
Feuerbrandstrategie 2015 erarbeitet
Der Kanton St.Gallen hat mit Betroffenen eine langfristige Feuerbrandstrategie erarbeitet. Die Schutzobjektstrategie wird weitergeführt. Mit Rodungen und Umpfropfen wird bei den Hochstämmen der Wechsel zu feuerbrandtoleranten Sorten vorangetrieben. Die Bewilligung für den Einsatz von Streptomycin im Jahr 2009 muss allerdings vom Bund erteilt werden.
Der starke Feuerbrandbefall 2007 zeigte, dass die bisherige Feuerbrandbekämpfung anzupassen ist. Regierungsrat Dr. Josef Keller erteilte darum den Auftrag zum Projekt St.Galler Obstbau 2015.
Erkenntnisse über den Feuerbrand
Im Projekt St.Galler Obstbau 2015 wurden unter Einbezug der Betroffenen Erkenntnisse über den Feuerbrand gesammelt. Die Bakterien – dies zeigen wissenschaftliche Studien aus den USA – leben über Jahre auf Wirtspflanzen, ohne Krankheitssymptome zu verursachen. Bei warmem und feuchtem Wetter vermehren sie sich jedoch explosionsartig. Man muss deshalb dafür sorgen, dass es möglichst wenig Stellen gibt, an denen der Feuerbrand sich unbemerkt während längerer Zeit vermehren kann.
Darum müssen bei den Hochstämmen die stark anfälligen Sorten durch Bäume mit robusten Sorten ersetzt werden. Problematische Sorten sind Tobiässler oder Engishofer, robuste Sorten sind Boskoop oder Hordapfel. Bei den Niederstämmen ist der Sortenumbau schwierig, weil es praktisch keine gegen Feuerbrand toleranten Sorten gibt, die auch als moderne Tafelobstsorten brauchbar sind. Ein wirksamer Schutz der Niederstämme kann nach den Erkenntnissen aus dem Jahr 2008 mit dem Antibiotikum Streptomycin erreicht werden. Dieser Wirkstoff hat jedoch Nebenwirkungen. So kann Honig in der Nähe von Obstanlagen mit Streptomycin verunreinigt werden und es sind auch Spuren in Äpfeln nachgewiesen worden.
Nicht einfach roden
Die Feuerbrandstrategie des Kantons St.Gallen darf – so stellte sich im Laufe des Projektes bald heraus – nicht ausschliesslich auf dem Roden kranker Bäume und dem Einsatz von Streptomycin beruhen. Erfolgversprechend ist nur eine integrierte, langfristig angelegte Strategie, mit welcher der Feuerbrand auf verschiedene Arten zurückgedrängt wird.
Der St.Galler Obstbau konzentriert sich auf die Region Bodensee und Fürstenland und Teile des Rheintals. Dort sind Niederstammanlagen eng verflochten mit bedeutenden Hochstammbeständen. Eine radikale Entflechtung, bei der alle Hochstammobstbäume im Umkreis von 500 Metern um Niederstammanlagen gerodet werden, ist wegen schwerwiegender Auswirkungen auf Landschaftsbild und Ökologie, aber auch auf die Mostobstproduktion nicht möglich. Die Entflechtung von Hoch- und Niederstammobstbäumen soll mit dem Ziel durchgeführt werden, hochanfällige Hochstammsorten durch robuste, feuerbrandtolerante Sorten zu ersetzen. Umpfropfkurse sollen den Sortenumbau unterstützen. Damit wird der Infektionsdruck mit der Zeit ebenfalls abnehmen.
Für die Bewirtschafter und Eigentümer wirtschaftlich wichtiger Niederstammanlagen und Hoch-stammobstgärten besteht Wahlfreiheit, diese als Schutzobjekte anzumelden. Erfüllen sie die Anforderung an Schutzobjekte, so werden vom Kanton im Umkreis von 500 Metern Kontrollen durchgeführt, Bekämpfungsmassnahmen angeordnet und Entschädigungen ausbezahlt. Nach heutigen wissenschaftlichen Erkenntnissen gibt es kein Feuerbrandbekämpfungsmittel mit einem annähernd gleichen Wirkungsgrad wie Streptomycin. Der Entscheid für den erneuten Einsatz von Streptomycin im Jahr 2009 muss vom Bund gefällt werden.
Forschung muss neue Wege weisen
Erst, wenn deutlich mehr über den Feuerbrand bekannt ist, kann er effizient bekämpft werden. In Folge des Feuerbrandjahres 2007 wurde die Forschung verstärkt. Universitäten, andere Forschungseinrichtungen und Beratungsstellen aus der Ostschweiz, Baden-Württemberg, Bayern und Vorarlberg haben sich zum Interreg-IV-Projekt "Gemeinsam gegen Feuerbrand" zusammen geschlossen. Das koordinierte und breit abgestimmte Vorgehen rund um den Bodensee soll rasch greifbare Resultate bringen.
Allgemein - Feuerbrandstrategie 2015 erarbeitet (03.12.2008 08:14)