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Benedikt Bochsler

Nr. 74

 

Benedikt Bochsler (1769-1805)

 

(Johann Baptist) Er war von Uznach. Geboren 17. Oktober 1727. Profess 21. November 1745. Subdiakon 1. März 1749; Diakon 14. März 1750; Priester 25. Oktober 1750. Er war zuerst Moderator und Professor der Philosophie und Theologie, dann Pfarrer in Ragaz, von 1761, 22. Oktober, bis 1762, Januar, Pfarrer in Mels. 1762, 31. Januar, bis 1765, 17. Oktober, Pfarrer und Ökonom in Eschen. 1765, 25. September, wählt ihn das Kapitel zum Administrator temporalium. 1769, 31. Januar, wird er Abt. Kaiser Josef II. verlieh ihm am 30. Juli 1770 die Regalien[i], ebenso Leopold II. am 9. Januar 1792.[ii]

 

P. Hieronymus Witta schreibt über seine Tätigkeit als Abt: «Er war bekannt als guter Haushälter. Er baute die Kirche und das Pfarrhaus in Vilters[iii], den schönen Hof in Ragaz und sammelte zudem eine Menge Geld. Er erlebte die französische Revolution.» Schon 1794 regte sich die Freiheitslust in den Gotteshausleuten.[iv] Am 3. Dezember wollten sie das Kloster in ihre Gewalt bringen, den Abt und seine Mönche verjagen. Dem Landvogt gelang es, das Unternehmen zu vereiteln und die Aufrührer strenge zu strafen. Dem Verlangen der Gemeinden nach Abschaffung des Totfalles und der Fastnachthühner musste jedoch der Abt nachgeben. Am 17. November 1796 kam mit den Ragazern ein Vertrag darüber zustande, ebenso einer am 24. November mit denen von Vasön. Als die Franzosen der alten Eidgenossenschaft ein Ende machten, hatten im Sarganserland die Untertanen des Abtes diesem bereits alles abgerungen, was noch an die alte Fürstenherrlichkeit erinnerte[v], indem Abt Benedikt ihnen in feierlicher Urkunde die volle Freiheit gab (März 1798). Das nötige Geld zur Errichtung der neuen Regierung wurde beim Kloster durch ein Zwangsanleihen von 1600 Krontalern aufgenommen.[vi] «Die helvetische Regierung holte aus dem Kloster die Kostbarkeiten und führte diese, über 100 Pfund Silbers an Leuchtern, Kelchen, Kreuzen, Reliquien und Tafelgeschirr usw., in die Verwaltungskammer nach Glarus, ebenso auch das Archiv zur Sicherheit; aber es kam von den Kostbarkeiten gar nichts mehr zurück, ausser das Archiv, und dieses unvollständig. – Abt Benedikt, alt und voll Furcht, die «Jakobiner», wie er sich ausdrückte, werden die Klöster wie in Frankreich plündern und aufheben, die Mönche verfolgen und morden, erlaubte allen Religiosen zu fliehen, gab jedem Kapitularen 100 Doublonen Reisgeld. Er selbst mit seinem Dekan Josef Arnold floh mit grossen Summen nach Eschen im Liechtensteinischen, dann nach Feldkirch, von dort nach Wien und nach hergestelltem Frieden in der Schweiz nach seiner Heimatgemeinde Uznach. Von da kehrte er nach der Revolution arm und von allem entblösst in sein Kloster zurück, welches er durch den Krieg ebenfalls arm, verwüstet und von allem entblösst vorgefunden hat, man hatte kaum mehr Wein, um das hl. Messopfer zu feiern. – Das Schreiben an den hl. Vater Gregor XVI. sagt von den Zeiten des Fürstabtes Benedikt: «Die Überfälle der Franzosen und Österreicher zu Ende des vergangenen und zu Anfang dieses Jahrhunderts haben beinahe alle Bewohner des Klosters vertrieben, die kirchlichen Kostbarkeiten mit andern Besitztümern von grossem Werte weggenommen, ja auch das Archiv ist nach Glarus geführt worden und durch Feuersbrünste, Kontributionen, Raub und andere Beschädigungen des Krieges, haben sich unsere Vermögenszustände schon damals geschwächt und zum vierten Teile vermindert.» Tiefgebeugt und bereits kindisch geworden, starb Fürstabt Benedikt am 19. November 1805 im Alter von 79 Jahren, nachdem er 37 Jahre die fürstäbtliche Würde bekleidet hatte. Zu seinem Tode bemerkt das Nekrologium: «Vir de Monasterio optime meritus, ultimis suae vitae annis adversa plurima perpessus Revolutione in Helvetia exorta, omnibus juribus exutus ac post aliquot annorum exilium diuturna Hydropisi consumptus.» – Ein Porträt des Abtes hängt im Zimmer der Direktion der Pflegeanstalt St.Pirminsberg.

 

Nach Kiem[vii] wollte Abt Benedikt beim Einbruche der Franzosen seine Würde niederlegen; aber der Bischof von Chur und die übrigen Äbte der Kongregation nahmen die Abdankung nicht an. Die aus dem Einfall der Franzosen und den folgenden Wirren dem Kloster erwachsenen Auslagen beliefen sich vom September 1798 bis zum 1. Januar 1801 nach einer gleichzeitigen Aufstellung auf gesamt 85'695 Fr. Dazu kam, dass die ganze Gegend ebenfalls sehr mitgenommen wurde. Die Finanzen waren derart zerrüttet, dass eine Sanierung den folgenden Äbten überhaupt nicht mehr gelang. Unter Abt Benedikt wurden eine Reihe von Urbarien neu angelegt, so das der Gemeinde Pfäfers 1780 (Nr. 52 des Pfäferser Archivs – 2 Bll. 104 S.), das von Valens 1781 (Nr. 53; 2 Bll. 53 S.); von Vättis 1782 (Nr. 55; 444 S.), und von Malans 1786 (Nr. 54; 30 Bll.). Ebenso stammen aus dieser Zeit die neuaufgesetzten Hofrodel von Ragaz (1775; Nr. 68); Vättis (1781; Nr. 70); Valens (1781; Nr. 71); Pfäfers (1787; Nr. 72), und der Untern Gemeinden (1787; Nr. 7). Die Geschäftskorrespondenz aus seiner Regierungszeit enthält das Missiven-Protokoll Nr. 93 des Pfäferser Archivs (1768-1794; 204 + 16 S. + 23 Bll.).

 



[i] Pf. U.A. Nr. 2403.

[ii] Pf. U.A. Nr. 2535b.

[iii] Pf. U.A. Nr. 2570.

[iv] Mit Ragaz hatte es schon 1779 einen Zehntstreit abgesetzt. Pf. U.A. Nr. 2459.

[v] Simon, Rechtsgeschichte, pag. 65.

[vi] Simon,Rechtsgeschichte, pag. 154. – Pf. U.A. Nr. 2549ff.

[vii] Festschrift der Schweizer. Benediktinerkongregation, pag. 38.

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