Professen unter Abt Otmar Kunz (1564-1577)

Professen unter Abt Otmar Kunz (1564-1577)


1. Nikolaus Lindenmann

Nikolaus (Johann) Lindenmann von Rorschach. Profess 29. Mai 1565. Subdiakon 1571; Diakon 1573; Priester 1575. Er war zunächst Subprior,[i] seit 1579 Dekan. Gestorben 28. April 1586. Epitaph:

 

Hic jacet absumptus properata morte Decanus

Niclaus Lindenmann, natus ad omne bonum,

Me durae quartae Maii rapuere Calendae,

Abbas eximius cum Joachimus erat.

(Mscr. 1447) (156)

 

Schriften:

 

1. Logica. Mscr. 1204, Papier 8°, unpaginiert (Sch., p. 424; cfr. Weidmann, p. 68).

 

2. Regula Contrapuncti et alia (eine griechische Deklinationslehre und zwei Briefe des Lud. Vives über Studienmethode). Geschrieben 1567. – Mscr. 1291, Papier 12°, 60 S. (Sch., p. 444).

 

Die Handschrift 495 (Deutsche Gebete für Dominikanerinnen) enthält auf den ersten Blättern Familiennotizen eines Andreas Lindenmann aus den Jahren 1571-1575; doch erhellt nicht, ob dieser in irgendwelchen Beziehungen zu unserm P. Nikolaus stand (Sch., p. 157).[ii]


[i] Bestallung durch Abt Joachim, ohne Datum, Band 299, fol. 15.

[ii] Für die Reihenfolge der Professen unter Abt Otmar ist vorab das Verzeichnis der Wähler seines Nachfolgers massgebend, wobei aber zu beachten ist, dass dort die Konventualen den Weihegraden nach aufgeführt sind, wobei es leicht vorkommen konnte, das seiner, der der Profess nach früher war, dem Weihegrad nach aber spatter folgte. Das Verzeichnis siehe im Instrumentum electionis Joachimi abbatis, Collectanea Chr. Stipplin, Stiftsarchiv St.Gallen, Band 193, p. 585; gedruckt bei Scheiwiler, Fürstabt Joachim von St.Gallen, Zeitschrift für schweiz. Kirchengeschichte, 1918, XII. Jahrg., p. 133. – Andere Verzeichnisse (z.B. in Band 257) weichen von dieser Reihenfolge ab.


2. Mathias Rüedlinger

P. Mathias Rüedlinger von Sidwald (Turtalensis). Profess 29. Mai 1565, an der Oktav von Christi Himmelfahrt. Subdiakon und Diakon 1567; Priester 1571. Cura 8. März 1571. Er war Organist. Gestorben 9. Oktober 1576. (157)


3. Notker Ritter

P. Notker Ritter von Altstätten. Profess 25. November 1565. Priester 1567. Cura 18. September 1567. Er erscheint seit 1573 als Statthalter in Wil. Am 10. August 1582 kam er nach St.Gallen, um Rechnung abzulegen. Auf dem Heimwege kehrte er in Schwarzenbach ein, wo man gerade mit Mörsern schloss. Er half mit und wurde von einem zerspringenden Mörser getötet. Sein Grab fand er in Wil. (158)


4. Br. Andreas Rüter

Br. Andreas Rüter (alias Reuter oder Ritter). Profess 1565, ohne Angabe des Tages. Gestorben 14. April 1591. (159)


5. Br. Hans Blum

Br. Hans Blum. Profess 1565. Jede weitere Angabe fehlt. (160)


6. Paul Alther

P. Paul Alther (der jüngere) von Rorschach. Profess 30. Mai 1566. Von 1568-1590 Prior und Statthalter in St.Johann, wo er das 1568 niedergebrannte Kloster wieder aufbaute. Der Neubau war 1573 vollendet. Nach einer Meldung wäre er auch Dekan gewesen, was uns unwahrscheinlich vorkommt. Er starb am 31. Dezember 1592 in St.Johann und wurde dort in der Muttergotteskapelle begraben.[i] (161)


[i] Vgl. Histor.-biogr. Lexikon der Schweiz I. 296. Nach Weidmann sollen sich seine Schriftzüge in Handschrift 156 finden; doch bemerkt Scherer nichts (Weidmann, p. 68).


7. Benedikt Pfister

P. Benedikt Pfister von Wannertobel in Wittenbach.[i] Profess 1567, am Oktavtag von Christi Himmelfahrt. Subdiakon und Diakon 1567; Priester 1569. Cura 24. März 1569. Er war 1573 Pfarrer in Romanshorn. 1577 ist er Statthalter in Rorschach. Ebenso war er Seelsorger in St.Georgen und nachher Pfarrer in St.Fiden. Bei der Pest 1594 zeichnete er sich besonders aus. Als Pfarrer von St.Georgen bekam er mit einem Nachbar, einem Glaser aus Luzern, wegen eines Misthaufens schweren Konflikt, der bis vor die Nuntiatur kam. Auch der Abt wurde in die Angelegenheit verwickelt, die von Rom aus untersucht wurde und mit der Unterstellung des Abtes Joachim unter vier seiner Patres als Administratoren endete. Auch P. Benedikt war einer dieser Administratoren. Abt Bernhard ernannte ihn zum Küchenmeister.[ii] Er war der erste Träger dieses Amtes in St.Gallen. 1593 und wiederum 1602 wird er von einer öffentlichen Busse freigesprochen.[iii] Er starb am 8. April 1611 im Alter von 62 Jahren und wurde beim Eingang zur sogen. «Schwarzen Kapelle» begraben. Die Grabschrift lautete: «P. Benedictus Pfister Mon. sacerdos et Culinae Praefectus Monasterii S. Galli. Cuius animam Deus consoletur. Amen.»

 

Magna Judex – Voce tonabit.

Hinc maledicti – Huc Benedicti.

Ite – Venite.[iv]

 

«Homo fuit pius, gravis, prudens, bonus aedilis atque oeconomiae imprimis peritus maxime tamen confessarius bonus ac strenuus. Staturae ipsius longae nasus etiam oblongus quadrabat. Nasonum et Nasatorum rex per iocum vocitatus et nasorum censum (veteri apud Germanos consuetudine) postulatus haud inique ferebat.»[v] (162)

 

[i] Der Professzettel bemerkt nur: "ex ditione Monasterii S. Galli."

[ii] Culinae praefectus.

[iii] Band 309, p. 81 und 143. Seine Entschuldigung wegen schlechter Verwaltung als Küchenmeister findet sich in Band 309, p. 198-201; ebendaselbst seine Rechnung, p. 212.

[iv] Mscr. 1447.

[v] Mscr. 1425, II, p. 10s.


8. Melchior Ratzenhofer

P. Melchior Ratzenhofer von Luzern. Profess 1567.[i] Subdiakon 1570; Diakon 1571; Priester 1573. Im gleichen Jahre wird er Subkustos. Gestorben 21. Januar 1577. (163)

 

[i] Jedenfalls zugleich mit seinem Vorgänger.


9. Br. Ulrich Waltmann

Br. Ulrich Waltmann. Profess 1567. Gestorben 29. November 1576. (164)


10. Gall Wanger

P. Gall Wanger von Baden (Thermipolis). Profess 23. März 1568. Subdiakon 1568; Diakon 1569; Priester 1571.Cura 1571 o. D. Er war unter Abt Otmar Kustos. Gestorben 25. Dezember 1576. (165)

 

Schriften:

 

1. Officium Defunctorum. Mit Melodie. Von ihm geschrieben. Mscr. 419, Perg. 2°, min. 60 S. (Sch., p. 139, der nur im Index P. Gall als Schreiber aufführt.)

 

2. Cantus S. Galli. Libellus versiculorum pro choro per integrum annum (am Ende steht zu lesen: «Finitur agrestis hec ut cernis litera per frm Gallum wanger A.d.1569» und Liber S. Galli 1581). – Mscr. 1452, Perg. 4°. Mit Titelblatt, bunten Anfangsbuchstaben und roten Rubriken. Gehörte nach St.Johann (Sch., p. 483).


11. Magnus Opprecht

P. Magnus Opprecht aus Radolfzell. Profess 23. März 1568. War unter Abt Otmar Kustos und Statthalter in St.Gallen. Gestorben 20. Oktober 1583. (166)


12. Jakob Juppli

P. Jakob Juppli von Arbon.Profess 21. April 1570. Subdiakon und Diakon 1573; Priester 1575. Vestiarius; als solcher der erste Träger dieses Amtes in St.Gallen. Seit 1593 Statthalter in Wil. Doch erkrankte er dort bald an einem rheumatischen Fussleiden, weswegen er nach St.Gallen zurückkehren musste, wo er im Hypocaustum Wohnung erhielt. Er wurde bis zu seinem Tode, am 21. Januar 1598[i] von grossen Gichtschmerzen an Händen und Füssen geplagt. «Insigni voce ad cantum praeditus erat utpote homo fortis et grandis.»[ii] Er wurde im Kreuzgange begraben beim Bilde des hl. Apostels Jakobs des Ältern, das er hatte malen lassen, das aber 1628 bei einer Restauration des Kreuzganges übermalt wurde. (167)


[i] Im Alter von 47 Jahren.

[ii] Mscr. 1425.


13. Christoph Häderisch

P. Christoph Häderisch (alias Gadersch) aus Rickenbach. Profess 21. April 1570. Subdiakon und Diakon 1573; Priester 1575. Gestorben 16. Oktober 1586 in St.Johann, wo er auch begraben wurde. (168)


14. Mathias Murer

P. Mathias Murer von Überlingen,Sohn des Martin Murer, Handteler genannt. Profess 21. April 1570. Subdiakon 1573; Diakon 1574; Priester 1576. Seit 1590 bis zu seinem Tode Statthalter in St.Gallen. Er blieb 1611 während der Pest im Kloster und zeichnete sich auch sonst durch die geschickte Erledigung verschiedener Aufträge aus. Von ihm heisst es:

 

«Oeconomus imprimis gnarus pecudes atque armenta aestimandi ac taxandi, unde et ipse armenta insignia collegit, inter quae fuit ingens ille bos, cujus effigies prope januam hypocausti intermedii domus latae[i] cum hac scriptura germanis litteris aliquando visebatur.» «Ein Ochs ist gestanden im Lobwürdigen Gottshaus St.Gallen zue Waldt, und den 13. Martii 1596 abgemessen und vmb 105 fl. verkauft worden. Sein Läng von den Hörner an bis auf den Schwanz 11 werkhschuh und 5 Zoll. Vmb den Leib oder Bauch 10 Schuoh 8 Zoll; sein Höhe 5 schuoh 5 Zoll, sein Haut hat gewogen 100 Pfundt, das Fleisch 1400 Pfundt. Der Unschlig 200 und 20 pfundt.»[ii] – Corpore fuit iustae Staturae et mediocriter crasso, facie nitida, canitie veneranda, voce leni ac suavi, affabilitate et honestate morum universae familiae totique populo admodum gratus.[iii] Gestorben 20. März 1613 im Alter von 62 Jahren.

 

Er war Besitzer des Breviers, das heute noch als Handschrift 503e in der Stiftsbibliothek St.Gallen aufbewahrt wird (Sch., p. 158). (169)

 

[i] Vulgo auf der Hell.

[ii] Auch wird erwähnt, dass Abt Bernhard 1613, nach Beilegung des Streites mit Konstanz, dem Bischof Jakob von Konstanz einen Ochsen verehrte, den er zu Schwyz für 60 Dukaten gekauft und ein halbes Jahr in St.Gallen gemästet hatte; er wog 700 Pfund.

[iii] Mscr. 1425, II, p. 15.


15. Andreas Hüpschli

P. Andreas Hüpschli von Bregenz. Profess 21. April 1570.[i] Subdiakon 1573; Diakon 1574; Priester 1576. Er war[ii] Statthalter in St.Gallen, wurde dann Subprior und Novizenmeister, 1580 Dekan. 1593 versah er zeitweise die Ökonomie in St.Johann und war von 1596-1609 Statthalter in Rorschach.[iii] Er wird als sehr guter Musikant, Organist und Sänger gerühmt. «Corpore fuit modico, facie rotunda et subrufa, canitie rara, fuit vir polyeuctus, divi Andreae sui Tutelaris cultor et amator singularis.» In Rorschach schmückte er besonders die Muttergotteskapelle.[iv] Gestorben 3. März 1607 im Alter von 56 Jahren. Auf seinem Grabe standen die Worte: Moriture Viator preces funde. Abi! (170)


[i] Sehr schön geschriebene Formel.

[ii] Nach Mscr. 1425.

[iii] Bestallung durch Abt Bernhard, Band 844, fol. 1-4.

[iv] Mscr. 1425, II, S. 18.


16. Georgius Ganter

P. Georgius Ganter von Weißensteigen (Wisenstaiginsis). Profess 30. Mai 1571. Subdiakon 1573; Diakon 1575; Priester 1576. Er erscheint 1589 und 1592 als Ökonom in Rorschach, von wo er jedenfalls 1596 heimkehrte. Alsdann versah er das Amt eines Vestiarius, starb aber schon am 25. März 1601, erst 48 Jahre alt. «Bonus, quietus et humilis fuit.»[i] (171)

 

[i] Mscr. 1425, II, 20.


17. Udalricus Oesch

P. Udalricus Oesch von Rebstein. Profess 30. Mai 1571. Subdiakon 1575; Diakon 1576; Priester 1577. Er studierte in Paris am Collegium Claramontanum 1573/74.[i] P. Ulrich starb schon am 27. Mai 1581. (172)


[i] Weidmann, p. 66; ob nicht eine Verwechslung vorliegt mit Br. Ulrich, der nach andern die Patres Mauritius Enck und Joachim Opser nach Paris begleitet haben soll?!


18. Adam Giel von Gielsberg

P. Adam Giel von Gielsberg in Wängi, Sohn des Johann Christoph Giel. Profess 30. Mai 1571 (Zettel fehlt). 1577 Subdiakon. Er studierte 1573 in Paris und erhielt von seinem Abte den Befehl, auf Juni 1574 nach St.Gallen zurückzukehren.[i] 1577 war er bei der Abtwahl zu Hause, wurde dann aber nach Rom gesandt, wo er am Germanikum studierte, aber schon am 29. November 1579 starb und bei St.Appolinare begraben wurde.[ii] Schenk[iii] sagt von ihm:

 

«Tristis Roma Nuntius, qui mortem P. Adami Christophori Giel attulerat, afflixit, nec iniuria, ut qui praeter juvenem magnae indolis et exspectationis, ingentes etiam sumptus in eum factos perdidisse se videbat.[iv] Quippe Adamam Othmarus iam ante Parisiis cum Joachimo ex Collegio Clarimontano aluerat, eumque postea Joachimus Romam ablegerat, ut litteris sanctioribus animum imbueret. Mortuus est ipsa die S. Andrea Apostolo sacra, sacro oleo et viatico munitus. Pestifera febris paucos ante supremam vitae diem juvenem invaserat ita gravis, ut deliraret cumque animi impos e lectu surrexisset, et in terram corruisset, mortem eo casu acceleravit.» (173)


[i] Siehe Joachim Opser; Weidmann, p. 66.

[ii] Brief des Rektors des Germanikums an Abt Joachim über seinen Tod, Band 306, p. 389.

[iii] Mscr. 1260, p. 983.

[iv] Scil. Abbas Joachimus.


19. Hilarius Biel

P. Hilarius Biel von Lommis. Profess 30. Mai 1571. Jede weitere Nachricht fehlt; auch in den Verzeichnissen kommt er sonst nicht vor. (174)


20. Sebastian Müller

P. Sebastian Müller von Wil, Sohn des Schultheissen Georg Müller von Wil. Profess 16. April 1573. Subdiakon 1575; Diakon 1576; Priester 1577. Von 1583 bis 1589 Statthalter in Rorschach. Gestorben 5. April 1589. (175)


21. Mathäus Waltt

P. Mathäus Waltt von Altstätten. Profess 16. April 1573. Er war 1591 Pfarrer in Bernhardzell, später bis zu seinem Tode in Goldach. Gestorben 16. September 1594[i] in Goldach, ebendaselbst begraben. Auf seinem Grabe standen die Verse des Dies irae:

 

Tuba mirum spargens sonum

Per sepulchra regionum,

Coget omnes ante thronum.

(Mscr.1447). (176)


[i] Vermutlich an der Pest.


22. Jakob Mirgel

P. Jakob Mirgel von Lindau. Sein Vater war Arzt, «vir optimus et artis suae peritissimus». Dieser Familie gehörte auch Weihbischof Johann Jakob Mirgel von Konstanz an, der zu St.Gallen in besonders gutem Verhältnis stand. – Profess 16. April 1573. Subdiakon 1575; Diakon 1576; Priester 1577. Gestorben 24. Januar 1580 in St.Johann, wo er auch begraben wurde. (177)


23. Erasmus von Altmannshausen

P. Erasmus von Altmannshausen von Feldkirch. Geboren 25. November 1557. Profess 2. August 1574. Da er schon Priester war, schickte ihn Abt Joachim nach Paris, auf den von Frankreich erhaltenen Freiplatz am Kollegium Claromontanum, wo er von 1584 an sich philosophischen und theologischen Studien widmete. Er erwarb daselbst mit Hilfe des Klosters und seiner Verwandten eine Reihe von lateinischen, griechischen und französischen Werken für die Stiftsbibliothek.[i] In den Ferien ging er auch einmal in weltlicher Kleidung über den Kanal ins Reich Elisabeths, um sich die dortigen Hochschulen anzusehen. Heimgekehrt, wurde er unter Abt Joachim Novizenmeister und später unter Abt Bernhard Subprior. Kardinal Andreas von Österreich begehrte ihn 1596 als Reformator nach dem ihm unterstellten Stifte Murbach. Allein er kehrte unverrichteter Dinge bald wieder heim. Schon 1598, 26. September, sandte ihn sein Abt auf Verwenden des Nuntius della Torre und Erzherzog Maximilians nach der Benediktinerabtei Marienberg, wo er gut drei Jahre, wie es scheint, ebenfalls ohne grossen Erfolg tätig war; denn der Zwist zwischen dem Abte und Konvente hemmte eine segensreiche Tätigkeit. Heimgekehrt, legte er dem damals in Konstanz weilenden Nuntius Rechenschaft über sein Wirken ab. Kurz darauf verwandte ihn Abt Bernhard zu einer ähnlichen Mission im Kloster Engelberg, wo ihm, wie es heisst, besserer Erfolg beschieden war. Heimgekehrt, wurde er 1605 für P. Otmar Ledergerber Statthalter in St.Johann, wo er von 1611-1613 Kirchhof, Beinhaus und eine Ringmauer mit vier Türmen baute. Durch den Belgier Theoderich Meuris liess er im Speisesaal das Leben der Klosterpatrone St.Johannes des Täufers und St.Johann Ev. malen. Er kaufte auch Güter und liess die kleinste Glocke giessen. Im Jahre 1615 heimgekehrt, musste er schon im folgenden Jahre auf Bitten Leopolds von Österreich, Bischof von Strassburg, nochmals nach Murbach. Die Patres Kolumban Tschudi und Paul von Lauffen begleiteten ihn dahin. Nach drei Jahren kehrte er krank heim, wie Schenk sagt, besonders weil ihm die Elsässer Weine nicht zusagten. Bis dahin war er sonst immer gesund gewesen. Nach einjährigem Aufenthalt in St.Gallen wurde er nach Wil geschickt, damit er dem dortigen Statthalter an die Hand gehe und im Frauenkloster zu St.Katharina die Stelle eines Beichtigers versehe. Er starb in Wil am 20. Januar 1624, 68 Jahre alt, und fand bei den Klosterfrauen seine letzte Ruhestätte, die ihm auch in dankbarer Erinnerung eine Jahrzeit stifteten. Mscr. 1447 bewahrt folgendes Epitaph auf:

 

Ad dextram positos ad coelos iudicat agnos,

Ad laevam positos ad tartara iudicat hircos.

 

«Statura fuit mediocri, satis corpulentus, vultu ac morum gravitate, hilaritate quadam conjuncta, spectabilis et venerandus. Natura timidior, verebatur cum Divo Job Omnia opera sua, semper in ore habebat et ab aliis sibi recitari cupiebat ex Psalmis Davidicis octavum: Domine Deus noster etc.»

 

Er unterstützte besonders gerne arme Studenten und verhalf zweien zum Priestertum. Für sich und das Kloster erlangte er von den Nuntien und von Rom manche Gnaden. Er vermachte in seinem Besitz befindliche Buchschliessen den Klosterfrauen in St.Georgen zu zwei Messkännchen, seinen Kelch und eine Taufschale erhielt die Klosterkirche in St.Gallen.[ii]

 

Schriften:

 

Praelectiones philologicae Frontonis Ducaei S.J. et Gerardi Spreuchii, geschrieben 1589 lind 1584. Dabei einige Druckschriften: Cicero de prov. consul. (Lutet. Vascosan 1554; 12 Bll.); Caesar de bello Gallico lib. II. (Lutet. Brumenius 1548; 110 Bll.); Mela de situ orbis (Lutet. Brumenius 1548; 40 Bll.); Seneca, Medea (Lutet. Brumenius 1579; 22 Bll.); und ein Stück der griechischen Odysse, Mscr. 1327, Papier 4° (Sch., p. 448) (178)

 

[i] Weidmann, p. 67.

[ii] Über ihn vgl. Schenk, Chronicon S. Galli Tom. III, p. 1069 (Mscr. 1260). Ferner Weidmann, p. 67. – Hist.-biogr. Lexikon der Schweiz I, 299. – Scheiwiler, Fürstabt Joachim von St.Gallen, Zeitschrift für schweiz. Kirchengeschichte, XII, 149.


24. Br. Jakob Rüschenberger

Br. Jakob Rüschenberger von ?. Profess 2. August 1574. Sonst nichts bekannt. (179)


25. Br. Maurus Lindauer

Br. Maurus Lindauer von Schwyz. Profess 17. Dez. 1576. Gestorben 26. November 1577.[i] (180)

 

[i] Das Nekrologium 1442 nennt ihn Georg; möglicherweise war dies sein Taufname.


26. Plazidus Heller

P. Plazidus Heller von Niederbusslingen (alias von Tägerschen bei Tobel, Kt. Thurgau). Sohn des Georg Kaspar Heller von Tobel und der Elisabeth Muntprat. Profess 17. Dezember 1576. Subdiakon 1583; Diakon und Priester 1584. Er studierte mit dem spätern Abt Bernhard Müller 1576 in Dillingen Philosophie und Theologie. Besonders bildete er sich zu einem tüchtigen Prediger aus. Daheim wurde er Münsterprediger, wobei er auch die sonntägliche Christenlehre einführte. Dann wurde er Pfarrer in Henau, hierauf in Wil, wo er ebenfalls die Christenlehre einführte. Kurze Zeit kam er nach St.Gallen zurück, um darauf nach St.Johann zu gehen, wo er (nach Rothenflue) von 1602/03 Pfarrer war. 1603 kam er für kurze Zeit nach Rheinau.[i] Da er zu schwach war, um zu predigen, so hielt er wenigstens jeden Freitag den Armen, die Almosen holten, in der Peter und Pauls-Kapelle eine Ansprache. Besonders befreundet war er mit dem Abte von St.Luzi und Abt Ulrich von Rheinau, die ihm auch Bücher schenkten. Er starb am 21. November 1619, 61 Jahre alt.

 

«Staturam habuit mediocrem, faciem rotundam nitidamque, oculos lucidos; infirma plerumque valitudine, misere vixit, quia medice. Multae vir lectionis, opusculis Ludovici Granatensis, Ludovici item Blosii Laetiensium abbatis, tractatibus, praecipue vero Concionibus Philippi Diez e Castris Franziscanorum plurimum delectabatur, unde et ipsi Diez agnomen a Patribus per iocum attributum. Fuit praeter mathematicae scientiam, qua satis excellebat, italicae linguae quoque peritus. Insigni semper in pauperes misericordia, quibus et benefecit quantum potuit. Incredibilem vim habuit in consolando desolatos et iuvando in agone mortis constitutos. Concionum ipsius lucubrationes, quas studio singulari populo nostro potissimum vero Doggenburgensi accommodavit eximia pietate ac doctrina refertae in Bibliotheca S. Joannis novi servantur, luce publica dignissimae. Scripsit praeterea vernacula Catechismum fundamenta quibus nitatur Summa Salutis, pro instituenda iuventute dictionis maxime Sanct-Gallensis.»[ii] (181)

 

[i] Irgend eines Vergehens wegen wurde er der passive Wahlstimme beraubt, bekam sie aber 1600 wieder zurück (Band 309, p. 86). Dann kam er kränklich heim (morbo laxiori intestini, quod graeci … vocant, welche Krankheit damals erstmals auftrat, während sie spatter besonders bei den Patres in Wil häufiger wurde).

[ii] Mscr. 1425, II. Vgl. über ihn Scheiwiler, Fürstabt Joachim von St.Gallen, Zeitschrift für schweiz. Kirchengeschichte, XII, p. 148. –Seine Schriften sind verloren.


27. Bernhardus Müller

P. Bernhardus Müller von Ochsenhausen.Geboren 1557 als Sohn des Brosi Müller[i] und der Magdalena Lützin, angesehener, aber nicht sonderlich begüteter Bürgersleute. Vom neunten bis sechzehnten Jahre besuchte er die Lateinschule im Kloster Ochsenhausen; dann kam er nach St.Gallen, wohin ihn auch Abt Andreas von Ochsenhausen empfahl. Profess am 17. Dezember 1576.[ii] Schon im folgenden Jahre kam er nach Dillingen, wo er zunächst die humanistischen Studien, dann die philosophischen beendete. Vom 25. Juni 1583, dem Jahre seiner Heimkehr, datiert ein Zeugnis des Rektors des Dillinger Jesuitenkollegs, Theoderich Canisius, der bezeugt, dass er je ein Jahr Syntax, Humanität und Rhetorik, sowie zwei Jahre und acht Monate Philosophie studiert habe. Am 19. April 1582 erwarb er sich den Grad eines Bakkalaureus und am 18. Juni 1583 den eines Lizentiaten der Philosophie, und zwar summa cum laude. Auch Magister der Philosophie wurde er, wie die Thesen ausweisen (s. u.). Der Präfekt der marianischen Kongregation, P. Andreas Mor, stellte ihm am 19. März 1584 ein sehr ehrendes Zeugnis aus. 1583 und 1584 empfing er die hl. Weihen in Konstanz, worauf er nochmals für vier Jahre nach Dillingen zog, um die theologischen Studien zu vollenden. Auch hierin erlangte er 1588 den Grad eines Bakkalaureus. Noch in Dillingen ernannte ihn sein Abt zum Stiftsdekan, wozu ein Biograph bemerkt: Tantae molis erat Gallenses regere fratres. Nachdem er Ende 1589 noch den Grad eines Lizentiaten der Theologie erworben hatte, kehrte er in seine Heimat zurück. Hier wurde er Novizenmeister, widmete sich aber vor allem seelsorglicher Tätigkeit, insbesondere dem Predigtamte. Wir wissen, dass er 1591 wenigstens 20, 1592 gar 61 Predigten in St.Gallen gehalten hat, darunter einmal eine über das Gebet vor ca. 6000 Zuhörern. Im Oktober 1593 begab er sich nochmals nach Dillingen, um dort den Magistergrad der Theologie zu holen. Am 25. Oktober fand die öffentliche Disputation statt und am folgenden Tage die feierliche Promotion. Schon das folgende Jahr sah ihn am 27. August zum Abte von St.Gallen erhoben. Als solcher regierte er bis zum 14. April 1630, worauf er resignierte und am 17. Dezember des gleichen Jahres starb (s. d.).[iii] (182)

 

Schriften:

 

a) Gedruckte.

 

1. De Augustissimo Eucharistiae Sacramento et sacrificio Theologica Disputatio in Academia Dilingana die V. Maii habita. Praeside Joanne Pelecto S.J. respondente … Philosophiae Magistro F. Bernardo Müller e S. Gallo ad alteram in Ss. Theologia Lauream. Dilingae excud. Joannes Mayer. MDXIIC, 2 Bll., 28 S., 2 Bll. Stiftsbibliothek St.Gallen GG M. VI 6 Adligamentum 20 (Grolig).

 

2. De Fide virtute theologica Disputatio in ... Academia Dilingana die ultimo Junii et primo Julii publice proposita. Praeside Joanne Pelecto S.J. respondente … Philosophiae Magistro F. Bernardo Müller e S. Gallo Ss. Theologiae Baccalauro. – Dilingae excud. Joannes Mayer MDLXXXIX, 3 Bll., 60 S., 1 Bl. Stiftsbibliothek St.Gallen GG M. VI, 6 Adligamentum 19.

 

b) Ungedruckte.

 

1. Descriptio Belli catilinarii (1580). Zentralbibliothek Zürich, Collectio Aichhaim, Mscr. D 76, fol. 456.

 

2. Epigrammata varia, ut de Reliquiis S.; in haereticos S. Reliquiarum irrisores; de Venerab. Corpore Christi; In Bachantes Christianos, Studiosos, Lutheranos; Quaerela Ferrae de genere humano, ZBZ Collectio Aichhaim, Mscr. D 153, fol. 260.

 

3. De V. Eucharistia. – Ad Christum Epigramma. – ZBZ Collectio Aichhaim, Mscr. D 77, fol. 287, 301. (Möglicherweise sind es die gleichen Gedichte, aus denen Scheiwiler [1.c, p.83-84] einige Proben mitgeteilt hat.)

 

4. Carmen aggratulatorium missum Dilinga a F. Bernardo Müller ad R.P. Joachimum, ZBZ Collectio Aichhaim, Mscr. D 86. (Soll laut Index am Ende des Bandes sein, fehlt aber m. E.).

 

[i] 1574 bereits tot.

[ii] Scheiwiler hat 26. Dezember, was mit dem Professzettel nicht stimmt.

[iii] Über sein Vorleben vgl. Scheiwiler A., Die Vorgeschichte Abt Bernhards II. von St.Gallen, Zeitschrift für schweiz. Kirchengeschichte, 1908, II. Jahrg., p. 81ff.


28. Br. Andreas Sprenger

Br. Andreas Sprenger. Profess 17. Dezember 1576. Er fehlt auf der Wählerliste vom 29. Januar 1577, wohl weil er schon schwer krank war; denn er starb am 5. Februar 1577. (183)