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Theater St.Gallen soll erneuert werden

Theater St.Gallen soll erneuert werden

Die St.Galler Regierung hat die Botschaft zur Erneuerung und zum Umbau des Theaters St.Gallen verabschiedet. Das in den 1960er-Jahren erbaute Theater befindet sich heute in einem schlechten Zustand. Die Regierung beantragt dem Kantonsrat einen Kredit von 47.6 Millionen Franken für dessen Instandsetzung. In der Junisession wird das Parlament das Geschäft in erster Lesung beraten.


Sowohl aus Altersgründen wie auch aus energetischen, sicherheits- und arbeitstechnischen Gründen muss das Theater St.Gallen grundlegend überholt und an die Bedürfnisse eines zeitgemässen Theaterbetriebs angepasst werden. Dafür ist auch eine moderate Erweiterung notwendig. Das Theater wird nach der umfassenden Instandsetzung über eine funktionierende Infrastruktur verfügen und kann langfristig betrieben werden, ohne dass gleich weitere Investitionen anstehen.

 

Starke Abnutzung, veraltete Technik

 

Das Theatergebäude wird seit rund fünfzig Jahren an sieben Tagen in der Woche genutzt. Zwar wurden einzelne Gebäudeteile im Laufe der Jahre ersetzt, Umbauten vorgenommen und die Werkstätten erweitert. Eine generelle Instandsetzung erfuhr das Gebäude aber nie. Darum ist das Gebäude heute stark erneuerungsbedürftig. Im Jahr 1993 wurde die Theaterbestuhlung das letzte Mal neu bezogen und ist dementsprechend durchgesessen. Auch das Raumklima im Theatersaal ist nicht optimal. Die Sichtbetonfassade weist Risse und Abplatzungen auf, die Glas-Metallfassade im Foyer verstösst gegen energetische Anforderungen. Die Türen des Haupteingangs sind undicht und die Türschliesser funktionieren mangelhaft. Für einen grossen Teil der Steuerungen und Konstruktionen der technischen Anlagen fehlen heute die Ersatzteile. Neben der stetigen Abnützung sind viele notwendige Massnahmen eine Folge neuer gesetzlicher Regelungen bezüglich Arbeitsrecht, Energiegesetz und sicherheitsrelevanter Vorschriften.

 

Zu wenig Platz

 

Auch die Anforderungen im Bühnenbereich haben sich verändert. Wurde in den sechziger Jahren fast ausschliesslich der Prospektmalerei vertraut, wird heute eine dreidimensionale Kulissenarchitektur erwartet. In der Vergangenheit wurde zusätzlich Platz geschaffen, indem das Gebäude nach innen verdichtet und Nutzungen wie der Kleiderfundus ausgelagert wurden. Die innere Verdichtung ist mittlerweile ausgereizt. Trotzdem besteht eine Reihe betrieblicher und räumlicher Mängel. Bühnenhandwerker arbeiten im Untergeschoss ohne Tageslicht. Im Bühnenbereich müssen noch immer Kulissenteile mit Muskelkraft bewegt werden. Grosse und erfolgreiche Theaterproduktionen wie Oper, Operette und Musical haben heute eine Besetzung von teilweise über 100 Mitwirkenden. Die bestehenden Garderoben- und Maskenräume sind völlig unzureichend. Es fehlen geschlechtergetrennte Garderoben und sanitäre Einrichtungen.

 

Erneuern, flicken und austauschen

 

Die Liste der Instandsetzungsarbeiten ist lang. Nicht nur die Verglasung im Foyer zum Stadtpark hin, auch alle Eingangstüren des Haupteingangs müssen ersetzt und ein Teil der Fassade erneuert werden. Auch die Flachdächer werden instandgesetzt und die Lifte an heutige Normen angepasst. Ein Grossteil der Haustechnik – von den Elektroinstallationen über die Heizungs-, Lüftungs- und Klimaanlagen bis zu den Sanitäranlagen – müssen erneuert werden. Hinzu kommen Arbeiten an der betrieblichen Infrastruktur. Die Anlagen der Bühnentechnik werden komplett ersetzt. Die Winden werden instandgesetzt und die verbliebenen Handzüge durch elektrische Winden ersetzt. Die Theaterbestuhlung wird erneuert und der Sitzkomfort verbessert.

 

Arbeitsplätze mit Tageslicht

 

Der zusätzliche Raumbedarf verlangt eine Erweiterung des Theatergebäudes um 750 Quadratmeter. Mit dem zusätzlichen Platz können die aktuellen Arbeitsplatzvorschriften erfüllt und angemessene Künstlergarderoben und Maskenräume zur Verfügung gestellt werden. Die Arbeitsräume im Untergeschoss werden mit Tageslicht versorgt. Die Decke im Bühnenbildlager wird erhöht, damit Bühnenbilder Platz finden. Dasselbe gilt für den Ballettsaal, wo ein zeitgemässer Probebetrieb möglich wird. Aus baulichen und betrieblichen Gründen kann der Anbau nur an der nordwestlichen Gebäudeecke entstehen.

 

Provisorium während Bauarbeiten

 

Bis auf die Werkstätten bleibt das Theatergebäude während der Bauarbeiten geschlossen. Über den Zeitraum zweier Spielsaisons wird der Theaterbetrieb in ein Provisorium verlegt. Dieses wird zwischen dem Kunstmuseum und dem Historischen und Völkerkundemuseum erstellt. Der zentrale Standort ist aus Publikumssicht geeignet und liegt nahe bei den Werkstätten. Der temporäre Bau besteht aus einem Publikums-, einem Bühnen- und Backstage-Bereich. Für die Planung des Provisoriums wurde die Anzahl der Sitzplätze von 700 auf 500 reduziert. Die Kostenschätzung für das Provisorium beträgt 4.5 Millionen Franken.

 

Für das Provisorium wurden unterschiedliche Varianten überprüft: die Übernahme eines Theaterprovisoriums aus Genf, ein Provisorium in der Industriehalle auf dem ehemaligen Armstrong-Areal in St.Gallen Winkeln oder eine Mietlösung auf dem Olma-Areal. Alle alternativen Lösungen erwiesen sich als kostspieliger und aus künstlerischer Sicht als nachteilig.

 

Die nächsten Schritte

 

Die Kosten der baulichen Massnahmen belaufen sich auf 47.6 Millionen Franken. Davon entfallen 38.1 Millionen Franken auf werterhaltende, 9.5 Millionen Franken auf wertvermehrende Massnahmen. Da der wertvermehrende Anteil der Bauvorlage unter 15 Millionen Franken liegt, ist keine zwingende Volksabstimmung notwendig. Stimmt der Kantonsrat dem Vorhaben zu, starten die Instandsetzungsarbeiten im Sommer 2019. Die Arbeiten am Gebäude dauern zwei Jahre. 


Allgemein - Theater St.Gallen soll erneuert werden (20.03.2017 10:11)


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