
Wenn Jugendliche straffällig werden
Das Jugendheim Platanenhof, das dem Justiz- und Polizeidepartement untersteht, widmete sich an seiner Frühjahrstagung dem Thema der straffälligen Jugendlichen und der Justiz. Anhand von konkreten Fallbeispielen wurden Abläufe und Prozesse innerhalb des Justizbereichs diskutiert. Dabei wurden auch die aktuellen Entwicklungen in Prävention und Repression beleuchtet.
Jugendgewalt ist ein aktuelles Thema, das die Gesellschaft, aber auch zahlreiche staatliche Institutionen beschäftigt. Es sind dabei nicht Einzelfälle wie die Fälle von sexuellem Missbrauch in Seebach und Schmitten, die in den letzten Monaten dieses Thema medial in den Vordergrund rückten. Viel mehr lässt sich in den letzten Jahren eine eindeutige Tendenz Richtung vermehrter Jugendkriminalität und insbesondere verstärkter Gewaltanwendung beobachten. Aus diesem Grund stellte sich das Justiz- und Polizeidepartement mit dem ihm unterstehenden Jugendheim Platanenhof an der diesjährigen Frühjahrstagung im Gemeindesaal Uzwil die Frage: Was geschieht mit Jugendlichen, wenn sie in die "Mühlen der Justiz" geraten? Das Interesse an diesem Thema und somit der Erfolg der Tagung zeigte sich in der hohen Zahl der Teilnehmenden. Über 320 Interessentinnen und Interessenten aus Schul- und Gemeindebehörden wie auch von Beratungsstellen und aus dem Justizbereich hatten sich für die Frühjahrstagung angemeldet.
Komplexe Ursachen – breiter Lösungsansatz
Die Vorsteherin des Justiz- und Polizeidepartementes, Regierungspräsidentin Karin Keller-Sutter, ging in ihrem Referat auf die Ursachen ein, weshalb Jugendliche straffällig werden. Dabei betonte die Regierungspräsidentin, dass es sich oftmals um ein komplexes Zusammenspiel von vielen verschiedenen Faktoren handelt. Es sind nicht alleine die soziale Herkunft, sondern auch soziokulturelle, ökonomische und psychologische Faktoren, die eine zentrale Rolle spielen. Die hohe Mobilität und die vielfältigen Freizeitmöglichkeiten würden zudem neue Begegnungs- und damit auch potentielle Konflikträume schaffen. Nichtsdestotrotz darf Jugendkriminalität nicht bagatellisiert werden. "Denn jeder Mensch, der sinnlose Gewalt erleben muss, ist ein Opfer zu viel", sagte die Regierungspräsidentin. Aus diesem Grund befürwortet Karin Keller-Sutter, dass zur Bekämpfung der Jugendkriminalität ein differenziertes Instrumentarium angewendet wird, das auf dem Mehr-Säulen-Konzept aus Prävention, Repression, Integration und Therapie basiert.
Konkrete Fälle dargestellt
Anhand eines konkreten Fallbeispiels stellten Fachpersonen aus dem Justiz- und Polizeibereich dar, wie ein Fall von Jugendkriminalität innerhalb der Justizbehörden aufgearbeitet wird. Insbesondere wurde dabei der Weg aufgezeigt von der Intervention der Polizei über die Arbeit der Jugendanwaltschaft bis zu den Vollzugsbedingungen einer Unterbringung im Jugendheim Platanenhof. Die Tagung bot aber nicht nur Einsicht in die Abläufe der Behörden, sondern ging auch auf die aktuellen Entwicklungen im Jugendstrafrecht ein. Neben den repressiven Massnahmen wurden auch die aktuellen Projekte der Präventionsarbeit im Kanton St.Gallen präsentiert. Dazu gehört insbesondere das Pilotprojekt der polizeilichen Jugendkontaktbeamten, die von der Kantonspolizei St.Gallen vorerst in der Region Fürstenland eingesetzt werden.
Allgemein - Wenn Jugendliche straffällig werden (16.03.2007 15:31)