Accesskeys

Bonifaz zur Gilgen

Nr. 71

 

Bonifaz zur Gilgen (1707-1725)

 

(Franz Rudolf). Er war von Luzern, geboren am 26. April 1664. Eltern: Aurelian zur Gilgen und Anna M. Mohr. Profess 15. Mai 1681; Subdiakon 11. Juni 1685; Diakon 8. Juni 1686 in Augsburg; Priester 5. September 1688. 1685, 15. Oktober kam er zu den höhern Studien nach Dillingen. 1688, 5. November, Pfarrer in Valens. 1689, 26. August, Lehrer der Humanität. 1689, 23. September, «lnstructor morum scholarum» bis 1691, den 30. Juni, dann Gehilfe in der Ökonomie. 1695 bis 1702 wieder Pfarrer in Valens. 1703, 24. März, Novizenmeister. Das Amt eines «Paedagogus Scholarum» wird ihm abgenommen. 1706, 12. Juni, bestellt ihn der alternde Abt Bonifaz I. mit P. Fintan Lienhardt zum «Administrator temporalium». 1706, 9. Oktober, Dekan. Am 10. Januar 1707 erfolgt seine Wahl zum Abt.[i] Am 20. Februar benediziert ihn Nuntius Bicchi, der unter dem 6. Februar die Wahl bestätigt hatte.[ii] Kaiser Josef verlieh ihm die Regalien, die regierenden Orte den Schirmbrief. Mit Chur schloss er am 14. Februar 1707 ein Konkordat[iii] und kaufte um 8000 fl. alle Kollaturen des Stiftes vom Bistum Chur aus, nachdem ihm der Apost. Nuntius Bicchi von Rom aus das Recht verschafft hatte, alle Pfarreien mit Ordenspriestern zu besetzen. Dieser Nuntius wurde deswegen als Ehrenmitglied des Klosters angenommen, und bei seinem Ableben (als Kardinal) hielt man ihm ein feierliches Seelamt. Abt Bonifaz baute die zwei grossen Gasthäuser im Bade, ferner die Kirchen in Valens und Vasön[iv] und auf St.Margarethenberg. Auch schaffte er mehrere Glocken und viele Kirchenzierden an. Für seine Bauten soll er über 100'000 fl. aufgewandt und dennoch eine schöne Summe bei seinem Tode hinterlassen haben.[v]

 

Als 1712, am 28. Mai, die Kunde von der Einnahme St. Gallens durch die Reformierten kam, begab sich der Abt mit P. Maurus nach Rankweil. Die Verwaltung des Klosters übergab er Dekan P. Paul Gugelberg und dem Statthalter P. Fintan Lienhardt. Die Fratres und ältern Patres flohen nach Balzers und Rankweil, nur drei Patres und drei Fratres blieben daheim. Am 8. Oktober desselben Jahres befanden sich aber alle wieder daheim. 1713, 27. September, wurde die am 28. August 1706 beschlossene Erneuerung der alten Confraternität mit Marienberg vollzogen.

 

Als der Abt am 13. Januar 1724 einen Schlaganfall erlitt, der ihn links lähmte, übertrug das Kapitel im Einverständnis mit dem Abt im Februar 1725 die Führung der geistlichen Geschäfte dem Dekan, P. Paul, die der weltlichen P. Ambros Müller. Am 30. Mai wiederholte sich der Anfall, und am 30. Juni starb Abt Bonifaz, 61 Jahre alt. Am 2. Juli wurde er in der St. Maria Magdalenenkapelle unter dem rechten Seitenschiff der Kirche neben seinem Vorgänger begraben. Die Leichenrede hielt der Guardian von Mels. Die ihm gesetzte Grabschrift hält heute noch seine Verdienste fest. Sie lautet: «Hic Ille jacet Mortuus, A quo Viator! Discas Normam Vitae, Bonifacius Princeps, Ex nomine et omine vere Secundus. Hic ad pugnam vix dum maturus, Jam sui Victor Mundum cum flore despexit; Primos aetatis fructus, Religiosae Professionis Sacramento Deo dicavit: Parochus, Professor, et Dechanus Ex hoc ad infulam electus Omnia bene fecit: Bonitatem et Disciplinam et Scientiam docuit. Qui non ut praeesset, sed ut prodesset intentus, Magnificas balnei Aedes Constantia, Principe digna, in viva erexit petra, Tandem Stemmate A Liliis dum fuit, Placuit Sponso Coelesti, qui pascitur inter Lilia: Hinc terris avulsus, Paradiso insertus, Nobis virtutum Odorem, Aeternam Posteris Memoriam reliquit. Anno MDCCXXV Die XXX. Junij. Abi, Viator! Sed piis manibus prius bene precare!»[vi] Die Kapitelsakten bemerken zu seinem Hinscheiden: «Statim in initio rebellionem subditorum nostrorum ragusanorum sedavit, aedes thermales utrasque et ipse funditus maximis sumptibus construxit, Parochias nostras monrio nro incorporavit a Celmo Nuntio Bichio adjutus Episcopatui pro his solvit 10'000 florenos in sublevamen debitorum Episcopatus Cur; sub ipso Professores Theologiae ac Rhetoricae e S. Gallo vocati ac adeo per hos Lycaeum Fabariae aperuit, ut hucusque et summa laude per professores proprios et indefesso labore studia floruerint. Erat Pater pauperum ac Viduarum et pupillorum. Decoravit Ecclesiam ac Sacristiam pretiosis ornamentis, nova monstrantia, turrim majorem campana. Aedificavit varia aedificia vid. Eccl. in Valens, Capellam in Vasön, ampliavit Ecclesiam in Vettis, exstruxit aedificium seu hospitium in Valens, uti domum in Monte S. Margarithae. Erat humilis ac clementissimus Princeps adeo ut nonunquam dicebatur esse nimis clementem.»

 

Eine photographische Kopie seines in der Bürgerbibliothek Luzern befindlichen Porträts verdanken wir der Güte des Herrn Louis zur Gilgen, Luzern. – Ein Bruder war Abt Joseph I. in Sankt Urban.

 

Schriften:

 

Ehren Predig Gehalten In der Engelweyhung Anno 1704, über den Text: «Hodie salus huic Domui facta est». S. 501 bis 516

 

Ehren Predig Gehalten in der Engelweyhung Anno 1710 den 21. September Dominica XV. post Pentec. über: «Maria Einsidlensis Misericordiae Mater erga Justos, Peccators, et Animas in Purgatorio detentas». S. 517-540. – Gedruckt in Laus et Jubilatio Christo Sacerdoti Magno nec non ejusdem Virgini Matri Thaumaturgae etc. etc. Gedruckt in dem Fürstlichen Gottshaus Einsidlen Durch Adam Rupert Schädler Anno 1711. (Stiftsbibliothek Einsiedeln X 326.)

 

Das unter ihm erneuerte Urbar umfasst 4 Bände (Nr. 45 bis 48 des Pf. B. A. I. B. 14 Bll. 17 8S.; II. 8 BIl. 288 S.; III. 113 Bll.; IV. 77 Bll.). Über die Bautätigkeit dieses Abtes und seiner Nachfolger gibt der von P. Fintan Lienhardt verfasste Bau-Rodel Aufschluss (s.d.).

 



[i] Die bei der Wahl aufgestellte Kapitulation s. Pf. U.A. Nr. 1633.

[ii] Pf. U.A. Nr. 1636.

[iii] Pf. U.A. Nr. 1637.

[iv] Pf. U.A. Nr. 1679.

[v] Über verschiedene Rechtshandel unter diesem Abte vgl. E.A. VI, 2, pag. 1903-05. Pf. U.A. Nr. 1590/91.

[vi] Die Kopie verdanke ich der Güte des H.H. J.Hagmann, p.t. Pfarrvikar in Pfäfers.

Servicespalte