Sozialhilfequote des Kantons St.Gallen sinkt auf zwei Prozent

Im Jahr 2008 bezogen zwei Prozent der Kantonsbevölkerung Sozialhilfeleistungen. Dies ist der tiefste Wert seit Beginn der Auswertungen im Jahr 2005. Es ist davon auszugehen, dass dies mit der mehrheitlich guten Wirtschaftslage in diesem Zeitraum zusammenhängt. Insgesamt wurden im Kanton St.Gallen 9135 Personen mit Sozialhilfe unterstützt und waren somit von offener Armut betroffen.


Im Jahr 2008 war ein Drittel aller mit Sozialhilfe unterstützten Personen jünger als 18 Jahre alt. Kinder und Jugendliche sind überdurchschnittlich häufig auf Sozialhilfe angewiesen und haben mit 2.8 Prozent die höchste Sozialhilfequote. Dies entspricht 2'972 Kindern und Jugendlichen. Zwar ist die Betroffenheit von offener Armut unter den Kindern und Jugendlichen gegenüber 2006 überdurchschnittlich stark gesunken, dennoch liegt ihr Armutsrisiko nach wie vor deutlich über demjenigen der Gesamtbevölkerung.

 

Das Sozialhilferisiko der Alleinerziehenden ist in den vergangenen beiden Jahren deutlich gesunken. Mit einer Unterstützungsquote von 12.4 Prozent liegt ihr Sozialhilferisiko aber nach wie vor wesentlich über dem Durchschnitt sämtlicher Privathaushalte (2.4 Prozent). Mit verantwortlich für die hohe Quote der Alleinerziehenden ist der Umstand, dass sie aufgrund von Kinderbetreuungspflichten oftmals keiner Vollzeiterwerbstätigkeit nachgehen und so die finanzielle Belastung durch die Kinderkosten nicht selbst decken können.

 

Tiefes Ausbildungsniveau als Risikofaktor

 

Nahezu jede zweite Sozialhilfe beziehenden Person im Alter zwischen 20 und 64 Jahren verfügt nicht über eine abgeschlossene Ausbildung. Hinsichtlich der Ausbildungssituation bestehen deutliche Unterschiede zwischen einzelnen Staatengruppen. Schweizerinnen und Schweizer sowie Personen aus EU/EFTA-Staaten verfügen doppelt so häufig über eine Ausbildung wie Staatsangehörige aus dem übrigen Europa und aussereuropäischen Staaten.

 

Im Jahr 2008 bezogen schätzungsweise 12 Prozent der unterstützten Privathaushalte Leistungen der Sozialhilfe, obwohl sie im Umfang von mindestens einer Vollzeitstelle erwerbstätig waren. Paare mit Kindern sind dabei besonders betroffen, ein Drittel von ihnen zählt zu den Vollzeit Working-Poor.

 

Zwei Drittel beziehen Sozialhilfe seit über einem Jahr i

 

Knapp zwei Drittel aller unterstützten Fälle beziehen bereits seit mehr als einem Jahr Sozialhilfeleistungen und zählen damit zu den Langzeitbezügern. Nachdem sich der Anteil der Langzeitbezüger seit 2005 kontinuierlich erhöht hatte ist er 2008 erstmals gesunken.

 

Mehr als jeder dritte abgeschlossene Fall konnte die Sozialhilfe aufgrund der Aufnahme einer Erwerbstätigkeit, der Erhöhung des Beschäftigungsumfangs oder einer verbesserten Lohnsituation verlassen. Der Anteil von erwerbsbedingt abgeschlossenen Dossiers hat seit 2006 stark zugenommen (von 8.3 auf 13.3 Prozent). Die grösste Chance für einen erwerbsbedingten Austritt aus der Sozialhilfe haben Paare mit Kindern.

 

Anteil Sozialhilfebezüger ohne zusätzliche Einkünfte geht zurück

 

Mehr als die Hälfte aller Sozialhilfe beziehenden Privathaushalte verfügte neben der Sozialhilfe noch über weitere Einkommensquellen wie beispielsweise Einkünfte aus Erwerbseinkommen, Sozialversicherungen oder übrigen Bedarfsleistungen. Knapp 45 Prozent der unterstützten Privathaushalte bezogen ihren Lebensunterhalt ausschliesslich aus der Sozialhilfe und verfügten über keinerlei zusätzliche Einkünfte. Dieser Anteil ist nach einem kontinuierlichen Rückgang in den Vorjahren 2008 erstmals angestiegen. Den grössten Anteil von Fällen ohne jegliches Zusatzeinkommen weisen mit 58 Prozent die Einpersonenhaushalte auf.

 

Im Jahr 2008 erhielten insgesamt 2'417 Kinder und Jugendliche eine Bevorschussung ihrer Kinderalimente. Seit 2007 liegt die Anzahl der Alimentenbevorschussung Beziehenden pro 1'000 Einwohner/-innen bis 25 Jahren konstant bei 17 Personen.

 

67 Familien mit Mutterschaftsbeiträgen unterstützt

 

Bei 1.4 Prozent aller Geburten des Jahres 2008 lebten die betroffenen Familien zum Zeitpunkt der Geburt in offener Armut und bezogen Leistungen aus Mutterschaftsbeiträgen. Insgesamt sind 67 Familien mit 216 bezugsberechtigten Personen unterstützt worden.

 

Die Publikation "Statistik der Sozialhilfe, Alimentenbevorschussung und Mutterschaftsbeiträge im Kanton St.Gallen, Kennzahlen 2005-2008" in der Reihe "Statistik aktuell" der Fachstelle für Statistik des Kantons St.Gallen kann als Druckversion für 15 Franken bestellt werden unter 071 229 22 48 oder Armend.Demaj@sg.ch. Die Publikation steht auch zum kostenlosen Download  zur Verfügung.


Allgemein - Sozialhilfequote des Kantons St.Gallen sinkt auf zwei Prozent (19.05.2010 08:26)