
Streptomycin zeigt Wirkung
Der Einsatz des Antibiotika Streptomycin gegen die Bakterienkrankheit Feuerbrand in den Niederstammanlagen des Kantons St.Gallen zeigte aufgrund der bisherigen Erfahrungen sehr gute Resultate. Im laufenden Jahr wurden bisher nur zwei Hektaren unbehandelte Kernobstanlagen gerodet. Bei flächendeckenden Analysen des Honigs mussten nur zwei Honigposten aus dem Verkehr gezogen werden.
Der erstmalige Einsatz von Streptomycin gegen Feuerbrand wurde im Kanton St.Gallen am Mittwoch, 5. Mai 2008 aufgrund der Wetterdaten und –prognosen freigegeben. Weitere Aufrufe für einen zweiten und dritten Einsatz erfolgten am 9. bzw. 12. Mai 2008 mit einer Differenzierung der Einsatztermine für höhere Lagen.
Gute Wirksamkeit gegen Feuerbrand
Umfangreiche Kontrollen der behandelten Obstanlagen zeigten, dass der erwartete Wirkungsgrad von 80-90% mit zwei Ausnahmen erreicht wurde. Rückwirkend kann festgestellt werden, dass die Terminierung der Behandlungen auf den 82 Obstbaubetrieben, die Streptomycin einsetzten, richtig war. Die Obstproduzenten hielten sich an die Anweisungen der kantonalen Fachstellen. Das Streptomycin verhinderte Blüteninfektionen auch bei hohem Infektionsdruck zum grössten Teil.
Starke Infektionen auf unbehandelten Flächen
Vergleiche von antibiotikabehandelten Kulturen mit gänzlich unbehandelten Obstanlagen waren teils im gleichen Betrieb möglich, da Obstproduzenten Abstandsauflagen einhalten mussten. Überdies verzichteten vereinzelte Produzenten mit kleinen Flächen auf einen Streptomycineinsatz. Das Resultat war, dass unbehandelte Kulturen mit grossem Infektionsdruck einen starken Blütenbefall aufwiesen. Rodungen waren deshalb auf zwei Hektaren (gegenüber 35 Hektaren im Vorjahr) unumgänglich. Bezüglich Einsatz und Wirkung von alternativen Präparaten zeichnet sich ab, dass deren Wirkungsgrad bei hohem Befallsdruck nicht ausreicht, um Kulturen vor Blüteninfektionen zu schützen.
Flächendeckende Honigkontrollen zeigen minimale Belastung
Die ersten Ergebnisse der Honig-Analysen im Kanton St. Gallen zeigen ein positives Bild. Die Belastung des Honigs mit dem Antibiotika Streptomycin ist bis zum jetzigen Zeitpunkt minimal. Von 272 Proben wurden lediglich zwei Honigposten (= 0.6 %) aus dem Verkehr gezogen. Die vorliegenden Resultate lassen Rückschlüsse über die Auswirkungen des Streptomycineinsatzes auf Honig nur für dieses Jahr zu. Zum Zeitpunkt des Streptomycineinsatzes waren nämlich bereits rund 2/3 des Blütenhonigs eingetragen. Demzufolge blieben beinahe alle Proben unter dem festgelegten Grenzwert von 0,010 mg/kg. Zudem bewirkte der Wetterverlauf dieses Jahr einen extrem schlechten Nektarfluss.
Gute Zusammenarbeit von Obstbauern und Imkern
Von Seite der Imker wird die gute Disziplin der Obstproduzenten gelobt. Der Verlauf der Honigprobennahme verlief gut. Ein grosser Nachteil für die Imker waren die langen Wartefristen, bis die Resultate aus den Labors vorlagen. Folglich kristallisierte der Honig in den Kesseln, so dass viele Imker dieses Jahr ihren Kunden den sehr beliebten "frisch geschleuderten Blütenhonig" nicht anbieten konnten.
Allgemein - Streptomycin zeigt Wirkung (08.07.2008 09:12)