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Bernhard

Nr. 12

 

Bernhard

 

regierte vom 6. Dezember 883 bis nach dem 14. Mai 890, um welche Zeit er abgesetzt wurde.[i]

Nach der Abdankung Hartmuts wählten die Mönche mit Zustimmung Karls des Dicken, der damals in St.Gallen weilte, am 6. Dezember 883 Bernhard, «virum nobilitate et juventute praeclarum». Seine vornehme Abstammung erhellt auch aus dem ihm in Urkunden gegebenen Titel nobilis[ii] und serenissimus[iii]. Bernhard begegnet uns im Liber Promissionum freilich nicht, wohl aber dürfte er unter den verschiedenen Eintragungen auf diesen Namen im Reichenauer und Pfäferser Confraternitätsbuch zu suchen sein.[iv] Urkundlich wird er als Propst 870, 876, 882 erwähnt.[v]

Die Annales Sangall. maj. sagen über seine Erhebung zum Abt: 883. Ex petitione Hartmoti Abbatis Bernhardus in locum illius constituitur. Urkundlich wird er als Abt erstmals am 3. Mai 884 genannt.[vi] Kaiser Karl, der auch sonst als Wohltäter St.Gallens auftritt[vii], bestätigte Abt Bernhard die Immunität am 30. Mai 837.[viii] Ebenso erwies sich auch König Arnulf zunächst Kloster und Abt günstig gesinnt.[ix] Das letzte Mal wird Bernhard am 14. Mai 890[x] erwähnt. Um diese Zeit liess sich Abt Bernhard in eine Verschwörung gegen König Arnulf ein, die Bernhard, ein unehelicher Sohn Kaiser Karl III., um in den Besitz von Schwaben zu kommen, angezettelt hatte. Arnulf wurde, wie es scheint, ohne Kampf Herr der Lage, und nun erfolgte Bernhards Absetzung.[xi] Auf die Absetzung spielen auch die spätern Urkunden Arnulfs vom 2. Juli 892[xii] und Ludwig d. Kindes vom 24. Juni 903[xiii] an. Die Angabe des Äbtekataloges, Bernhard hätte sieben Jahre regiert, würde demnach ziemlich stimmen.

 

Wieso es kommt, dass Bernhard nochmals in einer Urkunde vom 17. März 892[xiv] als Abt erscheint, wobei Bischof Salomon[xv] als Zeuge auftritt, ist wohl nur so erklärbar, dass die Datierung, wie sie Wartmann gibt, nicht stimmen kann. Wie dieser bemerkt, hat das württembergische Urkundenbuch die II. des Regierungsjahres Arnulfs in eine V. verwandelt, worauf die übrigen Datumsangaben stimmen; das mag wohl richtig sein, aber auf die Regierungszeit des Abtes Bernhard stimmt es eben dann nicht mehr und das gibt wohl den Ausschlag; der erwähnte Bischof Salomon ist in diesem Falle natürlich Salomon II.

 

Das Nekrologium meldet den Tod Bernhards auf den 9. Juni. Jedenfalls war es nach 890, vermutlich aber vor 895, denn der dort erwähnte Pernhart presbyter steht mitten unter den Mönchen an 11. Stelle, was doch kaum der Fall wäre, wenn es sich wirklich um den abgesetzten Abt handelte.

 

Der Eintrag im Magdenauer Nekrologium zum 9. Juni: «Ob. abt Burchard von St.Gallen anno 883 regiert 7 jahr» muss sich auf Abt Bernhard beziehen, so unrichtig der Name und die Jahresangaben sind.[xvi]


 

[i] Ratpert c. 35, n. 158 und 161; Ekkehard bis c. 11, n. 146 und 148

[ii] W. II., Nr. 637

[iii] W. II., Nr. 672

[iv] S. unter Mönche

[v] W. II., Nr. 551, 600, 601, (621), 624

[vi] W. II., Nr. 635

[vii] Vgl. W. II., Nr. 642, 653, 662

[viii] W. II., Nr. 661

[ix] W. II., Nr. 663, 664, 666; 667, 670, 674, 675 stammen ebenfalls von Arnulf, berühren aber St.Gallen nicht direkt.

[x] W. II., Nr. 677

[xi] S. Meyer, Ekkeh. Cas., c. 11, p. 39, n. 148. – Dümmler, Geschichte des Ostfränkischen Reiches, 1888, III. Bd., p. 341/42

[xii] W. II., Nr. 685

[xiii] W. II., Nr. 726

[xiv] W. II., Nr. 684

[xv] Wäre hier natürlich der III.

[xvi] M.G. Baumann, Necrologia I., p. 450. Mit Recht wird dort darauf hingewiesen, dass das Erscheinen dieses Abtes, der so viele Jahrhunderte vor der Gründung Magdenaus lebte, auffallen müsse. – Über Bernhard vgl. zu Ratperts und Ekkehards Casus die Anmerkungen Meyers.

 

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