Der Geothermie zum Durchbruch verhelfen

Fachtagung Geothermie im Pfalzkeller St.Gallen

Die Geothermie wird in der Ostschweiz zu einem immer wichtigeren Thema. Während die Stadt St. Gallen kurz davor steht, die erste Tiefenbohrung in Angriff zu nehmen, wagt sich die Firma DTE an ein zukunftsweisendes Projekt, mit dem die Aussicht besteht, Strom in grosser Menge zu produzieren. An der St.Galler Geothermie-Tagung konnten sich Interessierte aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik über die Entwicklungen auf diesem Feld informieren. Bundesrätin und Energieministerin Doris Leuthard betonte die Bedeutung der erneuerbaren Energie und insbesondere der Geothermie.


Bereits zum zweiten Mal konnte Regierungsrat Willi Haag zur St. Galler Geothermie-Tagung einladen. Dieser Einladung in den Pfalzkeller folgten über hundert Gäste aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik. Ziel der Tagung war ein Austausch über erneuerbare Energien generell, die Bedeutung der Geothermie und im Speziellen der Geothermie in Stollenbautechnik.

 

Stadtrat Fredy Brunner eröffnete die Tagung mit einem Referat über das Geothermie­projekt der Stadt St.Gallen. Nach einer kurzen Präsentation des Energiekonzepts 2050 erläuterte er, wie die Energieversorgung in der Stadt umgebaut wird. In diesem Zusammenhang zeigte er sowohl Chancen, als auch Grenzen der Geothermie auf. Er forderte die interessierte Zuhörerschaft auf, nicht nur über erneuerbare Energie zu reden, sondern auch konkret Projekte zu realisieren. "Erneuerbare Energien bringen mehr lokale Wertschöpfung und reduzieren die Abhängigkeit", stellte Stadtrat Fredy Brunner fest.

 

Bundesrätin Leuthard zeigte sich überzeugt, dass die neue Definition einer Strompolitik mit einem schrittweisen Ausstieg aus der Kernenergie viele Chancen berge. Mit diesem Entscheid wollen Bundesrat und Nationalrat neue Inputs, eine neue Dynamik anstossen bei der Wirtschaft, der Bevölkerung und bei potentiellen Investoren und Stromunternehmen. „Dieser energiepolitische Umbau ist ambitiös aber möglich, wenn wir alle wollen, wenn wir das sorgfältig organisieren und wenn wir 25 bis 30 Jahre Zeit haben. Als High-Tech-Land können wir uns in einem Umfeld, in dem Energie und Strom zu einem stark nachgefragten, aber sich verknappenden Konsumgut werden, optimal positionieren und neue Arbeitsplätze schaffen.“ Neben der Wasserkraft haben dabei die neuen erneuerbaren Energien ein Potential, das es zu nutzen gelte. „Dabei kann Geothermie Bandenergie liefern und neben Solar-, Wind- und Biogas-Anlagen eine wichtige Rolle spielen.“ Soll Geothermie als Bestandteil einer langfristigen Energiepolitik genutzt werden, lohne es sich, Chancen und Risiken sauber abzuklären, Forschung und Entwicklung – auch international – breit abzustützen und die Bewilligungsverfahren zu beschleunigen.

 

Mehr Offenheit zeigen

 

Über die Bedeutung der Geothermie aus Sicht der ETH informierte Prof. Dr. Jürg Dual. Seine Grundaussage ist klar: Im Erdinnern ist genügend Energie vorhanden, die Frage ist nur, wie wir sie herausholen. Einer der wichtigsten Beiträge der ETH dazu sei die Ausbildung. Nach seinen wissenschaftlichen Erklärungen informierte Jürg Dual über die Faktoren, die der Geothermie zum Erfolg verhelfen können und appellierte an die Teilnehmenden, in Wissenschaft und Energiepolitik mehr Offenheit zu zeigen.

 

Konkrete Projekte im Bereich der erneuerbaren Energien wurden durch Dr. Martin Pfisterer, Präsident der solE Suisse, vorgestellt. Die solE betreibt von Windparkanlagen über Photovoltaik bis zu einem Solarschiff diverse Anlagen zur Erzeugung von erneuerbarer Energie. Er schilderte die grosse Herausforderung, die Versorgungssicherheit bei anhaltendem Widerstand gegenüber neuen Projekten – vor allem seit dem Vorfall in Fukushima – zu gewährleisten. Deshalb schloss Martin Pfisterer: „Der Weg zur Geothermie gelingt nur mit breiter Information um Vertrauen aufzubauen und es braucht eine intensive Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Staat."

 

Geothermieprojekt mit grossem Potential

 

Die Firma DTE (Deep Thermal Energy) stellte an der Tagung ein zukunftsweisendes Projekt vor, das die Realisation von grossen Stromkraftwerken vorsieht. Die Idee scheint simpel: Anstelle von Bohrungen wird ein Schacht bis in Tiefen von 10‘000 Metern gebaut. In diesen Zonen kann durch horizontale Bohrungen genügend Wärme gewonnen werden, um ein grosses Kraftwerk zu speisen. Umso schwieriger ist dafür die Umsetzung aufgrund der hohen Temperaturen. Diese Umstände erfordern das Zusammenspiel verschiedenster bestehender Techniken sowie modifizierte Anwendungen in verschiedenen Bereichen. Peter Seger, Projektleiter bei der DTE, zeigte in seinem Referat einen möglichen Kosten- und Zeitplan auf.

 

Die gut besuchte Fachtagung wurde mit einer Podiumsdiskussion abgerundet, die Hanspeter Trütsch, Bundeshausredaktor des Schweizer Fernsehens, moderierte. Auf dem Podium diskutierten Nationalrätin Kathy Riklin (Präsidentin Schweizerische Vereinigung Geothermie), Helmut Wannenmacher (Amberg Engineering AG), Dr. Gebhart Kirchgässner (Volkswirtschaftprofessor der HSG) sowie Prof. Dr. Dr. HC Ladislaus Rybach (Managing Director Geowatt AG).

 

Die Tagung wurde mit dem Appell geschlossen, die verschiedenen Technologien im Bereich der Geothermie durch Politik, Wirtschaft und Wissenschaft mit grossem Engagement weiterzuentwickeln und damit zum Durchbruch zu verhelfen.


Allgemein - Der Geothermie zum Durchbruch verhelfen (30.06.2011 13:54)