Bildungsbericht 2010: St.Gallen mit an der Spitze

Die Bundesverfassung verpflichtet Bund und Kantone zur Zusammenarbeit im Bildungsbereich, um gemeinsam für eine hohe Qualität und Durchlässigkeit des Bildungsraumes Schweiz zu sorgen.


Ein Instrument für die Erfüllung dieser Aufgabe ist das Bildungsmonitoring Schweiz. Als erstes Produkt daraus resultiert der nationale "Bildungsbericht 2010", der seit anfangs Februar vorliegt.

 

Mit dieser umfassenden Bestandsaufnahme der Schweizer Bildungslandschaft verfügen Bund und Kantone nun über eine neue Grundlage für die Bildungspolitik. Die ersten Resultate dieser vermehrten Zusammenarbeit zwischen Bund und Kantonen sollen in vier Jahren sichtbar wer-den – das nächste Mal im Bildungsbericht 2014.

Bildung ist für die Schweiz der wichtigste Rohstoff und ein kostbarer dazu: Ein Fünftel aller öf-fentlichen Ausgaben fliesst in Kindergärten, Volksschulen, Berufsfachschulen, Mittelschulen, Hochschulen sowie weitere Aus- und Weiterbildungsinstitutionen. Der erste nationale Bildungsbericht untersuchte die Qualität des Schweizerischen Bildungssystems. Der Bericht zeigt: Das Schweizer Bildungswesen steht im internationalen Vergleich sehr gut da, doch zeigen sich grosse Unterschiede zwischen den Kantonen. Der Kanton St.Gallen ist mit seinen Bildungsinstitutionen sehr gut aufgestellt; nachfolgend werden einzelne Bereiche der Volksschule bis hin zur Sekundarschule II kurz beleuchtet.

 

·      Die grösste interkantonale Herausforderung in den kommenden Jahren im Bereich der Volksschule werden die Bestrebungen nach Harmonisierung sein. Im Kanton St.Gallen sind wir hier bereits sehr weit. Der 10. Nachtrag zum Volksschulgesetz spurte diesbezüglich vor und mit einem Ja zum HarmoS-Konkordat bestätigte der St.Galler Souverän diese Revision. Die darin festgelegten bildungspolitischen Bemühungen zielen darauf ab, ein zusammenhängendes Bildungssystem bereitzustellen, das zwischen den Stufen und Kantonen die geforderte Durchlässigkeit, Anschlussfähigkeit und Qualität ermöglicht. Die sodann im HarmoS-Konkordat vorgesehene Pflichtschulzeit von neu 11 Jahren ist von der Struktur her im Kanton St.Gallen bereits vorhanden und eingeführt. Auffällig ist zugleich, dass St.Gallen zusammen mit dem Kanton Wallis im Stundendurchschnitt die höchsten jährlichen Unterrichtszeiten ausweist.

 

·      Die Sekundarstufe I wird gesamtschweizerisch in den kommenden Jahren stark von demografischen Veränderungen betroffen sein. Deren Schülerbestände werden landesweit bis 2017 im Mittel um 12 und im Kanton St.Gallen gar um gegen 20 Prozent zurückgehen. Dieser Trend wurde im Kanton St.Gallen rechtzeitig erkannt und die notwendigen Strukturreformen eingeleitet. Die Vernehmlassungen der beiden vom Erziehungsrat initiierten Projekte 'Oberstufe 2012' und 'Oberstufenprojekt' wurden bis Ende Februar 2010 abgeschlossen und derzeit ausgewertet. Zudem zeigt der Bildungsbericht, dass es im Kanton St.Gallen im Vergleich zum Jahre 2000 gelang, die Lesekompetenz der 15-Jährigen auf die Zielgrösse von unter 14 Prozent zu reduzieren, dies als wichtiger Anschlussschritt für den Übertritt in die Sekundarstufe II. Das Bildungsdepartement ist daran, diese und andere Erkenntnisse im laufenden Jahr in einem weiteren Bericht über die Perspektiven der Volksschule aufzuarbeiten und auszuwerten.

 

·      In der Schweiz schaffen derzeit knapp 90 Prozent der Schulabgängerinnen und Schulabgänger aus der Volksschule einen erfolgreichen Abschluss auf der Sekundarstufe II, der für die weitere Bildungs- und Arbeitsmarktlaufbahn ein wichtiges Erfordernis darstellt. In unserem Kanton lag dieser Prozentsatz in den letzten Jahren jeweils bei 90 bis 92 Prozent aller Jugendlichen. Davon absolvieren im Kanton St.Gallen rund 75 Prozent eine Berufsausbildung – gesamtschweizerisch sind es 66 Prozent. Diese Tatsache wiederspiegelt sich auch im Anteil der Schulabgängerinnen und –abgänger in einer Zwischenlösung, die sehr tief verläuft und knapp über 10 Prozent liegt. Einzig bei der Maturitätsquote bildet St.Gallen das Schlusslicht, was jedoch in qualitativer Hinsicht nicht negativ zu beurteilen ist. Dennoch hat sich die Regierung eine leichte Anhebung dieser Quote vorgenommen.

 

Mit der Veröffentlichung des Bildungsberichts beginnt nun die Phase der Auswertung. Ende April 2010 ist auch ein nationales Symposium dazu angesetzt. Der Bund integriert die Folgerungen dann in seine Bildungsbotschaft 2013-2016, die Kantone ins Tätigkeitsprogramm der Erziehungsdirektorenkonferenz (EDK). Damit sollte es möglich sein, auf zentrale bildungspolitische Fragen gemeinsam Antworten zu finden und umzusetzen.

 

Regierungsrat Stefan Kölliker,

Vorsteher Bildungsdepartement

 

Der Bildungsbericht kann bei der Schweizerischen Koordinationsstelle für Bildungsfragen in Aarau bestellt oder im Internet unter www.skbf-csre.ch àbildungsbericht gelesen werden.

Bildung - Bildungsbericht 2010: St.Gallen mit an der Spitze (15.03.2010 16:10)