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Französischunterricht ab 5. Klasse beibehalten

Die Kommission des Kantonsrats unter dem Vorsitz von Sandro Hess, Balgach, hat einen Bericht der Regierung zu den Fremdsprachen in der Volksschule vorberaten. Diskutiert wurde namentlich der Französischunterricht. Laut Bericht überfordert dieser die Schulkinder nicht grundsätzlich. Dies ergeben alle nutzbaren Untersuchungen in anderen Kantonen und Ländern sowie eine Befragung von Lehrpersonen, Eltern, Schulleitungen und Schulträgern im Kanton St.Gallen.


Die Kommission anerkennt die Objektivität des fachlichen Befundes. Sie beobachtet dennoch mit einiger Sorge, dass subjektiv das Image von Französisch sowie die Motivation, diese Sprache zu lernen und zu unterrichten, vergleichsweise eher tief sind.

 

Die Befunde stützen sich auf eine systematische Übersichtsarbeit, welche die Schweizerische Koordinationsstelle für Bildungsforschung (SKBF) bei der Universität Aarhus / Dänemark in Auftrag gegeben hatte. Dabei wurden die international vorhandenen Studien gesammelt, auf ihre wissenschaftliche Relevanz untersucht und selektioniert. Von den als relevant verbliebenen Studien wies keine nach, dass das Erlernen mehrerer Fremdsprachen die Schülerinnen und Schüler grundsätzlich überfordern oder ein späterer Fremdsprachenerwerb grundsätzlich zu besseren Resultaten führen würde. Zum gleichen Ergebnis gelangen eine Studie der Kantone der Zentralschweiz und eine für den Bericht der Regierung durchgeführte Befragung im Kanton St.Gallen.

 

Derzeit nicht von Fremdsprachenstrategie abrücken

 

Die Untersuchungen lassen die Regierung und die vorberatende Kommission des Kantonsrates zum Schluss kommen, dass an der Fremdsprachenstrategie des Kantons St.Gallen – Englischunterricht ab der 3. Primarklasse, Französischunterricht ab der 5. Primarklasse – festgehalten werden soll. Dies umso mehr, als diese Strategie identisch ist mit der Sprachenstrategie der Schweizerischen Konferenz der Kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK), die von 23 Kantonen mit über 90 Prozent der Bevölkerung angewendet wird und ein Eckpfeiler der Schulkoordination im Bildungsraum Schweiz ist. Sodann ist in der mehrsprachigen Schweiz neben der pädagogischen auch der staatspolitischen Dimension des Sprachenlernens Rechnung zu tragen.

 

Skepsis ernst nehmen

 

Französisch überfordert die Schulkinder zwar nicht, die Sprache ist aber in Gesellschaft und Schule weniger akzeptiert als Englisch. Die Massnahmen des Erziehungsrates zur Qualitätssicherung im Französischunterricht gehen für die Kommission in die richtige Richtung. Dazu gehören das neue, fortschrittliche Lehrmittel «Dis donc!», verbindlicher Halbklassenunterricht ab Klassengrösse 20 sowie obligatorische Weiterbildungsmodule für das neue Lehrmittel und für die moderne Fremdsprachendidaktik. Die Auswirkungen dieser Massnahmen sowie weiterer Entwicklungen werden zeigen, inwiefern die Sprachenstrategie zu einem späteren Zeitpunkt allenfalls angepasst werden muss.

 

Sprachaustausch fördern

 

Über die genannten Fördermassnahmen hinaus hat die Kommission intensiv über den Sprachaustausch diskutiert. Sie nimmt zur Kenntnis, dass dieser zurzeit auf Stufe EDK und Bund neu organisiert wird, nachdem die zentrale Koordinationsverantwortung von der CH-Stiftung auf die neue, von Bund und Kantonen gemeinsam getragene Agentur Movetia übergegangen ist. Movetia baut zurzeit die Vernetzung mit den Kantonen auf. Die Kommission erachtet den Sprachaustausch als wirkungsvolle, im Kanton St.Gallen noch ausbaufähige Massnahme, um die Akzeptanz der zweiten Landessprache zusätzlich zu fördern. Sie wünscht, dass dem Kantonsrat über die Entwicklung auf diesem Gebiet berichtet wird. Die Kommission ist zudem der Ansicht, dass neben den Fremdsprachen auch die deutsche Sprache gestärkt werden soll, da diese eine primäre Lerngrundlage für die anderen Fächer darstellt.

 

Der Bericht der Regierung findet sich im Ratsinformationssystem www.ratsinfo.sg.ch unter der Geschäftsnummer 40.16.11.


Allgemein - Französischunterricht ab 5. Klasse beibehalten (07.04.2017 08:48)


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