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Plan des Sankt Galler Stiftsbezirks von 1719

Der St.Galler Stiftsbezirk im Jahr 1719: Die "Ichnographia" von Pater Gabriel Hecht

Es gibt nur wenige Pläne und Ansichten, die über die Aufteilung des St.Galler Stiftsbezirks genau Aufschluss zu geben vermögen. Zwar gibt es einige teilweise exakte Darstellungen der Stadt St.Gallen, in denen auch der Klosterbezirk abgebildet ist. Überliefert sind ausserdem mindestens seit dem 17. Jahrhundert recht genaue Vogelschau-Ansichten des Klosterbezirks. In den 50er Jahren des 18. Jahrhunderts entstanden dann im St.Galler Kloster entscheidende Neubauten; Kirche und Bibliothek wurden neu errichtet. Damit sei aber nicht gesagt, dass nicht auch früher manches gebaut wurde; eigentlich in fast jedem Jahrhundert entstanden mehr oder weniger bedeutsame Veränderungen und Umbauten. Am 17. September 1719 hat P. Gabriel Hecht (1664-1745) genau festgehalten, wie sich die Verhältnisse im St.Galler Stiftsbezirk baulich gestalteten. Es handelt sich um einen 40 x 30 cm grossen Grundrissplan, der auch mit 55 Legenden aus der Hand des fleissigen St.Galler Mönches erschlossen ist. Hecht hat diesen Plan, der unter den Bauakten, Abteilung Karten und Pläne, leider zum Teil schadhaft im Stiftsarchiv liegt, auch für seine weiteren Planungen zwischen 1720 und 1726 verwendet. Die Bedeutung des kolorierten Planes kann nicht hoch genug veranschlagt werden, wenn man weiss, dass es vor der Französischen Revolution keinen genaueren, ausgemessenen Plan des Stiftsbezirks, in dem auch die einzelnen Bauten eingezeichnet und identifiziert sind, gibt. Vor unseren Augen entsteht in den Grenzen des seit langem in seinem Umfang exakt abgemessenen Stiftsbezirks das Bild dieser fast autonomen selbstgenügsamen Klosterwelt. Schon sind die wichtigen Neubauten, der Zug zum Zentralisieren und Vereinheitlichen der Bauten zu einem Bezirk, klar festgehalten. Im 17. Jahrhundert war die Klosteranlage innerhalb der engen Grenzen bereits entscheidend erweitert und vergrössert worden. Natürlich war zu Beginn des 18. Jahrhunderts durch die kriegerischen Auseinandersetzungen vor und während des Toggenburger Krieges ein Stillstand der Bauarbeiten des Klosters eingetreten, so dass man sich nach der Rückkehr aus dem Exil 1718/19 tatkräftig und voller Hoffnung ans Planen machen konnte. Dies war auch eine Notwendigkeit angesichts des wachsenden Konvents und der gestiegenen Erfordernisse an Bau- und Wohnqualität. Noch ist an Bauten manches Entscheidende aus dem Mittelalter erhalten geblieben, darüber hinaus sind auch die früh- und hochbarocken Bauten klar erkennbar. So ist uns an einem zeitlich fixierten Punkt ein Einblick in die bauliche Struktur des St.Galler Stiftsbezirks überliefert, wie ihn uns kein anderes Dokument der St.Galler Stiftsgeschichte so detailliert und aufschlussreich zu geben vermag. Dadurch erhält der Plan eine hervorragende Bedeutung.

 

Auf der Grundlage dieses genau ausgemessenen Klosterbezirks hat dann der Architekturdilettant P. Gabriel Hecht, aus Wangen im Allgäu gebürtig, in den folgenden Jahren seine Pläne zur Neugestaltung, Erneuerung und Erweiterung der Bauten im St.Galler Stiftsbezirk entworfen. Im ganzen handelt es sich um 14 Pläne. Dabei liess er sich auch von drei Plänen des Einsiedler Klosterbruders Caspar Moosbrugger beeindrucken und beeinflussen. Die planerische Tätigkeit Pater Gabriel Hechts war nur der Beginn einer neuen Epoche im Kloster St.Gallen, die dann aber ihre bauliche Verwirklichung erst nach der Mitte des Jahrhunderts fand. Damals waren andere Baumeister und Architekten in den entscheidenden Planungs- und Bauphasen für den Abt tätig. Ihre Vorstellungen wurden tatsächlich verwirklicht, wenn auch im Archiv, wohin solche Pläne nach Gebrauch zu gelangen pflegten, keiner der ausgeführten Pläne zu finden ist. Dagegen haben sich verschiedene Entwürfe für die Stiftskirche aus den 30er und 40er Jahren zusammen mit Grundrissplänen und Karten ausgewählter Gebiete und Örtlichkeiten des sanktgallischen Klosterterritoriums bis in unsere Tage erhalten.

 

Signatur: StiASG, Karten und Pläne, Verschiedene Pläne XXII.

 

Text nach: Werner Vogler, Kostbarkeiten aus dem Stiftsarchiv St.Gallen in Abbildungen und Texten, St.Gallen 1987, S. 78-81.


StiASG, Karten und Pläne, Verschiedene Pläne XXII

StiASG, Karten und Pläne, Verschiedene Pläne XXII. Pater Gabriel Hechts "Ichnographia" von 1719 ist der älteste erhaltene Grundrissplan des St.Galler Stiftsbezirks, der auf geometrischer Vermessung beruht.


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