
Professen unter Abt Franz Gaisberg (1504-1529)
Professen unter Abt Franz Gaisberg (1504-1529)
Über die beim Tode des Abtes Gotthard lebenden Konventualen gibt Aufschluss das "Instrumentum nonnullarum Conventionum per D. Decanum et conventum post obitum Rmi D. Gothardi Anno 1504 sponte conclusarum, quas petunt per Sanctissimum confirmari: Simon Geltfrand Decanus / Franciscus Geisberg Subdecanus / Joannes Truttman / Joannes Karrer / Joannes Lopacher / Henricus Richardi / Balthasar Grepser / Henricus Schuelmeister / Udalricus Stos / Joannes Seiler / Bertholdus Zimmermann / Jacobus Schürpf / Gallus Kopf / Caspar Rösler / Marcus Brunimann / Udalricus Heer / Joachim Kuenz / Othmar Fluck / Albertus Miles / Petrus Muntprat / Joannes Kuenz / et Ludovicus Blarer monachi professi S. Galli conventum et capitulum dicti Monasterii pro nunc facientes et repraesentantes (bei Scherer).
1. Johannes Brysacher
Johannes Brysacher, mon. pbr. Custos. Gestorben 9. März 1509. (77)
2. Konrad Haller
Konrad Haller (genannt Obolus), mon. pbr., von Wil, war 1508 bei seiner Profess 22 Jahre alt. Erwähnt 1509 und 1514.[i] Abt Franz bestellte ihn 1523, 7. April, zum Custos.[ii] Gestorben 12. Oktober 1525.[iii] (78)
Schriften:
1. Missale (mit Kalender). Mscr. 355, Pergament 2°, 215 Bl., zweispaltig. Nach Bemerkungen auf S. 249 u. 441 von C. Haller, Conv. S. Gall. geschrieben (Sch., p. 123).
2. Officia propria S. Galli. Mscr. 385, Papier 4°, 586 S., geschrieben 1525 von C. Haller, Conv. S. Gall. (Sch., p.131).
3. Leben des Notker Balbulus, deutsch. Mscr. 590, Papier 4°, 346 S., geschrieben von H. C. Haller Conv. S. Gall. 1522 (Sch., p. 191). Die Schrift von Trithemius, die sich im gleichen Mscr. findet, stammt nicht von Hallers Hand.
4. Deutsche Predigten über Bonaventuras Lignum vitae von C. Haller, geschrieben für die Schwestern zu St.Georgen 1517, Mscr. 989, Papier 2°, 542 S. (Sch., p. 376).
5. Varia ascetica, meist von Haller in den Jahren 1516-1526 geschrieben. Mscr. 1006, Papier 12°, 762 S. (Sch., p. 382/3, dabei auch kurze Notizen über Hallers Leben).
6. Deutsches Andachtsbuch, meist von Haller geschrieben. Mscr. 1010, Papier 12°, 581 S. (Sch., p. 385). Nach Weidmann (Bibliotheksgeschichte p. 53) beschrieb er auch die Schlösser und adeligen Geschlechter an der Thur.
[i] Band 96, fol. 119b, 185.
[ii] Bestallung in Band 98, fol. 200b.
[iii] Stipplin Coll. I, p. 354. – Scherer, p. 383 s.u.
3. Anton Vogt
Anton Vogt, pbr., von Konstanz. Erwähnt 1509 und 1514.[i] Er war Küchenmeister, Bibliothekar und 1514 Subdekan. 1529 war er «Kuchelmeister». Er verpflichtete sich am 20. Februar eidlich, beim alten Glauben zu bleiben, fiel aber ab und heiratete. Es ging das Gerücht, dass die Zürcher ihn zum Herrn der Abtei machen wollten und ihm auch bereits das Volk gewonnen hätten. Doch waren Luzern und Schwyz gegen ihn. Er wurde mit einer Aussteuer abgefunden (Mscr. 1260). (79)
Schriften:
1. Benedictiones. Cantus. Lectiones mit Melodien. Von A. Vogt 1521-1523 geschrieben, Mscr. 421, Perg. 2°, 260 S. (Sch., p. 139).
2. Lectionarium et Collectae (Pars aestivalis). Für Abt Franz von Ambros (?) Vogt geschrieben l507. Mit vergoldeten Initialen, in schwarzer und roter Missalhandschrift, Mscr. 540, Perg. 2°, maj. 146 Bl., zweispaltig (Sch., p. 162).
[i] Band 96, fol. 119b; 180b, 185.
4. Kilian German
Kilian German (genannt Köffi). Geboren Ende 1485. Er ward Priester 1508.[i] 1516 (11. Februar) wurde er Kellerherr, 1523 (8. April) Statthalter in Rorschach, im Frühjahr 1528 kam er als Statthalter nach Wil. Pop Up: Es öffnet sich ein neues Fenster: Kilian GermannEr wurde 1529 zum Abte gewählt neues Fenster. Gestorben 30. Aug. 1530.[ii] (80)
[i] Band 96, fol. 119b.
[ii] Stiftsarchiv St.Gallen, Urkunden D2 bis C3; B. 96, 119b, 179a; B. 98, 199b; B. 878, p. 49. – J. Müller, Die Tagebücher R. Sailers, Mitteilungen XXXIII, p. 507, Anm. 1.
5. Jodocus Nötgersegger
Jodocus Nötgersegger (oder Snezer).[i] Erwähnt 1509 und 1514.[ii]Gestorben ? (81)
[i] Vermutlich hiess er Schnezer und war von Notkersegg.
[ii] Band 96, fol. 119b und 185.
6. Br. Ulrich Juppli
Br. Ulrich Juppli von Steinach wird als Konversbruder 1510 erwähnt.[i] Gestorben 25. alias 27. September 1519. (82)
[i] Band 436, fol. 203b.
7. Hans Pfiffer
Hans Pfiffer aus dem Rheintal ist 1510 «bruoder in unser Frowen gatter».[i] Er ist wohl identisch mit dem Bruder Hans Lentz dictus Pfiffer (Mscr. 1262).[ii] (83)
[i] Band 436, fol. 203b.
[ii] In Band 436, fol. 203b des Stiftsarchivs St.Gallen wird des "Lentzen jarzyt" erwähnt.
8. Heinrich Sailer
Heinrich Sailer von Wil ist 1509 der jüngste der Konventualen. Mit 22 Jahren wurde er Priester, wozu er am 24. November 1511 von der Pönitentiarie Dispens erhielt. Er wurde alsbald Custos; unterschlug aber das Opfergeld und ging deshalb flüchtig. Doch fiel er dem Abte in die Hände und wurde zu Rorschach gefangen gesetzt. Mit Hilfe von Stadtbürgern gelang es ihm aber zu entkommen. Auf Verwenden seines Vaters, Hans Sailer, ward er 1516 wieder in den Konvent aufgenommen. Doch sollte er fürderhin die letzte Stelle unter den Priestern einnehmen. Wohl deshalb bekleidete er auch bis 1529 kein Amt. Erst in diesem Jahre berief ihn der Abt, nach dem Tode des Hans Schnäpperli, zum Statthalter in St.Gallen. Bei der Gefangennahme der Konventualen, am 8. Juni 1529, wurde er am härtesten behandelt und in Eisen gelegt. Er schaffte mit Lebensgefahr die beiden grossen, unter Abt Franz geschriebenen Antiphonare über die Klostermauer und rettete sie so. Wir finden ihn 1530 auf der Reichenau und später bei der Wahl Diethelms. Mit diesem und Dekan Otmar Gluss führte er 1532, damals Statthalter in Rorschach, die Verhandlungen mit der Stadt. Im Herbste dieses Jahres übernahm er wieder die Statthalterei St.Gallen. Von 1545 an versah er als Pfleger für seinen Abt, der Administrator von St.Johann im Thurtal geworden war, dieses Gotteshaus. Doch schon im folgenden Jahre liess er sich von den wenigen noch vorhandenen Mönchen zum Abte wählen. Aber er fand keine Anerkennung und musste auf die Würde verzichten. So beliess ihn der Abt als Schaffner. Aber bald gereute ihn sein Verzicht und er erhob neuerdings Ansprüche auf diese Abtei. Der Handel kam bis vor die Tagsatzung. Abt Diethelm liess ihn gefangen nehmen und nach dem St.Anna-Schloss in Rorschach bringen, bis er auf seine Ansprüche endgültig verzichtete. Alsdann übergab ihm der Abt die Pfarrei Bernhardzell (1548), die er möglicherweise schon früher inne gehabt hatte. Dort starb er am 8. Februar 1560.[i] Eine Nachricht, dass er vor seinem Tode Dekan gewesen sei, scheint unrichtig zu sein.[ii] (84)
[i] Nicht 1561 wie das Nekrologium 1442 hat, denn er wird schon in einer Urkunde vom 23. März 1560 als verstorben erwähnt.
[ii] Vgl. Stiftsarchiv St.Gallen, Band 96, 119b, 206b; Urkunden D2 – C3, B4 – B7, G1 – H24. – Vadian III. 341, 362, 511. Eidgen. Abschiede IV, 1b, 1294. – J. Müller, Die Tagebücher Rudolf Sailers (Mitteilungen XXXIII, p. 282, Anm. 1). – Steiger, Schweizer Aebte und Aebtissinnen aus Wiler Geschlechtern (Wil 1924), p. 35. – Rothenflue, Toggenburger Chronik, p. 62 berichtet über die Vorgänge in St.Johann fast das gleiche von Jakob Zürcher von Lichtensteig, der ebenfalls Konventuale von St.Gallen gewesen sein soll, was aber nicht richtig ist.
9. Sebastian Rüegger
Sebastian Rüegger (Ruogger oder Rueggli) von Konstanz, pbr., wohnte 1514 den Festlichkeiten zu Ehren des hl. Notkers bei.[i] Gestorben 25. November 1519. (85)
[i] Band 96, fol. 185.
10. Martin Störi
Martin Störi von Kaiserstuhl wurde am 4. März 1512, als Professe von St.Gallen, Akolyth in Konstanz. 1514 nimmt er teil am Feste des heiligen Notkers. Anlässlich des Klostersturms von 1529 wird er gefangen genommen und ausgeplündert. Er flüchtete sodann nach Wil und Einsiedeln. Er war 1529 Dekan und mit Diethelm Blarer beim Tode des Abtes Kilian zugegen. Abt Diethelm gab ihm, den er mit der Ordnung der Bibliothek beauftragte, Hans Hofmeister von Lindau als Gehilfen (Weidmann, p. 60). Gestorben 2. Dez. 1544.[i] (86)
[i] J. Müller, Die Tagebücher Rudolf Sailers in Mitteilungen zur vaterländischen Geschichte XXXIII, p. 283, Anm. 1.
11. Johannes Brander
Johannes Brander (genannt Pfister). Er erscheint 1507 als Schreiber der Handschrift 546 (s. u.) und wohnte 1514 dem St.Notkersfeste bei.[i] Gestorben 19. Januar 1520.
Schriften:
Collectio S. Gallensis troporum et sequentiarum. Mscr. 546, Papier 2°, 58 unbezeichnete Seiten und 378 Blätter alter Folierung (Sch., p. 163). Enthält die Tropen Tutilos u.a., sowie die Sequenzen Notkers, der Ekkeharte, Hartmanns u.a. – Vom Schreiber stammen die eingestreuten Verse: Hunc ego primum frater Joachim quem fero librum Galle tibi teneas ne penam sancte relinquas Qui vi vel furto rapit hunc sed verbere torto Eumenis affligat flegetontis unda refigat Hunc librum claram Galle qui stabis ad aram Impiger assumas missarum perfice curas. – Suscipe completi laudes o Christe laboris Quas cordis leti vox subdita reddit amoris Sit merces operis oracio sancta legentis Que jungat superis nos toto robore mentis. – Scte Galle fratri unnütz premia redde Huius opus libri tibi qui patravit honori (S. 20). – Accipe tu grate hunc librum Galle beate Quem devotus tibi scripsit frater Joachim unnütz seu vilis hunc domino cöli prece committe fideli Hoc opus acceptum tibi sit pie Galle per evum At si quis rapiat raptum nunquam bene vertat etc. Actum sub dno venerando abbate S. Galli Francisco Gaisberg anno dni a nativitate 1507 in vigilia sci patris nri Benedicti abbatis (fol. 51).
[i] Band 96, fol. 185.
12. Dionys Landolt
Dionys Landolt von Glarus, mon. pbr., Cellerarius, wohnte 1514 den St.Notkersfeierlichkeiten bei. Gestorben 23. November 1520. (88)
13. Otmar Wild
Otmar Wild (Gluss genannt). Er hiess eigentlich Johannes Schuhmacher und war der Sohn armer, in Henau wohnender Eltern. Der Vater (auch Russer genannt), bekam wegen seines aufbrausenden Temperamentes den Beinamen Wild, welcher Name dem Sohne blieb. Die Mutter hiess «Götzin». Ihre Schwester oder sonst eine nahe Verwandte nahm sich besonders des Knaben an. Da diese, die Konkubine des St.Galler Bürgers Andreas Gluss, des «Glussen dirn» hiess, bekam der Junge den Zunamen Gluss, sodass er merkwürdigerweise unter drei Namen vorkommt: Schuhmacher, Wild, Gluss. Erstmals erwähnt wird er 1514, den 30. März, wo ihm «frater Othmarus Wild, ordinis sancti Benedicti, scolaris» die Erlaubnis zum Empfang der Weihen erteilt wird. Im gleichen Jahre erscheint er, anlässlich der Erhebung der Gebeine des hl. Notkers, als der viertjüngste unter den Konventualen.[i] Vom 17. April 1520datiert seine Zulassung als Pfarrer von Rorschach.[ii] Doch ist er bereits 1523 Grosskeller in St.Gallen.[iii] Für den nach Einsiedeln berufenen Ludwig Blarer wird er im August 1526 Dekan. Als solcher wird er am 18. September 1526 in den Genuss der Gossauer Pfarrpfründe eingesetzt[iv] und ebenso erhält er die Propstei St.Leonhard.[v] Als Dekan hatte er in den entscheidenden Tagen von Anfang 1529 die Leitung des Klosters unter sich, da Abt Franz weggezogen war. Beim Klosterüberfall wurde er gefangen genommen und ausgeraubt. Nach dem Tode des Abtes Kilian berief er die Konventualen zur Neuwahl. Bei den Verhandlungen über die Wiedereinsetzung in das Kloster (1532) spielte er eine grosse Rolle. Überhaupt sahen Vadian u.a. in ihm einen der entschiedensten Gegner. Neben dem Dekanat scheint er schon 1532 die Statthalterei Wil innegehabt zu haben. Abt Diethelm verwandte den tüchtigen, geschäftskundigen Mann mehrfach zu wichtigen Missionen, so 1539 in Glarus und 1540 in Schwyz. Auch um die Wiederherstellung der Stiftsbibliothek machte er sich verdient. Er starb am 27. März 1546. Vadian schickte über den verstorbenen Gegner an Bullinger ein Gedicht, wodurch Rudolf Gwalther zu zwei Epigrammen und einer Elegie auf Gluss veranlasst wurde.[vi] (89)
[i] Stiftsarchiv St.Gallen, Band 96, 185a.
[ii] Stiftsarchiv St.Gallen, Band 99a, 78b.
[iii] Stiftsarchiv St.Gallen, Band 98, 201a.
[iv] Stiftsarchiv St.Gallen, Urkunde H2 – Z6.
[v] Vad. III. 364, 22.
[vi] J. Müller, Die Tagebücher Rudolf Sailers in Mitteilungen zur vaterländischen Geschichte XXXIII, p. 513ff. – Über Gluss vgl. J. Müller, Zum Todesdatum Hans von Hinwils, Zeitschrift für Schweiz. Kirchengeschichte, XI. Jahrgang, p. 71; Ein Brief Hans von Hinwils an den st.gallischen Konventual P. Otmar Gluss, ib. XV., p. 152; idem in Historisch-biographisches Lexikon u. Gluss III, p. 572. – Der Eintrag im Magdenauer Nekrologium (M.G. Baumann, Necrologia I, p. 448) 27. März: "Ob. Othmar Glügg, Statthalter zu Wyl, auch zuletzt Decan zu St.Gallen, starb 1446, ein getreuer, guter gönner unsers gottshus", bezieht sich zweifelsohne auf unsern Otmar Gluss; der Todestag stimmt mit dem St.Galler Eintrag überein, während statt 1446 1546 zu lessen ist.
14. Laurentius Zapf
Laurentius Zapf, mon. pbr., Cellerar. 1514 erwähnt. Er schrieb eine Sequenz auf Sankt Notker.[i] Gestorben 7. September 1519. (90)
[i] Scheiwiler, Bildersturm, p. 10.
15. Johannes (oder Jakob) Schnäpperlin
15.Johannes (oder Jakob) Schnäpperlin, mon. pbr. Ist 1514 bei der St.Notkersfeierlichkeit. 1521 und nach 1529 ist er Statthalter in St.Gallen. Er soll auch Dekan gewesen sein. Gestorben 13. März 1529. (91)
16. Br. Kaspar Liner
Br. Kaspar Liner von Straubenzell. Gestorben 10. August 1515. (92)
17. Br. Heinrich (Lomann)
Br. Heinrich (Lomann), Senior der Laienbrüder.[i] Gestorben 19. Februar 1515 (oder 1518). Ist wohl identisch mit No. 46. (93)
[i] "Vater Häni Loman", Band 436, fol. 157a, ist wohl identisch mit diesem.
18. Br. Sebastian Renhas
Br. Sebastian Renhas von Goldach. Gestorben 3. August 1519. (94)
19. Diethelm Blarer von Wartensee
Diethelm Blarer von Wartensee. Geboren 1503. Eltern: Johann Jakob, Vogt zu Rorschach und Apollonia von Sürgenstein. Der Vater starb am 6. Mai 1534 (Nekr. 1442). Er war seit 1528 Statthalter von Rorschach, als er, erst 26 Jahre alt, 1530 zum Pop Up: Es öffnet sich ein neues Fenster: Diethelm Blarer von WartenseeAbt von St.Gallen neues Fenster gewählt wurde. Gestorben 18. Dezember 1564.[i] (95)
[i] Vgl. J. Müller, Die Tagebücher R. Sailers, Mitteilungen XXXIII, p. 516ff.
20. Jakob Bertz
Jakob Bertz (oder Bertsch alias Bärr) von Roggwil. Er wurde 1529 als Diakon (Evangelier) gefangen genommen und fiel vorübergehend vom Glauben ab. Er kam 1530 in weltlichen Kleidungen nach Überlingen, kehrte dann aber in den Orden zurück und wohnte der Wahl Diethelms bei.[i] Er kam 1530 nach Tübingen und erhielt in der Diözese Augsburg die Priesterweihe und feierte zu Ottobeuren, wohin er im November 1530 kam, seine Primiz im Beisein seiner Mitbrüder: Dekan Gluss, Markus Schenklin, Johann Hess und Stori.[ii] 1532 ist er bereits Statthalter in Rorschach; als solcher erscheint er noch 1539. Später (1551) war er Dekan zu St.Gallen. Gestorben 16. Dezember 1552. Ein Nikolaus Bertschi schrieb das Graduale No. 1767.[iii] (96)
[i] Band 302, p. 406.
[ii] Band 304, p. 61. – In Cod. lat. 8643 der Pariser Nationalbibliothek, der den Briefwechsel des Humanisten Niklaus Ellenbog, dessen Unterricht Bertz in Ottobeuren genoss, enthält, finden sich auch vier Briefe Ellenbogs an Bertz (vom 18. Dezember 1530 bis 7. März 1531; cfr. J. Müller, Die Tagebücher Rudolf Sailers in Mitteilungen zur vaterl. Geschichte XXXIII, p. 246, Anm. 3).
[iii] Über den Abfall einzelner Konventualen berichtet Schenk in seinem Chronikon (Mscr. 1260): "Quo die captivos monachos adegerunt ad deserendas vestes Monachis usitatas tonsuramque, nec his contenti praeterea imperaverunt, ut fidem suam Senatui, urbique adstringerent, quod ubi fervere, libere ultro citroque commeandi potestatem adepti sunt. Caetero ex eo numero quatuor pollicitationibus haereticorum inducti cum vestibus religiosis, etiam fidem catholicam posuerunt, ii vere fuerunt: Albertus Miles Subprior, Antonius Vogt Archi-Magirus, Jacobus Bertis et Marcus Schenklin, attamen posteriors duo poenis extra ducti postlimino ad mentem et Coenobium rediere, praesertim Marcus, qui errorem ea virtute correxit, ut Abbatiam Fischingensem deinde promeruit, Monasterium illud egregia laude rexerit." – Im ganzen fielen aber in St.Gallen sechs Konventualen ab, wie aus dem Streit der Stadt St.Gallen mit der Landschaft über den Besitz des Klostergebäudes hervorgeht. Von den 14000 Gulden, die die Stadt für das Kloster zahlte, mussten nämlich 3000 Gulden den sechs evangelisch gewordenen Kapitularen bezahlt warden (Hürbin, Handbuch der Schweizer Geschichte II., p. 160). V. Arx erwähnt nur vier Kapitularen, die 1524(?) schon abgefallen sein sollen, nämlich: Ulrich Ramsauer von St.Gallen, Joh. Schmidt von Steinen, Benedikt Thsönöl aus Bündten, Joh. Stricker von Zürich, welcher letzter hernach Prediger und Bürger in St.Gallen ward (v. Arx, Geschichten des Kantons St.Gallen II., p. 528 und 583). – (Vgl. Theodor Müller, Die St.Gallische Glaubensbewegung etc. und J. Müller, Die Tagebücher Rudolf Sailers in Mitteilungen zur Vaterländ. Geschichte XXXIII., p. 201 und 243ff. Dr. A. Scheiwiler, Der Bildersturm in St.Gallen am 23. Februar 1529, St.Gallen "Ostschweiz" 1929).
21. Benedikt Teker
Benedikt (oder Johannes) Teker von Chur.[i] Er fiel 1524 ab und war 1536 Prädikant in Sommeri.[ii] (97)
[i] Schenk in seinem Chronikon (Mscr. 1260) nennt ihn Benedikt Thsoenoel von Disentis (s. Anmerkung 139).
[ii] Bei Strickler (Aktensammlung III, p. 410) heisst er Benedikt Tzschanûl.
22. Johannes Scharrolt
Johannes (alias Benedikt) Scharrolt von Zürich, ebenfalls Apostat 1524. Ob er nicht identisch ist mit dem von Ildephons v. Arx angeführten Johann Stricker von Zürich, der hernach Prediger und Bürger von St.Gallen wurde? Schenk[i] führt unter den Apostaten einen Itannerus quidam Tigurinus auf, der wohl mit dem angeführten identisch sein dürfte.[ii] (98)
[i] In seinem Chronikon, Mscr. 1260, p. 823.
[ii] Nach Strickler, Aktensammlung zur Schweiz. Reformationsgeschichte III, 466 p. 410, heisst er Johannes Zindel, Bürger von Zürich.
23. Georg Trinkler
Georg Trinkler (Tinckler) war 1529 Altvater im Brüderspital und wurde daraus vertrieben.[i] Er starb am 16. Mai 1541. Scherer führt ihn irrtümlicherweise 1555 als Senior der Brüder auf, was unmöglich, da er, abgesehen vom Nekrologiumseintrag, 1551 auch im Katalog (s. u.) der damaligen Klosterbewohner nicht aufgeführt wird. (99)
[i] Band 302, p. 419.
24. Markus Schenklin
Markus Schenklin von Wil, als Sohn des Kanzlers Heinrich Schenklin 1503 geboren. Er fiel 1529 vorübergehend ab (s. Anm.), ging dann aber zu Abt Kilian in Überlingen, der ihn 1530 mit Johann Hess und Jakob Bertz nach Tübingen schickte.[i] Er nimmt 1530 an der Wahl Diethelms teil und feierte als erster nach der Reformation in St.Gallen seine Primiz. Als Statthalter von Wil (alias St.Gallen) wird er 1532, 36 und 37 erwähnt.[ii] Über ihn bemerkt Johann Rütiner in seinem Tagebuch[iii] zum Jahre 1538: «Dominus Marcus monachus, vicarius z. Wil duae scorta aluit cuique ancillam famulantem habuit ... tantum ocium et crapula valuit.»[iv] 1540 wurde er indessen zum Abte von Fischingen postuliert (s. d.) und starb als solcher am 19. Mai 1553.[v] (100)
[i] Band 307, p. 96.
[ii] Band 92, fol. 217b, 352b, 317b; Band 112, fol. 67b; Band 231, 102.
[iii] Vadiana, Mscr. 78/79 II, fol. 222a.
[iv] Zitiert bei Dr. J.A. Scheiwiler, Die Reform im Kloster St.Gallen, Zeitschrift für schweiz. Kirchengeschichte XXII, p. 33, Anm. 1.
[v] Siehe Professbuch von Fischingen.
25. Bartholomaeus Meier
Bartholomaeus Meier von Wasserburg, mon. pbr. Er wurde 1529 ebenfalls misshandelt, worauf er nach Wil und Einsiedeln floh. Er und P. Heinrich Seiler kamen auf die Kunde vom Tode Kilians aus der Reichenau nach Wolfurt zur Neuwahl. Später war er Kustos und Subprior. Gestorben 21. November 1548. (101)
26. Johann Hess
Johann Hess, mon. pbr., von Wil. Am 16. März 1529 flüchtete er mit den Patres Heinrich Seiler und Bartholomaeus Meier nach Wil, dann nach Einsiedeln. 1530 schickt ihn Abt Kilian während des Exils nach Tübingen (s.o.), wo er den Magistertitel der Theologie erwarb. In St.Gallen wurde er Münsterprediger und war ungemein tätig für die katholische Sache. Diethelm ernannte ihn 1539 zum Subprior.[i] – Hess starb am 6. Januar 1545. Das Nekrologium von Magdenau enthält seinen Tod zum 6.1. mit folgenden Worten: Johannes Heß, conventher und wohlgelehrter prediger des münsters zu St.Gallen, ein getreuer gönner des gotteshauses, starb anno 1345 (soll heissen 1545; Baumann Necrologia I., p. 446). Sein Nachfolger als Münsterprediger, Heinrich Keller, sagt von ihm in seinem Diarium: «1545 ist der vil gelehrt, wit beschreit, wol beredt Herr Heß, Conventual und Predicant des würdigen Gottshus St.Gallen verschieden us diser elenden Zit. Welcher vil gearbeitet hat mit Fliß und Mühe wider Martin Luther, Uli Zwingli, Galt ein anabaptist. Auch hinter ihm verlassen vil nutzlich Bücher.»[ii] Sein Mitbruder Peter Eichhorn, der spätere Abt von Wettingen, setzte ihm folgendes Epitaph:
«Gradum viator contine / En fida ferrum pectora / Non Paulus et Antonius / Patres vixere dulcius / Quam suam inter se foedere / Charitati monasticae S. Galli in coenobio / Pater Joannes Hessius / sacris a confessionibus / Petrusque Aichorn vicetenens / Magni Praelati et Abbatis / . . . . Vitam egere quam neque / Petrus Joannis dissecat / vita defunctus perstiti / Sed quam fuit policitus / Fide non ficta praestitit / non immemorabili carmine / Sepulchrum fratris excolit. / Ergo Viator optime / Piae Joannis animae / Quae coeli gaudet sidere / aeternam pacem comprecans / abi, valeque perpeti.» (102)
Schriften:
Seine Predigten, 14 an der Zahl, enthält die St.Galler Handschrift 1054. Papier 4°, 592 S., geschrieben von Paul Alther, Custos 1544, «ex ore Joh. Hess», (Sch., p. 395).
[i] Erwähnt 1540 in Band 92, fol. 267b, 283b. Über Johann Hess vgl. J. Müller, Die Tagebücher Rudolf Sailers, S. 418, Anm. 1, in Mitteilungen zur vaterl. Geschichte XXXIII, Bd. 1913, wo sich das Biographische findet. Eine Würdigung seiner Predigten bringt: Scheiwiler, Zwei st.gallische Prediger zur Zeit der Glaubensspaltung, Zeitschrift für schweizerische Kirchengeschichte XV. (1921), p. 161. – Ferner Dr. J.A. Scheiwiler, Die Reform im Kloster St.Gallen, Zeitschrift für schweiz. Kirchengeschichte XXII, p. 30. – Ebenso v. Arx, Geschichten II, p. 269. – Weidmann, p. 63.
[ii] V. Arx II, 269, Anm. d.
27. Br. Johann Huber
Br. Johann Huber von St.Gallen. Er blieb im Brüderhause während der Zeit des Klostersturmes 1529/30, klagte aber bei Abt Kilian über Hunger, der ihm Geld schicken oder ihn bei sich aufnehmen will.[i] Gestorben 7. Juli 1537. (103)
[i] Band 307, fol. 427.
28. Johannes Schmid
Johannes Schmid (fabricius) von Stein.[i] Fiel 1529 ab. (104)
Schriften:
Fr. Johannes Faber Lithopolitanus (wohl identisch mit unserm Johann Schmid) schrieb den sogen. Codex Gaisbergianus der Stiftsbibliothek S.G., der S. 7-49 eine Historia abbatum S. Galli bis auf Abt Franz mit Wappen enthält, worauf S. 53-63 zwei Vorreden an Abt Franz und die Leser folgen. Daran schliessen sich die Epitaphia S. Gallensia an, S. 64-84, die Casus S. Galli Conradi de Fabaria, S.85 bis 144, eine Vita Notkeri Balbuli mit den acta canonisationis von 1513, S. 151-307 und schliesslich eine Anzahl Legenden S. 309-371, Mscr. 613, Pergament 2°, geschrieben 1526, 372 S. (Sch., p. 197).
[i] Nicht von Steinen, wie v. Arx (s.o.) schreibt.
29. Ulrich Ramsauer
Ulrich Ramsauer, von St.Gallen, fiel ebenfalls 1529 ab (s. o.). (105)
30. Petrus Seiler
Petrus Seiler, mon. pbr., wird im Nekrologium als am 7. April 1532 verstorben erwähnt.[i] (106)
[i] Nekr. 1442 hat das Jahr 1582, was aber nicht stimmen kann, da dort kein Mönch dieses Namens da war.
31. Br. Hans Gschwend
Br. Hans Gschwend von Konstanz. 1572 gestorben. (107)
32. Br. Joachim Bluom
Br. Joachim Bluom von St.Gallen lebte 1541. (108)
33. Rudolf Geffert
Rudolf Geffert von Peterzell war nach Scherer Konverse in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts. (109)
34. Gallus im Kebel
Gallus im Kebel. Ebenfalls nach Scherer Konverse in dieser Zeit. (110)
35. Augustin Reichmann
Augustin Reichmann.[i] (111)
[i] Diese und ähnliche Angaben Scherers, wie sie uns bis dahin mehrfach begegneten, lassen sich leider nicht auf ihre Zuverlässigkeit prüfen, da Scherer keine Fundorte dafür angibt.
Erwähnt seien hier noch einzelne auswärtige Konventualen, die sich unter Abt Franz und seinen Nachfolgern in St.Gallen aufhielten. Es sind dies:
Laurentius Schab war Benediktiner von Seligenstadt, war Münsterprediger zu St.Gallen. Er nahm 1514 an den Feierlichkeiten zu Ehren des heiligen Notkers teil. 1512(?) wird er «Theologiae Licentiatus et St.Galli Ecclesiastes» zu Prior und Konvent von Herenberg bei Winterthur geschickt, um dort Reliquien zu holen. Er wird auch Presbyter B.M.V. genannt.[i] Gestorben 12. August 1519.
Christian Lanz war Mitglied der Eremiten vom hl. Paulus in Langnau und hielt sich als Gast in St.Gallen auf, wo er als Organist tätig war. Gestorben 9. August 1538.
Wendelin Oswald von Sommeri, Kt. Thurgau, Mitglied des Dominikanerklosters in Konstanz. Durch den Legaten Pucci erhielt er 1518 in Zürich den Doktorgrad, wurde 1520 Beichtvater des Dominikanerinnenklosters St.Katharina in St.Gallen und etwas später Münsterprediger. Er nahm als Vertrauensmann des Abtes Franz vom 21. Mai bis 8. Juni 1526 an der Badener Disputation teil. Umsonst suchten Zwingli u.a. ihn auf ihre Seite zu ziehen. Er war der mannhafteste Verteidiger des alten Glaubens in St.Gallen, weshalb man ihn auf das heftigste angriff. Der Rat von St.Gallen sagte ihm seinen Schutz auf und so folgte er 1527 einem Rufe des Abtes Ludwig nach Einsiedeln, wo er zum Benediktinerorden übertrat und nach einer grossen Wirksamkeit als ausgezeichneter Prediger am 14. Juni 1541 starb.[ii]
Johann Hofmeister von Lindau, Konventual zu St.Ulrich in Augsburg. Abt Diethelm berief ihn nach St.Gallen, wo er als Lehrer und Bibliothekar tätig war. Er soll an Gift am 7. Dezember 1544 gestorben sein (Weidmann, p. 60).
Leonhard Wirstlin, Benediktiner von St.Ulrich war bekannt als Schönschreiber und lange im Dienste des Abtes Franz tätig (Weidmann, p. 55).
[i] Band 96, fol. 185, 194b.
[ii] Vgl. Ringholz, Die Ausgaben des Abtes Ludwig II. von Einsiedeln in den Jahren 1527-1533. Mitteilungen des Histor. Vereins des Kantons Schwyz, 14. Heft, Schwyz, Steiner 1904. Und Ringholz, Das Doktordiplom des Wendelin Oswald, in der gleichen Zeitschrift, 19. Heft, 1908.