hl. Ulrich von Augsburg verwandte, konnte wieder nach St.Gallen zurückkehren, wo er – mit St. Ulrich ankommend – freilich keinen freundlichen Empfang fand, wenn man Ekkehard glauben darf. Immerhin kam durch Ulrichs Bemühung eine Aussöhnung zustande. Wenn auch Ekkehards Berichte sehr vorsichtig aufzunehmen sind, so dürfte doch aus allem als sicher hervorgehen, dass Craloh übermässig streng war; anderseits mögen freilich die Mönche seit Thietos Zeiten sich nur schwer wieder an eine strenge Klosterzucht gewöhnt haben. In seinen letzten Lebensjahren hielt sich Craloh vielfach in Herisau auf, während der Dekan Ekkehard (I.), der sehr beliebt war, die Leitung des Klosters besorgte. In Herisau wurde Craloh auch vom Tode ereilt, am 26. Februar 958. Sterbend wünschte er, seine Mitbrüder möchten Ekkehard zu seinem Nachfolger erwählen. Seine letzte Ruhestätte fand er in St.Gallen. – Der Todestag ist durch das Nekrologium verbürgt[vii], während die Annales Sangall. maj. 958 als Todesjahr angeben.[viii]

 

Der Abtskatalog gibt Craloh 16 Jahre und 9 Monate, eine jüngere Handschrift 15 Jahre und 9 Monate, was der wirklichen Regierungszeit am nächsten kommt; denn er regierte 15 Jahre, 8 Monate und 26 Tage.[ix]


 

[i] Ekkehard, Casus c. 69, n. 857 und 976

[ii] Meyer, Ekk. Cas. c. 69, p. 245, n. 855

[iii] W. III., Nr. 780

[iv] W. III., Nr. 796

[v] W. III., Nr. 798

[vi] W. III., Nr. 796-806

[vii] Cralo venerabilis abba vita discessit.

[viii] Ebenso auch Regino (Continuatio), wo es heisst: Gralo, abba coenobii sancti Galli, obiit, cui Burchardus successit.

[ix] Vgl. Histor.-biogr. Lexikon der Schweiz II, 640

 

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