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ISOS und Ortsplanung

Buchumschlag ISOS Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz

Seit 1. Mai 2010 ist das Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz von nationaler Bedeutung (ISOS) für den Kanton St. Gallen in Kraft. In der Folge hat der Kanton die Ortsbilder des ISOS in seinen Richtplan aufgenommen und gleichzeitig diejenigen Ortsbilder, die bei der Erarbeitung des ISOS aus gesamtschweizerischer Perspektive als Ortsbilder von regionaler Bedeutung eingestuft wurden, als schützenswerten Ortsbilder von kantonaler Bedeutung (Kantonsinventar) festgelegt. Das Merkblatt zeigt auf, wo die Grundlagen zu den Ortsbildern zu finden sind und wie der Ortsbildschutz an das ISOS und das Kantonsinventar angepasst wird.

 

 

Grundlagen

Verordnung über das Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (abgekürzt VISOS; SR 451.12)

ISOS Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz, Ortsbilder von nationaler Bedeutung, Kanton St. Gallen, hrsg. vom Eidgenössischen Departements des Innern EDI, Bundesamt für Kultur BAK, 3 Bände, Bern, 2010/2011 (Band 1 zurzeit im Druck)

Bundesgerichtsentscheid vom 1. April 2009 betreffend Rüti ZH (BGE 135 II 209)

Empfehlungen zur Berücksichtigung der Bundesinventare nach Artikel 5 NHG in der Richt- und Nutzungsplanung, hrsg. von den Bundesämtern für Raumentwicklung ARE, Strassen ASTRA, Umwelt BAFU und Kultur BAK, Bern, 2012

Richtplan des Kantons St. Gallen, Stand 2012

Inventarblätter der schützenswerten Ortsbilder von kantonaler Bedeutung (Kantonsinventar, zu beziehen bei der kantonalen Denkmalpflege)

Inventarblätter der schützenswerten Ortsbilder von kommunaler Bedeutung (zu beziehen bei der kantonalen Denkmalpflege)

 

Umsetzung

Mit dem ISOS sind die Ortsbilder der Schweiz nach einheitlichen Kriterien erhoben und beurteilt worden. Es gliedert den Ort in Gebiete (G) und Baugruppen (B) sowie in Umgebungszonen (U-Zo) und Umgebungsrichtungen (U-Ri). Kriterien für die Beurteilung sind die historischen und räumlichen Qualitäten der Bebauung sowie der Zustand, die Bedeutung und das Erhaltungsziel eines Ortsteils.

 

In der Ortsplanung sind die Ortsbilder gemäss ihren Erhaltungszielen wie folgt zu berücksichtigen:

Gebiete (G) und Baugruppen (B) mit Erhaltungsziel A
Für ein Gebiet oder eine Baugruppe mit dem Erhaltungsziel A wird eine Erhaltung der Substanz angestrebt. Bauten, Anlagenteile und Freiräume sollen integral erhalten, störende Eingriffe beseitigt werden. In der Schutzverordnung sind Detailvorschriften festzulegen, die den Erhaltungszielen Rechnung tragen.

Gebiete (G) und Baugruppen (B) mit Erhaltungsziel B
Für ein Gebiet oder eine Baugruppe mit dem Erhaltungsziel B wird eine Erhaltung der Struktur angestrebt. Die Anordnung und Gestalt der Bauten und Freiräume soll bewahrt, für die Struktur wesentliche Elemente und Merkmale integral erhalten werden. In der Schutzverordnung sind besondere Vorschriften festzulegen, die bei Umbauten und bei der Eingliederung von Neubauten den Erhaltungszielen Rechnung tragen.

Umgebungszonen (U-Zo) und Umgebungsrichtungen (U-Ri) mit Erhaltungsziel a.
In Umgebungszonen und –richtungen mit Erhaltungsziel a wird die Erhaltung der Beschaffenheit als Kulturland oder Freifläche angestrebt. Die für das Ortsbild wesentliche Vegetation und Altbauten sollen bewahrt, störende Veränderungen beseitigt werden. Es handelt sich hierbei nicht um eigentliche Schutzgebiete, eine direkte Umsetzung in der Schutzverordnung ist nicht zwingend. Das Erhaltungsziel ist indes im Rahmen der Interessenabwägung in der Ortsplanung zu berücksichtigen. So soll beispielsweise bereits eingezontes Land sorgfältig beplant und mit Rücksicht auf die örtlichen Strukturen überbaut werden.

 

Die Abgrenzung der Ortsbilder mit den entsprechenden Erhaltungszielen ist dem ISOS wie folgt zu entnehmen:

 

 

 

Ein Vergleich der geltenden Schutzverordnung mit den Ortsbildern im ISOS macht die Differenzen und den Handlungsbedarf sichtbar:

Legende

Rot                        bestehendes Ortsbildschutzgebiet gemäss geltender Schutzverordnung

Grün                     Gebiete (G) und Baugruppen (B) mit Erhaltungsziel A innerhalb 
                              des bestehenden Ortsbildschutzgebiets

Grün schraffiert  Gebiete (G) und Baugruppen (B) mit Erhaltungsziel A ausserhalb 
                              des bestehenden Ortsbildschutzgebiets

Blau                      Gebiete (G) und Baugruppen (B) mit Erhaltungsziel B innerhalb 
                              des bestehenden Ortsbildschutzgebiets

Blau schraffiert   Gebiete (G) und Baugruppen (B) mit Erhaltungsziel B ausserhalb 
                              des bestehenden Ortsbildschutzgebiets

 

Schutzverordnung

Die Massnahmen zum Schutz der Ortsbilder von nationaler und kantonaler Bedeutung sind in der Ortsplanung innert fünf Jahren ab Genehmigung der Richtplan-Anpassung durch den Bundesrat umzusetzen. Die kantonale Denkmalpflege wie auch das Amt für Raumentwicklung und Geoinformation unterstützen die Gemeinden, sie stehen für Fragen der Umsetzung gerne zur Verfügung.

Abweichungen von den im ISOS und im Kantonsinventar festgelegten Erhaltungszielen sind nur auf der Grundlage einer Interessenabwägung zulässig (vgl. Richtplan des Kantons St.Gallen, Kapitel IV 21, Abschnitt "Schutz der Ortsbilder vor Beeinträchtigung" im Beschlussteil). Weitere zentrale raumplanerische Zielvorgaben, so u.a. die Innenentwicklung bestehender Siedlungsflächen, sind ebenfalls zu berücksichtigen.

 

Stand 2. Mai 2012

 

 

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