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Professen unter Abt Pius Reher (1630-1654)

Professen unter Abt Pius Reher (1630-1654)


1. Plazidus Bridler

P. Plazidus (Theoderich) Bridler von Bischofszell. Geboren am 15. Februar 1613. Sohn des Hieronymus Bridler und der Anna Müller. Zunächst kam er 1624 nach Konstanz an die dortige Schule, aber schon im folgenden Jahre siedelte er nach Rorschach über. Am 17. Februar 1627 kam er nach St.Gallen, ging aber von da am 28. September 1629, wohl wegen der Pest, nach Murbach, von wo er am 5. Februar 1630 zurückkehrte. Am 7. März 1630 begann er sein Noviziat und legte am 9. März 1631 seine Profess ab. Seine höhern Studien begann er in St.Gallen, setzte sie in der Folge in St.Johann fort, kam aber am 17. Januar 1634 nach St.Gallen zurück, wo er am folgenden 5. Mai die theologischen Studien begann. Subdiakon 3. März 1635; Diakon 15. Februar 1636; Priester 7. März 1637. Die Primiz hielt er am St.Benediktstag 1637. Am 4. Mai wurde er mit der Theologie fertig und begann bereits am 15. Oktober 1637 seine Tätigkeit als Lehrer der Theologie. Daneben wurde er am 21. Dezember 1637 Beichtvater. Am 19. April 1639 sandte ihn Abt Pius zum Studium des Rechts nach Ingolstadt, von wo er am 26. September 1640 zurückkehrte. Mit P. Gallus wurde er am 10. Oktober 1640 nach Rom geschickt, wo sie am 12. November eintrafen. Am 29. Januar 1642 erwarb er den Doktorgrad des Rechts und am 22. März traten sie die Rückreise an, worauf sie am 29. April wieder in St.Gallen eintrafen. Abt Pius ernannte ihn am 2. Juni 1642 zum Professor für Kirchenrecht und Subprior in Rorschach, von wo er am 19. Dezember 1645 nach St.Gallen zurückkehrte. Hier wurde er am 1. Januar 1646 Fraterinstruktor und am 21. April Kirchenrechtslehrer. Am 10. Januar 1648 erfolgte seine Ernennung zum Offizial, welches Amt er bis zum Oktober 1651 innehält. Alsdann musste er als Professor für Kirchenrecht an die Benediktineruniversität Salzburg, von wo er am 12. September 1653 heimberufen, am 22. Januar 1654 wieder im Stifte eintraf. Hier wurde er am 5. August 1654 wieder Kirchenrechtslehrer und am 10. Mai 1656 auf ein neues Offizial. Aber schon am 8. Dezember dieses Jahres wurde er Statthalter von St.Gallen, welchen Posten er am 1. Januar 1661 mit dem eines Statthalters von Wil vertauschte. Da ihn daselbst am 18. März 1678 ein Schlagfluss traf, wurde er am 19. Oktober 1678 von diesem Amte befreit. Er blieb aber als «Vicarius in spiritualibus» in Wil, wo er am 15. September 1679 starb und seine letzte Ruhestätte fand.[i] (272)

 

Schriften:

 

a) Gedruckte:

 

1. Positiones theologicae, quas de Deo uno et trino exacto primi anni in Ss. Theologia curriculo in inclyto S. Galli coenobio die . . . Decembris praeside Placido Bridler publice examinandas proponent: Desiderius Ammann, Remaclus Negelin, Dominicus Karrer, Rapertus a Waldtkirch, Burkhardus Zwenger, Marcellus Lemann, Tutelo Gebel, Andreas Hoffmann, Philippus Horning. Anno MDCXXXIX. Formis monasterii S. Joannis in Valle Thurae, 4°, 13 S. – Stiftsbibliothek St.Gallen GG. M. VI, 7 Adl. 9. – Rheinauer Archiv Einsiedeln R 477 (Grolig).

 

2. Disputatio iuridica de clausulis rescriptorum principalioribus, quam a se collectam D. O. M. A. in monte divae Virginis Rosaci praesid. Placido Bridler, publice disputandam proponent Othmarus Frey, Aegidius a Waldtkirch, Meinradus An der Almend (aus Muri). Mense Septembre die . . . Anno MDCXLV. – Formis monasterii S. Galli, 4°, 2 Bll. 91 S., 2 Bll. – Stiftsbibliothek St.Gallen GG. M. VI, 7. – Zürich, Zentralbibliothek RRr 354 (Grolig).

 

3. Disputatio juridica de vita et honestate clericorum. In incl. monasterio S. Galli coenobio praeside r. P. Placido Bridler publice propugnanda a rdis P. Thoma Niderist et P. Josepho Castell. Die . . . Aprilis MDCXLVIII. Formis monasterii S. Galli, 4°, 2 Bll., 59 S., 2 Bll. – Staatsarchiv St.Gallen Collectio Wegelin 23/6 (Grolig).

 

4. Kurzer und Summarischer Innhalt der Indulgentzen vnnd Ablass, welche durch vnsere H.Väter, Päpsten zu Rom gegeben vnd von dem jetzigen Innocentio X. auffs neu confirmiert worden, den Brüdern vnnd Gutthätern vnser lieben Frawen zu Montserrat (Kopftitel) (Verkündet durch den Offizial Plazidus Bridler 18. X. MDCXLVIII). Folio 1 Bll. Stiftsarchiv R 36 f 2 (Grolig).

 

b) Ungedruckte:

 

1. Summa juris canonici von P. Plazidus Bridler 1651 in Salzburg geschrieben. Mscr. 1104, 2°, unpag. (Konzept). Es ist am Rande vom Rauch geschwärzt; denn in Salzburg war es durch eine Feuersbrunst bedroht. Der Erzbischof soll befohlen haben, vor allen Dingen dieses Werk zu retten (Sch., p. 408). Ludwig Engel soll es für sein Lehrbuch über das Kirchenrecht benützt haben (v. Arx III. 272).

 

2. Translationes Ss. Patronorum Monasterii S. Galli 1628 et Alia de Anno 1631. Darin auch Verse von P. Plazidus (Sch., p. 455).

 

[i] v. Arx III, p. 272.


2. Remaclus Negelin

P. Remaclus (Mathias) Negelin von Bergheim (Berckheimiensis) im Elsass. Geboren am 24. Februar 1613. Eltern: Leonhard Negelin und Anna Maria Bär. Während der Vater im Kriege umkam, lebte die Mutter, durch die Franzosen und Schweden vertrieben, in St.Gallen, Rorschach und Neu-Ravensburg, wo sie im Haushalte mithalf. Profess 9. März 1631; Subdiakon 15. Februar 1636; Diakon 7. März und Priester 28. März 1637. Primiz am 5. April 1637 in St.Johann.

 

Da er geistig etwas schwerfällig war, verlegte er sich besonders auf die Schönschreibekunst. Er bekleidete aber auch die Ämter eines Vestiarius, Cellerars, war ferner seit dem 26. April 1640 Unterstatthalter in Rorschach und seit dem 2. November 1642 in Neu-Ravensburg. Als der Krieg etwas nachliess, wurde er, da er französisch sprach, mit den Patres Paul und Lukas am 21. August 1643 nach Murbach geschickt, wo alle Kapitularen gestorben; von da nach Lüders. Aber bald brach der Krieg von neuem aus und sie mussten wieder fort. Einige Zeit blieb er in St.Gallen. 1635 und 1637 finden wir ihn in St.Johann, wo er mit P. Bonifaz Feurer sich mit der Buchdruckerei beschäftigte.[i] Am 8. Juni 1649 wurde er zum Subprior von St.Johann ernannt. Hier starb er am 24. Januar 1653 an der Auszehrung und fand auch hier seine letzte Ruhestätte, die folgendes Epitaph schmückte:

 

Subprior hic jaceo, sed munere primus in isto

Atque loco raptus tune secundus eris?

 

«Fuit staturae pusillae, facie nigriori et pallente, ingenio obtusiori.»

 

Einer seiner Brüder wurde Bäcker und Müller in Rorschach; der andere besuchte die Schule in St.Gallen, brachte es aber zu nichts.[ii]  (273)

 

[i] Siehe oben P. Bonifaz Nr. 270 und Anmerkung 454.

[ii] Stipplin, Band 234, p. 205.


3. Dominicus Karrer

P. Dominicus (Jakob) Karrer von Tablat. Geboren am 24. August 1613 als Sohn des Ammann Johann Karrer und der Sybilla Dürmüller. Der Vater starb 1635 an der Pest, die Mutter aber zog sich nach dem Kloster Notkersegg zurück, wo ihre Tochter Theresia eingetreten war. Profess 9. März 1631; Subdiakon 15. Februar 1636; Diakon 7. März 1637 und Priester 19. September 1637. Primiz am 16. Oktober 1637. Seit dem 15. August 1643 war er Küchenmeister in Rorschach. Am 15. April 1652 wurde er Cellerar in St.Gallen. Am 5. September 1654 wurde er Stiftspfarrer. Zu gleicher Zeit war er Hortulanus, da er die Gartenarbeit liebte und sich auch mit dem Destillieren von Kräutern befasste. Am 10. Mai 1656 ging er als Pfarrer nach Peterzell. Von dort kam er als Unterstatthalter nach Wil, von wo er schon am 30. Mai krank nach St.Gallen zurückkehrte. Hier starb er, schon früher vielfach kränklich, am 23. Februar 1660, erst 53 Jahre alt. «Ist in der Krankheit gar geduldig gewesen.»[i] Als Beichtvater, Prediger und auch als Pfarrer, besonders aber als Katechet wirkte er sehr gut, förderte vor allem die Verehrung der Muttergottes und die Rosenkranzbruderschaften.

 

«Munia multis temporibus et pene ad vitae finem non sine satisfactione gessit, ioco et serio erga omnes festinus. Multas corporis molestias ob infirmitates quasi continuas ex medicinorum frequenti usu pertulit patienter. In Choro strenuus, voci qua valebat, mediocris musicus, non pepercit. Scrupulis et melancholia subinde agitatus et afflictus, cum de iis abiciendis moneretur, in se rediens, taliter sonans iocose dicebat: Lustig, im Hui, daß Gott erbarm !»

 

«Dum sequor Eliam, Coelorum Auriga futurus,

Palliolum carnis Tumba relinquo tibi.»

«Fuit staturae mediocris, subpallidus.»

 

Ein Bruder, Michael Karrer, war Unterfähnrich bei den vom Abte dem König von Spanien nach Portugal geschickten 350 Mann. Er starb mit seinem Sohne 1664 in Spanien. Ihm wurde folgendes Distichon gewidmet:[ii]

 

Sic vitae portum tibi Portugallia praebet?

Hoc ipsum Michael hic patuisset iter.[iii] (274)

 

Schriften:

 

Er verfaßte eine Distributio tempods, diei, Actionum et propositorum, die uns Stipplin in Band 234, p. 210 ss. aufbewahrt hat. 

 

[i] Abt Gall, Diarium IV. 147.

[ii] Mscr. 1447.

[iii] Stipplin, Band 234, p. 209-217.


4. Franz Hertenstein

P. Franz (Matthäus) Hertenstein von Rorschach. Geboren am 7. Dezember 1610. Eltern: Georg Hertenstein und Dorothea Schedler. Die niedern Studien machte er in Ravensburg; später kam er nach St.Gallen, wurde aber, als 1629 die Pest kam, nach Murbach geschickt, so dass er schon etwas älter war, als er am 9. März 1631 die Profess ablegte. Subdiakon 3. März 1635; Diakon 15. Februar 1636; Priester 7. März 1637. Primiz am 25. März 1637. – Er war ein sehr guter Organist, so dass man ihn als zweiten Orpheus oder Arion rühmte. Um ihn zu unterrichten kam am 7. Dezember 1637 P. Alphons von Weingarten her und ging er selber am 21. Januar 1638 dorthin, um besonders auch im Choral sich ausbilden zu lassen. Am 23. Februar 1638 wurde er Pädagoge. 1639 wurde er Chorpräfekt. 1640, 4. Oktober, ernannte ihn der Abt zum Küchenmeister, am 13. Mai 1644 zum Kustos, am 23. April 1648 zum Kapellmeister. Am 18. Oktober 1649 wurde er Kellerherr, am 15. April 1652 Novizenmeister. Vom November 1644 bis 1653 versah er auch das Amt eines Kapitelssekretärs. Am 27. Februar 1645 wurde er mit P. Andreas Hofmann nach Einsiedeln geschickt, um dort eine «rechte Teutsche Schrift» zu erlernen; er kehrte aber schon am 7. März wieder zurück, während sein Gefährte länger blieb. Am 30. August 1652 erfolgte seine Ernennung zum Subprior des Stiftes. Aber schon am 19. Juli 1653 erbat sich ihn das Kapitel von Ettenheimmünster, wo St.Gallen sich um die Reform bemühte, als Abt. Mit Erlaubnis des Abtes sagte er zu. Abt und Kapitel von St.Gallen versicherten ihm aber, dass er für den Fall, so er durch den Krieg aus dem Kloster vertrieben würde, mit einem Pater und einem Diener wieder zurückkehren könne; ebenso wollte man ihn für den Fall einer rechtmässigen Resignation wieder aufnehmen. überdies sollte er «frater adseriptus» von St.Gallen bleiben.[i] Am 6. Juni 1655 fand die feierliche Benediktion statt. Kriegerische Ereignisse zwangen ihn 1679 zur Heimkehr. Er kam am 12. Februar dieses Jahres vorerst nach Fischingen, am 24. Juni sodann nach St.Gallen. Hier lebte er bis zum 1. November 1636, wo er 76 Jahre alt starb.[ii]

 

Schriften:

 

1. Theses menstruae de attributis divinis . . . (Am Ende: . . . ). Defendent F. Herttenstein et Vict. Reding die . . . Octobris (1634). (Siehe P. Modestus Spieß).

 

2. Restitutio iniuriarum, qua proximi ius violatum restauratur. Circa bona fortunae, honoris ac formae corporis et animae. – In monasterio S. Galli publice examinanda ac disputanda proposita per Franciscum Hertenstein et Victor Reding. Anno MDCXXXVI (ohne Angabe des Präses). Formis monasterii St. Joannis. 4°, 54 S. – Stiftsbibliothek St.Gallen GG. M. VI, 1 Adl. 21. – GG. M .VI, 17 Adl. (Grolig).

 

3. Disputatio theologica de contractibus in genere et in specie, in qua de eorum iustitia et iniustitia, obligatione ac celebrandi modo clare disseritur. Proposita in monasterio S. Galli a Rdis ac religiosis Patribus ibidem Professis et Ss. theologiae studiosis. Anno MDCXXXIV. Formis monasterii S. Joannis in Valle Thurae. 4°, 31 S. – Stiftsbibliothek St.Gallen GG. M. VI, 1 Adl. 19; GG. M. VI, 17 (Grolig). Fehlt bei Scherer.

 

Ihm wurde gewidmet: Arca in Diluvio humanae vitae symbolum pro felicissimo novi anni pacifici auspicio oblata Rmo ac Amplo Dno D. Francisco Abbati ad S. Ethonem Hospiti apud S. Gallum et toti venerabili Conventui abs RR. FF. S. Galli 1679. Rectore R. P. Gallo pro tempore FF. juniorum moderatore, composuit R. P. Antonius Betschart et R. P. Athanasius Greuther. (Mscr. 1375 f.)  (275)

 

[i] 19. Juli 1653; Fasz. XXIX, 12.

[ii] Stipplin, Band 234, p. 179.


5. Marcellus Lehmann

P. Marcellus (Markus) Lehmann von Goßau. Geboren am 25. April 1616. Eltern: Balthasar Lehmann (im Schlauch) und Anna Schindler. Profess 8. Dezember 1632. Subdiakon 19. September 1637; Diakon 24. September 1639; Priester 22. September 1640 durch den Nuntius Farnese in St.Gallen. Primiz 29. September 1640. – Er hatte vorher die Schulen von Gossau, wo er den Exjesuiten Johann Keller zum Lehrer hatte, und von St.Johann besucht und kam 1627 nach St.Gallen. Pater Marzellus kam am 4. Oktober 1640 nach St.Johann, wo er bis zum 11. Januar 1647 blieb. In St.Gallen wurde er am 18. Oktober 1649 Unterkellerherr, doch kam er bald wieder nach St.Johann, von wo er am 7. Oktober 1651 neuerdings zurückkehrte, um am folgenden 22. Oktober wieder das Amt eines Unterkellerherrn anzutreten. Am 10. Juli 1653 wurde er Vestiar in St.Gallen, ging aber schon am 11. September 1653 als Lehrer nach Rorschach, wo er aber auch als Katechet und Prediger sich betätigte. Kurze Zeit wirkte er sodann als Pfarrer in Murbach. Am 26. Februar 1662 wurde er Gehilfe des Pfarrers P. Lukas Graf in Ebringen; besonders sollte er die niedern Schulen versehen. Wie lange er dort weilte, ist unbekannt. Jedenfalls war er vom 3. September 1672 bis 21. Juni 1676 Beichtiger in Wonnenstein, bevor er am 22. Juni 1676 Pfarrer in Peterzell wurde. Schon anfangs 1677 kam er nach Neu St.Johann, zunächst ohne bestimmten Posten; erst am 18. Oktober 1678 wurde er hier Subprior. Er starb in St.Gallen am 4. September 1686, 70 Jahre alt.[i] (276)


6. Viktor Reding

P. Viktor (Theoderich) Reding von Schwyz. Geboren am 23. Juli 1615. Der Vater, Franz Reding, war Präfekt in Rorschach, die Mutter, Katharina Tschudi, stammte aus Glarus. Er besuchte zuerst das Gymnasium in Rorschach, kam dann nach St.Gallen, musste aber zur Zeit der Pest 1629 wieder nach Rorschach. Hier hielt er sich im elterlichen Hause auf, erkrankte an der Pest, wurde aber von einem treuen Diener, namens Johann, sehr gut verpflegt, so dass er sich wieder erholte, wenn sich auch die Folgen immer wieder geltend machten. Profess 8. Dezember 1632. Subdiakon 7. März 1637; Diakon 19. September 1637; Priester 24. September 1639. Primiz 23. Oktober 1639. P. Viktor wurde am 24. Februar 1640 Unterkustos, am 31. Mai 1641 Vestiarius, am 2. Juni 1642 Kustos und am 13. Mai 1644 Küchenmeister. Später war er offenbar wieder Kustos; denn am 12. Juli 1649 wurde er ein zweites Mal nach Einsiedeln geschickt «wegen Kirchenzierden». Am 21. Januar 1651 ging er zur Primiz seines Bruders nach Fischingen. Am 3. August 1653 wurde er Statthalter in St.Gallen, was er bis zu seinem Tode blieb. Am 1. Dezember 1656 fand man ihn schwer krank auf seiner Zelle, so dass er noch im Laufe dieses Vormittages starb. «Nulla hora, nulla mora, a morte secura» setzte man ihm darum als Grabschrift. Bei seinem Tode waren zwei seiner Brüder, P. Viktorin, der Profess in Fischingen, und Franz, der Offizier in Schwyz war, zugegen. Ein dritter Bruder, namens Karl, war Kammerdiener des Abtes von St.Gallen.

 

«Operabilis vero magis quam speculatricis naturae et ingenii cum et ad praxim potius in philosophia et Theologia addiscendum ferebatur. Sed et in exterioribus practicus existens, quidquid videbat, dextere imitari et ut ita loquar, postfabricari poterat. Artem aurifabrilem, instructore Domino Zacharia Müller, celebri in vicina civitate cive et aurifabro, perdiscens, aliquot peritiae suae specimina dedit, inter quae calix affabre factus ex argento, sumptibus a praenobili Dno Jo. Casparo Tschudio Greplangensi Toparcha, matruele suo ad primitias suas veniente suppeditatis et oblatis. Juvenis erat proceris staturae, lacertosus et Athleta Fabius, asper, pulcher et formosus at imprimis Religiosus, comis et castus.»[ii] (277)

 

Schriften:

 

Breves in jus canonicum Explicationes. 1644, 8°. Nach Weidmann (Geschichte der Bibliothek von St.Gallen, p. 430) seit 1712 in Zürich. (Theses siehe P. Modestus Spieß). 

 

[i] Stipplin, Band 234, p. 223.

[ii] Stipplin, Band 234, p. 228.


7. Iso Pfau

P. Iso (Hieronymus) Pfau von Überlingen. Geboren am 17. November 1616. «Hieronymus Pfaw Vberlingensis Acromanus Herrn Magistri Sebastiani Pfawen Burger vnd der Zeit verordneter Spenn Pflegers zu Vberlingen vnd Anna Wüerglinen auch Burgerin daselbsten Ehrlicher Sohn, war geboren den 17. tag Novembris Anno 1616 am Morgen vmb drey Uhr, im glücklichsten Planeten der Sonnen: Sein Thauffgöttin wahren der Edel vnd Vest Junkher Johann Schulthaiss regierender Burgermeister zuo Vberlingen, vnd die auch Edel vnd Tugentsamb Junckfraw Anna Benedicta Schulthaisin seines Bruders, dess jetzt regierenden Burgermeisters Dochter, vnder welchen der Junkher Göttin vor dritthalb Jahren christlich in Gott verscheiden, die Junckfraw Gottä aber ist noch der Zeyt im Leben, guoter Gesundthait vnd ledigen Stands.»[i] Er kam 1628, Ende Oktober, nach St.Gallen. Profess 8. Dezember 1632. Subdiakon 19. Dezember 1637; Diakon 24. September 1639; Priester 22. Dezember 1640. Primiz 30. Dezember 1640. Noch als Frater wurde er am 30. März 1639 Lehrer der Syntax, am 17. Oktober dieses Jahres Lehrer der Grammatik. Am 13. Oktober 1640 kam er als Lehrer der ersten Klasse nach Rorschach. Am 7. Januar 1642 kam er von Rorschach zurück, wurde am 2. Juni Kapellmeister und am 9. April 1644 wieder Lehrer der Syntax, bis er am 23. April 1648 nach St.Johann kam, von wo er am 14. April 1651 nach St.Gallen zurückkehrte. Bald kam er wieder nach Rorschach, von wo ihn Abt Pius am 11. September 1653 zurückberief. 1654 war er Subcantor. Dann aber muss P. Iso erkrankt sein, denn am 22. Oktober 1655 hielt Abt Gallus Rat, wie man ihm «propter corruptum ingenium» helfen könne. Schlimm scheint aber die Sache nicht gewesen zu sein, denn 1659 finden wir ihn wieder als Praefektus Chori (Choralmagister?). Am 21. Juli 1661 wurde er zum Bibliothekar ernannt.[ii] Wie es scheint, bekleidete er diesen Posten bis zu seinem Tode, am 16. März 1679.[iii] Stipplin rühmt ihm ein fabelhaftes Gedächtnis nach[iv] und Abt Gallus bemerkt zu seinem Tode: «Mitis et humilis corde, nemo scit fuisse vel semel iracundum.»[v] (278)

 

Schriften:

 

a) Gedruckte:

 

1. Temperantia virtus cardinalis ejusque partes subjectae ac vitia opposita, de qua in monasterio S. Galli mense Martio die . . . publice disputabunt Yso Pfaw, Hermannus Huttler (kein Präses angegeben). In monasterio S. Joannis vallis Thurae. Anno MDCXXXV, 4°, 22 Bll. – Stiftsbibliothek St.Gallen GG. M. VI, 1 Adl. 16. GG. M. VI, 17 (Grolig).

 

2. Collectarium sive summarium privilegiorum abbatibus et religiosis monasteriorum exemtorum ordinis Benedictini per Helvetiam ab Urbano papa VIII. feliciss. record. per communicationem cum aliis religiosorum ordinibus in perpetuum concessorun. Anno MDCXXI. pont. IV. 19. Septb. Opera et studio r. p. Ysonis Pfaw compilatum et editum. Anno 1665 cum licentia et facultate superiorum typis ejusdem monasterii excudebat Joan. Adamus Haercknerus. 32°, 12 Bll., 263 S., 6 Bll. c. Indice. – Stiftsarchiv St.Gallen, Rubr. 39, Fasz. 1. – Staatsarchiv Zürich 35, 413 und K Rc 215. – Stiftsbibliothek Einsiedeln J 2536 (Grolig). Autograph s.u. – Nach Weidmann (p. 82) soll es zu Rom verdammt worden sein.

 

b) Ungedruckte:

 

Privilegia Congregationis Helvet. Bened. ab Urbano VIII. concessa. von P. Yso Pfau, 1660, Mscr. 1339, Papier 4°, 156 S. – Gedruckt 1665 (s.o.) idem in Mscr. 1340, Papier 4°, 320 S. Kopien davon auch in Rheinau und Zürich (Haller III. 817, 818, 1333). Die Rheinauer Kopie heute im Rheinauer Archiv St. Einsiedeln R 216 (ev. 217 oder 218). 

 

[i] Stipplin, Band 234, p. 233.

[ii] Weidmann, p. 82.

[iii] Nicht 6. März, wie Weidmann hat.

[iv] Stipplin, Band 234, p. 235.

[v] Diarium IV. 255.


8. Rapertus von Waldkirch

P. Rapertus (Heinrich) von Waldkirch von Rheinau. Geboren am 24. August 1615. Sohn des Johann Georg von Waldkirch und der Anna Göldlin von Tiefenau (s. u.). Er studierte zuerst in Rorschach, dann in St.Gallen. Profess 8. Dezember 1632. Subdiakon 28. März 1637; Diakon 19. September 1637; Priester 24. September 1639. Primiz 16. Oktober 1639 in Nesslau, da er sich damals schon in St.Johann als Sacrista aufhielt. Am 23. April 1648 wurde er in St.Gallen Kustos, Caeremoniar und Aedilis. Erst 38 Jahre alt, starb er am 15. Februar 1653. Das ihm gesetzte Epitaph lautete:

 

Mortis seu vitae brevis est vox: Ite, Venite!

Dicetur reprobis Ite; Venite probis.[i]

 

Die Mutter, eine grosse Wohltäterin des St.Galler Kirchenschatzes, überlebte ihren Sohn gerade um 10 Jahre. Sie starb am 15. Februar 1663 in Rheinau. Man widmete ihr in St.Gallen folgendes Epitaph:

 

Anna fles? I. Reg. 1.

Anna nihil flebas tibi pignora rapta; sciebas

Te peperisse polo, non genuisse solo.[ii]

 

Ihr erster Sohn, Philipp Johann Ulrich, war im Stifte Rheinau als Fr. Sylvester eingetreten, aber schon am 17. Februar 1638, erst 25 Jahre alt, gestorben. Das Übereinkommen über ihr Erbe, zwischen den Äbten Pius von St.Gallen und Eberhard von Rheinau, vom 23. Juni 1634, findet sich in den Miscellanea Van der Meer's.[iii]

 

«Sacrum suppellectilem materna beneficentia utrinque in casulis, calicibus, vineolis, lipsanothecis, corona ex margaritis B. V. Vesperali et pallio aureo phrygiato locupletans. Scriptor fuit insignis, uti testantur Antiphonarii duo et Gradulia, quae nobiliter super pergameno exaravit; quorum quidem scriptioni cum bonus per aliquanto nimium, praesertim post sumptum cibum incumberet, hoematicum exinde morbem contraxit, qui licet adhibitis medicorum remediis (voto et ad B. V. Mariam aram nostram Vesperalem, olim in Glycino dictam per piam parentem ejus emisso) ad tempus videretur curatus, tandem tamen in incurabilem hydropex desiit, qua et multum vexatus et bene in patientia probatus est. – Fuit statura mediocri, corpore macilentiori, facie vivida, voce fortiori.»[iv] (279)

 

[i] Mscr. 1447.

[ii] Mscr. 1447.

[iii] Rheinauer Archiv Stift Einsiedeln R 92, Band 21, p. 29.

[iv] Stipplin, Band 234, p. 237.


9. Gerald Niedermann

P. Gerald (Johann) Niedermann von Jonschwil. Geboren am 2. März 1615, verlor er seine begüterten Eltern, Jakob Niedermann und Magdalena Staub, schon früh. Profess 8. Dezember 1632. Subdiakon 19. September 1637; Diakon 24. September 1639; Priester 22. September 1640, durch Nuntius Farnese in St.Gallen. Primiz 14. Oktober 1640. – Für die Studien weniger geeignet (s. u.), beschäftigte er sich besonders mit Schönschreibarbeiten, betätigte sich auch im Garten und mit Destillieren gebrannter Wasser. Am 23. April 1648 kam er nach St.Johann, von wo er am 6. Juni 1649 heimkam. Seit dem 22. Oktober 1651 war er erster Caeremoniar. 1652 war er Subkustos. Er war allzeit sehr dienstfertig und freundlich und wurde von seinen Mitbrüdern gerne geneckt. Erst 40 Jahre alt, starb er am 4. Februar 1655 an Wassersucht.

 

«Erat porro mire lepidus et saltum supra modum valebat. In studiis modice profecit, tardioris et hebetioris ingenii. Cum sublimiores musas minus caperet, scriptoriae arti, delineandis et compingendis libris et torneaturae fuit applicatus, in quibus ceu practicus excelluit. Habebat vocem claram et praestantem, qua et egregie in Choro insonuit.»[i] (280)

 

Schriften:

 

1. Statuta Congregationis Helveto-Benedictinae 1636, verfasst von Dekan Bernhard Hartmann, geschrieben von F. Gerald Niedermann. Mscr. 1337, Papier 4°, unpag. (Scherer, p. 449). Wenn Scherer dort bemerkt: Über die Entstehung dieser Statuten und die Nutzlosigkeit der Congregation siehe v. Arx Gesch. III, p. 116-118, so zeigt das nur, dass er ein völlig ungerechtes Urteil damit angerufen hat.

 

2. De viris illustribus S. Galli cum carminibus. Von P. Gerald N., Mscr. 1417 a, Papier 8°, unpag. – Diese Schrift enthält nur die Leben der als Heilige und Selige verehrten St.Galler Mönche: Gallus, (Karl Borromäus als Gast), Wiborada, Fides, Constantius, Remaclus, Landolaus, Udalricus, Salomon III., Magnus, Geraldus, Marzellus, Rapertus, Victor, Iso, Hermannus Contractus, Columbanus, B. Joannes, Constant. Episcopus, S. Galli discipulus, Venerab. Beda (in Monasterio S. Galli cathedram ut creditur tenens!), B. Eusebius, B. Hermannus Conversus, B. Notkerus physicus, Notkerus Labeo.

 

3. Exercitia spiritualia P. Geraldi Niedermann. Von 1636. Mscr. 1640, Papier 8°, 231 S. (Sch., p. 500). 

 

[i] Stipplin, Band 234, p. 242.


10. Tutelo Gebel

P. Tutelo (Franz) Gebel von Rottweil. Geboren am 9. September 1616. Eltern: Lukas Gebel, Prokurator am kaiserlichen Hofgericht, und Maria Magdalena Vogler. Profess 8. Dezember 1632. Subdiakon 19. September 1637; Diakon 24. September 1639; Priester 22. September 1640.

Er wurde am 29. April 1641 Lehrer der Syntax, wurde aber alsbald wieder[i] von diesem Amte erlöst. Doch wirkte er seit dem 31. Dezember 1645 als Lehrer der Theologie; schon als Frater hatte er sich in diesem Fache besonders ausgezeichnet. Am 24. April 1651 schickte ihn der Abt mit den Patres Honorat, Martin und Konrad nach Freiburg i. Ue., um Rechte zu studieren und Französisch zu lernen. Da sie aber dort keine geeigneten Lehrer fanden, gingen sie nach Dôle im Burgundischen, wo sie im dortigen Kollegium der Benediktiner sehr gut aufgenommen wurden. Am 11. Dezember 1652 kamen sie wieder heim, wie Stipplin bemerkt: «graduati in Doctores, quod non omnibus placuit!» – An Weihnachten 1652 schickte ihn der Abt nach St.Johann, wo er vom 11. Februar 1653 bis 4. Oktober 1655 das Amt eines Subpriors versah. An diesem Tage erfolgte seine Ernennung zum Subprior in St.Gallen. Daneben versah er seit dem 8. Dezember 1656 das Amt eines Offizialen. Am 30. Juli 1658 sandte ihn Abt Gallus als Lehrer des Rechts nach Salzburg, von wo er jedoch schon am 30. Januar 1660 krank heimkehrte. Ein Jahr später, 1. Januar 1661, wurde er Statthalter in Ebringen, von wo er krank am 21. April 1679 zurückkehrte. Er starb am 13. September 1680 (nach Necrol. 1442) in Rorschach.[ii] (281)

 

Schriften:

 

Nach Ild. v. Arx schrieb er 1647 als Lehrer in Rorschach einen theologischen Lehrkurs, den später jene st.gallischen Professoren, die 1670 den Cursus theologicus in Druck gaben, sehr stark zu Rate zogen (v. Arx III, 272).


[i] 25. Oktober.

[ii] Stipplin, Band 234, p. 247; ibid. sein Schreiben aus Salzburg.


11. Hermann Huttler

P. Hermann (Erhart) Huttler von Mindelheim in Bayern. Geboren am 7. Januar 1615 als Sohn des Peter Huttler, Gerber, und der Katharina Keller. Er besuchte zunächst während sieben Jahren das Jesuitenkollegium in Mindelheim und kam von dort 1630 auf Empfehlung des Abtes Benedikt von Neresheim, sowie des P. Thomas Weiss, Kapitular daselbst, eines seiner Verwandten, nach St.Gallen. Profess 8. Dezember 1632; Subdiakon 7. März und Diakon 28. März 1637; Priester 19. März 1639; Primiz 27. März 1639.

 

Schon als Diakon war er am 4. Juni 1637 als Lehrer nach St.Johann gekommen. Er bildete sich besonders in der Mathematik aus. Am 30. März 1639 wurde er Lehrer der Rudimenta in Rorschach, am 27. April 1640 Paedagogus in St.Gallen. Am 29. April 1641 kam er wieder nach Rorschach. Am 8. Februar 1647 kam er als Küchenmeister nach St.Johann. Am 10. Oktober 1648 wurde er Schulmeister und Paedagoge in St.Gallen. Am 11. Mai 1650 wurde er Lehrer der Syntax in Rorschach, musste aber am 11. Juni 1651 krank nach St.Gallen gebracht werden. Am 13. April 1652 schickte ihn der Abt als Pfarrer nach Ebringen, doch musste er am 21. Juli 1652 krankheitshalber heimberufen werden. Genesen, wurde er am 23. Juli 1653 wieder Schulmeister. Er bekleidete auch 1655 das Amt eines Cellerars und Kustos, versah aber zwischenhinein, von 1654-1656, die Pfarrei PeterzeIl. Am 8. Mai 1658 erfolgte seine Ernennung zum Pfarrer von Nesslau. Dort wurde er am Feste des hl. Michael, das auf den 16. Sonntag nach Pfingsten fiel, beim Predigen vom Schlage getroffen. Man brachte ihn auf einem Stuhle nach Neu St.Johann, wo er noch die hl. Sterbesakramente empfing und mittags um 12 Uhr, am 29. September 1658 starb.

 

Jacob grata quies in saxo est, gratior illi,

Ultima sub saxo scilicet est quies.

 

lautete die ihm gesetzte Grabschrift. P. Hermann war ein vorzüglicher Prediger und galt als ein musterhafter Religiose.[i] (282)

 

[i] Stipplin, Band 234, p. 258.


12. Br. Gall Strübli

Br. Gall (Jakob) Strübli[i] von Rotmonten. Eltern: Ulrich Strübli und Katharina Grütter. Geboren 3. Juni 1603. Noch als Laie begleitete er 1629 während der Pestzeit P. Probus Ritter, der damals die Pfarrei St.Fiden versah (s. o.), auf seinen Krankengängen. Profess 8. Dezember 1632. Seit dem 8. April 1641 finden wir ihn[ii] als Koch in St.Johann, wo er am 2. März 1674 starb. (283)

 

[i] Alias Sträuble.

[ii] Möglicherweise mit Unterbrechungen.


13. Br. Notker Rothfuchs

Br. Notker (Ulrich) Rothfuchs von Rorschach. Profess 8. Dezember 1632. Er war zuerst während fast zwei Jahren Untersakristan in Neu St.Johann und Gärtner, bekam aber die Kolik und musste deshalb nach St.Gallen zurück. Von hier kam er als Gärtner nach Rorschach. Hier wurde er möglicherweise von der Pest ergriffen und starb am 4. Oktober 1635 plötzlich; man fand ihn morgens tot im Zimmer.

 

Flectamus genua. Ex Offic. eccl.

Es genibus flexis post fata repertus et orans,

Scandendi coelum scilicet hic modus est.

 

«Fuit mirae simplicitatis et innocentiae et quod de ipso patres nostri, sub quibus ibi (Rosaci scil.). Oeconomis ipse hortum coluerat, quasi uno ore simul et iterum contestati sunt, innocentem tunicam, qua in baptismo indutus fuit, immaculatam semper custodivit. Ita quoque de eo sensere, quotquot in S. Gallo et S. Joanne cum ipso vixerunt Patres et Fratres. – Habuit staturam iustam, faciem rubicundam, vultum amabilem, mores bene compositos, obedientiae, paupertatis et integritatis amator et sectator singularis.»[i] (284)

 

[i] Mscr. 1425, IV, 20. Stipplin (Z.B.Z. X. 59)


14. Br. Magnus Müller

Br. Magnus (Gebhard) Müller aus Tablat. Eltern: Nikolaus Müller und Anna Leu. Profess 8. Dezember 1632. Er starb am 18. Oktober 1652, im Alter von 65 Jahren, an einer Art Vergiftung. (285)


15. Burkhard Zwenger

P. Burkhard (Adam) Zwenger von Fulda. Geboren am 28. Januar 1613. Eltern: Sturmius Zwenger und Barbara Walter. Er war zuerst Novize in Fulda; als aber 1632 Abt Bernhard getötet wurde (s. o.), baten er und drei Mitnovizen in St.Gallen um Aufnahme. Diese wurde allen gewährt; aber Ludwig Gerschwiler von Wil und Kolumban Herr von Rorschach gingen wieder fort, während der dritte, Heinrich Steben von Heiligenstadt, fortgeschickt wurde. Profess 23. Mai 1633. Subdiakon 28. März und Diakon 19. September 1637; Priester 24. September 1639; Primiz 30. Oktober 1639.

 

P. Burkard wirkte zuerst als Lehrer in Rorschach[i] und St.Johann,[ii] wurde sodann von 1647-1652 Pfarrer in Nesslau.[iii] Von da kam er am 9. April 1652 als Pfarrer nach Alt St.Johann. Als solcher predigte er am 5. Mai 1654 bei den Translationsfeierlichkeiten des hl. Theodor in Rorschach. Von 1658/59 (Rothenflue) versah er sodann Wildhaus. Er soll auch Pfarrer in Rorschach gewesen sein, doch ist nicht ersichtlich wann. Jedenfalls war er 1664, seinem Todesjahr, noch in St.Johann; denn von dort aus suchte er am 27. Juli wegen Wassersucht das Bad Pfäfers auf. Er badete dort einige Tage, wurde aber, da es ihm nicht gut bekam, am 18. August auf einem Floss gegen Rheineck und von dort zu Schiff nach Rorschach gebracht.[iv] Am 11. September starb er sodann in St.Gallen, erst 53 Jahre alt. Sein Neffe Georg, ein Leinenweber, war beim Sterben zugegen.

 

«Quodvis momentum, gradus est homini ad monumentum.»[v] Er war ein sehr guter Prediger und Katechet. «Plures infirmitates praesertim torminum frequentium patienter tolleravit, iucundus juxta facetus et hilaris. Dialectum linguae patriae licet nunquam deposuerit, facile tamen intelligi poterat; vehementioris naturae cum esset, si forte offensus fuisset, dicere solebat: parce Frater, ich wirdt sonst zornig. – Statura fuit mediocri, facie gravi, voce sonora, calvitie glabra.»[vi] (286)

 

Schriften:

 

In der Collectio Aichhaim IV., Zentralbibliothek Zürich, Mscr. 153, findet sich Fol. 140 ein von ihm noch als Novizen am 8. April 1633 verfasstes Gedicht: «Triumphus S. Benedicti».

 

[i] 26. April 1640.

[ii] 8. Februar bis 13. Juli 1647.

[iii] Rothenflue hat bis 1655.

[iv] Abt Gallus, Diarium II. 342-344.

[v] Mscr. 1447.

[vi] Stipplin, Band 234, p. 261.


16. Petrus Feßler

P. Petrus (Jakob) Feßler von Rorschach. Geboren am 30. April 1616 als Sohn des Ammann von Rorschach, Jakob Feßler und der Anna Egger. Er hatte schon am 31. August 1632 um Aufnahme ins Noviziat gebeten, konnte es aber wegen der unruhigen Zeitläufe erst 1636 antreten. Profess 24. August 1637; Subdiakon 24. September 1637; Diakon 22. September 1640; Priester 14. Juni 1642; Primiz 29. Juni 1642. Zunächst war er als Prediger, Katechist und Cellerar in St.Gallen tätig, dann wurde er am 20. Februar 1647 Unterstatthalter in Ebringen. Schon vorher, spätestens 1646, war er in St.Johann gewesen; nach Alt·St.Johann kehrte er bald wieder[i] als Pfarrer und Propst zurück, erkrankte aber an der Kolik, so dass er nach St.Gallen zurück musste. Er erholte sich wieder etwas, wenn auch nicht mehr ganz, kehrte nach St.Johann zurück, erkrankte aber dort auf ein neues und wollte darum in einem Schlitten wieder nach St.Gallen zurückkehren. Aber auf dem Wege starb er in Lichtensteig am 13. März 1652. Er wurde dort heim Choraufgang in der Kirche begraben.

 

Per asperas, per arduas vias petuntur sydera,

Coeli petens palatia astutus hic non asperam,

Sed lucida per semita Iter peregit arduum

lautete das auf die Todesstätte anspielende Epitaph.

 

«Fuit statura iusta, vultu amabili, corpore gracili.» Ein Bruder von ihm, Melchior, hatte vor ihm schon das Noviziat in St.Gallen gemacht, war aber wieder ausgetreten und lebte später ziemlich unglücklich in Wien. (287)

 

[i] 1. Juli 1648.


17. Andreas Hofmann

P. Andreas (Balthasar) Hofmann von Rorschach. Er wurde geboren am 2. November 1617 in Berg, «villa celebri ob nobile vinum, quod ibi crescit» (Stipplin). Die Eltern waren Balthasar Hofmann von Baden und Margaretha Cuonz von Rapperswil. Vom Gymnasium in Rorschach kam er am 19. Juni 1630 nach St.Gallen. Jedenfalls verhinderten die kriegerischen Zeiten auch bei ihm einen frühern Eintritt ins Kloster. Profess 24. August 1637. Subdiakon 24. September 1639; Diakon 22. September 1640; Priester 14. Juni 1642. Primiz 6. Juli. Am 27. Februar 1645 wurde P. Andreas mit P. Franz Hertenstein nach Einsiedeln geschickt, eine «rechte Teutsche Schrift» zu erlernen. Er blieb längere Zeit dort.

Seit dem 6. Juni 1645 finden wir P. Andreas an der Schule in Rorschach. 1654 war er Pfarrer in Alt St.Johann (Rothenflue). Wie lange er dort wirkte, ist nicht ersichtlich, doch finden wir zum 23. März 1657 seine Ernennung zum Sonntagsprediger in St.Gallen verzeichnet. Am 8. Mai 1658 wurde er Cellerar, am 22. Oktober 1660 Küchenmeister in St.Johann, aber schon am 30. Juli 1661 wieder Brüderinstruktor in St.Gallen. Am 6. Juni 1663 ernannte ihn Abt Gallus zum Vestiarius und am 3. Juni 1666 zum Subkustos. Zwischenhinein fällt am 19. Oktober 1665 eine Sendung nach Altdorf im Elsass, ohne dass wir über deren Zweck näher unterrichtet wurden. 1669.[i] war er Propst in Peterzell, von wo er am 15. Januar 1672 krankheitshalber abberufen wurde. Am 4. März kam er heim und starb am 5. Dezember 1675 in Rorschach.[ii] (288)

 

[i] Nach R. .seit 1667 Pfarrer.

[ii] Nicht 3. Juli 1674, wie Scherer hat.


18. Jakob von Tschernemell

P. Jakob (Friedrich) von Tschernemell aus Giessen in Hessen. Geboren am 4. Dezember 1619 als Sohn des Johann Georg, Freiherr v. Tschernemell, und der Christina Maria v. Rolschhausen.[i] Er war ein Verwandter des Fürstabtes Bernhard von Fulda und deshalb 1631 Novize in Fulda. Er kam mit diesem Abt auf der Flucht vor den Schweden am 22. Dezember 1632 nach St.Gallen. In der Folge besuchte er hier resp. in Rorschach die Schulen und legte am 24. August 1637 seine Profess ab. Subdiakon 22. Dezember 1640; Diakon 14. Juni 1642; Priester 23. September 1645. Primiz 15. Oktober, dem 19. Sonntag nach Pfingsten.

 

P. Jakob wirkte zunächst seit dem 31. Dezember 1645 als Lehrer der Humaniora in St.Gallen, dann in Rorschach, wo er 1656 Praeceptor wurde. Am 31. Dezember 1657 wurde er Vorsteher der Schule in St.Gallen; aber am 30. September 1659 Küchenmeister und am 23. Juni 1661 Beichtiger in St.Georgen. Später wurde er in Rorschach Unterstatthalter und am 17. Oktober 1666 Statthalter. Im August 1665 besuchte er seinen Vater in Wien, von wo er am 17. September wieder zurückkehrte. Er starb als Statthalter in Rorschach am 3. Juli 1674.[ii] (289)

 

Schriften:

 

1. a) Comoedia de S. Barlaam et Josaphat. Mit gedrucktem Programm: Barlaam et Josephat, Von der Jugendt im Gottszhaus Rorschach gehalten den . . . Octobris anno Domini MDCLII. (4°, 2 Bll. ohne Druckvermerk).

 

b) Rodericus mit gedrucktem Programm: S. Maria Refugium peccatorum sive Rodericus e potestate daemonum magnae Virginis auxilio ereptus. Das ist: Wunderbarliche erledigung Roderici eines adelichen Jünglin(g)s, von dem (!) Gwalt der bösen Geistern, durch hilf der Muotter Gottes Mariae Aller Sünderen Zueflucht. Fürgestellt von der studierenden Jugendt in dem Gottszhaus Rorschach. Anno Domini MDCLV (30. Sept.). (Kopftitel ohne Druckvermerk, 4°, 4 Bll.).

 

c) Justus puer. Mit gedrucktem Programm: Sanctus Justus puer Novennis. Von der Jugendt im Gottszhaus Rorschach gehalten die . . . Octobris anno Domini MDCLIII. (Kopftitel ohne Druckvermerk, 4°, 2 Bll.). Alle in Mscr. 1374 der Stiftsbibliothek St.Gallen.

 

2. Novizenbüchlein. Geschrieben 1631 von F. a Tschernemell als Novize in Fulda. Mscr. 1354, Papier 16° (Sch., p. 452).

 

3. Instructio novitiorum et alia von P. Bernhard Hartmann. Geschrieben von Friedr. a Tschernemell novitius und von Fr. Jacobus, Anno 1637. – Mscr. 1350, Papier 8° (Sch., p. 451).

 

4. In der Collectio Aichhaim der Zentralbibliothek Zürich finden sich folgende poetische Erzeugnisse von P. Jakob:

 

Aichhaim I. Mscr. D 76:

1. De conversione S. Pauli Apostoli (Anno 1659 deklamiert von Fr. Ulrich Zagott), fol. 35. – 2. De Purificatione B. V. M. (1659), fol. 38. – 3. De S. Mathia Apostolo (1659 deklamiert von Fr. Sebastian Reding), fol. 43. – 4. De Vita S. P. N. Benedicti heroicis versibus descripta prout apud S. Gregorium Papam lib. 2. Dialog. habetur (1663), fol. 47-83. – 5. S. Benedicti Veperes contra carnis tentationes adhibiti a S. Francisco attacti Rosas progerminant, fol. 86. – 6. De S. Benedicto illusori suo larvam detrahit et Totilae regi mortem praedicit (1659), fol. 92. – 7. De S. Marco Evangelista, quod nempe fuerit Vita angelus et animi constantia invictus ut Leo. Declamavit 1659 Aloysius Sfondrati, fol. 126. – 8. Joannes a Deo per Gabrielem Archangelum parentibus promissus S. 147. – 9. Joannis vox adulterium Herodis redarguens (1659), fol. 151. – 10. De S. P. N. Gallo Abbate: a) Vita S. Galli stylo metrico composita 164 (f. 234; cecinit Joh. Heidelberger 20. Okt. 1646). b) Scelus Lamberti in S. Otmarum admissum exaggeratur. Cecinit Heinrich a Baden 18. Nov. 1647. – 11. De S. P. N. Othmaro Abbate. Lamberti pseudomonachi facinus in S. Othmarum praesumptum perstringitur (1647), fol. 318. – 12. Pastores Christum natum Infantem in stabulo invisunt, fol. 383.

 

Aichhaim III. Mscr. D 81:

De venerabili Sacramento Eucharistiae: III. Applausus Fluminum naturalium in Fluvium verum, vivum eucharisticum Maendris poeticis per campos Rhetorices Festive et pie derivatus,. fol. 228-250. – (Das gleiche auch von Simon von Freiburg.) Conversio variarum rerum et substantiarum in alias Formas applicata mirabilissimae Conversioni et transubstantiationi quae fit in V. Sacramento Euch., fol. 250-270. Propugnaculum inconcussae veritatis Eucharisticae programma, fol. 270 b-281.

 

Aichhaim IV. Mscr. 153 D:

De Sanctissimo Patre Gallo, fol. 31 b. – De Sancti Galli fugitivo Monacho, fol. 38. – De gloriosa ascensione Christi, fol. 43. Elegia Beatissima Virgo sub Cruce constituta ad Filium, fol. 75. – De S. Agnete Virgine et Martyre, fol. 77. – Oratiuncula cum Elegiaco carmine habita in Exceptione Rosaci Legati Friderici Borromaei, fol. 79.

 

Aichhaim VI. Mscr. D 77:

De Nativitate Domini Nostri Jesu Christi (1647), fol. 87. De S. P. N. Othmaro anno 1647 habita, fol. 253.

 

Aichhaim VIII. Mscr. D 86:

Profectio et dolus opificis Sartoris. Elegia, fol. 200 b. De S. Agnete Virgine et Martyre, fol. 227 b. – Apologus de Leone, Vulpe et Asino, fol. 228 b. (ob von P. Jakob?). – De nativitate Domini, fol. 231(?).

Ebendaselbst findet sich (fol. 194) eine von Blarer von Hirtzbach verfasste: Elegia de Lazaro ad vitam revocato, composita et declamata a condiscipulo meo Francisco Wernero Blarer ab Hirtbach ipso die festo S. Lazari Anno 1647 Rdo P. Jacobo a Tschernemel Praeceptore.

 

Ein gedrucktes Thesenverzeichnis: Disputatio de Virtutibus theologicis fide, spe, charitate (ohne Angabe des Praeses) trägt am Schluss eine lateinische Widmung, unterzeichnet von Fr. Fridericus Ernestus a Tschernemell, F. Franc. a Freiburg, F. Joannes Georgius Roth, F. Franciscus Erler humanitatis studiosi. (158 S., 1 Bl. – Stiftsbibliothek St.Gallen GG. M. VI, 1, 13). 

 

[i] Alias Rothusen.

[ii] Stipplin, Band 234, p. 296; siehe daselbst die Wappen der beiden Eltern.


19. Philipp Hornig

P. Philipp (Georg) Hornig von Fulda. Geboren am 9. April 1612. Eltern: Peter Hornig und Gertrud Maier. Er kam mit den von St.Gallen nach Fulda gesandten Patres nach St.Gallen. Wahrscheinlich war er dort ebenfalls Novize, wie sein Comprofess P. Jakob; jedenfalls aber war er, da älter, weiter in den Studien vorgerückt. Deshalb empfing er auch bald nach seiner Profess, am 24. August 1637, die hl. Weihen, nämlich das Subdiakonat 24. September 1639; Diakonat und Priestertum am 2. Juni resp. 22. September 1640. Primiz 1. Oktober 1640.

 

Er kam am 4. Oktober 1640 nach St.Johann, wo er, gerade ein Jahr später, Küchenmeister wurde. Er war stets schwächlicher Gesundheit und beschäftigte sich daher mehr mit dem Sammeln von Heilkräutern und dem Destillieren von heilkräftigen Wassern. Darum war er auch im Toggenburg, wo er oft weilte, sehr bekannt. Besonders gerne pflegte er die Kranken, wie er denn üherhaupt ein Vorbild brüderlicher Liebe war. Er starb schon am 7. Dezember 1646 an der Auszehrung, eines sehr erbaulichen Todes.[i]

 

Te tulit aetatis mors florem; Ostende, petisti

Nunc mihi coelestem, credo, Philippe, Patrem. (290)

 

[i] Stipplin, Band 234, p. 182.


20. Bartholomäus Tschudi

P. Bartholomäus (Wilhelm) Tschudi von Glarus resp. Wil. Geboren am 20. April 1620 auf Schloss Oberberg, wo sein Vater, Wilhelm Tschudi, Präfekt war; die Mutter hiess Barbara von Hennau. Profess 24. August 1637. Subdiakon 14. Juni 1642; Diakon 7. März 1648; Priester 28. März 1648. Primiz 19. April 1648, als am Weissen Sonntag. – Als Frater und auch später litt er an Epilepsie. 1650, 18. Januar, kam er von St.Johann nach St.Gallen. Seit dem 10. April 1650 war er wieder in St.Johann. Nach Rothenflue ist er 1651 Pfarrer in Hemberg. Am 5. Dezember 1652 wurde er, seiner Krankheit wegen, nach Wil versetzt. Am 31. Juli 1654 kam er nach St.Gallen. 1654 wurde er Bibliothekar.[i] Daneben versah er das Vestiariat. Am 24. Juli 1661 erfolgte seine Ernennung zum Granarius (Kornherr). Aber schon am 4. Dezember 1662 wurde er Subprior in St.Johann, wo er am 6. Juni 1664 Cellerar wurde. Als Kornherr kam er am 30. Januar 1669 wieder nach St.Gallen zurück. Im April 1674 erfolgte seine Versetzung als Küchenmeister nach Rorschach, wo er im Januar 1684 an einem Fussleiden erkrankte, das ihn zwang, nach St.Gallen zurückzukehren, von wo er jedoch am 6. April 1684 wieder nach Rorschach zurückkehrte. Im folgenden Jahre kehrte er heim und wurde Kustos. Doch ging er, um seine alten Tage in Ruhe zu verbringen, später wieder nach Rorschach, von wo er am 8. Mai 1699 auf sein Bitten hin heimkam. Hier starb er am 31. Juli 1702, 82 Jahre alt; ein Alter, das bisher noch kein Konventuale erreicht hatte. Er war, wie Abt Leodegar schreibt: «viele Jahre blind und gehörlos, auch nirgends hinkommen».

 

Ein Bruder, Melchior mit Namen,[ii] war zuerst Kammerdiener des Abtes, wurde aber später Kapuziner.[iii] (291)

 

[i] Weidmann, p. 82.

[ii] Geb. 1627.

[iii] Stipplin, Band 234, der Seite 282-293 den Stammbaum der Tschudi bringt.


21. Thomas Nideröst

P. Thomas (Leodegar) Nideröst von Schwyz. Geboren am 24. Dezember 1618 als Sohn des Hauptmann und Ratsherrn Jost Nideröst und der Barbara Kothing. Er kam am 24. Juni 1634 nach St.Gallen. Profess 24. August 1637. Subdiakon 22. Septemher 1640; Diakon 14. Juni 1642; Priester 10. Juni 1645. Primiz 24. Juni 1645. – Bereits 1646 treffen wir ihn in St.Johann, wo er am 15. Juli 1649 Kellerherr wurde. Am 9. August 1649 wurde er Pfarrer in Wildhaus. Von 1650-1654 versah er die Pfarrei Alt St.Johann (Rothenflue),[i] hierauf bis 1658 jene von Wildhaus.[ii] Am 8. Mai 1658 wurde er Prior und Statthalter von St.Johann, bis er am 14. Januar 1681 Statthalter in St.Gallen wurde. Dort blieb er bis zum 10. Dezember 1692, wo er altershalber zurücktrat. Er feierte 1695 das goldene Priesterjubiläum und starb am 10. Juni 1697 im Alter von 77 Jahren.[iii]

 

Schriften:

 

Er schrieb Mscr. 1615 (Papier 4°, 272 und 79 Bll., Rest unpag., Sch., p. 498): Andreae Sylvii Prolegomena in philosophiam naturalem. – P. Modestus Spiess, Introductio ad partitiones astronomiae et geometriae (mit von ihm gezeichneten Figuren). (292)

 

[i] 1655 war er eine Zeitlang krank.

[ii] Nicht von 1650 an, wie Rothenflue hat.

[iii] Stipplin, Band 234, p. 278.


22. Simon von Freiburg

P. Simon (Franz) von Freiburg von Villingen. Geboren am 18. Februar[i] 1621 als Sohn des a.Bürgermeisters Ferdinand von Freiburg von Villingen und der Felicitas Strölin von Beffingen aus Biberach. – Am 6. Oktober 1634 kam er nach St.Gallen und legte hier am 24. August 1637 Profess ab. Subdiakon 24. Juni 1642; Diakon 10. Juni 1645; Priester 23. September 1645. Primiz 22. Oktober 1645.

 

Noch Frater, wurde er am 7. Januar 1642 Lehrer der Syntax; später, 4. April 1646, lehrte er die Humaniora. Am 24. Juli 1647 wurde er Professor der Moraltheologie. Am 23. April 1648 wurde er Unterkustos und am 18. Oktober 1649 Lehrer der Rhetorik in Rorschach. Am 13. April 1652 war er wieder in St.Gallen und wurde Beichtiger in St.Georgen. Vom 13. Juli 1654 bis 1657 übernahm er die Statthalterei Ebringen, von wo er als Statthalter nach Wil übersiedelte. Schon am 17. November 1658 starb er und wurde in Wil beigesetzt.

 

Mortuus es Simon? vel dormis? dormio tantum,

Mors bona, mors non est, sed peramoena quies. (293)

 

Schriften:

 

In der Collectio Aichhaim (Zentralbibliothek Zürich) finden sich von P. Simon: Aichhaim I. Mscr. D 76: Pugna Goliath adversus David. Fol. 416. Dabei auch einige griechische Stücke (von?). – De hujus vitae miseriis fortiter tolerandis. Fol. 433. – De veritatis robore et virtute. Fol. 425 (wahrscheinlich von ihm). – Invocatio ad B. V. in hisce Vitae calamitatibus. Fol. 430. – Descriptio hominis avari et tenacis. Fol. 470. – Aichhaim III. Mscr. D 81: De venerabl. Sacramento Eucharistiae: III. Applausus Fluminum naturalium in FIuvium verum, vivum eucharisticum Maeandris poeticis per campos Rhetorices Festive et pie derivatus. Fol. 250. – Aichhaim VI. Mscr. D 77: De Nativitate Christi. Fol. 137 (Nr. 26). – De miseriis et calamitatibus hujus temporis et saeculi 1600 (von?). Fol. 146 (Nr. 27).

 

In der Collectio Aichhaim finden sich auch mehrere Arbeilen vom Vater unseres P. Simon, Ferdinand von Freiburg; so Aichhaim I. Mscr. D 76: Odae quaedam compositae a Nobilissimo Ferdinando a Freiburg Consule Villingensi Parente nostri R. P. Simonis a Freiburg (acht Oden auf Heilige, z.B. St.Benedikt, S. Notker u. a.). Fol. 475. – Mediationes 2 de Vita et Passione Chr. Fol. 485. – Aichhaim VI. Mscr. D 77: Mediationes 12 de Vita Christi. Fol. 327 ss. 

 

[i] Stipplin hat 11. Februar.


23. Mathias Roth

P. Mathias (Johann Georg) Roth von Schreckenstein aus Ravensburg. Geboren am 4. März 1618 als Sohn des Johann Konrad Roth und der Margaretha von Libenfels. – Er kam am 28. Februar 1635 nach St.Gallen: «juvenis totus virgineus et instar columbae simplex, rectus et amabilis.» Profess 24. August 1637. Subdiakon 24. September 1639; Diakon 22. September 1640; Priester 24. Juni 1642. – Noch als Frater wurde er am 25. Oktober 1641 Lehrer der Humaniora und am 7. Januar 1642 der Syntax in Rorschach; von dort kam er am 3. März 1646 als Lehrer der Grammatik heim. Am 7. Oktober 1648 wurde er nach St.Johann geschickt und am 9. August 1649 als Pfarrer nach Alt St.Johann bestimmt. Am 11. Februar 1653 wurde er wieder Lehrer in St.Johann. Er erkrankte sehr schwer, auch geistig, erholte sich zwar wieder etwas, kam dann nach St.Gallen zurück, blieb aber stets kränklich. Zeitweise versah er hier noch das Amt eines Kapellmeisters. Am 2. Februar 1656 erlag er der Schwindsucht.

 

Lex est lata mori semel omnibus; ergo Viator

Hanc ne bis moriens, transgrediare cave.[i] (294)

 

[i] Stipplin, Band 234, p. 274.


24. Markus Erler

P. Markus (Franz) Erler von Schwyz. Geboren am 25. März 1619. Der Vater, Fähnrich Heinrich Erler, war 1634 schon tot, während die Mutter, Ottilia Betschart, später in Notkersegg lebte, wo sie am 9. Januar 1664 starb und bei St.Otmar begraben wurde. Ein ihr gewidmetes Epitaph lautete:

 

Inventus est similis illi. Eccl. 44.

Qualis eras vivens, modo mortua Otilia, monstrat

Qui superest Marcus filius ille tuus.

 

Markus kam zuerst an die Schule in St.Johann, musste aber 1635, der Pest wegen, wieder heim. Einer seiner Mitschüler, Heinrich Auf der Maur,[i] starb an der Pest. Am 27. Januar 1636 kam er neuerdings nach St.Gallen, trat hier ins Noviziat ein und legte am 24. August 1637 Profess ab. Als Erbe erhielt er am 20. Oktober 1637 500 Gl. zugesichert. Subdiakon 22. Dezember 1640; Diakon 14. Juni 1642; Priester 23. September 1645. Primiz 16. Oktober 1645. – P. Markus wurde zunächst am 31. Dezember 1645 Lehrer der Syntax. Am 13. Juli 1647 kam er nach St.Johann; am 1. Oktober erhielt er den Auftrag, von Alt St.Johann aus die Pfarrei Stein zu versehen. Schon am 13. Mai 1648 kam er als Lehrer nach Rorschach; am 18. Oktober 1649 wurde er daselbst Moralprofessor, bis er am 11. Juni 1651 krank nach St.Gallen zurückkehrte. Am 30. August 1652 wurde er Prior und Statthalter in St.Johann, nachdem er vorher jedenfalls im Schuldienste tätig gewesen war. Am 9. Mai 1658 erfolgte seine Ernennung zum Stiftsdekan, welches Amt er durch 20 Jahre mit höchster Anerkennung versah. Er litt in seinen letzten Jahren an Asthma. Noch kurz vor seinem Tode besuchte er, obwohl sehr leidend, in der Sänfte Schwyz und nahm dort, wichtiger Verhandlungen wegen, an zwei Landsgemeinden teil. Auf der Heimreise verschlimmerte sich sein Zustand und 14 Tage später starb er, am 20. Mai 1678, so unerwartet, dass er nur mehr das hl. Öl empfangen konnte. Er war auch Visitator der Frauenklöster.

 

Schriften:

 

De Ss. Mauro et Placido (Conzept). Collectio Aichhaim I. Zentralbibliothek Zürich. Mscr. D 76. Fol. 29 b. – De Ss. Innocentiis MM. ibid. Fol. 420 b. – De St. Othmaro. Aichhaim VI. Mscr. D 77. Fol. 244; dabei die Bemerkung: Hanc declamationem quidam discipulus adhuc composuit F. Marcus.

 

Haller (III. 1354) führt auf: Marci Erber relatio historica de Translatione S. Othmari et Notker, die in den Acta Sanctorum zum 15. Nov. erscheinen soll; vermutlich soll es Erler statt Erber heissen.

 

P. Dekan Markus Erler wurde von Buchdrucker Adamas gewidmet: Geheimnussen des Gaistlichen Lebens, so geoffenbaret worden ainem andächtigen Novitzen durch ain ihr gaistlichen Vatter aus der Gesellschaft Jesu. Der Dritte Truck so übersetzen und vermehrt aus der Frantzösischen Sprach in die Teutsche übersetzt in dem Gottshaus St.Gallen im Jahre Christi 1671. – Mscr. im Staatsarchiv Zürich, Abt. St.Gallen X 82. (295)

 

[i] Juvenis praeclarae indolis.


25. Br. Notker Gölm

Br. Notker (Jakob) Gölm von Bregenz. Geboren 7. April 1613. Eltern: Nikolaus Gölm und Maria Winder. Profess 24. August 1638. – Er war von Beruf Schneider, diente aber auch als Küster; so wird er 1654 als Gatterbruder[i] erwähnt. Er starb am 23. Mai 1668. – Seine Mutter, Maria Winder von Dornbirn, starb am 15. Februar 1647 in St.Gallen und erhielt folgendes Epitaph gewidmet:

 

Notkeri Genitrix multos perpessa labores,

Hic tandem ad superum est ducta refrigerium.[ii]

(296)

 

[i] Maria zum Gatter.

[ii] Mscr. 1447. Stipplin (Z.B.Z. X. 59).


26. Br. Benedikt Bildstein

Br. Benedikt (Ludwig) Bildstein von Appenzell. Profess 16. Oktober 1640. – Er war Koch und wirkte als solcher seit dem 30. August 1652 in Peterzell, wo er am 19. Januar 1657 starb und wo er auch begraben wurde. Sein Epitaph lautete:

 

Faciamus hominem ad imaginem nostram. Gen. 1.

Juxta cognomen Benedicte es, saxea Imago

Vera, sed et juxta numquid imago Dei?[i] (297)

 

[i] Mscr. 1447. Wappen in Stipplin (Z.B.Z. X. 59).


27. Br. Bernhard Spieß

Br. Bernhard (Franz) Spieß von Appenzell. Geboren 1615. Profess 16. Oktober 1640. Von Beruf war er Kiister-. Am 13. Juli 1647 wurde er von St.Johann nach St.Gallen zurückberufen. Er starb am 27. August 1678.[i] (298)

 

[i] Wappen in Stipplin (Z. B. Z. X. 59).


28. Gabriel Gschwend

P. Gabriel (Jakob) Gschwend von Appenzell. Geboren am 5. Januar 1623. Der Vater, Johann Gschwend, war Hauptmann in französischen Diensten; die Mutter hiess Elisabeth Horber. Er besuchte die Schulen von St.Johann und St.Gallen und wurde als sehr guter Sänger und Schüler gerühmt. Profess 16. Oktober 1641. Subdiakon 10. Juni 1645; Diakon 23. September 1645; Priester 16. März 1647. Primiz 25. März 1647. – Er wurde schon als Frater[i] Professor der Theologie. Schon am 24. Mai 1650 starb er indes an der Schwindsucht, erst 27 Jahre alt.[ii] Epitaph:

 

Quos ego Theologos vivus sacra jura docebam

Discere si cupiant amplius, Astra petant. (299)

 

[i] 31. Dezember 1645.

[ii] Stipplin, Band 234, p. 196, beschreibt seine Krankheit und seinen Tod ausführlich.


29. Josef Castel

P. Josef (Dominikus) Castel von Kirchheim. Geboren am 30. Juli 1621. Eltern: Wolfgang Castel, Fuggerscher Oberamtmann in Wasserburg, und Elisabeth Sunnenabend von Schwann. Der Vater war von Kaiser Ferdinand in den Adelsstand erhoben worden.[i] Profess 16. Oktober 1641. Subdiakon 10. Juni und Diakon 23. September 1645; Priester 29. Mai 1649. Primiz 13. Juni 1649.

 

Am 30. September 1651 ging er als Begleiter mit P. Plazidus Bridler nach Salzburg, um dort Kirchenrecht zu studieren. Am 19. Juli 1653 kehrten sie zurück. Am 11. September 1653 wurde er Vestiarius und am 5. September 1654 erfolgte seine Ernennung zum Küchenmeister. Am 4. Oktober 1655 wurde er Subprior in St.Johann, kam aber am 26. Juli 1658 wieder als Küchenmeister nach St.Gallen zurück, war jedoch im folgenden Jahre Unterstatthalter in Wil, von wo ihn der Abt als Prior nach Beinwil schickte. Doch finden wir ihn bald wieder in St.Gallen, wo er am 3. Oktober 1663 Subprior und Novizenmeister wurde. Bis zum 3. Juni 1666 blieb er auf diesem Posten, wurde dann Aedilis und ging am 15. Juni 1672 als Pfarrer nach Peterzell. Von dort kam er am 30. Mai 1676 als Unterstatthalter nach Wil. Von hier aus suchte er am 13. Juli 1681 das Bad Pfäfers auf. In Wil starb er am 16. Juli 1684. (300)

 

[i] Diplom bei Stipplin, Band 234, p. 305.


30. Joachim Müller

P. Joachim (Gabriel) Müller von Wil. Geboren am 18. September 1622. Eltern: Sebastian Müller und Katharina Reutti. Profess 16. Oktober 1641. Weihen siehe P. Josef. Primiz 20. Juni 1649.

Sein erstes Tätigkeitsfeld fand er als Cellerar in St.Johann, wohin er am 8. April 1651 geschickt wurde. Am 22. Oktober 1660 wurde er Küchen- und Schulmeister in Rorschach. Von dort bestimmte ihn der Abt am 8. November 1661 als Statthalter nach dem Kloster Pfäfers, mit dessen Reform sich die Schweiz. Benediktinerkongregation damals befasste. Hier blieb er bis zum 6. März 1665, worauf er am 11. April Küchenmeister in St.Gallen wurde. Schon am 11. November 1665 kam er als Unterstatthalter nach Wil und wurde am 25. April 1668 Subprior in St.Johann. Von dort ging er am 28. Januar 1675 als Statthalter nach Rorschach, wo er am 13. Mai 1680 starb.[i] (301)

 

Schriften:

 

Theologiae scholasticae Tomus quartus. Vorlesungen und Thesen aus der theologischen Schule in St.Gallen, geschrieben von Fr. Joachim Müller 1648. Mscr.1577, 4°, 715 und 23 S. (Sch., p. 494). 

 

[i] Stipplin, Band 234, p. 319.


31. Johann Baptist Harder

P. Johann Baptist (Johann Antonin) Harder von Konstanz. Geboren 27. März 1622. Eltern: Johann Baptist Harder und Barbara Hiller. Profess 16. Oktober 1641. Subdiakon 16. März 1647; Diakon 6. April 1647; Priester 29. Mai 1649. Primiz 24. Juni 1649.

 

Der Vater, Johann Baptist Harder von Konstanz, Doktor beider Rechte, war 4 Jahre lang Kanzler in St.Gallen, wo er am 28. Oktober 1662 starb. Er wurde in der Kirche zu St.Fiden begraben, wo er einen schönen Altar gestiftet hatte. Dem Kloster gab er 100 fl. für hl. Messen. Das ihm gesetzte Epitaph lautete:

 

Prospiciens per cancellos. Cant. 2.

Cancellis praeeras. Cancellos rupit amara

Mors. quid tunc? citius pandit ad astra viam.

 

P. Johann Bapt. war zuerst im Kloster als zweiter Caeremoniar und Subkustos tätig. Am 28. April 1661 ging er als Cellerar nach St.Johann, von wo er jedoch am 1. Februar 1667 wegen Lähmung der Hände wieder zurückkehrte. Er starb schon am 4. Juni 1671. Er hatte sich auch als Bücherschreiber und Buchbinder betätigt.[i] (302)

 

[i] Stipplin, Band 234, p. 321.


32. Br. Ulrich Hediner

Br. Ulrich (Johann) Hediner v. Goldach.[i] Geboren 9. September 1610. Profess 16. Oktober 1641. Durch mehr als 30 Jahre hindurch war er treubesorgter Krankenbruder, bis er am 3. Juni 1679 starb.[ii] (303)

 

[i] Alias Haediner, Heidener.

[ii] Rothenflue führt einen P. Franz Haediner für 1665 auf 1666 als Pfarrer von Peterzell auf; einen solchen gab es nicht. Offenbar liegt eine Verwechslung der Geschlechtsnamen vor; ein P. Franz kommt für diese Zeit nicht in Betracht.

Am 16. Oktober 1641 wurde P. Johann Konrad von Offtringen als allein noch überlebender Kapitular von Murbach ins St.Galler Kapitel aufgenommen; starb aber schon im gleichen Jahre. Kapitelsakten. Doch wird er in keinem Verzeichnis als eigentlicher St.Galler Kapitular aufgeführt.


33. Honorat Keller

P. Honorat (Johann Baptist) Keller von Überlingen. Geboren 21. Januar 1627. Eltern: Andreas Keller, Schaffner zu Bodman, und Elisabeth Meher. Profess 1. November 1644. Subdiakon 29. Mai 1649; Diakon 11. Juni 1650; Priester 8. März 1653. Primiz 19. März 1653.

 

Am 24. April 1651 wanderte er mit P. Tutelo u. a. (s. d.) zunächst nach Freiburg i. Ü., bald darauf nach Dôle, um dort Französisch zu lernen. Am 11. Dezember 1652 kam er wieder heim, als Doktor der Rechte. Wir finden ihn in der Folge seit dem 3. April 1653 als Lehrer des Rechts und der Theologie in St.Johann, wo er auch Kustos war. 1667, 14. Dezember, wurde er Brüderinstruktor, kehrte aber am 24. März 1673 wieder nach St.Johann zurück. Endgültig scheint er am 27. Dezember 1674 St.Johann verlassen zu haben und nach St.Gallen zurückgekehrt zu sein, wo er Beichtiger in St.Georgen wurde. Er starb am 17. Mai 1685. – Ein Onkel von ihm war Matthias Meher, Beichtiger in Wattwil.[i] (304)

 

Schriften:

 

Juris canonici universi commentarius in tribus libris exceptus a Fr. Leodegario Bürgisser. 1662. 4°. (Bei Weidmann p. 428 Verzeichnis der 1712 nach Zürich entführten Handschriften. 

 

[i] Stipplin, Band 234, p. 332.


34. Martin von Oberhausen

P. Martin (Franz Ernst) von Oberhausen. Geboren am 4. Dezember 1626 auf der Burg Kissenberg beim Städtchen Thiengen als Sohn des Anton von Oberhausen und der Maria Salome Schiffer von Frölingen. Profess 1. November 1644. Weihen wie P. Honorat. Primiz 21. März 1653.

 

Mit P. Honorat u. a. ging er als Frater im April 1651 nach Freiburg in Ü. und später nach Dôle, von wo er ebenfalls als Doktor der Rechte zurückkehrte. Am 22. Juni 1653 wurde er Kapitelssekretär, versah aber dieses Amt nur bis zum 13. Juli 1654, wo er Pfarrer in Alt St.Johann wurde. Kurze Zeit war er, 1654, auch an der Schule in Rorschach tätig. Von Alt St.Johann kam er am 14. September 1656 als Küchenmeister nach St.Gallen zurück; zugleich hatte er seit dem 23. März 1657 in St.Gallen die Sonntagspredigten zu halten. Am 26. Juli 1658 wurde er Offizial. Am 8. Juni 1661 wurde er überdies Lehrer des bürgerlichen Rechts. Am 3. Juni 1666 erfolgte seine Ernennung zum Subprior und Novizenmeister. Am 2. August 1674 wurde er Statthalter in St.Gallen und am 18. Oktober 1678 solcher in Wil, wo er bis zu seinem Tode amtete. Er starb am 30. April 1687. (305)


35. Nikolaus Grob

P. Nikolaus (Christian) Grob von Brunnadern. Geboren am 12. Juli 1625. Seine Eltern, Lorenz Grob und Salome Schnetzer, verlor er früh; eine Tante zog ihn auf. Profess 1. November 1644. Subdiakon 29. Mai 1649; Diakon 11. Juni 1650; Priester 3. Juni 1651. Primiz 24. Juni 1651.

 

P. Nikolaus wurde am 25. September 1652 Pfarrer in Stein. Auch hatte er seit dem 11. Februar 1653 die Volksschule in Neu St.Johann zu versehen. 1655 war er Pfarrer in Nesslau bis zum 9. Mai 1658, wo er nach Wildhaus übersiedelte. Von dort kam er 1661 wieder nach Nesslau;[i] 1665 noch einmal. Am 10. Juni 1665 wurde er von St.Johann nach St.Gallen zurückberufen, wo er Katechet und Ecclesiastes wurde. Er starb am 5. Mai 1677, 52 Jahre alt, an einem «Catharrh suffocativum».[ii] (306)

 

[i] Nach Rothenflue bis 1663.

[ii] Stipplin, Band 234, p. 323.


36. Ulrich Aichhaim

P. Ulrich (Jakob) Aichhaim von Riedt bei Neu-Ravensburg. Geboren am 22. Juli 1626. EItern: Johann Aichhaim und Katharina Fedell. Profess 1. September 1644. Weihen wie bei P. Nikolaus. Primiz 25. Juni 1651.

 

Zuerst finden wir ihn 1655 als Pfarrer in Stein. Vom 19. Oktoher 1663 bis zum 30. Januar 1669 war er Kornherr. Alsdann wurde er P. Magnus Brüllisauer im Archiv beigesellt und speziell mit der Korrektur des gross angelegten Urkundenbuchs betraut. Eine Zeitlang muss er auch Münsterprediger gewesen sein. Er starb am 5. August 1675, erst 49 Jahre alt, nachdem er schon 1670, wie Abt Gallus bemerkt, «an henden und Füessen lam war und an denselben gross geschwölle und infolgedessen am 2. Juli einen paroxismum gehabt hatte, der sich am 29. August wiederholte.»[i] Nach einer Bemerkung vom 4. September 1670 (ibid.) war er an Scharlach krank. Am folgenden 3. Oktober bemerkte der Abt, dass er sich wieder etwas erholt, nachdem er über ein Jahr krank gewesen sei. Am 31. März 1671 stellte sich ein Rückfall ein, weil er Wein getrunken hatte, wie der Abt bemerkt. (307)

 

Schriften:

 

1. Comoedia de Landelino Abbate Crispiniensi. Mit gedrucktem Programm. 4°, 2 Bll. In Mscr. 1374 (k). Von der Jugendt im Gottszhaus Sanct Gallen gehalten, die (23.) July Anno D. MDCLIII.

 

2. Hauschronik oder Annalen des Stiftes St.Gallen 1640 bis 1652, von Ulrich A. In Band 222 des Stiftsarchivs St.Gallen.

 

3. Collectio orationum sacrarum, moralium etc. Patrum et Fratrum mon. monasterii S. Galli, constans tribus Tomis in 4°. Chart. (1655 angelegt).

 

I. Exhibet orationes numero 74 (Mscr. D 74 der Zentralbibliothek Zürich).

 

II. Exhibet complures sermones varii argumenti. (Mscr. D 147 der Zentralbibliothek Zürich). (Enthält meist rhetorische Übungen der St.Galler Kleriker.)

 

III. Exhibet diversas orationes philosophicas. (Mscr. D 155 der Zentralbibliothek Zürich). Vergl. Weidmann p. 424, Verzeichnis der im Jahre 1712 nach Zürich abgeführten und nicht zurückgegebenen st.gallischen Handschriften. – Dank der gütigen Beihilfe von H. H. P. Cunibert Mohlberg O.S.B., Maria Laach, gelang es mir, die Bände in der Zentralbibliothek Zürich herauszufinden. Ebenso auch die der folgenden Kollektion.

 

4. Collectio carminum, epigrammatum etc. Patrum ac Fratrum mon. S. Galli, consistens Tomis 8 in 4°. Chart. (1673 angelegt, Band 5 und 7 fehlen; 7 schon nach Weidmann). Wir geben zunächst die Titel der Bände, dann die von Aichhaim darin enthaltenen Stücke:

 

I. Continet Carmina Heroica seu Epica a RR. PP. et FF. S. Galli diversis licet temporibus composita a R. P. Udalrico Aichhaim p. m. collecta 1673. 4°, unpag. (Mscr. D 76 der Zentralbibliothek Zürich).

II. De Studiis et Litteris Humanioribus. Continet:

 

1. Una affixione in honorem Christi nati Nativitates varias. 2. Aggratulationes: Dividitur in quinque Partes (1. agit de Abbatibus; 2. de Decanis et Superioribus; 3. de Officialibus; 4. de Professoribus et Praeceptoribus; 5. de communibus Conventualibus Monasterii S.Galli et aggratulationibus iisdem varia occasione, plerumque tamen in diebbus natalitiis oblatis et collectis magno studio hincinde a me Fr. V. A. Anno 1673. 4°, 351 Fol. – Die Gratulationen, meist in Versform, stammen durchwegs von den Fratres juniores, ohne dass die einzelnen Autoren genannt werden; da und dort finden sich auch kleinere Gedichte, die einzeln aufzuführen wertlos wäre (Mscr. D 195 der Zentralbibliothek Zürich).

 

III. Ohne Titel und Rückentitel. Nach Weidmann: Continet Affixiones varias diversis temporibus, maxime 1654 (Mscr. D 81 der Zentralbibliothek Zürich).

 

IV. Liber de studiis et litteris humanioribus continet duos libros: 1. Elegiarum a RR. PP. et FF. S. Galli compositarum. 2. Epigrammatum de Novem Choris Virginum a PP. Societatis Jesu Dilingae habitorum (ut Index demonstrat). 4°, 456 Fol. (Mscr. D 153 der Zentralbibliothek Zürich).

 

V. (Nach Weidmann) Adnotationes in C. Suetonium Tranq. Epigrammata et miscellanea varii argumenti adducit. Mscr. (Nach einer gütigen Mitteilung von Herrn Dr. F. Burckhardt, Zentralbibliothek Zürich, wird auch dieser Band heute vermisst).

 

VI. Carminum tomus III complectens librum 11. versuum heroicorum seu Declamationum, quas maiore ex parte e Compositionibus RR. PP. Monasterii S. Galli et nonunquam aliunde collegit D. Udalricus Aichhaim Professus ibidem Anno 1655. (Farbig verziertes, handgezeichnetes Titelblatt [sig. Matthias sculpsit]; Abt Bernhard gewidmet. 8°, 316 Fol. mit Indices. Mscr. D 77 der Zentralbibliothek Zürich).

 

VII. Band fehlt.

 

VIII. Liber X. elegiarum, quas diversas tum aliunde tum maiori ex parte ex scriptis quorundam Rmorum Patrum Monasterii S. Galli collegit F. V. A. Anno MDCLV (Mscr. D 86 der Zentralbibliothek Zürich).

Von P. Ulrich stammen in dieser Sammlung (manche Gedichte sind ohne Autorenangabe; wir führen sie unter den anonymen Schriften auf [s. S. 35]):

 

Aichhaim I. Mscr. D 76: De Annuntiatione B. V. (1654), Fol. 97-110a. – De Belga quodam rustico simulato per diem unicum regem (von ?). Fol. 110b- 117. – De gloriosa Christi victoria, Fol. 118-125. – Pons Asinus sive studiorum radices esse amaras, fructus vero dulces (1656). Fol. 464.

 

Aichhaim IV. Mscr. D 153: Nulli mors horrida parcit. Fol. 81. – De venerabili Sacramento Eucharistiae. Fol. 85. – De B. Joanna Regina. ibid. – Elegia de S. Catharina Virg. et Mart. Fol. 97. – Declamatio de S. Catharina. Fol. 101. – De S. Agnete Virgine et Martyre. Fol. 109b. – De sacris processionibus Crucis (Cecini Fr. Valentin Müller; möglicherweise auch von diesem verfasst). Fol. 119. (Bei den meisten dieser Dichtungen steht die Autorschaft nicht durchaus fest). – Josephus Christi nutritius Gallo II. Abbati S. Galli propter extructum sibi Templum in Capri Silva gratias refert. Fol. 133 (ohne Autorangabe). – De resurrectione Christi. Fol. 146 (ohne Autorangabe, doch Schrift von P. Ulrich).

 

Aichhaim VI. Mscr. D 77: Epos de Annuntiacione Bmae Virginis Mariae. Fol. 159-170. Sartoris cuisdam Batavi de Leyden, qui in urbe Monriensi Westphaliae regnum diadema arrogaverat sibi incredibili Superbia (collecta a F. Udalrico ex discipulorum compositionibus). Fol. 308b. – Pons asinus radices studiorum amarae, fructus autem dulces. Fol. 392.

 

Aichhaim VIII. Mscr. D 86: Liber continens Epigrammata. Pars I. de Sanctis variis per annum. Epigrammata in honorem Divae V. M. (plerumque a P. Udalrico). Fol. 4°. – Calendarii poetici Sanctorum Pars I. Julus etc. Fol. 12-116. – Sanctissimo P. Benedicto Monachorum Patriarchae, Ecclesiae totius Columnae, Ordinis sui per Occidentem basi firmissimae hasce novem bases offerunt, dedicant, consecrant infimi eius Clientes, Eloquentiae studiosi in S. Gallo Anno 1654. 21. Martii. Fol. 119-134. – Ss. MM. Antonini et Theodori in Monasterii S. Galli aedem principem introductio ac salutatio Anno 54, Oct. 4., Fol. 135-144.

 

Einen ähnlichen Sammelband wie die vorerwähnten der Zentralbibliothek Zürich besitzt das Stiftsarchiv St.Gallen in Band 222. Darin finden sich manche Arbeiten P. Ulrichs (doch ist es nicht leicht, da sie meist ohne Autorangabe sind, sie mit Bestimmtheit ihm zuweisen zu können). Wir geben nachfolgend jene, die wohl von ihm stammen dürften:

 

Fol. 116: Leben des hl. Notker in deutschen Versen; Fol. 161-180: Leben des hl. Otmar in lateinischen Versen; Fol. 182-203b: Prosaica picturae in variis Emblemmatibus contentae explicatio (lateinisch, dann deutsch von Fol. 204 bis 213); Fol. 218-249b: Leben des hl. Notker (von den infimi discipuli S. Galli), lateinisch und deutsch; p. 354 bis 512: Geschichte des Abtes Pius von 1640-1652 (tagebuchartig). Von näher nicht bestimmbaren Verfassern stammen in diesem Bande: Fol. 252-260: Verse zu Ehren des hl.Gallus; Fol. 262-275: Abbates monasterii S. Galli illustriores (lateinische Verse); p. 292: Concio Sanctissimi Patris nostri Galli (lateinische Verse);Fol. 301-309: Phalencium de S. Gallo (lateinisches Gedicht); Fol. 310-311b: Pars declamationis S. Galli (lateinische Verse); Fol. 312: De S.Otmaro Epicum; Fol. 318: Cavea mysticae Lusciniae cantillantis hoc est S.Othmari Abbatis et Confessoris captiva libertas et libera captivitas (lateinische Verse); Fol. 326-329: Declamatio pro festo S. Notkeri; Fol. 330: Lateinisches Gedicht auf S.Otmar. 

 

[i] Diarium III, 265ff.


37. Konrad Holzapfel

P. Konrad (Ulrich) Holzapfel v. Ensisheim. Geboren am 12. Februar 1624 als Sohn des Georg Israel, Doktor der Rechte, aus Zabern im Elsass, österreichischer Regierungsprokurator in Ensisheim, und der Anna Maria Felbinger (o. Felgener) aus Rheinfelden. – Er kam 1643 nach St.Gallen, wo er am 1. November 1644 Profess ablegte. Subdiakon 29. Mai 1649; Diakon 11. Juni 1650. Dann kam er am 24. März 1651 mit P. Tutelo u. a. (s.o.) zuerst nach Freiburg i. Ü., um hier die Rechte und Französisch zu studieren, ging aber mit den andern am 9. Oktober 1651 nach Dôle im Burgund und kehrte von hier im September 1652 als Doktor der Rechte nach Hause. Am 8. März 1653 wurde er Priester und feierte am 25. März 1653 seine Primiz. Schon am 13. Juni 1653 wurde er als Prior nach Ettenheimmünster bestimmt. Im Dezember 1654 kehrte er zur Abtwahl nach St.Gallen zurück, ging aber dann wieder nach Ettenheimmünster zurück. Dort blieb er, bis 1660 ihn eine Krankheit zwang, zunächst Ebringen aufzusuchen; von dort liess ihn Abt Gallus am 12. März durch P. Anton in einer Sänfte nach St.Gallen holen, wo er bereits am 6. Juni, erst 44 Jahre alt, starb.

 

A Malo cognomen habes, sed mortuus ecce es!

Ergo momordisti, quae tua, Mala, parens.[i] (308)

 

[i] Mscr. 1447; Stipplin, Band 234, p. 335.


38. Wolfgang Nef

P. Wolfgang (Gabriel) Nef von Diessenhofen. Geboren am 7. März 1625. Eltern: Johann Nef und Ursula Germann von Straubenzell. – Er besuchte zwei Jahre das Jesuitenkollegium in Konstanz, kam dann nach St.Gallen und legte hier am 1. November 1644 Profess ab. Subdiakon 16. März 1647. Ob er Diakon wurde, steht nicht fest; er wird aber vereinzelt als Diaconus bezeichnet; in diesem Falle erhielt er die Weihe entweder am 6. April 1647 oder am 7. März 1648. – Er starb schon am 3. Januar 1649, erst 24jährig, an der Auszehrung. Mit Recht wandte man darum auf ihn das Wort des Propheten an: «Dum adhuc ordirer succidit me. Is. 38. – Fuit statura mediocri, facie subfusa sed in amabilitatem vergente.»[i] (309)

 

[i] Stipplin, Band 234, p. 203.


39. Br. Anton Schädler

Br. Anton (Kaspar) Schädler v. Tübach.[i] Geboren am 6. Januar 1617. Profess 1. November 1644. – Er war Pfortenbruder, weilte aber auch zeitweise in St.Johann, wie aus einer Tagebuchnotiz des Abtes Gallus erhellt (24.1.1651), wonach er im Dezember 1650 von dort heim kam: «weilen er ein armen auseinanderen gefallen hat.» Am 13. Juli 1681 schickte ihn der Abt mit P. Josef nach Pfäfers ins Bad. Br. Anton starb am 29. Juni 1686.[ii] (310)

 

[i] Aus dem Karrerholz.

[ii] Wappen bei Stipplin (Z. B. Z. X. 59).


40. Br. Arsenius Haim

Br. Arsenius (Richard) Haim von Waltershofen.[i] Profess 1. November 1644. – Er war Bäcker von Beruf, versah aber eine Zeitlang auch das Amt eines Pförtners in Wil. Gestorben 14.[ii] Februar 1660. (311)

 

[i] Nach Scherer von Kisslegg.

[ii] Alias 16.


41. Maurus Heidelberger

P. Maurus (Johann) Heidelberger von Wil. Geboren am 2. Februar 1628 als Sohn des Sebastian Heidelberger und der Barbara Zopf. – Er kam anfangs November 1643 nach St.Gallen an die Schule. Profess 3. Mai 1649. Subdiakon 3. Juni 1651; Diakon 21. September 1652; Priester 19. September 1654. Primiz 16. Oktober 1654.

 

Am 16. Januar 1657 wurde P. Maurus zum Lehrer der Humaniora für 4 Schüler ernannt, erhielt aber bereits 1658 und wiederum im August 1661 den Auftrag, Philosophie zu lehren. Zugleich war er 1661 Cellerar. Am 19. Juni 1662 wurde er nach Disentis als Lehrer geschickt, kam aber bald wieder zurück; denn am 3. Juni 1663 wurde er in St.Gallen wieder Lehrer (Hypodidascalos) und am folgenden 3. Oktober Brüderinspektor, welches Amt er bis zum 29. Mai 1665 beibehielt. Am 4. Februar 1664 ging er nach Salzburg, um die dortige Universität zu besuchen und Recht zu hören. Jedenfalls war er Ende 1665 oder anfangs 1666 wieder daheim; denn er wurde von da als Lehrer der Theologie nach St.Johann geschickt. Schon am 3. Juni 1666 erfolgte seine Ernennung zum Offizial, in welcher Stellung er bis zum 2. August 1674 blieb. Daneben war er seit dem 11. Oktober 1672 Küchenmeister; ebenso versah er von 1672/73 das Amt eines Aedilen. Am 2. August 1678 erfolgte seine Ernennung zum Subprior und Novizenmeister. Vom 27. Januar bis 29. Juli 1675 versah er überdies das Amt eines Fraterinstruktors. Am 19. Februar 1678 wurde er als Subprior und Bauherr nach St.Johann geschickt; erhielt aber dort am 6. November 1679 den Auftrag, die Pfarrei Peterzell zu übernehmen. Am 30. September 1680 kehrte er nach St.Gallen zurück.

 

Die ganze bisherige Laufbahn dieses Mannes zeigt, wie hoch ihn Abt Gallus schätzte. Umso mehr ist man überrascht zu hören, dass er am 29. Mai 1681 plötzlich und fluchtartig das Kloster verliess. P. Maurus hatte sich sittliche Vergehungen mit einer Frauensperson zu schulden kommen lassen, wurde deshalb im Januar 1681 gebüsst, am 20. Februar in das Klostergefängnis gesperrt und am 5. April daraus wieder entledigt. J. v. Arx bemerkt dazu:[i] «Abt Gallus war übrigens keineswegs derjenige, welcher seinen Geistlichen die Augen ausstechen liess und sie bis zum Entlaufen quälte;[ii] doch mag er der Sache zu viel gethan haben, da er aus dem Grundsatze, daß, wie der Heiland den ausgesöhnten Schächer an dem Kreuze habe hängen lassen, eben so auch Maurus zur Verhütung des Rückfalles in seinen Bußen bleiben müsse, ihn weder davon befreien, noch ihm die angesuchte Entlassung in ein anderes Kloster ertheilen wollte . . .» Aus Unmut verliess er so das Kloster. Der Unglückliche wandte sich zunächst nach Appenzell A.-Rh. Der Abt begehrte bei den dortigen Behörden am 11. Juni die Auslieferung; deshalb floh P. Maurus weiter nach Sax im Rheintal, wo die Zürcher die Herren waren. Infolgedessen gelangte der Abt am 20. Juni an Zürich, man möchte den Flüchtling, der im Schloss zu Sax wohne, ausliefern. Aber am 2. Juli erfuhr er, P. Maurus habe Rock und Glauben gewechselt, und am 4. August gab Zürich den Bescheid, «da Heidelberger zu ihrem Glauben übergetreten sei,» könne man ihn nicht ausfolgen. P. Maurus ging um diese Zeit, wie man durch den Abt von Fischingen erfuhr, nach Zürich. In St.Gallen entschloss man sich, den Hofammann in dieser Angelegenheit an die Tagsatzung zu senden, der am 25. September über den Erfolg resp. Misserfolg seiner Sendung referierte. Am 12. Dezember erwog man, ob die Sache nicht nach Luzern gebracht werden solle; was auch geschah. Die katholischen Orte gaben am 12. Januar 1682 den Bescheid, dass man sich in Baden bei Zürich für seine Rückkehr verwenden wolle. Von dort kam am 12. Februar 1682 Bericht, dass Zürich P. Maurus aus Stadt und Land gewiesen habe. Von Zürich aus wandte sich der heimatlose Mann nach Deutschland, wo er durch Vermittlung Zürichs die Stelle eines Burgvogtes des Kurprinzen zu Heidelberg erhielt. Hier suchte ihn P. Joseph Dietrich von Einsiedeln im März 1683 auf, um ihn zur Umkehr zu bewegen.[iii] Später wurde Heidelberger im Dienste des Landgrafen von Hessen-Kassel Amtmann in Lengsfeld und 1689 Amtsschultheiss in Ziegenhain. Er hatte sich verheiratet und wurde Vater von zwei Kindern. Im März 1688 kam vom Abte von Fulda ein Brief nach St.Gallen, worin mitgeteilt wurde, dass der ehemalige Pater Maurus wieder zurückzukehren wünsche, doch solle man ferner für seinen Unterhalt, wie für den seiner Frau und seiner zwei Kinder aufkommen. Abt Cölestin war willens, entgegenzukommen und sandte auf erneuten Bericht von Fulda hin 400 fl. mit der Weisung, P. Maurus möge sich entweder nach Wiblingen, St.Jörg in Villingen oder Tegernsee in Bayern begeben. Im Juli 1688 berichtete indessen Propst P. Otto von Riedheim aus Fulda, dass P. Maurus neue Ausflüchte suche und wenig Hoffnung auf eine wirkliche Gesinnungsänderung sei. Es dauerte noch einige Jahre bis zur endgültigen Umkehr. Am 12. Juli 1696 langte der Unglückliche, bei seinem Landesherrn in Ungnade gefallen, in Fulda an, nachdem er Tags zuvor aus Ziegenhain bei Nacht und Nebel, unter Zurücklassung von Frau und Kind, geflohen war. Durch den Dekan von Kempten, Adelbert von Schleifras,[iv] der später auch, als P. Maurus nach Kempten kam, sich besonders des Unglücklichen annahm, erfuhr man am 30. Juni 1696 in St.Gallen von der Rückkehr Heidelbergers. Er erbat vom Abte für seine zwei Kinder[v] und die Konkubine 2000 fl. «quos libenti animo et si plus fuisset, dare constitui,» wie Abt Leodegar bemerkt. In diesem Sinne schrieb der Abt auch sogleich nach Kempten und bat um rasche Beförderung der Angelegenheit. Bald aber kam Bericht, dass die Gesinnung des Zurückgekehrten nicht ganz so sei, wie sie sein sollte. Dieser selbst war von Fulda, da er sich dort nicht sicher fühlte, am 17. August nach Kempten verreist, wo er am 23. eintraf. Man sandte von St.Gallen aus P. Dionys Mattlin dorthin; dieser aber meldete, dass P. Maurus seinen Fehler nicht recht einsehen wolle. P. Maurus wünschte nach Mehrerau zu gehen; deshalb besprach sich Abt Leodegar mit dem Abt von Mehrerau, der aber von einer Aufnahme desselben nichts wissen wollte. P. Maurus selber war indessen wieder willens geworden, weiter in Kempten zu bleiben. Dorthin schickte ihm Abt Leodegar am 15. Oktober 1696 drei Goldstücke. Vorderhand blieb er in Kempten, wo ihn P. Dekan Ende Juli 1697 aufsuchte. Dieser ging, auf Grund der gepflogenen Unterredung, alsbald ihn nach Rorschach zu holen, wo die beiden am 9. August 1697 eintrafen. Abt Leodegar suchte den so Zurückgekehrten am 16. August in Rorschach auf, worauf dieser nach 16jähriger Abwesenheit am 17. September wieder in das Mutterkloster zurückkehrte. Der Abt erlaubte ihm, da er sich schwach fühlte, im Krankenhaus Aufenthalt zu nehmen und bestimmte, nach Beratung mit den Patres, die Patres Chrysostomus, Dominikus und Raphael sich seiner anzunehmen und ihn recht zu disponieren. Durch den Dekan liess er ihm auch eröffnen, dass er ihn nicht besonders strafen wolle, er habe nur gute Exerzitien zu machen und sich als letzter den Priestern unter den Kapitularen anzuschliessen; auch den Chor müsse er wie die übrigen wieder besuchen. Am 4. Oktober leistete P. Maurus im Kapitel feierliche Abbitte, legte das Glaubensbekenntnis und die Gelübde ab. Am 11. November tat er vor der Predigt auf der Kanzel öffentliche Abbitte für das gegebene Ärgernis, «sed frigide et fraudulenter,» wie Abt Leodegar bemerkt, der, wie auch aus andern Bemerkungen hervorgeht, P. Maurus nicht recht traute. Am 26. November wollte dieser nach Kempten gehen, um sich mit dem dortigen Abte zu besprechen, was ihm aber nicht erlaubt wurde. Er gelangte aber jedenfalls schriftlich dorthin, denn am 6. Januar 1698 verwandte sich der Fürst von Kempten für ihn, damit er entweder wieder an den Platz, der ihm nach seiner Profess zukam, aufgenommen würde, oder aber in ein anderes Kloster entlassen würde. Beides wurde aber abgeschlagen. Da verlangte P. Maurus, man möchte ihm erlauben, in Einsiedeln Exerzitien zu machen. Abt Raphael von Einsiedeln schickte deshalb am 1. Februar seinen P. Aegidius, um P. Maurus zu holen. Nur nach langem Zögern und unter Zusicherung genauer Überwachung liess man die beiden am 7. Februar endlich ziehen. Am 20. Februar schrieb Abt Raphael, dass P. Maurus wenigstens bis Ostern in Einsiedeln bleiben möchte; er halte sich gut; P. Paul nehme sich seiner besonders an. Aber am 12. März kam Bericht, dass P. Maurus wegen Unpässlichkeit seine Exerzitien abgebrochen habe und heim verlange. So sandte denn der Abt Mitte März P. Raphael mit einer Sänfte nach Einsiedeln. Am 22. März kam der arme Mann fast blind und ganz krank heim. Am folgenden 26. Juli starb er sodann ganz bussfertig und gottergeben. Der Abt meinte: Gott habe ihn in Einsiedeln in wunderbarer Weise mit Blindheit geschlagen wie einst Saulus, um ihn so auf bessere Gedanken zu leiten. So fand dieses bewegte Leben doch noch einen glücklichen Ausklang. Über die Umkehr und den Ausgang von P. Maurus müssen in der Nürnberger Zeitung nachträglich verleumderische Gerüchte ausgestreut worden sein; denn P. Dionys Mattlin rät in einem Briefe vom 5. Oktober 1698 an den Hofmeister in St.Gallen zu Massnahmen gegenüber diesen Verleumdungen.[vi] Ebenso ereiferte sich der Zürcher Professor Fries gar sehr.[vii] (312)

 

Schriften:

 

a) Gedruckte:

 

1. Tria sciendi instrumenta, videlicet Definitio, divisio et argumentatio. In mon. S. Galli 1659. Typ. monasterii S. Galli. 4°, 10 Bll. (Nach Scherer; Grolig).

 

2. Epithalamium sponsae virginis paranympho Aristotele decantatum seu legatio angeli Gabrielis ad virginem Mariam divinae maternitatis candidatam in exempto monasterio S. Galli publice disputata die . . . Aprilis 16LXIII. Typis monasterii S. Galli. 16°, 6 Bll., 119 S., 1 Bl. – Vadiana, St.Gallen Ed 3265 (Grolig).

 

Ungedruckte:

 

1. Miracula ad B. Virginis Imaginem Vespertinam in S. Gallo facta, conscripta anno 1681. a P. M. H. Stiftsarchiv St.Gallen, Band 390.

 

2. Fictio Visionis de statu Helvetiae (Quaerela B. Nicolai Subsilvani adversus Helvetios). Collectio Aichhaim III. Zentralbibliothek Zürich. Mscr. D 81. Fol. 168 b. In der gleichen Collectio Aichhaim (1. Mscr. D 76) finden sich auf den ersten Blättern einige Distichen und Annagramme auf den Apostaten Heidelberger. 

 

[i] III. p. 196.

[ii] Wie es später die Nürnberger Zeitung (s.u.) den Leuten vormalte.

[iii] Reise des P. Joseph von Einsiedeln auf den Frankfurter Büchermarkt, 16. März bis 24. April 1683, von Pater Magnus Helbling. Mitteilungen desHistorischen Vereins des Kantons Schwyz, 15. Heft, 1905, p. 157-161, 197.

[iv] 1700 Fürstabt von Kempten.

[v] Eine Tochter von 10 und einen Sohn von 4 Jahren.

[vi] Fasz. XXIX, 12.

[vii] V. Arx III, 197. – Über P. Maurus vgl. Stipplin, Band 234, p. 371. – v. Arx III, p. 195. – L. R., P. Maurus Heidelberger aus St.Gallen. Zeitschrift für schweiz. Kirchengeschichte 1908, II. 50. (Nur kurzer Hinweis auf die Notizen in Dietrichs Tagebuch (s.o.) – Egger, Leben des Cardinals Sfondrati, p. 8-9, Hist.-biogr. Lexikon IV, 116.

Patris Mauri oder Johann Heidelbergers Schandliche Flucht und gewüssenlose Widerkehrung zum Papstdom(!) etc. Aus gedachten Patris Mauri eigenen Schriften und Briefen zusammengezogen und Reformirten Christen zur Warnung an tag gegeben Durch Joh. Heinrich Fries Prof. Zu finden bey David Gessner Anno MDCCI. 12°, 45 S. – Staatsarchiv St.Gallen, Sammlung Wegelin 23, 14.


42. Kolumban von Andlau

P. Kolumban (Johann Ludwig) von Andlau aus Ensisheim. Geboren am 17. Mai 1627. Profess 3. Mai 1649. Subdiakon 3. Juni 1651; Diakon 21. September 1652. Am 18. Dezember 1653 wurde er mit P. Franz nach Ettenheimmünster geschickt, kehrte aber schon im folgenden Jahre wieder zurück; denn am 19. September 1654 wurde er Priester und feierte am 18. Oktober in St.Gallen seine Primiz. Am 10. Mai 1656 wurde er Schulmeister in Rorschach. Nach Rothenflue wurde er aber schon 1656 Pfarrer von Hemberg, von wo er 1658 nach Nesslau ging. 1659 ist er (wohl zugleich) Subprior in St.Johann. Am 17. Juni 1661 wurde er Pfarrer zu Wildhaus. Am 31. Oktober 1662 schickte ihn Abt Gallus mit P. Anselm nach Ensisheim wegen Murbach. Schon am folgenden 18. Dezember wählte ihn das Kapitel von Murbach zum Abte. Abt Gallus fürchtete Ungelegenheiten von Seite Österreichs und Frankreichs, gab aber am 30. Dezember seine Zustimmung. P. Kolumban kam aber nie in den Besitz seiner Abtei; denn den Ränken des Strassburger Bischofs, Egon von Fürstenberg, gelang es, dies zu hintertreiben. Er hielt sich in der Folge auf einer Besitzung Murbachs in Hesingen auf und lebte hier seinen asketischen Neigungen. Frankreich warf ihm eine Pension aus. Von dort kam er auch am 6. Mai 1665 zu Besuch nach St.Gallen. Eine zweite Wahl in Murbach, am 6. Juni 1686, nahm er nicht mehr an. Er war übrigens von Rom nie bestätigt worden und hatte auch keine feierliche Benediktion empfangen. Im Jahre 1700 kam er nach Rorschach, wo ihm Abt Leodegar als Gesellschafter P. Stephan beigab.[i] Hier starb er auch am 7. Februar 1707 im Alter von 80 Jahren.

 

Um sein Erbe entspann sich schon zu seinen Lebzeiten ein wüster Streit. Murbach wollte 1692 davon nur den dritten Teil St.Gallen zubilligen, womit man nicht einverstanden war. Nach seinem Tode ging der Streit erst recht an. P. Lukas Grass, der als Statthalter von Ebringen 1718 die Verhandlungen führte, versprach Murbach 9500 fl., ohne dazu ermächtigt zu sein. Erst 1722 kam der leidige Handel zum Austrag. St.Gallen hatte an Murbach 1400 Dukaten zu zahlen. «Ist der Lohn, daß St.Gallen dem Gottshaus Murbach vill iahr gedient vnd mehrmahl vor dem Vndergang erhalten. St.Gallen conserviere dich mit der Hilff Gotts selbesten vnd nimme dich anderer Klöster, vill minder der hochen, höchsten nichts an. Exempla id docent,» bemerkte Abt Joseph am 25. Januar 1722 zum Abschluss dieses Geschäftes.[ii] P. Kolumban hatte dem Kloster St.Gallen eine eigene Stiftung von 5000 fl. gemacht, zum Ankauf evangelischer Güter im Toggenburg, um sie in katholische Hände zu bringen, und zur Erziehung junger Konvertiten. Der Bibliothek vermachte er 100 fl., woraus die 12 Bände «Griechische Altertümer» von Gronovius gekauft wurden.[iii] (313)

 

[i] 23. November 1700.

[ii] Diarium II. 458.

[iii] Weidmann, p. 77. – Vgl. Hist.-biogr. Lexikon der Schweiz I. 369.


43. Magnus Egger

P. Magnus (David) Egger von Tablat. Geboren am 15. Oktober 1632. Profess 3. Mai 1649. Subdiakon September 1654; Diakon 27. Mai 1655; Priester 20. Dezember 1656. Primiz 1. Januar 1657.

 

Als Frater noch hatte ihn Abt Pius mit Frater Meinrad im Hebräischen ausbilden lassen; denn wir lesen im Tagebuch dieses Abtes: «Anno 1651, 5. Oktober, Parocho S. Fidei bevelch geben umb zu sehen, ob Jud Isam zu Arbon wohnend, Ihme und FF. Meinradum et Magnum in lingua Hebraica ein zeitlang möchte instruieren; ist geschehen.» Am Tage vor der Primiz, am 31. Dezember 1656 wurde P. Magnus zum Lateinlehrer in St.Gallen bestellt; am 17. Juni 1661 wurde er Vorsteher der Schule. Aber schon am 19. Juni 1662 kam er als Lehrer nach Rorschach. Von hier wanderte er am 5. Juni 1664 nach Kempten; doch wurde am folgenden 6. September P. Remaclus für ihn dorthin bestimmt. P. Magnus kam offenbar wieder nach Rorschach zurück. Am 30. Januar 1669 wurde er Substitut am Stiftsarchiv; mit P. Ulrich Aichhaim hatte er die Korrekturen für das Urkundenwerk zu besorgen. Zugleich war er Cellerar. Von 1672-1675 wurde er sodann ein erstes Mal Archivar; zugleich 1674 Kapitelssekretär und Kustos. Für P. Euseb musste er am 27. Januar 1675 als Unterstatthalter nach Wil, kam aber, da beständig kränklich, schon am 30. Mai des folgenden Jahres wieder heim. Am 18. Oktober 1678 erfolgte seine Ernennung zum Subprior und Novizenmeister. Wegen eines Fussübels wurde er aber am 15. September 1681 von diesem Amte befreit. Zum zweiten Male übernahm er alsdann das Stiftsarchiv, wo er bis zu seinem Tode, am 29. Juni 1686 tätig war.[i]

 

Schriften:

 

1. Acta seu Controversiae Monasterij cum civitate S. Galli, Conscripta a R. P. Magno Egger anno 1672. (Tom. I. Kopie der Akten und Urkunden von 1287-1459; T. II. jener von 1460-1491; T. III. jener von 1494-1505 incl.) Stiftsarchiv St.Gallen, Band 1007-1009.

 

2. Diaria Abbatis Galli nach Materien geordnet. Stiftsarchiv St.Gallen, Band 268-270. (314)

 

[i] Vgl. Wegelin, Denkschrift, p. 62. Hist.-biogr. Lexikon der Schweiz II. 786.


44. Meinrad von Baden

P. Meinrad (Heinrich) von Baden aus Elzach im Elsass. Geboren am 25. Juli 1629. Profess 3. Mai 1649. Subdiakon 3. Juni 1651; Diakon 21. September 1652; Priester 19. September 1654. Primiz 18. Oktober 1654.

 

Wir wir oben gesehen,[i] nahm P. Meinrad 16051 bei einem Juden Hebräisch. Eine ähnliche Notiz begegnet uns wieder am 20. August 1656: «Hat sich ein Jud angemeldt, die fratres scil. P. Meinradum und andere Novizen das Hebräisch zu lehren.» Im gleichen Jahre, am 23. September, heisst es: «Advenit quidam Graecus Sacerdos, qui fratres in Lingua graeca exercuit;» und zum 31. März 1657: «Ist ein Hebräischer Sprachmeister alher kommen, bei welchem sich P. Meinradus anzumelden begehrt. Das Griechisch und Hebräisch ist bey etlichen jungen Priestern und Fratribus per gratiam Dei ziemlich eingepflanzet. Deus bonum semen conservet et augmentet.»[ii]

 

Am 31. Dezember 1657 kam P. Meinrad als Rhetorikprofessor nach Rorschach. Am 17. Juni 1661 wurde er als Professor der Theologie und Caeremoniar heimberufen. Mitten aus seiner Lehrtätigkeit heraus – er las eben «de jure et justitia» – kam er am 27. Februar 1663 als Gehilfe des P. Kolumban von Andlau nach Murbach. Während P. Kolumban selber, infolge widriger Umstände, nicht in Murbach selbst verbleiben konnte, blieb P. Meinrad daselbst als Subprior. Von dort kam er im August 1670 kurz auf Besuch nach St.Gallen, sah dann aber sein Stift nicht mehr, bis er am 3. November 1696 auf die Benediktion des Abtes Leodegar kurz heimkam. Er kehrte wieder nach Murbach zurück und starb daselbst am 24. Oktober 1702. Dazu bemerkt Abt Leodegar in seinem Tagebuch:[iii] «Ist man also durch diesen Todt von Murbach völlig ledig, vndt sye die von Murbach, nach welchem schon lang geseufzet, allein Meister vnd getröst worden, quod ipsis bene vertat Deus.»[iv] (315)

 

Schriften:

 

Edwardus Angliae Rex hujus nominis III. a juventute Rosacensi exhibitus 21. Augusti 1658. Komödie mit gedrucktem Programm. 4°, 4 Bll., Mscr. 1374 (m). 

 

[i] Siehe P. Magnus.

[ii] Abt Gallus.

[iii] I. 1331.

[iv] Stipplin, Band 234, p. 345.


45. Anselm Meyer

P. Anselm (Franz Werner) Meyer von Hirtzbach aus Ensisheim, Elsass. Geboren am 3. Oktober 1628. Sein Vater wurde am 14. Dezember 1656 Amtsschreiber in Ebringen. – Profess 3. Mai 1649. Subdiakon 3. Juni 1651; Diakon 21. September 1652; Priester 19. September 1654.

 

Er war jedenfalls zuerst an der Schule in Sankt Gallen tätig, kam dann am 4. Januar 1658 als Lehrer der Theologie nach St.Johann. Hier wirkte er auch als eifriger Missionär. Mit P. Kolumban wurde er am 31. Oktober 1662 nach Ensisheim geschickt, um wegen der Reform in Murbach zu verhandeln; kehrte aber wieder zurück und wurde am 19. Dezember dieses Jahres als Dekan nach Disentis gesandt. Von dort aber wurde er schon am 5. Mai 1663 als Dekan nach Murbach beordert. Hier hielt er, trotz der schwierigen Verhältnisse, aus, bis ihn am 18. Januar 1683 auf einem Ritt zwischen Murbach und Gähwiler ein Schlag traf. Er wurde zu Murbach begraben.[i] (316)

 

[i] Stipplin, Band 234, p. 337.


46. Br. Konrad Heußler

Br. Konrad (Johann) Heußler von Bregenz. Geboren 18. Februar 1627. Eltern: Johann Heußler und Christina Hüpschlin. Profess 3. Mai 1649. – Er betätigte sich als Buchdrucker. – Gestorben am 21. Juli 1666. (317)


47. Br. Wolfgang Locher

Br. Wolfgang (Johann) Locher von Appenzell (Dorfnest). Profess 3. Mai 1649. – Am 23.Dezember 1649 kam er nach St.Johann; jedenfalls als Koch, denn seit dem 16. Juli 1654 war er in dieser Eigenschaft in St.Gallen tätig. – Gestorben am 10. Mai 1671.

 

«Fuit Frater iste Conversus obediens, taciturnus, devotus. Hic in utroque S. Joanne, sed et Petricellae industrium Cocum et faumlum egit apud fratres nostros cum multis molestiis.» – Er starb an Auszehrung.[i] (318)

 

[i] Stipplin (Z. B. Z. X. 59).


48. Br. Nikolaus Berchtold

Br. Nikolaus (Ulrich) Berchtold von Schmitzdorf.[i] Profess 3. Mai 1649. – Er war Koch und kam als solcher am 16. Juli 1654 nach St.Johann. Am 28. Februar 1661 starb er an Auszehrung.[ii] (319)

 

[i] Nach Scherer Griessenberg.

[ii] "R.i.P. quod ego spero, cum bonus religious fuerit", bemerkt Abt Gallus, Diar. II. 171.

 


49. Antoninus von Beroldingen

P. Antoninus (Karl Franz) von Beroldingen aus Altdorf. Geboren am 11. März 1634 als Sohn des Hauptmanns Johann Rudolf von Beroldingen und der Barbara Schmid. Er war im dritten Grade verwandt mit P. Victorin Reding, weshalb seine Aufnahme in St.Gallen auf Schwierigkeiten stiess. So baten sein Grossoheim, Sebastian von Beroldingen, Provinzial der Kapuziner, der bekannte Sebastian Pilgrim Zwyer von Evibach und Johann Heinrich Zumbrunnen für ihn um Aufnahme.[i] Profess 4. Mai 1653. Subdiakon 23. Dezember 1656; Diakon 17. März 1657; Priester 21. Dezember 1658. Primiz 27. Dezember 1658.

 

P. Antonin wirkte jedenfalls zuerst an der Schule in St.Gallen; dort wurde er auch am 15. Juni 1661 zum Caeremoniar bestimmt. Doch schon zwei Tage später kam er als Rhetorikprofessor nach Rorschach. Seit dem 4. November 1665 finden wir ihn als Küchenmeister in St.Gallen, von wo er am 7. Juni 1669 als Statthalter nach Pfäfers bestimmt wurde. Er ging am 24. Juni hin, wurde aber schon am folgenden 10. Juli Dekan daselbst. Bis zur Neuregelung der Dinge in Pfäfers (1677) blieb er dort, kam dann am 8. Mai heim. Er kam neben dem Dekan von Einsiedeln, Bonifaz Tschupp, in Frage als Abt von Pfäfers. Daheim wurde er am 18. Febr. 1678 Subprior und am folgenden 8. Juli Dekan. Am 26. Januar 1683 erbat man ihn von Murbach aus, nach dem Tode des P. Anselm (s. o.) als Dekan. P. Antonin ging aber zuerst einmal hin, um sich die Lage persönlich anzusehen. Am 3. April kam er wieder zurück, worauf am folgenden Tage seine Ernennung zum Dekan von Murbach erfolgte. Am 29. April verreiste er. Am 3. Juli 1688 erfolgte aber auf französischen Befehl seine Ausweisung aus Murbach, da man dort nicht den vom französischen König vorgeschlagenen Grafen von Löwenstein zum Abte wählen wollte, weil Rom eine solche Wahl verboten hatte. Ob er wieder dahin zurückkehrte, steht nicht fest. 1692 finden wir ihn in Kempten; am 24. Februar 1699 wurde er Statthalter in Wil. Noch 1708 wird er als solcher erwähnt. Abt Leodegar gab viel auf seinen Rat. Als Senior starb er am 8. Mai 1713, 80 Jahre alt, in Kempten, wo er während des Exils wirkte. Sein Bruder, P. Anton, Dekan in Einsiedeln, starb im gleichen Jahre.[ii] (320)

 

[i] Original bei Stipplin, Band 234, p. 351ff.

[ii] Vgl. Wettach Notker, Die Urner Kapitularen im Kloster St.Gallen, Urner Neujahrsblatt 1918, p. 67ff.


50. Theodor Wirth

P. Theodor (Hieronymus) Wirth von Lichtensteig. Geboren am 13. März 1636. – Er kam am 22. Oktober 1650 nach St.Gallen. Profess 4. Mai 1653. Subdiakon 17. März 1657; Diakon 21. September 1658; Priester 11. Juni 1661.

 

Am 28. September 1664 kam er als Praeceptor nach Rorschach, kehrte aber schon am 31. Mai 1665 wieder zurück und wurde am folgenden 10. Juni nach St.Johann geschickt. Hier wurde er von 1665-1667 Pfarrer in Nesslau, dann bis 1669 in Hemberg, um alsdann wieder die Pfarrei Nesslau zu übernehmen. Am 28. Februar 1674 kam er nach Rorschach, um dort jeweilen die Monatspredigten zu halten. Seit dem 14. Juni 1683 blieb er in St.Gallen, während P. Cölestin für ihn nach Rorschach ging. Erst 53 Jahre alt starb er am 15. Januar 1689.[i]

 

In der Collectio Aichhaim[ii] hat sich eine Übungsrede von ihm De morbis (1660) erhalten (Nr. 12). (321)

 

[i] Stipplin, Band 234, p. 349.

[ii] Mscr. D 147 der Zentralbibliothek Zürich.

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