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Urkunde Karls des Grossen

Urkunde Karls des Grossen für St.Gallen vom 8. März 780

Neben den 751 Privaturkunden des ersten nachchristlichen Jahrtausends hütet das St.Galler Stiftsarchiv gegen 80 Originalurkunden oder -diplome der karolingischen Kaiser und Könige. Es handelt sich dabei um über zwei Drittel aller in der Schweiz erhalten gebliebenen Urkunden dieses Herrscherhauses. Im Unterschied zu den Privaturkunden sind solche Kaiser- und Königsdiplome meistens auf ein bedeutend grösseres Pergamentstück geschrieben. Sie zeigen in der Schrift und im Aufbau des Textes bzw. Formulars die typischen Merkmale der karolingischen Kanzlei. Im Unterschied zu den Privaturkunden jener Zeit sind sie zur Beglaubigung mit aufgedrückten Siegeln versehen, die aufgrund des mittelalterlichen Traditionsgedankens oft römische Kaiserporträts zeigen. Inhaltlich handelt es sich häufig um Privilegien, welche die Herrscher dem Kloster St.Gallen erteilten oder bestätigten, aber auch um Güterschenkungen bzw. -bestätigungen.

 

Von Karl dem Grossen sind noch zwei Pergamenturkunden in St.Gallen original im Stiftsarchiv erhalten. Unser Beispiel misst 49 x 26 cm und ist auf den 8. März 780 datiert. Auffällig an der noch merowingische Züge zeigenden Schrift sind die langgezogenen Ober- und Unterlängen. Die erste Zeile ist durch die sogenannte Gitterschrift besonders hervorgehoben. Ganz unten finden sich auf der letzten Zeile Datum und Ausstellungsort (Worms). Dem Schutz gegen Nachahmung und Fälschung dient das signetartige Rekognitionszeichen unten links. Zur Beglaubigung der Urkunde ist das Gemmensiegel, das den Kopf des römischen Kaisers Antoninus Pius zeigt, angebracht. Auf dem Wachssiegel steht auf Lateinisch: "Gott schütze den König der Franken" – Karl der Grosse wurde bekanntlich erst 800 vom Papst zum Kaiser gekrönt. Inhaltlich wird ein Vertrag zwischen dem Konstanzer Bischof Sidonius und Abt Johannes von St.Gallen bestätigt. Das Dokument entstammt nicht einer Glanzzeit des Klosters, wurde doch darin festgehalten, dass St.Gallen Eigenkloster von Konstanz sei. Die Immunität, die Befreiung des Klosterbezirkes und der klösterlichen "familia" vom weltlichen Gericht, wurde erstmals in einem Dokument Ludwigs des Frommen von 818 ausgesprochen.

 

Signatur: A4 A1.

Editionen: MGH. Diplomata Karolinorum. München 1979 (Neudruck), Nr. 130, S. 180f.; Albert Bruckner (Hrg.): Diplomata Karolinorum. Basel 1969, Nr. 4; Chartularium Sangallense I, Nr. 90,S. 80f.

 

Text nach: Werner Vogler, Kostbarkeiten aus dem Stiftsarchiv St.Gallen in Abbildungen und Texten, St.Gallen 1987, S. 22.


Stiftsarchiv St.Gallen, Urkunde A4 A1

Stiftsarchiv St.Gallen, Urkunde A4 A1. Auf die Urkunde König Karls des Grossen ist in der unteren Hälfte das Wachssiegel, auf dem ein Porträt zu erkennen ist, aufgedrückt worden.


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