
Projekt Lokremise St.Gallen nimmt Gestalt an
Der Kanton St.Gallen und die Genossenschaft Konzert und Theater St.Gallen errichten in der Lokremise St.Gallen ein Kulturzentrum für Tanz, Theater, Film und Medienkunst. Am Montag, 8. Mai 2006, wurde die neue Architektur des einzigartigen Baudenkmals vorgestellt. Das Zürcher Architektenteam Isa Stürm und Urs Wolf hat ein Konzept entwickelt, das die Lokremise zum offenen und wandlungsfähigen Kulturaggregat am Geleisefeld macht.
Die Weichen für die kulturelle Nutzung der Lokremise wurden bereits im vergangenen Jahr gestellt. Die Genossenschaft Konzert und Theater St.Gallen und das kantonale Amt für Kultur haben die Chance erkannt, die Lokremise zum Werkplatz für performative Künste zu machen: Tanz, Theater, Film und Medienkunst sollen Raum für Experimente und neuartige Formen der Kulturvermittlung erhalten. Das programmatische Konzept wie auch die Integration der Gastronomie werden derzeit entwickelt. Das Konzept soll offen sein. Zentrales Motto ist der Wandel im Zusammenspiel der Sparten.
Vier Studienaufträge
Die SBB haben sich entschlossen, die Lokremise durch einen Umbau wintertauglich zu machen und langfristig zu vermieten. Der Innenausbau ist Sache der Mieter. Das Baudepartement hat für den Teil Film, Medienkunst und Gastronomie Studienaufträge an vier Architektenteams erteilt (Details siehe unten). Die erste Jurierungsrunde im März hat ergeben, dass die Aufgabe für die gesamte Lokremise ganzheitlich gelöst werden muss. Die Projektträger und die SBB haben sich darauf geeinigt, den Studienauftrag für eine zweite Runde entsprechend auszuweiten. Mit dieser umfassenderen Aufgabe wurden auf Antrag der Jury zwei der vier Architektenteams betraut: das Atelier Markus Buschor aus St.Gallen und das Architekturbüro Isa Stürm und Urs Wolf aus Zürich. Im zweiten Durchgang der Jurierung ist die Wahl nun auf das Projekt von Isa Stürm und Urs Wolf gefallen.
Progressives Element für die Kultur
Isa Stürm und Urs Wolf haben sich intensiv mit der Geschichte der Lokremise, mit den denkmalpflegerischen Auflagen und mit den Optionen der kulturellen Nutzung auseinandergesetzt. Die vom Architekten Carl Moser entworfene Lokremise diente der Wartung von Dampflokomotiven. Mit den 21 Ständen ist sie das grösste Ringdepot der Schweiz. Mit der 1903 errichteten Eisenbetonkonstruktion gehört sie international zu den Betonpionierbauten. Die im Jugendstil gestaltete Fassadenhülle macht die Lokremise zu den ästhetisch ansprechendsten Nutzbauten dieser Kategorie. Die Architekten würdigen die Lokremise als Anlage des damaligen technischen Fortschritts, die zum Denkmal wurde. Ziel des neuen Programms ist, sie nun zu einem progressiven Element für die Kultur zu machen. Flexibilität und Anpassbarkeit können einen Ort schaffen, wo experimentelle und neue Kunstformen sich entfalten. Die Wartungshalle wird zum Werkplatz für performative Künste. Die Lokremise St.Gallen ist Programm und Architektur zugleich. Diesem Motto folgend haben Isa Stürm und Urs Wolf den Grossraum und seine Atmosphäre zum Hauptthema ihres Entwurfs gemacht. Die Technik für Tanz und Theater, der Saal für das Studiokino und die Infrastruktur für die Gastronomie sind in drei grossmassstäblichen Objekten untergebracht, die freistehend im Grossraum positioniert werden. Im Raum, der diese drei Objekte umfliesst, erlebt das Publikum die vielfältigen, sich wandelnden Formen von Tanz, Theater und Medienkunst. Die verschiedenen Elemente der Kulturvermittlung haben ihre zugeordneten Zonen, können aber temporär auch wandern. So und im Wechsel von Innenraum und Aussenraum bieten sich immer wieder neue Möglichkeiten des Experiments im Dialog von Kunst und Architektur. Das Modell und die Computerbilder vermitteln einen ersten Eindruck des neuen Kulturaggregats.
Die weiteren Schritte
Das Projekt wird nun so ausgearbeitet, dass der Umbau im Detail geplant und die Bewilligungen eingeholt werden können. Die Mieter und die SBB werden eine präzise Teilung der Aufgaben und der Kosten definieren. Der Kanton wird einen Partner für die Gastronomie bestimmen. Das Finanzierungskonzept des Kantons sieht vor, dass ein Teil der Investitions- und künftigen Betriebskosten durch private Projektpartner getragen werden. Für die Investition des Kantons unterbreitet die Regierung dem Kantonsrat voraussichtlich im Herbst dieses Jahres eine Kreditvorlage. Der Umbau unter der Leitung des kantonalen Hochbauamtes ist für das Jahr 2007 geplant. Der Fahrplan wird so gestaltet, dass erste Nutzungen mit provisorischer Infrastruktur bereits ab Herbst 2006 möglich sind. Dies unterstreicht den Werkstattcharakter des Kulturaggregats am Geleisefeld. Das Theater St.Gallen gibt die Einzelheiten der Programmation in der Anfangsphase am 9. Mai bekannt. Das Amt für Kultur prüft mit dem Kinok verschiedene Optionen der Integration des Kinobetriebs und verfeinert zusammen mit allen Projektpartnern das Konzept für die Plattform Film und Medienkunst. Eine Aufblende im Sinne der ersten Aktivitäten ist für das Jahr 2007 geplant.
Ergänzende Angaben zum Verfahren der Studienaufträge
Teilnehmer
- Keller und Hubacher. Architekten ETH/SIA, Herisau;
- Isa Stürm & Urs Wolf AG, Architekten ETH/SIA, Zürich;
- Atelier Markus Buschor, Architekturbüro, St.Gallen;
- Carlos Martinez Architekten AG, Widnau.
Preisgericht
- Regierungsrätin Kathrin Hilber (Vorsitz), Vorsteherin Departement des Innern, St.Gallen;
- Hans Schmid, Leiter Amt für Kultur, St.Gallen;
- Arnold Bamert, Kantonsbaumeister, St.Gallen;
- Philipp Lämmlin, Projektentwicklung FIME, St.Gallen;
- Werner Signer, Konzert und Theater St.Gallen;
- Jens Fankhänel, Kantonales Hochbauamt, St.Gallen;
- Alex Hanimann, Künstler, St.Gallen;
- Annette Gigon, Gigon + Guyer, Zürich;
- Werner Binotto, Architekturbüro Binotto + Gähler AG, St.Gallen.
Experten
- Niklaus Ledergerber, Denkmalpflege, Stadt St.Gallen;
- Patrick Bünter, Hochbäumt des Kantons St.Gallen;
- Köbi Nett, Gastronom, St.Gallen.
Allgemein - Projekt Lokremise St.Gallen nimmt Gestalt an (08.05.2006 00:00)