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Geroldus

Nr. 33

 

Geroldus (1110-1116)

 

1099 erliess er seine «statuta circa victum et vestitum fratrum suorum», die sich im Liber Viventium finden.[i] Die Berufung von Hirschauer Mönchen nach Pfäfers hängt offenbar mit der grossen Reformtätigkeit Hirschaus zusammen. Da die Hirschauerklöster treue Anhänger der Päpste im Investiturstreit waren, kann es nicht wundernehmen, dass der Kaiser Pfäfers gegenüber eine feindliche Haltung einnahm. Heinrich V. bestätigte am 27. Mai 1110 die Privilegien des Stiftes, gleich wie es sein Vater 1067 getan hatte. Im März 1095 hatte freilich Heinrich IV. auf Bitten Bischof Burkards von Basel, eines treuen Parteigängers des Kaisers gegen den Papst im Investiturstreit, der Kirche von Basel die Abtei Pfäfers für immer einverleibt, die Übertreter dieses Befehls mit 1000 Pfund Gold Strafe bedroht.[ii] Diese Verfügung des Kaisers scheint aber in Vergessenheit geraten zu sein, sonst hätte Heinrich V. nicht die Privilegien bestätigt. Dagegen scheint aber Bischof Rudolf, der Nachfolger Burkards, beim Kaiser protestiert zu haben; denn 1114 bestätigte der Kaiser diesem Bischof auf die Bitten vieler anderer Bischöfe und Grosser hin diese Einverleibung.[iii] Dagegen protestierte Gerold bei Papst Paschalis H., der nun von Bischof Rudolf, unter Androhung des Kirchenbannes, die Herausgabe der Abtei verlangte.[iv] Als Rudolf nicht gehorchte, forderte ihn der Papst durch ein zweites Schreiben auf, dass er Pfäfers in Ruhe lasse; doch könne er seine Rechtsansprüche vor Mittefasten 1115 geltend machen.[v] Das Urteil erging 1115 dahin, dass die Abtei, weil nach alten kaiserlichen Privilegien frei, wieder selbständig sein solle.[vi] Durch Bulle vom 29. Januar 1116 bestätigte Paschalis nochmals dieses Urteil und erklärte die Abtei für frei, keinem Kaiser solle es erlaubt sein, sie je wieder zu verleihen.[vii]

 

Suiter berichtet, dass Gerold einer der unter Abt Ulrich aus Hirsau gekommenen Mönche gewesen sei. Nach Leu war er 1094, als Bischof Ulrich von Chur ins hl. Land zog, Verwalter des Bistums Chur. Als Heinrich V. 1109 Bischof Rudolf von Basel gegen das Schloss Rappoltstein die Kastvogtei über das Kloster Pfäfers übergab und der Bischof wegen der Übergabe den Abt nach Basel beschied, ging dieser mit seinem Mönche Wicram zum Kaiser nach Speier und erwirkte dort 1110 eine Freierklärung des Stiftes. Da aber der Bischof die Abtei nicht freigeben wollte, sandte Gerold Wicram nach Rom, wo dieser von Paschalis II. eine Bulle erwirkte, worin das Stift für frei erklärt wurde. Aber Bischof Rudolf kümmerte sich nicht darum, kam selbst nach Pfäfers und brachte das Kloster gewaltsam an sich. Zugleich sandte er einen Boten nach Rom. Wie Abt Gerold das vernahm, machte er sich selber mit Wicram auf nach Rom, wo er einen neuen Befehl gegen den Bischof erwirkte, das Kloster in Ruhe zu lassen oder dann bis Mitte März 1115 sich zu stellen. Auf diese Zeit sei auch Gerold mit Wicram wieder nach Rom gegangen, wo er ein ihm günstiges Urteil und im folgenden Jahre eine Bulle erhielt. Daraufhin sei der Bischof endlich von seinem Vorhaben abgekommen.

 

Abt Gerold habe auch auf Bitten der Bischöfe von Konstanz und Chur einen seiner Mönche nach dem Kloster St. Georg zu Isny und einen nach dem Stift Mehrerau geschickt, damit sie diese Klöster reformieren würden. Er baute 1113 in Ragaz eine neue Kirche zu Ehren des h1. Gallus. Seiner Frömmigkeit halber sei er auch nach dem Clevischen berufen worden; ihm und seinen Brüdern hätte man die Obsorge des Spitals und der Kirche am Sibner Berg anvertraut.

 

Eichhorn kennt die Übertragung des Klosters an Bischof Burkhart von Basel von 1095; der Bischof habe aber sein Vogteirecht missbraucht; den spätern Streit schildert er wie oben. Im Kloster selber seien unter Gerold Streitigkeiten entstanden, da der Unterhalt der Arbeitslast nicht entsprochen habe, deswegen habe dieser 1099 seine Statuten aufgestellt. Während seines Aufenthaltes in Rom habe Gerold wahrscheinlich auch dem Laterankonzil beigewohnt. Kurz vor seinem Tode habe er eine Jahrzeit gestiftet. Er starb im Rufe der Heiligkeit den 13. Mai 1119 und wurde als Seliger verehrt.

 

Der Liber anniversariorum ecclesiae majoris Curiensis[viii] hat folgenden, von Baumann der ersten ca. 1147 geschriebenen Rezension zugeteilten Eintrag (13. Mai): «Geroldus abb. Fabariensis ob.» In den Fragmenta incerta bei Tschudi[ix] findet sich zum 13. Mai: «Geroldus abbas Fabariensis». Im ältesten Nekrologium von Pfäfers steht er von zweiter Hand verzeichnet (13. Mai) : «Geroldus Abbas hodie datur de hospitali dimidius staupus vini et coopertorium». Das jüngere Nekrologium (b) hat zum 13. Mai; «Beatus et Venerab. Geroldus Abb. nr 35 ex Hirsaugia postulatus. Vere pater zelosus ac jurium Monrii contra Rudolphum Ep. Basi1. defensor accerrimus primum tertio die post obitum tumulatus sub ara S. Burkardi Conf. et Oswaldi Regis mart.»



[i] Gedruckt bei Eichhorn, Codex Probationum Nr. 36, pag. 42.

[ii] Original fehlt; Wegelin, Reg. 29.

[iii] Wegelin, Reg. 32; Original fehlt.

[iv] Wegelin, Reg. 33; Brief im Liber Aureus von Pfäfers, pag. 33b.

[v] Wegelin, Reg. 34; Brief im Liber Viventium von Pfäfers, pag. 33b.

[vi] Wegelin, Reg. 35; Liber Viventium, pag. 35b.

[vii] Wegelin, Reg. 36; älteste päpstliche Bulle für Pfäfers, die noch im Original vorhanden ist. Vgl. Diebolder: Aus den Kämpfen der Abtei Pfäfers im Mittelalter. Heimatblätter aus dem Sarganserlande, I, 1.

[viii] M.G. Necrol. I, 630.

[ix] M.G. Necrol. I, 662.

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