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Sankt Galler Professbuch

Das St.Galler Professbuch und die ersten St.Galler Mönche

Im karolingischen St.Galler Professbuch, um 800 angelegt, sind die Gelübde festgehalten, durch welche sich die St.Galler Mönche vor Gott und den Heiligen auf Lebenszeit zum Verbleiben im Kloster St.Gallen, zum Gehorsam gegenüber dem Abt und zum sittenstrengen Wandel verpflichteten. Es handelt sich bei der Handschrift um einen Pergamentcodex. Pergament ist bekanntlich zum Schreiben präparierte Tierhaut, sei es nun jene eines Schafes, einer Ziege oder eines Kalbes. Es ist sehr widerstandsfähig, und seine Robustheit hat gewiss wesentlich dazu beigetragen, dass die Urkunden und Dokumente des Stiftsarchivs die lange Zeit von teilweise weit über 1000 Jahren so gut überstanden haben. Papier war damals in Europa und damit in St.Gallen noch nicht bekannt.

 

Die Gelübde der frühesten Mönche des 8. Jahrhunderts sind zu Beginn des 9. Jahrhunderts notiert worden. Die erste Zeile des Professbuches bringt das Kreuzeszeichen und nennt den Klostergründer "Audomarus Abbas", Abt Otmar. Dann folgt die zweite mit der in karolingischer Minuskel geschriebenen Gelübdeformel: "Ego Flavinus presbyter promitto oboedientiam" usw., das heisst, der Mönch Flavinus leistet sein Gelübde. Er verpflichtet sich demnach, rechtlich bindend, zum Klosterleben. Weil es sich um ein Rechtsdokument handelt, liegt das Buch im Stiftsarchiv und nicht in der räumlich und rechtlich von diesem getrennten Stiftsbibliothek. Wir stehen damit, um 720, am Anfang des Gallusklosters. Gewiss hatte schon mehr als 100 Jahre zuvor, 612, im Tal in der Wildnis der Steinach der Einsiedler Gallus eine kleine Zelle gegründet. Zur eigentlichen Gründung des Klosters, das dann 747 unter dem Druck der fränkischen Herrscher die Benediktinerregel annahm, kam es indes erst in der ersten Hälfte des 8. Jahrhunderts (719). Auf den folgenden Seiten des Professbuchs sind die weiteren Professeinträge der St.Galler Mönche für das 8. und 9. Jahrhundert gruppenweise von einer Schreiberhand, für die spätere Zeit zum Teil eigenhändig zu finden. Schliesslich, besonders im 10. Jahrhundert, beschränkte man sich auf blosse Namenseinträge, denen jeweils ein Kreuzeszeichen vorangeht, wie dies auch bei den Zeugenlisten der rechtlich verbindlichen frühen Privaturkunden des Stiftsarchivs des 8. bis 10. Jahrhunderts immer wieder vorkommt.

 

Signatur: StiASG, C3 B56.

Edition: Paul M. Krieg (Hrg.): Das Professbuch der Abtei St.Gallen. St.Gallen/Stifts-Archiv, Cod. Class. 1. Cist. C.3 B.56. Phototypische Wiedergabe mit Einführung und einem Anhang. Augsburg 1931.

 

Text nach: Werner Vogler, Kostbarkeiten aus dem Stiftsarchiv St.Gallen in Abbildungen und Texten, St.Gallen 1987, S. 13.


Stiftsarchiv St.Gallen, C3 B56, Seite 14.

Stiftsarchiv St.Gallen, C3 B56, Seite 14. Im St.Galler Professbuch befindet sich neben den Mönchsgelübden des Frühmittelalters auch der älteste Beleg des Martyriums der 926 von ungarischen Reiterhorden erschlagenen Reklusin Wiborada.


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