Eintritt - Übertritt - Austritt

Wohl keine Lebensphase eines Menschen ist so prägend und bestimmend wie die Schulzeit.


Und kein Abschnitt des Lebens beginnt so früh und dauert so lange an wie diese Ausbildungszeit. Mit dem vierten Altersjahr beginnt bereits der Eintritt in den Kindergarten und damit der Eintritt in eine neue, fremdartige Welt, jenseits der vertrauten elterlichen Umgebung. Ein ganz bedeutender Schritt, gilt es doch einerseits dem Entwicklungsstand des Kindes Rechnung zu tragen und andererseits den Lernbedingungen und Anforderungen der Schule nachzukommen, immer vor dem Hintergrund der familiären und sozialen Verhältnisse der 'Kindergärtler'. Die so erworbene Schulfähigkeit ist ein dynamischer Prozess und für das Kindeswohl und die weitere Schullaufbahn von eminenter Bedeutung. Dank den fundierten wissenschaftlichen Erkenntnissen ist dieser Verlauf sehr breit abgestützt und begleitet. Genau gleich, wenn auch mit umgekehrten Vorzeichen, gestaltet sich der Übertritt in eine weiterführende Schule oder der Schulaustritt nach der obligatorischen Schulzeit.

 

Liebgewonnenes und Vertrautes heisst es plötzlich aufzugeben und hinter sich zu lassen. Wird einerseits der schulische Weg weiterverfolgt, heisst das nicht nur sein Schulhaus, seine Schulklasse und seine Lehrerschaft zu wechseln, sondern auch den ersten Schritt in die Erwachsenenwelt zu tun – genauso zaghaft und unbestimmt wie beim Schuleintritt. Es ist der erste Schritt zur Tertiärausbildung, mit einer imposanten inhaltlichen, örtlichen und zeitlichen Angebotspalette. Genau dieselben Möglichkeiten stehen heute offen, wenn der weitere Schul- und Bildungskarriere mit der beruflichen Grundbildung beginnt und mit der Berufsmaturität und dem Passarellenweg weitergeht – eine bildungspolitische Errungenschaft, die in unserem dualen Bildungssystem nicht hoch genug eingeschätzt werden kann! Wer solche Unterrichts- und Bildungsstufen durchläuft stellt Weichen, persönliche, berufliche und gesellschaftliche. Jeder einzeln für sich, der einst als Kindergartenschüler begann und rund ein Vierteljahrhundert später als Wissender, Gereifter und Erfahrener Wünsche, Erwartungen und Hoffnungen an die Welt und an das Leben stellt – heute im August 2010.

 

Eine Zeit, die viele als Zeitenwende empfinden, weil die Schweiz und mit ihr die Welt im Umbruch steht, in politischer, kultureller und in staatsbürgerlicher Hinsicht, was viele am eigenen Leib spüren und zu spüren bekommen. Stellvertretend dafür seien drei Lebensbereiche aufgeführt: die Arbeit, die Mobilität und die Medien. Alle drei Kreise sind direkt mit der Schule verbunden und haben damit einen unmittelbaren Bezug zur Bildung, denn:

 

·         Ohne Bildung hat man kaum mehr Chancen, in der Arbeitswelt Fuss zu fassen oder seine berufliche Position zu verbessern

·         Ohne Bildung tritt man an Ort und wagt nie den Schritt in einen anderen Kanton mit einer anderen Sprache, geschweige denn den Schritt ins Ausland in einen an-deren Kulturkreis

·         Ohne Bildung sind wir je länger je weniger imstande, Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden, und Nötiges von Unnötigem zu trennen. Eine wichtige Voraussetzung aber, um sich im 'Dschungel' des Lebens zu bewegen und eigenständig und selbstbestimmt behaupten zu können.

 

'Man lernt nicht für die Schule, sondern fürs Leben', sagt man gemeinhin Schülern, denen es am nötigen Fleiss mangelt, dabei sollte es umgekehrt heissen: 'Das Leben ist die grösste, andauernste und umfassendste Schule'! Darum muss in der Schule die Lebensschule vorbereitet werden. Bildung beginnt heute immer früher, hört aber immer später auf.

 

Leider verläuft der Trend aber derzeit umgekehrt: Möglichst alles, was das Leben an Herausforderungen und Ansprüchen hervorbringt, soll in der Schule angegangen und wenn möglich auch noch gleich gelöst werden – ein unrealistisches und unmögliches Unterfangen. Soll die Schule für all' unsere Probleme gerade stehen, hat nicht nur die Schule ein Problem, sondern sie selbst wird schlussendlich zum Problem. Die Schule ist der Wegbereiter, doch den Weg gehen muss jeder selbst. Jeder Eintritt, Übertritt und Austritt im Leben beschliesst eine Wegstrecke und eröffnet neue Perspektiven: Dazu wünsche ich Ihnen allen die nötige Einsicht, eine glückliche Hand und viel Erfolg!

 

Regierungsrat Stefan Kölliker,

Vorsteher des Bildungsdepartementes


Bildung - Eintritt - Übertritt - Austritt (17.08.2010 14:19)