
Kanton St.Gallen vergibt seine Werkbeiträge
Am Mittwochabend, 30. November 2005, überreichte Regierungsrätin Kathrin Hilber im Staatskeller die Werkbeiträge, die das Amt für Kultur im Sommer öffentlich ausgeschrieben hatte. Zwölf Künstlerinnen und Künstler aus sechs Sparten erhielten für aktuelle Projekte einen Beitrag von je 17'000 Franken. Vier weitere Künstlerinnen und Künstler erhalten die Gelegenheit für einen dreimonatigen Aufenthalt in der Kulturwohnung des Kantons in Rom.
Im Mittelpunkt der feierlichen Übergabe im Staatskeller standen die 16 Kunstschaffenden, die aus der Hand von Regierungsrätin Kathrin Hilber die Werkbeiträge respektive die symbolischen Hausschlüssel für die Atelierwohnung in Rom empfangen durften. Auf die Ausschreibung im Sommer waren insgesamt 141 Bewerbungen beim kantonalen Amt für Kultur eingetroffen, die in einem ersten Schritt von sieben Fachjurys beurteilt und selektioniert wurden. In einem zweiten Schritt würdigte der Kulturrat die Vorschläge und traf die Auswahl. Die folgenden Kunstschaffenden erhielten einen Werkbeitrag in der Höhe von 17'000 Franken: Urs Fritz, Kronbühl; Elisabeth Nembrini, St.Gallen; Marlies Pekarek, St.Gallen; Regula Pöhl und Daniela Villiger, Rapperswil; Anita Zimmermann, St.Gallen (alle in der Sparte bildende Kunst tätig); Gisa Frank, Rehetobel (Tanz); Beni Bischof, Widnau (angewandte Kunst); Dragica Rajcic, St.Gallen (Literatur); Urs Bühler, Flawil; Eveline Stähelin, Berlin (beide Film); Willi Häne, St.Gallen; Charles Uzor, St.Gallen (beide Musik). Einen dreimonatigen Romaufenthalt im Zeitraum 2006/2007 dürfen Rahel Eisenring, Luzern; Peter Kamm, St.Gallen; Manuel Strässle, Basel (alle bildende Kunst) sowie Dieter Fromherz, Gams (Film), in ihre Agenden einschreiben.
Neues wagen - Grenzen überschreiten
Regierungsrätin Kathrin Hilber beglückwünschte die Künstlerinnen und Künstler zu den überzeugenden Projekten und spornte sie an, in ihrer Arbeit Neues zu wagen und Grenzen zu überschreiten. Hans Schmid, Leiter des Amtes für Kultur, betonte die Bedeutung der direkten Förderung des aktuellen Kulturschaffens in der Region und zeigte sich beeindruckt von der Eigenständigkeit und der Qualität der Projekte. Er durfte darüber informieren, dass beabsichtigt ist, den Kredit für Werkbeiträge im kommenden Jahr um 60'000 Franken auf 240'000 Franken zu erhöhen.
Es wird vermehrt gemalt und gezeichnet
In der bildenden Kunst wurden hauptsächlich Projekte ausgewählt, die stark mit dem Malen und Zeichnen verknüpft sind. Urs Fritz wird ein Künstlerbuch vorlegen, das mit einer Skulptur in Buchform zu vergleichen ist und aus visuellen Eindrücken aus Collagen und Zeichnungen entstehen wird. "Madonnas, Queens and other Heroes" von Marlies Pekarek entsteht in Zusammenarbeit mit der australischen Comic-Zeichnerin Geraldine Searles und hat als Ziel, den Dialog in Bild und Text in einer neuen Form zusammenzuführen. In Anita Zimmermanns Arbeiten steht der gezeichnete Strich im Zentrum. Sie möchte am Computer Körper entwickeln, die sich innerhalb des Raumes drehen, fortbewegen oder sich auflösen. Regula Pöhl und Daniela Villiger irritieren unter dem Namen "ZündWerk" durch Interventionen im öffentlichen Raum. Auch ihre Arbeit "Reisebüro ZündWerk" wird eine Einmischung in den Alltag darstellen. Elisabeth Nembrini schliesslich wird mit den Sammelbildern aus den Winnetou-Heften ihrer Kindheit arbeiten. Sie legt den Fokus auf die Frauenrolle, bearbeitet vergrösserte Ausschnitte und stellt sie in einen neuen inhaltlichen und formalen Zusammenhang.
Tanzen und riechen, schreiben und verwirren
Der Werkbeitrag ermöglicht der Tänzerin und Choreografin Gisa Frank Recherchen zum Thema "Landschaft riechen und bewegen". In der Sparte angewandte Kunst wurde Beni Bischof nominiert. Sein Low-Budget-"Laser Magazin" soll weiterhin in seinem Underground-Touch erscheinen, nun aber unter Beizug weiterer Texter und Kunstschaffender.
In Rom und Afrika verwurzelt
Der Musiker Willi Häne wird den in Rom erwanderten Klängen, Geräuschen und musikalischen Versatzstücken nachspüren und daraus Neues generieren. Der Komponist Charles Uzor mit schwarzafrikanischer Abstammung setzt sich mit seinen Wurzeln auseinander, indem er nigerianische Sprichwörter und afrikanische Melodiebildung mit westeuropäischen Kompositionstechniken verbindet.
In Ruhe an Roman und Drehbuch schreiben
Dragica Rajcic betritt als Lyrikerin Neuland und plant einen Roman über Hermann Broch. Dabei stehen die gemeinsamen, parallel laufenden Themen in Leben und Werk sowie die Situation im Exil im Zentrum. Zwei Werkbeiträge gehen an Filmschaffende: Eveline Stähelin nimmt in "Umsonst gibt's nur die Suppe" die Problematik einer allein erziehenden Mutter mit drei Kindern auf, beschrieben aus der Sicht des pubertierenden Sohns. Urs Bühler bearbeitet den Roman von Thomas Hürlimann "Der grosse Kater", welcher in der Schweiz der 70-er Jahre spielt und am Beispiel des Bundespräsidenten Kater das Spannungsfeld einer öffentlichen Person zwischen Politik und Familie schildert.
Roma - sehen und bleiben
Die Malerin Rahel Eisenring beabsichtigt in Rom unbeachtete Hinterlassenschaften einzusammeln und sie in surreal hintergründige Gemälde umzusetzen. Das Ewige Rom nach Ablauf der Ewigkeit wird Dieter Fromherz in einem ironischen Trickfilm festhalten. Der Bildhauer Peter Kamm hat vor, dem Homo Sacer, dem rechtlosen Menschen, nachzugehen und sichtbar zu machen. Als Bildhauer, Raum- und Installationskünstler interessieren Manuel Strässle die historischen Architekturen und Stadträume. Er wird sie dokumentarisch festhalten und in sein künstlerisches Oeuvre integrieren.
1. Dezember 2005
Allgemein - Kanton St.Gallen vergibt seine Werkbeiträge (01.12.2005 00:00)