
Gefahrenkarten der Regionen See-Gaster, Rheintal und Werdenberg sind online
Im Kanton St.Gallen werden bis Ende des Jahres 2012 die von Lawinen, Steinschlag, Rutschungen und Überschwemmungen ausgehenden Gefahren für Bevölkerung und Infrastruktur abgeklärt. Nachdem die erste Etappe abgeschlossen worden ist, liegen die Naturgefahrenkarten für die Regionen See-Gaster, Rheintal und Werdenberg vor. Diese sind nun im Internet unter www.geoportal.ch für die Bevölkerung einsehbar.
Mit Abschluss der Naturgefahrenabklärung für die Regionen See-Gaster, Rheintal und Werdenberg liegen für 35 St.Galler Gemeinden, rund 160'000 Einwohner und 58'000 Arbeitsplätze, die Gefahrenkarten vor.
Gefahrenkarte im Internet
Die einzelnen Gefahrenquellen, beispielsweise einzelne Gewässer oder Ausbruchsgebiete von Steinschlag, werden jeweils nach Gefährdung beurteilt. Insgesamt wurden rund 1180 Gefahrenquellen untersucht. Aus diesen sehr umfangreichen Informationen werden schliesslich flächenhafte Intensitäts- und Gefahrenkarten erstellt, die aufzeigen, wie stark ein Gebiet durch Naturgefahren gefährdet ist. Die Resultate aus der Naturgefahrenanalyse sind auf dem Geoportal (www.geoportal.ch neues Fenster, unter Darstellen, Risiken+Gefährdungen) öffentlich zugänglich. Nebst der Gefahrenkarte sind auch diverse andere Kartenprodukte abrufbar. So etwa Karten der Überschwemmungstiefen oder der Ereigniskataster, der vergangene Ereignisse dokumentiert. Die Naturgefahrenkarten können auch über das elektronische Baugesuchsformular abgerufen werden. Für Verwaltungsstellen in Gemeinden und im Kanton stehen zudem die Daten für einzelne Gefahrenquellen zu Verfügung. Diese erlauben es, gezielte Schutzmassnahmen zu planen und umzusetzen.
Hochwassergefahr dominiert
Die Regionen See-Gaster, Rheintal und Werdenberg weisen insgesamt eine Fläche von 60'051 ha auf. Da die Gefahrenkarten nur für die Gebiete mit hohem Schadenpotential erstellt werden – im Normallfall für das Siedlungsgebiet – betrug der eigentliche Abklärungsperimeter 14'858 ha. Davon sind 8172 ha (55 Prozent) durch einen oder mehrere Naturgefahrenprozesse gefährdet. Die Gefahrenkarten zeigen, dass rund 49 Prozent der gefährdeten Flächen eine geringe, 29 Prozent eine mittlere und lediglich 3 Prozent eine erhebliche Gefährdung aufweisen. Die restlichen 19 Prozent der Fläche unterliegen einer sogenannten Restgefährdung. Bei der Verteilung der gefährdeten Flächen nach Hauptprozessarten zeigt sich, dass 85 Prozent der gefährdeten Fläche durch Hochwasser, 12 Prozent durch Rutschungen, 2 Prozent durch Steinschlag und Felssturz und 1 Prozent durch Lawinen gefährdet sind.
Erkannte Gefahr ist halbe Gefahr
Die Gefahrenkarten alleine werden künftige Gefahrenprozesse nicht vermeiden oder aufhalten können. Sie machen es hingegen möglich, die Gefahr richtig einzuschätzen und mit ihr verantwortungsvoll umzugehen. Die neue vom Bund vorgegebene Risikokultur verlangt, den erkannten Gefahren soweit wie nötig aus dem Weg zu gehen. Die Erkenntnisse aus der Gefahrenabklärung werden darum auch direkte Auswirkungen auf die künftigen Orts- und Zonenplanungen in den Gemeinden haben.
Eigenverantwortung wahrnehmen
Um eine langfristige Datennutzung zu gewährleisten, werden die Resultate in digitaler Form in geographischen Informationssystemen (GIS) dargestellt und verwaltet. Durch das Aufschalten im Geoportal werden die Ergebnisse auch der Bevölkerung zur Verfügung gestellt. Damit soll erreicht werden, dass sich diese über die Gefahren informiert und entsprechende Schutzmassnahmen überlegt und ausführt. Zum Beispiel lassen sich infolge eines möglichen Hochwassers die Fliesstiefen anhand der Intensitätskarten genau bestimmen. Diese Information ermöglicht der Bauherrschaft angepasste Schutzmassnahmen zu treffen, indem sie gegebenenfalls eine Tiefgarageneinfahrt oder Lichtschächte entsprechend höher legt. Auch lassen sich mit den Gefahrenkarten potenzielle Gefahrenquellen erkennen, wie beispielsweise ein zu kleiner Brückendurchlass, welcher mit technischen Massnahmen entschärft werden kann. Nicht zuletzt lässt sich mit Hilfe der Gefahrenkarten ein Risikodialog führen, im Sinne: "Was darf passieren, und was darf auf keinen Fall passieren?". Die Karten bilden somit eine fundierte Entscheidungsgrundlage für ein modernes Risikomanagement.
Allgemein - Gefahrenkarten der Regionen See-Gaster, Rheintal und Werdenberg sind online (24.08.2010 09:49)