Accesskeys

Joseph Arnold

Nr. 75

 

Joseph Arnold (1805-1819)

 

(Johann Bartholomäus Florian Wilhelm) Er war von Altdorf. Geboren 10. Februar 1738. Eltern: Landschreiber Franz Anton und Maria Anna Tanner. Profess 28. Oktober 1755. Subdiakon 22. September 1759; Diakon 31. Mai 1760; Priester 30. August 1761 (mit «Dispens ob penuriam operariorum»). Er war zuerst Professor der Theologie. Vor 1768 ist er Statthalter in Pfäfers, von 1768, Mai, bis 1769/70 Dekan. Seit 1769 versah er während 14 Jahren die Kanzlei, da kein weltlicher Kanzler mehr gehalten wurde. Von 1786, 24. April, bis zu seiner Wahl zum Abt, 10. Dezember 1805, ist er wieder Dekan des Klosters. Während der Revolutionszeit floh er mit seinem Abte; 1801 war er kurze Zeit Vikar in Eschen. 1811 konnte Abt Josef sein goldenes Priesterjubiläum feiern, auf welchen Anlass: «Äußerung der Freude bey Anlaß des Jubilats Sr. Hochwürden und Gnaden Herrn Joseph Abt von Pfäfers. Den 25sten August 1811 (3 Gedichte)» im Druck erschien.

 

P. Hieronymus Witta schreibt über diesen Abt: «Er war vorher Kanzler, Dekan, ein weiser und religiöser Mann und wurde zu solcher Würde erhoben, weil von Gott und Menschen geliebt. Er sammelte die zerstreute Herde, und führte wieder regelmässigen Gottesdienst ein. In den Hungerjahren war er genötigt, große Summen Geldes zu entlehnen, damit er seinen Religiosen und den Armen den Hunger stillen konnte. Das Schreiben an Papst Gregor XVI. sagt: Anno 1817 hat eine schreckliche Theuerung und große Hungersnot mit ansteckenden Krankheiten unsre Gegend so stark heimgesucht, daß unser Abt Josephus, seligen Angedenkens, genötigt wurde, große Summen Geldes zu entlehnen, damit die Religiosen und die Armen mit Brot gesättigt werden.» In jener Zeit waren die Wein- und Fruchtbehälter beinahe ganz geleert, und das Kloster mit vielen tausend Schulden belastet.» – Alt und kränklich wählte sich Abt Joseph einen Administrator, den P. Gregor Wachter, Ökonom in Ragaz. Abt Joseph starb an Altersschwäche am 13. Mai 1819, im 82. Lebensjahre, im 14. seiner Regierung und wurde den 17. Mai unter grosser Teilnahme beigesetzt.

Unter Abt Joseph verschlechterte sich die finanzielle Lage des Klosters nicht zuletzt des Hungerjahres wegen noch weit mehr. Aber auch die innere Auflösung machte bedenkliche Fortschritte. Das offenbarte vorab die Schulfrage. Schon 1803 hatten sich Abt Benedikt und Konvent der Regierung anerboten, durch Unterricht sich der Allgemeinheit nützlich zu erweisen. Am 4. April 1804 kam ein Vertrag über die Errichtung eines Instituts und eines Schulmeister-Seminars mit der Regierung zustande. Dafür hoffte man auf ein Entgegenkommen von Seite der Regierung in der Frage der Novizenaufnahme, die bis dahin verboten war, und in der Folge wieder gestattet wurde. Bei den Beratungen über die Ausführung des Institutes kam man aber zu keinem Resultate, während das Schulmeister-Seminar wenigstens für ein Jahr in Ragaz zustande kam. Die Ansichten der Behörden und des Klosters, aber auch die der einzelnen Kapitularen gingen sehr auseinander. So zerschlugen sich die Verhandlungen. Das Kloster musste sich dafür zur Entrichtung eines jährlichen Beitrages von 2000 fl.verstehen.

 

Abt Joseph wollte nun von sich aus eine Schule eröffnen, was auch im Herbste 1806 geschah. Die Regierung versagte ihr aber die staatliche Anerkennung, und so musste die 1805 vereinbarte Summe weiter bezahlt werden, die 1808 für 5 Jahre auf die Hälfte ermässigt wurde. Die Schule hielt sich einige Jahre, erlangte aber nie grössere Bedeutung. Sie bildete vielmehr einen Zankapfel innerhalb des Konventes. Dazu kamen Streitigkeiten mit Pfäfers wegen den gemeinsamen Waldungen, die 1809 beigelegt wurden, mit Ragaz ebenfalls wegen Waldungen, 1813 beigelegt, mit Quarten wegen Errichtung des Pfarrhauses, ebenfalls 1813 beigelegt, mit Sargans, wegen Weiderechten, 1814 gerichtlich entschieden.[i]

 

Abt Joseph erlangte nach vielen Bemühungen 1817, dass das Novizengesetz von 1804, wonach keiner vor zurückgelegtem 22. Lebensjahre Profess ablegen durfte, dahin abgeändert wurde, dass nur mehr das angetretene 20. Jahr verlangt wurde.

 

Die finanzielle Lage gab dem Abte naturgemäss viel zu schaffen. 1816 wurde vom Kapitel eine Kommission aufgestellt, die in die Rechnungen der Statthaltereien Pfäfers, Ragaz und Eschen Einsicht nehmen und dem Kapitel darüber genaue Rechenschaft geben sollte. Als der Abt am 8. November 1816 einen Schlaganfall erlitt, schlug er am 11. Dezember dem Kapitel vor, es möchte ihm ein Administrator für die weltlichen Angelegenheiten beigegeben werden. Die Wahl fiel auf P. Gregor Wachter, dessen Befugnisse genau umschrieben wurden. Der Abt starb, wie oben gesagt, am 13. Mai 1819. Zwei Portraits des Abtes hängen im Direktionszimmer, eines im Haupttreppenhause der Pflegeanstalt St.Pirminsberg.

 



[i] Pf. U.A. Nr. 2626ff.

Servicespalte