Professen unter Abt Kaspar von Landenberg (1442-1463)

Professen unter Abt Kaspar von Landenberg (1442-1463)


1. Johannes von Füssen

Johannes von Füssen, monachus presbyter, 1451 Wiblingam missus, disciplinae addiscendae causa, mortuus domum redux.[i] Er starb am 4. November 1451, wie Abt Kaspar nach Wiblingen berichtet (W. VI. 5317). (18)

 

[i] Notiz bei Scherer.


2. Thomas

Thomas x, monachus. Abt Kaspar schickt ihn am 10. November 1451 nach Wiblingen, um dort dem Abt den Tod des Fr. Johannes von Füssen zu melden und um auf ein oder zwei Jahre zwei Brüder zur Aushilfe zu erbitten. Weiteres ist nicht bekannt (W. VI. 5317). (19)


3. Johannes Schatz

Johannes Schatz von Konstanz. Abt Kaspar ersucht in Konstanz 1454 (12. Juni), ihm das Akoluthat und im folgenden Jahr (26. Februar) das Diakonat zu verleihen (W. VI. 5694, 5786). (20)


4. Martin Frank

Martin Frank wird 1455 (9. August) durch einen Fr. Laurentius Lengenfeld (von ?) zur Aufnahme in St.Gallen empfohlen (W. VI. 5850). Daraus folgt freilich noch nicht, dass er wirklich aufgenommen wurde; ja dies ist eher unwahrscheinlich, da uns sein Name sonst nirgends begegnet. (21)


5. Johannes Kym

Bei Scherer erwähnt. (22)


6. Konrad Fryburger

Konrad Fryburger. Er empfing mit Johannes Schatz die Weihe (s.o.). Erwähnt wird er ferner 1456 (W. VI. 5927), als auf Seite des Abtes stehend. 1457 bitten Heinrich Schüchti und UlrichRösch den Abt Ulrich von Wiblingen, den Frater Konrad Fryburger nicht nach St.Gallen, sondern in ein anderes Kloster zu schicken (W. VI. 6042). (23)


7. Johann Felix von Landenberg

Johann Felix von Landenberg (auch nur Johann Felix genannt) wird 1453 (1. Dezember) als Dekan erwähnt (W. VI. 5603). Ferner wird er 1455 (W. VI. 5900), 1456 (W. VI. 5927) erwähnt. Schon 1455 erlaubte ihm der Abt, ein anderes Kloster aufzusuchen (W. VI. 5871); doch soll er erst 1458 nach Murbach gegangen sein (Scherer). (24)


8. Simon Gelbfrand

Simon Gelbfrand (Gelpfrand) von Ulm.1453 (24. Dezember) erteilte Abt Friederich von Reichenau dem Abte Kaspar die Erlaubnis, Simon (und Heinrich Schüchti) von der Exkommunikation, die sie sich infolge einer Verbindung gegen den Abt zugezogen hatten, loszusprechen (W. VI. 5608). Doch bald kam es zu neuen Zwistigkeiten. Im Verein mit Ulrich Rösch und Heinrich Schüchti wollte er St.Gallen verlassen. Am 23. März 1454 vermittelten die Eidgenossen (W. VI. 5650). Er erscheint bald als Dekan des Stiftes (1456, 1457) (W. VI. 5959, 6077). Von 1470 liegt eine Bestallung als Dekan durch Abt Ulrich Rösch vor.[i] Erwähnt wird er ferner 1471,[ii] 1476,[iii] 1490,[iv] 1498.[v] Noch 1504 erscheint er bei der Wahl des Abtes Franz als Dekan. Auch das Amt eines Statthalters bekleidete er unter den Äbten Ulrich, Gotthard und Franz.[vi] Er starb am 15. Juli 1507. (25)

 

[i] Band 109, fol. 76a.

[ii] Band 89, fol. 11.

[iii] Band 436, fol. 59.

[iv] Band 89, fol. 54.

[v] Band 97, fol. 84, fol. 69a.

[vi] Bestallung ohne Jahr, Band 92, fol. 123b.


9. Ulrich Rösch

Ulrich Rösch von Wangen. Geboren am 4. Juli 1426. Er kam als Küchenjunge nach St.Gallen, wurde unter Abt Eglolf Schüler an der Klosterschule und trat zwischen 1440 und 1445 ins Stift ein. Seit 1451 war er Präpositus; er trug als letzter diesen Titel, in der Folge wurde der Name Ökonom, Statthalter, auch Grosskeller gebräuchlich. Zufolge Übereinkunft zwischen Abt Kaspar und seinem Konvent vom 14. September 1451 sollte er in Verbindung mit dem Hofammann Otmar Zwick auf 10 Jahre die weltliche Verwaltung der Abtei führen (W. VI. 5300, 5301a). Doch schon am 6. Oktober 1453 übernahm Abt Kaspar wieder die Geschäfte und warf Ulrich ins Gefängnis. Offenbar wurde er auch von einer Äbteversammlung zugleich mit Frater Symon exkommuniziert; denn am 24. Dezember 1453 erteilte Abt Friedrich von Reichenau Abt Kaspar die Vollmacht, die Beiden von der Exkommunikation freizusprechen (W. VI. 5608). Laut der unter Vermittlung der Eidgenossen getroffenen Vereinbarung vom 23. März 1454 sollte er auf ein Jahr in ein anderes Kloster gehen dürfen (W. VI. 5650). Am folgenden 27. März empfahl ihn Abt Kaspar nach Wiblingen (W. VI. 5654); doch kam er, wie es scheint, schon bald wieder zurück, denn am 25. Mai 1454 wird ihm die Erlaubnis erteilt, sich wieder hinwegbegeben zu dürfen (W. VI. 5687). In St.Gallen ergaben sich aber bald wieder neue Zwistigkeiten mit dem Abte, in deren Verlauf Ulrich nochmals eingesperrt wurde. Im Verein mit seinen Mitbrüdern Ludwig Kämlin, Simon Gelbfrand, Heinrich Schüchti, Johannes Karrer und Johann Felix von Landenberg verpflichtete er sich 1455, die Rechte des Klosters zu schützen und zu wahren (W. VI. 5900). Im Prozess gegen den Abt sollte er in Rom das Kapitel vertreten (W. VI. 6077). Aeneas Silvio Piccolomini bestellte ihn in seinem Entscheid vom 9. November 1457 zum Administrator der Abtei (W. VI. 6101). Auf Empfehlung durch die Eidgenossen sicherte ihm Papst Pius II. mit Breve vom 31. Juli 1462 die Anwartschaft auf die Abtei. Als Abt Kaspar im Frühjahr 1463 auf die Abtei verzichtete, machte sich Ulrich nach Rom auf, um sich dort in den Besitz der Abtei setzen zu lassen (25. März 1463). Auf dem Heimweg erfuhr er den am 24. April erfolgten Tod Kaspars, worauf er nochmals nach Rom zurückkehrte, um die Bullen umändern zu lassen. Seine Regierung siehe unter Äbten. (26)


10. Heinrich Schüchti

Heinrich Schüchti aus Luzern. Nach Schenk[i] wäre er noch unter Abt Eglolf eingetreten. Er wurde von den Visitatoren der Bursfelder Kongregation am 14. März 1456 dem Abte als Pfleger beigegeben (W. VI. 5929). Als solcher erscheint er mehrfach in den Urkunden bei Verlehnungen usw. (W. VI. 5924ff.). An seine Stelle trat 1457 Ulrich Rösch (s. o.). 1464 war er Ökonom des Gotteshauses. Im Jahre 1465 erfolgte seine Postulation als Abt nach Fischingen. Joachim Seiler, Abt von Fischingen, sagt von ihm in seinem Ida-Büchlein (p. 177): «Henricus IV. Scheuchti von Lucern ward postuliert aus dem Gottshaus St.Gallen, mehr auss Zweytracht, als auss Mangel hiesiger Conventualen. Er tratt die Praelatur an anno 1465. ... Abbt Henrich regiert 45 Jahr gar wol, hat endlich anno 1506 den 2. Weinmonat wegen hohen Alters resignirt; behielt dannoch den Titul und Würde eines Praelaten 4 Jahr; dazwischen administrirte das Gottshaus R.P. Joannes Mayle auss Toggenburg.» Er starb am 28. April 1510.[ii] (27)


[i] Mscr. 1260, p. 125.

[ii] Siehe Professbuch von Fischingen. Anlässlich der Appellationssache des Konvents gegen Abt Kaspar findet sich ein Verzeichnis vor, das wir hier geben: "Anno 1457 (10. Dezember) procuratorio ad prosequendam et pertractandam causam appellationis contra Casparum abbatem subscripserunt: Nos Hainricus Schüchti Administrator Simon Gelbfrand Decanus, Ludovicus Kämlin, Joannes Loppacher, Hainricus Bichhart, Joannes Wezel, Conradus Herman, Fratres conventuales Professi Mon. S. Galli Ordinis Sancti Benedicti et ea vice Capitulum ejusdem Monasterii facientes et repraesentantes". Nebenan steht: "Udalricus Roesch procurator nominates tunc Romam profectus erat." (Stiftsarchiv St.Gallen, Kasten III., Z. 4, Fasz. 6. – W. VI. 6077.


11. Ludovicus Kemli

Ludovicus Kemli (Kämlin), monachus presbyter, Custos.[i] Erscheint erstmals 1455.[ii] Scherer fügt bei: «acceptis dimissorialibus discessit 1458.» (28)


[i] 1457 erwähnt; W.VI. 6059.

[ii] Stiftsarchiv St.Gallen, Band 91, fol. 173b, 174, 205b.


12. Johannes Truttmann

Johannes Truttmann (alias Waldmann) von Zürich. Er erscheint zwar in dem Verzeichnis der Konventualen von 1457 (s. Anm.) nicht, wird aber in dem unten zu erwähnenden Verzeichnis der Wähler von 1504 vor Johann Karrer aufgeführt, weshalb wir ihn hier einreihen. Die Mutter war Katharina Schweiger, Tochter eines Salzhändlers in Zürich, die – wie Scherer sagt – viermal verehelicht war. Aus der zweiten Ehe stammt Hans Waldmann, der bekannte Bürgermeister von Zürich; aus der dritten mit Hans Truttmann von Worms, Bürger und Bader von Zürich (seit 1433, gest. ca. 1451), unser Hans, oder wie er genannt wird, Hänsli, geboren ca. 1438. Von den verschiedenen Eheverhältnissen der Mutter her mag die schwankende Bezeichnung des Geschlechtsnamens kommen. – 1478 ist er Subdekan (später Subprior genannt).[i] 1504, anlässlich der Wahl des Abtes Franz, ist er Senior (s. u.). Erwähnt wird er ferner noch 1509[ii] und 1514.[iii] Er starb am 14. Oktober 1519. (29)


[i] Stiftsarchiv St.Gallen, Band 79, fol. 107.

[ii] Band 96, fol. 119b.

[iii] Ib. fol.185.


13. Johannes Karrer

Johannes Karrer von Winterthur.Er wird zwar 1457 ebenfalls nicht aufgeführt, steht aber 1504 bei der Wahl des Abtes Franz vor Johannes Loppacher. Am 16. April 1454 ersuchte Abt Kaspar in Konstanz, ihm das Subdiakonat zu verleihen (W. VI. 5666). 1454 wird er als monachus subdiaconus erwähnt,[i] ebenso erscheint er 1455 (W. VI. 5810) und 1456 wieder.[ii] 1471 (28. Februar) wird er urkundlich erwähnt (W. V. 2767). Er legte den Grundstein zum Klosterbau in Rorschach unter Abt Ulrich 1485.[iii] Im Kloster bekleidete er das Amt eines Statthalters.[iv] 1493 erscheint er als Statthalter in Wil. An der Wahl des Abtes Franz nahm er 1504 noch teil, starb aber am 23. (alias 25.) November 1505. (30)


[i] Band 91, fol. 167.

[ii] Ib. fol. 173b.

[iii] Band 116, fol. 197b.

[iv] Lehenband 79, fol. 116.


14. Johannes Loppacher

Johannes Loppacher von Trogen wird 1454 als monachus presbyter erwähnt.[i] 1457 rekurriert er gegen Abt Kaspar mit. Er erscheint gleichzeitig als Cellerar und Ökonom. 1470 ist er Subdekan. Erwähnt wird er 1465[ii] und 1498.[iii] Abt Franz bestellte ihn zum Grosskeller.[iv] 1502 ist er Pfarrer zu St.Johann in Höchst. 1504 ist er bei der Wahl des Abtes Franz. Er starb am 1. März 1508. (31)

 

[i] Band 91, fol. 16; ohne Jahr Band 92, fol. 124.

[ii] Band 88, fol. 38.

[iii] Band 97, fol. 84.

[iv] Ohne Datum; Band 98, fol. 128.


15. Heinrich Richhart

Heinrich Richhart von Wil, monachus presbyter. Abt Konrad ersucht 1454 (12. Juni) Konstanz, ihm das Akoluthat zu verleihen (W. VI. 5694), und wohl am 26. Februar 1455 für das Diakonat (W. VI. 5786). Unter Abt Ulrich Rösch war er 1470 Schreiber und Siegelbewahrer.[i] 1475 ist er Ökonom in St.Gallen.[ii] An der Wahl des Abtes Franz nahm er 1504 teil, starb aber schon am 7. März 1506. (32)


[i] Band 109, fol. 77b.

[ii] Lehenband 79, fol. 89b.


16. Johann Wetzel

Johann Wetzel von St.Gallen, monachus presbyter.[i] Er wird 1451(?) als Student auf der Universität Leipzig erwähnt; sicher ist, dass ihn der Administrator Schüchti 1457 dorthin empfiehlt (W. VI. 6097). 1457 rekurriert er gegen Abt Kaspar (W. VI. 6077). 1466 und wiederum 1468 erscheint er als Grosskeller.[ii] Abt Ulrich bestellte ihn 1470 zum Statthalter.[iii] Er starb 1508 an einem nicht näher bezeichneten Tage. (33)

 

Schriften:

 

Summaria in librum sextum decretalium. Mscr. 702, Papier 2°, 388 S. Von Johann Wetzel in Leipzig nachgeschrieben, woraus erhellt, dass Wetzel dort studiert haben muss. Dies Werk ist offenbar identisch mit dem von Weidmann im Verzeichnis der 1712 nach Zürich geschafften Bücher (p. 436): Summarium omnium rubricarum seu librorum decretalium cum indice etc. Fol. scriptum in universitate Lipsiensi.


[i] Weihen siehe oben Heinrich Richhart.

[ii] Band 94, fol. 170, 213, 294.

[iii] Band 109, fol. 76, 78a.


17. Konrad Hermann

Konrad Hermann, monachus presbyter, ist 1457 der jüngste der Konventualen (W. VI. 6077). 1457 empfiehlt ihn der Administrator Heinrich Schüchti an die Universität Leipzig (W. VI. 6097). Einem Briefe des Abtes Ulrich an Zürich zufolge war er 1490 Pfarrer in Rorschach.[i] Er starb am 21. Juli 1499. (34)


[i] Band 301, p. 338.


18. Konrad von Bernang

Konrad von Bernang wurde von Abt Ulrich 1470 zum Grosskeller, Küchenmeister, Schaffner und Vestiarius bestellt.[i] Ebenso soll er Kantor und Vorsteher des St.Otmarhospitals, wo sich die Laienbrüder befanden, gewesen sein. Sein Todestag wird auch auf den 21. Juli 1499 angegeben (wie bei Nr. 17?). (35)


[i] Band 109, fol. 76b, 78a.

 


19. Johannes Longus

Johannes Longus (genannt Scherer), monachus presbyter, erscheint 1456 als Dekan (W. VI. 5927); befindet sich aber nicht unter den Rekurenten gegen Abt Ulrich. Er soll bis 1470 Dekan gewesen sein. Abt Ulrich ernannte ihn 1470 zum Kustos.[i] Nekrologischer Eintrag fehlt. Scherer führt im Autorenregister Longus Joannes Custos S. Galli als Autor von Mscr. 546, p. 119, 172, 312 an, doch ist aus dem Handschriftenverzeichnis selbst nichts zu ersehen. (36)


[i] Bestallung des "lang her hans", Band 109, fol. 71a.


20. Simon Roesch

Simon Roesch von Marchdorf. Profess 1458. Er war Besitzer und wohl auch Schreiber der Handschrift 1297, die ein lateinisches Rituale bei Aufnahme St.Gallischer Konventualen mit einer deutschen Professformel enthält. Diese hat die Jahrzahl 1473; die lateinische Formel ist auf Symon Rösch de Marchdorff gestellt und von 1458 datiert. Am Ende des Bändchens steht: frater 1473 Sy. Rösch.[i] (37)


[i] Mscr. 1297, Pergament, 4°, 21 S. (Sch. p. 444). – Fr. Symon Rösch de Marchdorff ist auch der Schreiber des Devotionale Abbatis Ulrici (Rösch), das sich heute in der Stiftsbibliothek Einsiedeln befindet (Mscr. 285). Dort bezeichnet er sich 1472 ausdrücklich als Konventuale von Wiblingen. Der Professeintrag in der St.Galler Handschrift dürfte darum wohl kaum für St.Gallen gelten, und Symon Rösch überhaupt kein St.Galler Konventuale gewesen sein. – Ein Johannes Murer de Turego erscheint den 2. September 1459 als Novitius. Weiter verlautet nichts von ihm, so dass man annehmen muss, er sei wieder ausgetreten.


21. Johannes de Wienna

Johannes de Wienna, mon. presb., wird 1460 als capellanus in S. Gallo erwähnt. Weitere Nachrichten fehlen. (38)


22. Johannes Bischof

Johannes Bischof von Wil. Er studierte 1451 in Leipzig. Ein Brief seines Vaters, Franz Bischof, Ratsherr zu Wil, an ihn vom 28. August 1451 liegt nebst Manumissio[i] des Sohnes, der in das Stift St.Gallen treten will,[ii] im Stiftsarchiv. Er erscheint nun als «dyaconus Ao 1465» (Mscr. 705); wird durch Urkunde von Konstanz 1466, 10. Dezember, als Baccalaureus decret. et presb. zu Amtsverrichtungen und Benefiziengenuss zugelassen und wirkt als Pfarrer 1470 zu Hagenwil, 1472 zu Oberbüren u. a. O.[iii] Dann erst besucht er die Universität Pavia. Codex 739 ist laut p. 463 «Ao 1474 Papie scriptus per frat. Jo. Bischoff ord. S. Bened. monast. S. Galli professum.» Vom 14. Oktober 1475 «in Ticinesi studio» ist ein Brief von ihm an Abt Ulrich datiert.[iv] Am 6. März 1476 hält er daselbst unter seinem Lehrer Anton de S. Gregorio Lector Mediol. eine Disputation über Matrimonialrecht (ward also Doctor), nachdem er einen Monat für den kranken Lector decret. Jac. Gualla vicarirt hat, und bekommt für beides ein Zeugnis des Rektors von Pavia und des Gualla (vom 9. März; Stiplin, p. 208). Sein Abt Ulrich bestellt ihn dann durch Vollmacht aus Konstanz vom 10. September 1477 zu seinem Prokurator am römischen Hof, und er reist dahin mit Empfehlungsbriefen aus St.Gallen, 11. September 1477, an Ascanius Herrn von Pavia. In Rom lebt er als Kaplan und beständiger Commensal des Cardinals Oliverius, Bischof von Sabina, laut Brief dieses letzteren, Rom 17. Juni 1478. Nach Hause zurückgekehrt, stellt ihn Abt Ulrich an die Spitze seiner neu errichteten Klosterschule, der Papst gibt ihm 1480 die Pfründe·von St.Fiden und erteilt ihm 1481, 17. November, nachdem er vom Abt das Predigtamt am Münster erhalten hat, das Privilegium, zwei oder drei geistliche oder klösterliche Pfründen zu kumulieren (Stipplin I., p. 205). Später finden wir Dr. Bischof als Pfarrer in Berg (1488), Bernang (1489), Lütisburg (1491); fortwährend wird er daneben zu Missionen verwendet, 1482 nach Frankreich, 1485 von Bürgermeister und Rat der Stadt Ulm nach Rom[v] und noch 1494 von Abt Gothart an das K. Kammergericht in einem Rechtshandel gegen Rafael Vetschetti von Florenz[vi] (Sch., p. 242). Die Chroniken heben besonders seine Verdienste um die Schule von St.Gallen, sowie um die Bibliothek hervor, die heute noch 14 Bände, teils von seiner Hand, teils aus seinem Nachlasse, besitzt. – Das Nekrologium verzeichnet seinen Tod mit den Worten: Ob. Pater Johannes Bischoff doctor, monachus atque presbyter 1495, 25. April.

 

Schriften:

 

1. Opuscula canonica. Mscr. 705, 358 S., Papier 2°, geschrieben von Joh. Bischof diaconus Ao 1465 (Sch., p. 228).

 

2. Collectanea juris canonici. Mscr. 739, Papier 2°, 600 S., geschrieben von Joh. Bischof u. a. Ao 1474 (p. 463), (Sch., p. 243).

 

3./4. Excerpta ex jure canonico. 2 Bände, Mscr. 703 und 704, Papier 2°, 350 und 178 S., geschrieben von J. Bischof (Sch., p. 228).

 

5. Repertorium alphabeticum juris canonici. Mscr. 706, Papier 2°, 444 S., geschrieben von J. Bischof (Sch., p. 228).

 

6./7. Excerpta ex jure canonico. Mscr. 737 u.738, Papier 2°, 381 u. 603 S., geschrieben von J. Bischof (Sch., p. 242).

 

Im Besitze von Bischof befanden sich von den St.Galler·Handschriften ferner: Nr. 290: Varii tractatus canonici (Papier 2°, 508 S.; Sch., p. 108); Nr. 676: Collectanea juris (Pergament 4°, aus dem XI./XII. Jahrh., 243 S.); Nr. 684: Libri sex decretalium und Decretum abbreviatum (Pergament 4° min., XIV. Jahrh., 53 Bl.; Sch., p. 225); Nr. 685: Commentarius in librum secundum Decretalium Gregorii IX. (Papier 4°, XV. Jahrh., 658 S.;Sch., p. 225); Nr. 785: Varia ascetica et juridica (Papier 4°, von 1437, 233 S.; von mehreren geschrieben mit dem Eigentumsvermerk: Iste liber est dom. Johannis Bischoff; Sch., p. 261); Nr. 1068: Predigten usw. (Papier 2°, XIV. u. XV. Jahrh., 280 S., p. 146 Eigentumsvermerk: Joh. Bischoff; Sch., p. 397). Scherer sagt p. 242, dass die Bibliothek 14 Handschriften, von ihm herrührend, besitze, führt aber selber nur 13 auf.

 

Literatur über Bischof: Urkundenbuch von St.Gallen, Band IV, V, VI. Wirz, Regesten IV. und V. – Gmür, Die St.Gallischen Rechtsquellen I. p. 615; II. p. 220. Neujahrsblatt von St.Gallen 1903, p. 32. – Scherer, Katalog der Stiftsbibliothek, p.242 (s.o.). – v. Arx, Geschichte des Kantons St.Gallen II. p. 266. – Sailer, Wiler Chronik p. 178. – Historisch-Biographisches Lexikon der Schweiz (Neuenburg) II. p.257 (wo auch diese Literatur zitiert ist). – Ferner: Weidmann, Geschichte der Bibliothek von St.Gallen p. 53, Anm. 152. – P. Hermann Schenk, Historiae rerum S. Galli bietet eine kurze Lebensbeschreibung (Mscr. 1240, p. 278-283). Neben Gall Kemly gehört Bischof offensichtlich zu den interessantesten Männern St.Gallens im 15. Jahrh. (39)


[i] Entlassung aus der Leibeigenschaft.

[ii] Ausgestellt von Abt Kaspar, 12. Juni gleichen Jahres.

[iii] Konstanzer Akten p. 750.

[iv] Druckbogen in Stipplins Collect. I, p. 205.

[v] Missiv. Ulm 23. Februar 1485.

[vi] Vollmacht, St.Gallen 22. Oktober 1491.


23. Michael Hassmann

Michael Hassmann von Altstätten wird 1463[i] erwähnt, ebenso erscheint 1490 ein Michael mon. pbr.,[ii] gestorben 7. April 1491. (40)

 

[i] Stiftsarchiv St.Gallen, Band 94, fol. 14.

[ii] Band 301, p. 393.