
Anhaltend geringe Fischerträge aus dem Bodensee
Seit 1954 zappelten nie mehr so wenige Fische in den Netzen der Berufsfischer vom Bodensee. Die Internationale Bevollmächtigtenkonferenz für die Bodenseefischerei diskutierte mögliche Anpassungen der Fischereipraxis.
Die diesjährige Konferenz in Konstanz stand unter dem Vorzeichen der anhaltend geringen Fangerträge der Berufsfischer des Bodensee-Obersees im Jahr 2007. Der Gesamtfang der Berufsfischerei lag mit 591 Tonnen um gut vier Prozent unter dem bereits sehr geringen Ergebnis von 2006 und gar um 39 Prozent unter dem Durchschnitt der letzten zehn Jahre. Diese Entwicklung scheint sich nach ersten Berichten im ersten Halbjahr 2008 fortzusetzen. Generell ist der derzeitige Rückgang im Zusammenhang mit den äusserst erfolgreichen Massnahmen zur Reinhaltung des Bodensees zu sehen. Die Phosphorkonzentration sinkt und entspricht heute, ebenso wie der erzielte Fangertrag, den jeweiligen Werten in den 1950er Jahren. Davon profitiert hat der Seesaibling, dessen Fangergebnis mit 12 Tonnen ausserordenlich hoch war. Der Anteil der Felchen am Gesamtfang lag bei 72 Prozent und betrug 425 Tonnen. Barsche wurden 62 Tonnen gefangen. Die Gruppe der Weissfische trug mit 44 Tonnen zur jährlichen Fischernte bei. Unter den weniger häufigen Arten dominierten Zander und Karpfen. Das Ergebnis wurde von 140 Berufsfischern am Bodensee-Obersee erzielt.
Situation wird untersucht
Mit den Änderungen im See verringerte sich über die letzten Jahre nicht nur das Wachstum der Felchen, sondern die Fische veränderten beispielweise auch ihr Verhalten und ihre Aufenthaltsbereiche. Um dies bei künftigen Befischungsregelungen noch besser berücksichtigen zu können, soll die veränderte Situation mit neuen Echolotuntersuchungen durch die Universität Konstanz und das Institut für Seenforschung in Langenargen untersucht werden.
Da mittelfristig kaum mit einem deutlichen Wiederanstieg der Erträge aus dem Bodensee gerechnet werden kann, befasste sich die Konferenz unter der Leitung Baden-Württembergs mit den Möglichkeiten einer Anpassung der Befischungsintensitäten. Neuregelungen müssen jedoch Belange der historisch gewachsenen Befischungsrechte berücksichtigen. Jedem Bodensee-Uferstaat steht derzeit eine genau festgelegte Anzahl sogenannter Fischereipatente zu, auf deren Grundlage die berufliche Fischerei ausgeübt wird. Ziele einer eventuellen Neuregelung sind eine Anpassung der Fischereipraxis und eine Unterstützung der Fischereibetriebe bei der nachhaltigen Nutzung der Fischbestände des Bodensees.
Keine zusätzlichen Bodennetze
Bereits im Spätherbst 2007 wurde in einem Sonderverfahren die Zulassung eines 38mm-Netzes im Schwebsatz beschlossen. Die Folgen dieser Änderung sollen in den Jahren 2008 und 2009 untersucht werden. Deshalb konnten zur diesjährigen Konferenz vorgelegte Wünsche des Internationalen Bodensee-Fischerei-Verbandes, zusätzliche Bodennetze einsetzen zu dürfen, von den Bevollmächtigten nicht berücksichtigt werden.
Angelfischerei
Die Angelfischer erreichten im Jahr 2007 mit 63.5 Tonnen ein mit dem Vorjahr vergleichbares Fangergebnis. Dieser Gesamtfang lag aber um neun Tonnen unter dem Mittelwert der vergangenen zehn Jahre. Er setzte sich vorwiegend aus Barsch, Felchen, Karpfen, Seesaibling und Hecht zusammen. Bemerkenswert ist hierbei der Ertragsanstieg beim Seesaibling um 380 Prozent auf 2.8 Tonnen.
Allgemein - Anhaltend geringe Fischerträge aus dem Bodensee (26.06.2008 10:48)