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Pilgerfahrt einer adligen Frau nach Rom

Die Beata-Urkunde im Stiftsarchiv St.Gallen

Um das Jahr 741–745 plante die adlige Frau Beata eine Pilgerfahrt nach Rom. Diese Urkunde des Stiftsarchivs liefert den ältesten Beleg für eine Pilgerfahrt einer Frau im Laienstand nach Rom.

 

Um ihren Weg bestreiten zu können, verkaufte Beata ihren Besitz an insgesamt zehn Orten im Zürichgau einschliesslich ihres kleinen Hausklosters auf der Insel Lützelau im Zürichsee an das Kloster St. Gallen. Erst kurz zuvor hatte sie sich gemeinsam mit ihrer Mutter Hattaauf diese kleine Insel zurückgezogen, um nun – ausgerüstet mit 70 Gold- und Silbersolidi, fünf Pferden samt Zaumzeug und Decken – nach Rom zu pilgern. Auch für den Fall ihrer Rückkehr traf sie Vorkehrungen und liess sich vom Kloster die weitere Nutzung der Güter zusichern. Wie viele Rompilger dieser Zeit kehrte Beata nicht zurück, was sich nur wenige Monate später im Wirken ihres Sohnes Lantbert widerspiegelte. ‹Zum Seelenheil seiner Eltern› übergab dieser dem Kloster St. Gallen sein umfangreiches Erbe im Tösstal und am Zürichsee. Sich selbst sicherte er zusätzlich einen Platz als Wohngast im Kloster.

 

Eindrucksvoll war auch die Zeugenschar, deren Namen der Mönch Hiringus am Ausstellungsort Benken notierte. An der Spitze finden wir den alemannischen Grafen Pebo, gefolgt von Abt Arnefrid vom Kloster Reichenau. Trotzdem hinterlässt die Familie ihr gesamtes Erbe nicht dem Kloster Reichenau, das möglicherweise als Vorbild für ihr eigenes Inselkloster gedient haben mag, sondern dem jüngeren Kloster St. Gallen. Für letzteres bedeuteten die Güter dieser Familie die Grundlage für einen zukünftigen Besitzschwerpunkt im Zürichgau.

 

Signatur: StiASG, Urk. Bremen 2.

Editionen: Chartae Latinae Antiquiores II, Nr. 159; Chartularium Sangallense I, Nr. 11, S. 10f.

 

Text nach: Bücher des Lebens - Lebendige Bücher, ed. Peter Erhart und Jakob Kuratli Hüeblin, St.Gallen 2014, S. 266f.

 


Stiftsarchiv St.Gallen, Urkunde Bremen 2.

Stiftsarchiv St.Gallen, Urkunde Bremen 2. Die Alemannin Beata veräusserte um 745 ihren Besitz an insgesamt zehn Orten nördlich des Zürichsees an das Kloster St.Gallen, um ihre Pilgerfahrt nach Rom finanzieren zu können. Neben 70 ‚solidi‘ in Gold und Silber nahm sie vom Gründerabt des Klosters, Otmar, fünf Pferde samt Packsätteln, Pelzen und Decken entgegen.


Stiftsarchiv St.Gallen, Urkunde Bremen 2. Rückseite mit Archivvermerken.

Stiftsarchiv St.Gallen, Urkunde Bremen 2. Rückseite mit Archivvermerken.


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