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Vadianische Sammlung

Diese Goldminiatur erzählt in all ihrer Schönheit eine ungeheure Geschichte: Nach der Niederlage der Franken in der Schlacht von Roncesvalles im Jahr 778 versuchte der Recke Roland sein Schwert am Fels zu zerschlagen. Doch zu spät. Roland stirbt, und das Schwert wird ihm erst von Kaiser Karl dem Grossen aus der Hand genommen, der es ihm einst auch in die Hand gegeben hat.

 

 

Das Bild ist eine von 58 Goldminiaturen und stammt aus der „Weltchronik“ des Rudolf von Ems. Die prachtvolle Bilderhandschrift, entstanden um 1300, ist vergleichbar mit der Manessischen Liederhandschrift.

 

Die Handschrift wie auch weitere rund 100 mittelalterliche und 700 neuzeitliche Manuskripte sind Teil der Vadianischen Sammlung. Sie ist Eigentum der Ortsbürgergemeinde St.Gallen und befindet sich als Dauerdepositum in der Kantonsbibliothek.

 

Die illuminierten Handschriften aus dem Spätmittelalter sind weit über St.Gallen hinaus bedeutend, ebenso die humanistischen Handschriften aus dem 15. Jahrhundert aus Italien. Die alchemischen Handschriften bilden den schweizweit wichtigsten Bestand. Gegenwärtig (2016) sind 21 Handschriften auf http://www.e-codices.ch/de, der Virtuellen Hanschriftenbibliothek der Schweiz, vollständig einsehbar.

 

Die Vadianische Sammlung umfasst zudem 225 Inkunabeln oder Wiegendrucke. Zu den Glanzstücken zählen etwa die eindrücklichen Koberger-Bibeln und die Weltchronik des Hartmann Schedel, zu den Raritäten etwa „Eunuchus“ von Terenz (Ulm 1486), das „Obsequentiale Constantiense“ (Basel 1482), die „Neue Ehe und das Passional von Jesu“ (Augsburg 1494) oder „Hypnerotomachia Poliphili“ (Venedig 1499). 75 Wiegendrucke stammen aus der Bibliothek von Joachim Vadian (1484-1551), dem Reformator der Stadt St.Gallen. Auf dessen Bücherschenkung von 1551 gehen die Anfänge der früheren Stadtbibliothek und heutigen Kantonsbibliothek zurück.

 

Die historischen Buchbestände mit Druckdatum vor 1800 umfassen rund 10‘000 Titel. Neben zahlreichen Schriften aus der Reformationszeit finden sich auch Unikate und wertvolle Drucke, so etwa das letzte noch erhaltene Exemplar der gedruckten Gitarrentabulaturen von Guillaume Morlaye und von Simon Gorlier (Paris 1552) und der zwölfbändige Prachtatlas „Geographie“ von Johann Blaeu (Amsterdam 1663-1664). (Drucke im Online-Katalog recherchierbar!)

 

Nach Joachim Vadian haben rund 60 weitere Gelehrte ihre Nachlässe der Vadianischen Sammlung übergeben. Auch die Nachlässe bedeutender St.Galler wie Peter Scheitlin (1779-1848) und Werner Näf (1894-1959) sind Teil der Vadianischen Sammlung.

 

Hier finden Sie das Verzeichnis der Nachlässe der Vadianischen Sammlung.

 

Die Vadianische Sammlung umfasst auch rund 3‘000 historische Stadtansichten von St.Gallen, sowohl Drucke als auch Fotografien, und die Autografensammlung Robert Alther mit rund 16‘000 handgeschriebenen Dokumenten.