10 Jahre Ostluft

Messwagen für die Luftqualität

Die Luft in der Ostschweiz ist gut, muss aber noch besser werden. Seit 10 Jahren überwachen acht Ostschweizer Kantone und das Fürstentum Liechtenstein unter dem Namen OSTLUFT gemeinsam die Luftqualität. Die Messungen zeigen: Die Luftbelastung in der Ostschweiz hat im vergangenen Jahrzehnt im Vergleich zu den 90er-Jahren abgenommen. Dennoch bleibt Handlungsbedarf in Sachen Luftqualität. Die Grenzwerte für Stickstoffdioxid, Feinstaub und Ozon werden nach wie vor an vielen Orten überschritten. Die OSTLUFT-Daten liefern wichtige Grundlagen für weitere Massnahmen zur Verbesserung der Luftqualität.


Seit zehn Jahren existiert unter dem Namen OSTLUFT eine institutionalisierte Zusammenarbeit zwischen acht Ostschweizer Kantonen sowie dem Fürstentum Liechtenstein zur Messung von Schadstoffen in der Luft (siehe Kasten). An einer Medienkonferenz zogen heute Markus Kägi, Baudirektor des Kantons Zürich, Helmut Kindle, Vorsteher des Amts für Umweltschutz des Fürstentums Liechtenstein, und Peter Maly, Geschäftsleiter OSTLUFT, Bilanz über die Entwicklung der Schadstoffbelastung in der Ostschweiz und die Zusammenarbeit der vergangenen zehn Jahre.

 

Seit 2000 nur noch geringe Abnahme der Schadstoffbelastung

Die Messungen zeigen, dass die Luftqualität in der Ostschweiz heute besser ist als in den 90er-Jahren. Allerdings ist dies vor allem auf die starke Reduktion der Schadstoffbelastung im Verlauf der 90er-Jahre zurückzuführen. Seither hat die gemessene Schadstoffkonzentration nur noch geringfügig abgenommen. Weil der Verkehr gesamtschweizerisch zwischen 2001 und 2010 um 13 Prozent zugenommen hat, ist dies zwar einerseits als Erfolg zu werten, da der zunehmende Schadstoffausstoss durch Massnahmen zur Luftreinhaltung kompensiert werden konnte. Andererseits liegt die Belastung mit Stickstoffdioxid, Feinstaub und Ozon an vielen Orten in der Ostschweiz noch immer über den Grenzwerten.

 

Stickstoffdioxid und Feinstaub vor allem an verkehrsreichen Lagen ein Problem

Die Jahresmittel-Grenzwerte für Stickstoffdioxid werden vor allem in städtischen Gebieten und entlang von stark befahrenen Strassen im ländlichen Gebiet überschritten. Stickstoffdioxid schädigt direkt und indirekt über die Bildung von Ozon und Feinstaub die Schleimhäute, führt zu Atemwegserkrankungen und schwächt die Abwehrkräfte. Zudem trägt Stickstoffdioxid zur Überdüngung von Wäldern und Mooren bei. Die steigende Zahl von Dieselfahrzeugen und der zunehmende Schwerverkehr wirken sich ungünstig auf die Stickstoffdioxid-Immissionen aus.

Die Messungen von Feinstaub ergeben ebenfalls Überschreitungen der Jahresmittel-Grenzwerte an städtisch geprägten Standorten. Weil die Feinstaub-Belastung nicht nur von zu hohem Schadstoffausstoss beeinflusst wird, sondern auch von der Witterung, wird bei Inversionslagen (Hochnebel) auch an anderen Messstationen im Flachland der Tagesmittel-Grenzwert 

überschritten. An verkehrsreichen Standorten ist die Feinstaub-Belastung insbesondere durch Russ-Emissionen von Dieselfahrzeugen und durch aufgewirbelten Strassenstaub erhöht. In ländlichen Gegenden tragen Holzfeuerungen und das Verbrennen von Grüngut und Astmaterial aus dem Holzschlag wesentlich zur Belastung bei.

 

Ozonbelastung in erhöhten Lagen und am Rand der Agglomeration hoch

Anders sieht die räumliche Verteilung der Ozonbelastung aus. Weil Ozon mit anderen Luftschadstoffen reagiert und dabei teilweise abgebaut wird, ist die Ozonkonzentration in der unmittelbaren Nähe von Verkehrsachsen relativ tief, während sie an den Randbereichen der grossen Siedlungsgebiete und in erhöhten Lagen am höchsten ist. Um die Ozonbelastung langfristig zu senken, ist es wichtig, die Emissionen der Vorläuferschadstoffe, insbesondere Stickoxide und flüchtige organische Verbindungen, deutlich zu verringern.

 

Kantone ergreifen Massnahmen gegen Schadstoffbelastung

Die Schadstoffe in der Luft schädigen nicht nur die Gesundheit der Bevölkerung, sondern verursachen auch volkswirtschaftliche Schäden. Diese lassen sich beziffern: Allein im Kanton Zürich führt die Luftbelastung jedes Jahr zu Gesundheitskosten, Gebäudeschäden, Ernteausfällen und Waldschäden in der Höhe von rund 800 Millionen Franken.

 

Auf der Basis der im Rahmen von OSTLUFT gemeinsam erhobenen und ausgewerteten Daten treffen die einzelnen Kantone Massnahmen, um die Luftqualität zu verbessern. Der Kanton Zürich setzt mit dem Massnahmenplan Luftreinhaltung 2008 vor allem auf technische Innovationen, um die Luftqualität zu verbessern. Finanzielle Anreizsysteme, Branchenvereinbarungen und strengere

Vorschriften sollen bewirken, dass der Schadstoffausstoss von Fahrzeugen, Maschinen oder Feuerungen verringert wird. Auch Massnahmen zur CO2-Reduktion und zum Klimaschutz unterstützen die Bemühungen der Luftreinhaltung. Auch der Bund bereitet gegenwärtig weitere Massnahmen vor, und von der EU erwarten wir verschärfte Abgasgrenzwerte für Motorfahrzeuge in zwei bis drei Jahren. Die Aussichten für eine weitere Abnahme der Schadstoffbelastung sind also günstig.

 

OSTLUFT – Erfolgreiches Modell der interkantonalen Zusammenarbeit

Luftverschmutzung macht nicht Halt an politischen Grenzen. Deshalb schlossen sich 2001 die Kantone Appenzell Ausserrhoden, Appenzell Innerrhoden, Glarus, Graubünden, St. Gallen, Schaffhausen, Thurgau und Zürich sowie das Fürstentum Liechtenstein zur Organisation OSTLUFT zusammen, um die Luftqualität in der Ostschweiz gemeinsam zu überwachen und die Daten auszuwerten.

An rund 30 Standorten im Gebiet von OSTLUFT wird die Konzentration der Leitschadstoffe Stickstoffdioxid, Feinstaub und Ozon mit automatischen Messstationen in hoher zeitlicher Auflösung erfasst. Dieses Netz wird ergänzt durch zusätzliche Messsysteme, die räumlich und zeitlich flexibel eingesetzt werden können, um spezifische Fragen zu beantworten, beispielsweise die Luftbelastung durch Ammoniak.

Die Kantone profitieren von der institutionalisierten Zusammenarbeit: Der regelmässige Austausch und die intensive Zusammenarbeit führt zu einem Know-How-Transfer zwischen den einzelnen Fachstellen. Synergien können genutzt werden durch Aufgabenteilung und gemeinsame Investitionen in Messgeräte. Und die gemeinsamen Messungen haben zu einer einheitlichen, hohen Qualität der Daten zur Luftbelastung und bei der Kommunikation geführt.

 

www.ostluft.ch

 


Bauen, Raum & Umwelt - 10 Jahre Ostluft (07.07.2011 08:58)