Professen unter Abt Eglolf Blarer von Wartensee (1426-1442)

Professen unter Abt Eglolf Blarer von Wartensee (1426-1442)

Mit Heinrich von Gundelfingen starb im März 1429 der letzte adelige Konventuale der mittelalterlichen Klosterzeit. Abt Eglolf berief zunächst in die leere Abtei sieben Konventualen aus dem Kloster Hersfeld, das der damals mächtig aufstrebenden Bursfelder Kongregation angehörte, zu denen sich offenbar später noch ein achter gesellte.[i] Wenn auch Abt Kaspar von Landenberg später diese Mönche wieder heimschickte und ihre Reformbestrebungen keinen dauernden Erfolg hatten, so führen wir diese Männer doch hier auf, zumal der eine und andere in wissenschaftlicher Hinsicht dauernde Spuren hinterliess. Auch fand mehr denn einer in St.Gallen seine letzte Ruhestätte.

 

[i] Von Arx, Geschichten des Kantons St.Gallen II, 246f.


1. Hieronymus von Brünn

Er erscheint zweimal in Urkunden (1432 und 1434) als Dekan des Stiftes, indem er für Abt Eglolf zu Gerichte sass.[i] In Handschrift 918 findet sich der Eintrag: Anno 1439 ob. fr. Jeronimus quondam dec. hujus monasterii S. Galli sepultusque in capella S. Tutheolonis, qui fecit hunc librum fieri. 6.III.[ii] (1)


[i] Wartmann, Urkundenbuch V, Nr. 3704, 3829.

[ii] Über die erwähnte Handschrift s.u. Ludwig von Helmsdorf. – Vgl. Weidmann, Geschichte der Bibliothek von St.Gallen, p. 51.


2. Johannes von Frankfurt

1439, 6. Juli sitzt er, «custer des Gotteshauses», öffentlich für Abt Eglolf zu Gericht.[i] 1455 empfiehlt ein Frater Laurentius Lengfeld (von?) dem Frater Johannes de Franckfordia, Konventualen des Klosters Sankt Gallen, den Überbringer eines Schreibens, Martin Franck, zur Befürwortung bei Abt Kaspar, behufs Aufnahme ins Kloster (W. VI, 5350). Gestorben 19. März 1499. (2)

 

[i] Wartmann, Urkundenbuch V, 4175.


3. Fridericus Cölner

Urkundlich erscheint er am 24. November 1432 als Abgesandter des Abtes an die Stadt St.Gallen (W. V, 3717); er wird dort «keller des Gotteshauses» genannt. Am 23. März 1436 verfügen einige auf der Synode in Basel weilende Äbte, vor die die Streitfrage zwischen Abt und Konvent wegen Durchführung der Reform gekommen war, dass «Frater Fridericus Colner» sich auf zwei Jahre in ein reformiertes Kloster zu begeben, der Abt aber allda für seinen Unterhalt aufzukommen habe (W. V, 3909). Er soll sich, wie Stipplin[i] berichtet, im Kloster Hornbach und St.Maria zu den Martyrern in Trier aufgehalten haben. Seine letzte Ruhestätte fand er in Köln, wie Handschrift 918 sagt: Anno 1451 ob. fr. Fridericus Colonie apud S. Pantaleonem et sepultus olim conventualis monasterii S. Galli, qui etiam habuit unum cor necnon unam animam in domino cum prioribus,[ii] qui onmes requiescant in sancta pace. Amen. 10.II. (3)

 

Schriften:

 

1. Eine deutsche Legende der st.gallischen Hausheiligen. Sprüche der Altväter. Mit zwei gemalten Bildern der hl. Wiborada und des hl. Otmar, Mscr. 586, Papier 4°, 492 S. (Sch., p. 190).

 

2. Deutsche Legenden (Geschichte der hl. drei Könige, des Pilatus, der Veronica u.a.m.), Mscr. 594, Papier 8°, 403 S. (Sch., p. 192).

 

3. Asketische Tractate in deutscher Sprache (z. B. Übersetzung des Albertus Magnus, De virtutibus u. a.). Geschrieben für das Frauenkloster St.Georgen, Mscr. 963, Papier 4°, 482 S. (Sch., p. 360).

 

4. Verschiedene mystische Schriften für die Klosterfrauen in St.Georgen. So p. 1-106, das 3. Buch der Nachfolge Christi; p. 106-123: Von den drei Wegen zur geistlichen Vollkommenheit, von Meister Ekkehard(?); p. 123-135: Verschiedene asketische Stücke; p. 135-166 eine Predigt Taulers; p. 409-434 und 472-481: Eine allegorische Deutung des Lebens Jesu, in drei Teilen. (Am Buche haben noch drei andere Hände mitgeschrieben.), Mscr. 965, Papier 4°, 484 S. (Sch., p. 360).

 

5. Deutsches Erbauungsbuch, ebenfalls für St.Georgen geschrieben, Mscr. 967, Papier 4°, 496 S. (Sch., p. 362.), zum Teil von andern geschrieben.

 

6. Mystische Schriften, darunter eine deutsche Übersetzung des zweiten Buches der Nachfolge Christi von Fr. Fridrich, Mscr. 970, Papier 4°, 319 S. (Sch. p. 363), von verschiedenen Händen geschrieben. Von Cölner sind die Seiten 3-12 (Unvollständiger Traktat über die sechs Namen des Abendmahls), und S. 292-316, wo die erwähnte Übersetzung sich findet.

 

7. Buch der XXIV Alten, ebenfalls für St.Georgen geschrieben, Mscr. 994, Papier 4°, 512 S. (Sch., p. 377).

 

8. Religiöse Traktate, ebenfalls für St.Georgen bestimmt. Bl. 1-31 enthält kleine Traktate und Sprüche von St.Bernhard, Bischof Albrecht u.a.; Bl. 32-102: Das erste und zweite Buch der Nachfolge Christi, in deutscher Übersetzung; Bl. 103-176: Verschiedene asketische Schriften, Mscr. 998, Papier 12°, maj. 176 Bl. (Sch., p. 379).

 

9. Verschiedene asketische Schriften, darunter besonders von St.Bernhard. Von Verschiedenen geschrieben für das Kloster zu St.Leonhard. Cölners Anteil ist bei Scherer nicht festgestellt. Mscr. 1014.

 

10. Tractat von der geistlichen Spur. – Vierzig Predigten von Tauler, Mscr. l015, Papier 12°, 557 S. Ganz von Cölner. (Sch., p. 387).

 

Handschrift 1161, die eine Deutsche Passion enthält (Papier 4°, 138 Bl.), ist von einem «her fridrich» geschrieben, den Scherer (p. 418) als nicht identisch mit Friedrich Cölner bezeichnet. Er weist es dem 16./17. Jahrhundert zu. Da aber aus dieser Zeit kein Konventuale dieses Namens bekannt ist und das Buch überdies nach St.Georgen gehörte, glauben wir doch, dass es sich auch hier um ein Werk aus der Feder Cölners handelt.

 

Über seine Übersetzer- und Schreibertätigkeit für St.Georgen bemerkt er selber: Ich bruder fridrich Colner der aller unnützest münch sant Gallen bitten etc. (man möge die Büchlein aufmerksam lesen) denn sy getütschet sint, won ich von bett wegen und liebe myner gaistlichen Kind (in St.Georgen) dise leben mit grosser Arbait uss dem subtilen latin zu disem ainfaltigen tütsch do ich ennocht nit gar kundig in bin etc. (Am Ende des Mscr. 586; zitiert bei Scherer p. 378). Über Cölner s. Scherer p. 377 zu Mscr. 994, Weidmann, Geschichte der Bibl., p. 51.

 

[i] Collectana I. p. 32.

[ii] Jeronimo decano et Hainrico Boesch.


4. Johannes Homberg

Johannes Homberg[i] sollte 1436 ebenfalls wie Cölner in ein reformiertes Kloster gehen, freilich nur auf ein Jahr (W. V, 3909). Er war Cellerar des Gotteshauses. Offenbar kehrte er, ähnlich wie Cölner, nicht mehr nach St.Gallen zurück. (4)


[i] Alias von Hornberg.


5. Wilhelmus Boner

Wilhelmus Boner wird unter Abt Kaspar 1443 als Dekan erwähnt.[i] (5)

 

[i] Stiftsarchiv, Band 90, p. 5.


6. Andreas Streim

Andreas Streim (Straim, Strym) wird als Öconomus S. Galli bezeichnet. Ob dieser Andreas Streim identisch mit Andreas Strim, der 1414, 20.Oktober, mit Bernhard de Ow als presbyteri ordinis sancti Benedicti, capellani supradicti monasterii Sancti Galli bezeichnet wird (W. V, 2620), der wiederum 1415, 16. Januar, als Mönch von St.Gallen erwähnt wird (Straym) (W. V, 2632) und der nochmals 1415, 24. Juli, als «capplan mines herren des propstes ze Santgallen» erwähnt wird (W. V, 2653), lässt sich schwer sagen; jedenfalls scheint er mir nicht Mönch von St.Gallen gewesen zu sein. (6)


7. Gallus Ostertag

Er wird als Senior bezeichnet. Von ihm heisst es, dass er 1436 ein Registrum horarum secundum Chorum Hersfeldense schrieb. Dies ist wohl identisch mit dem in Handschrift 447 (p. 23-36) enthaltenen: Ordinarius seu registrum horarum per circ. anni s. de temp. s. de SS. finitus Ao 1432 secundum chorum monast. Hyrsfeld. Die Schlussnote stammt freilich von Gallus Kemli (s. u.), (Sch., p. 147). Ostertag starb am 5. März eines ungenannten Jahres. (7)


8. Heinrich Boesch

Heinrich Boesch, Magister artium. Ein Eintrag in Handschrift 835 (s. u.) bezeichnet ihn als von Wil stammend und in Ulm studierend.[i]

 

In Handschrift 918 findet sich (auf dem hintern Deckel) folgende nekrologische Notiz: 23.VI. Anni 1439 ob. fr. Haynricus Boesch magister arcium sepultusque est ad dextram fratis Jeronimi (von Brünn; s. o.) quibus erat cor unum et anima una in duobus et idcirco nec corpore sunt ab invicem separati, requiescant in pace. Amen.

 

In Mscr. 853, p. 392[ii] findet sich ein Brief von einem Fr. Hainricus, worin von der Abtei St.Gallen und einem Cuonradus cantor in castelle die Rede ist (Sch., p. 289). (8)

 

Schriften:

 

Von ihm stammen die Handschriften 835: Cuonradi Seglawer (1405 Rektor der Wieneruniversität) Lectura super Aristotelem Perihermenias, Papier 4°, 318 S., geschrieben 1425, wohl in Ulm (Sch., p. 283) und in Handschrift 937, die von mehreren geschrieben ist, wenigstens die Anleitung über den gregorianischen Gesang (p. 684-700), da S. 700 beigefügt ist: Hainricus Bösch de Wila a o 1424. (Sch., p. 351/2).


[i] H. Bösch de Wila Stud. Ulma.

[ii] Epistolographia cum formulis aus dem 15. Jahrh.


9. Konrad von Kastel

Konrad von Kastel gehört ebenfalls, wie die vorausgehenden, nicht dem Kloster St.Gallen an, sondern wurde von Abt Eglolf aus dem Kloster Kastell berufen. Zweimal führt er als Dekan an Stelle des Abtes den Vorsitz beim Pfalzgericht.[i] (9)

 

[i] W. V, 4002a, 4181. In Handschrift 954, p. 89 findet sich der Schreibervermerk: "Scriptus anno 1427 in oppido S. Galli per fratrem Joannem Diepoldi de Sulgen natus" (Sch. p. 357); doch kann es sich hier nicht um einen Konventualen handeln, denn ein solcher ist in dieser Zeit für St.Gallen nicht nachweisbar, ja kaum möglich. – Vgl. auch die Note in Mscr. 853, p. 392; s. o. bei Heinrich Boesch.

 


10. P. Gallus Kemly

P. Gallus Kemly von St.Gallen, wo er am 18. November 1417 geboren wurde. Profess 1428, Priesterweihe 1441. Mit Erlaubnis der Baslersynode verliess er das Kloster 1443, wie er sagt durch die Tyrannei des Abtes Kaspar vertrieben. Nach unstetem Leben in Erlach, Sponheim und andern Orten kehrte er erst 1470 wieder heim, aber auch jetzt nur für kurze Zeit. Er berichtet in Mscr. 919 von sich selbst:

 

Anno Domini 1428 intravi religionem sancti Bencdicti. Ego frater Gallus dictus Kemli opidanus sancti Galli nativuus. Anno Domini 1441 fui ordinatus in presbyterum. Anno Domini 1443 compulsus multis iniuriis veni ad exilium sub Abate Caspar, qui tyrannide sua plures fratres ipsum eligentium dispersit et exulavit, per quem monasterium hoc dilapidatum et depauperatum fuit in magna parte. Tandem in reconpensam malorum a fratribus novi questus destitutus triste mortis nuncio attritus pena multatus discessit. Anno Domini 1470 in magnis laboribus et expensis post multas cassas obiectationes post multas et varias alligationes et requisitiones et conatus obtinui tandem ius conventualitatis meae repetitus et assumptus. Item Anno Domini LXXI iterum iniuriis et persecutionibus affectus dolo et fraude plurimorum fratrum propter veritatem, manswetudinem et iusticiam, eo quod meretricium et prostituciones, adulteria et fornicationes que fiunt in monasterio nostro sancti Galli execrabiliter per viam reprehensionis et amonicionis (reprimere) conaveram tamquam senior propter scandalum et diffamiam monasterii et ordinis, propterea per tyrannum Pylatum Ulrich Rosch fui adeo persecutus et iniuriis contra Deum et iusticiam afflichtus, quod oportuit me iterum relinquere monasterium et me exilio submittere usque ad revocacionem. Item tunc recepi me ad Schaffhusen ad cenobium Omnium Sanctorum, ibi steti XXXII septimanas; fraudatus per capitosum abbatem ibidem recessi, in propria conversacione me continui etc. Item anno Domini etc. LXXIII fui installatus ad quandam ecclesiam parrochialem dicta Tegernow Constanc. dyocesis et ibi propter fraudem subditorum et alicuius nobilissimi hominis desperati et propter fraudem et dolum sacerdotum et decepcionem et invasionem multifariam resignavi eeclesiam et abi etc. Item anno etc. LXXIIII veni ad quendam lot locum, inde conmenda Johannitarum; ibi steti in forma adiutoris per tempus semestre; ibi fuit dissolutissima vita cum meretricibus et prostitucionibus et fornicatione etiam cum sodomitis. Item eodem anno inde recedens anno etc. LXXV veni ad quoddam heremitarium nomine Nessental et ibi fui receptus in capellanum et confessorem a lollardis ibidem comitante me amicicia et favore patris domus; ubi vero per inmundissimos et malicia et dolo plenos non conversos sed perversos homines, qui machinamentis suis me perprevenerunt, quod etiam ex displicentia talium recessi etc. quia non veri heremite sed truphatores pessimi etc. supersticiosi, ypocrite, simulatores, religionis deceptores. Item eodem anno etc. peregrinando veni ad Friburgum in Uechtlant et ibi permovente me quodam sacerdote fui assumptus in plebanum apud Johannitas per tempus semestre, ibi bene habui, sed a quadam meretrice commendatorum ibidem exclusus. Item anno Domini etc. LXXV veni et assumptus fui in quadam villula dicta Heiterried; ibi steti XVIII ebdomadas et ibi habui magnos questus, sed fallaces rustici fuerunt ibi etc. Item eodem anno veni ad Termas et ad Wirlidingen, ubi sorores quedam fuerunt in una domo, que me assumpserunt in plebanum et confessorem, a quibus multas supersticiones expertus recessi.

 

«Gall Kemly hat also viel von der Schlechtigkeit der Menschen, von der Verderbtheit der Kirche seiner Zeit erlebt, ist aber wohl auch selbst oft schuld daran gewesen, dass man ihm den Aufenthalt an jenen Orten verleidete. Von 1477 ab hören wir nichts mehr von ihm, er ist wohl bald danach gestorben.[i]

 

Man würde nichts von seinen Wanderungen, seinen guten und schlechten Erfahrungen wissen, wenn er nicht sehr schreiblustig gewesen wäre. Mit der eigenen Hand schuf er sich eine kleine Privatbibliothek, die reich war an liturgischen, homiletischen, asketischen, moraltheologischen Texten, an Aufzeichnungen über Aberglauben, Heilmittel, an Abschriften von Gedichten u.a. und z.B. einen so wichtigen Text wie den von L. Traube wiederentdeckten Brief des Vernandus über die Einführung der Benediktinerregel im Kloster Alta-ripa erhalten hat. Die meisten seiner Bücher sind noch heute unter den jetzt oder früher der St.Galler Stiftsbibliothek gehörigen Handschriften. Das Stift hat sich also – wohl nach Gall Kemlys Tode – in den Besitz der Bibliothek seines Konventualen zu setzen gewusst.»[ii] Kemly bildet unstreitig die interessanteste Figur unter den St.Gallermönchen des 15. Jahrhunderts.

 

Von Kemly stammen folgende Handschriften:

 

1. Miscellanea theologica. Darunter: S. 156-190 Vita B. Magni edita a Theodoro, S. 548-550 und 553-554: Eine deutsche Maipredigt. Unter den lateinischen Predigten mehrere von Soccus und fünf vom «Lugdunensis», d. h. von Guil. Peraldus Archiep. Lugd. Ferner Exempla aus Vincentius (Bellovac.), Petrus Damiani u.a. – Mscr. 55, Papier 4° min., 586 S., geschrieben von G.K. (Sch., p. 25).

 

2. Collectanea theologica P. Galli Kemly. Darin: Nuptiae Abbatheos, Summula de Summa Raimundi u.a. – Mscr. 293, Papier 12°, 589 S. (Sch., p. 108).

 

3. Sammlung von Bibelstellen (von der Genesis an bis Epistola S. Pauli ad Philipp. – Mscr. 297, 4°, 280 S., wovon 213-280 unbeschrieben (Sch., p. 109).

 

4. Miscellanea theologica, viele Hymnen, u.a. lateinische Verse enthaltend, darunter p. 144 das Dies irae dies illa und p. 229: Stabat mater dolorosa. – Mscr. 309, Papier 8°, 294 S., von G.K. und andern geschrieben (Sch., p. 111).

 

5. Officia, Homiliae etc. S. 1-17: Historie collecte de diversis scorum vitis mit Hymnen; letztere auch S. 32-68, 99-104, 110-120 und 121-143. – Mscr. 386, Papier 4°, 174 S., von G.K. geschrieben (Sch., p. 131).

 

6. Lectionarium Matutinorum. – Mscr. 411, Papier 4°, 573 S., von der Hand Galls geschrieben (Sch., p. 137).

 

7. Hersfelder Kalendarium etc. S. 23: Incipit divinus ordo etc. mit vorausgehendem Kalender von S. 3-14, S. 23-36: Ordinarius s. registrum horarum per circ. anni s. de temp. s. de SS. finitus ao 1432 secundum chorum monast. Hyrsfeld. (Note von Gall Kemly). – S.50-139: Incipit registrum sec. ord. et chor. monast. Hirsfeld, S. 143-166: Dominicale, S. 167-170: Ordo offic. dominic., S. 187-208: Ordinarius de temp. et de SS., S. 208-214: Registrum misse de SSS. – Mscr. 448, Papier 2° min., 232 S. (Sch. 147).

 

8. Varia, darunter Gesta Romanorum, ein Auszug aus der römischen Geschichte von Gall Kemly. – Mscr. 467, Papier 4°, 394 S., von verschiedenen geschrieben, Kemly gehörend.

 

9. Orationes variae. Nach Inhalt und Ausdrucksweise in Italien (Como) für einen Benediktiner geschrieben. War Eigentum eines Jodocus Graislios, später des Klosters St.Johann im Thurtal. Lehmann (s.o.) vermutet, dass er zu Gall Kemly in Beziehung stand. – Mscr. 469, Pergament, 8°, XIV. Jahrh., 204 S. (Sch., p.153).

 

10. Libellus precatorius mit vielen Hymnen und andern lateinischen Versen vom Jahre 1436. – Mscr. 520, 12° min., 306 S., von mehreren geschrieben, darunter G.K.

 

11. Jacobus de Voragine, Legenda aurea. – Mscr. 601, Papier 2°, 474 S. zweispaltig. Anfang und Ende von P. Gall Kemly geschrieben (Sch., p. 193).

 

12. P. Comestor, Historia scholastica; Methodii, Revelationes et alia. – Mscr. 605, Papier 2°, 422 S., 1465 von P. Gall Kemly geschrieben (Sch., p. 195).

 

13. Excerpta ex historia scholastica et Vitis patrum. – Mscr. 607, Papier 2°, 298 S., geschrieben von P. Gall K. (Sch., p. 195).

 

14. Varia theologica. Dabei: Speculum sacerdotum von Herm. de Westphalia; die Summula Raimundi; Floretus und die Predigten des sogen. Soccus. – Mscr. 691, Papier 4°, 210 S., von P. Gall Kemly u.a. geschrieben (Sch., p. 226).

 

15. Promptuarium ecclesiasticum mit den Nupcie Abbatheos, der Summula Raimundi, dem Compendium theol. veritatis und von S. 173-490 eine Reihe von Formeln, Statuten, Benedictionen, Exorcismen etc., die für die Ritual-·und Sittengeschichte jener Zeit nicht unwichtig sind. – Mscr. 692, Papier 4°, 491 S., geschrieben von P. Gall Kemly in den Jahren 1466 und 1467 (p. 332 u. 173), (Sch., p. 226). In dieser Handschrift findet sich nach Spamer das älteste bekannte religiöse Rebusbild des deutschen Sprachgebietes (vgl. J.J. Werner, Über 2 Hss. der Stadtbibliothek in Zürich, Aarau 1904, S. 162); Spamer, Das kleine Andachtsbild vom XIV. bis zum XX. Jahrhundert, p. 168, Anm. 8).

 

16. Promptuarium divinorum eloquiorum. S. 3-222: Compendium Compendii Theologice veritatis; S. 223-535: Betrachtungen über das Kirchenjahr (Winterteil); S. 536-580: Libellus autoritatum ad proponendum negotia; S. 581-585: Ars memorativa. – Mscr. 764, Papier 8°, 585 S., geschrieben von P. Gall Kemly.

 

17. Ailerani interpretatio mistica progenitorum domini, sowie verschiedene Excerpte Kemlys aus dem Mamotrectus, Heymo u.a. – Mscr. 776, p. 163-206, die vorausgehenden Partien stammen aus früherer Zeit, Papier 4°, 206 S. (Sch., p. 257).

 

18. Sammelband 1. S. 3-48: Regula S. Benedicti; S. 49-136: Statuta nigrorum monachorum Benedicti pape duodecimi; S. 137-172: Libellum b. Bernardi de precepto et dispensacione; S. 172-184: Tractatus S. Thome de passibus virtutum bonorum religiosorum; S. 185-206: Tractatus Bonaventure de contemplacione devote anime; S. 208-249: Erstes Buch der Nachfolge Chr. (von anderer Hand); S. 251-262: Exercitatorium monachorum (des Karthäuserpriors H. de Calcar in Köln +1408); S. 263-270: Tractatulus b. Augustini epi. de tribus habitaculis celi mundi et inferni; S. 275-287: Speculum amatorum mundi; S. 288-295: Gesta patrum s. collationes; S. 295-299: Medicinale regimen vitae; S. 301-317: Prologus in libellum de arte moriendi (am Ende: Expl. scriptus raptim per me fratrem Gallum presbyterum); S. 318-325: Canonicarum statuta horarum. – Mscr. 917, Papier 4°, 326 S., geschrieben von P. Gall Kemly mit Register von seiner Hand (Sch., p. 343/44).

 

19. Miscellanea monastica et historica, darunter p.16-34 eine von Kemly geschriebene kurze St.Galler Chronik von Otmar bis Salomon und S. 193-92 (verkehrt eingetragen): St.Galler Annalen von 614-1413; S. 192-190: Curriculum vitae des P. Gall Kemly von seiner Aufnahme in das Stift 1428 bis 1475. – Mscr. 919, Papier 4°, 224 S. Von mehreren geschrieben, darunter von Kemly, wie bemerkt.

 

20. Rubriken und Statuten. S. 1-129: Rubrice et Notabilia de divino ordine cum consuetudinibus debitis in ecclesia dei servandis secundum ritum et ordinem s. Benedicti (enthält manches, das speziell St.Gallen betrifft); S. 149-206: Libellus laudabilis cerrimoniarum et consuetudinum nygrorum monachorum ordinis S. Benedicti ex diversis sanctorum patrum statutis. – Mscr. 923, Papier 4°, 381 S. Von P. Gall Kemly geschrieben (Sch., p.346).

 

21. Biblia pauperum. Varia opera; S. 149: Inhaltsangabe des Alten und Neuen Testaments; S. 150-156: Nupcie Abbatheos; S. 158-216: Biblia moralis; S. 217-350: Recapitulacio in speculum humane salvacionis; S. 352-469: Predigten des Peregrinus; S. 470-480: Vier Predigten. – Mscr. 972b, Papier 4°, 483 S., geschrieben von Gall Kemly 1453 (Sch., p. 365).

 

22. Centum meditationes de passione domini. – Mscr. 1013, Papier 8°, 174 S. Von P. Gallus geschrieben (Sch., p.386).

 

23. Calendarium, cursus B.M.V. aliique cursus, psalterium de passione Christi, salutationes orationesque diversae. Handschrift B. 32 in Bern, war 1470 im Besitze von Gall Kemly (angeführt bei Lehmann, Mittelalterliche Bibliothekskataloge, p. 62).

 

24. Bibliothekverzeichnis des Gall Kemly, Themata de beata virgine, alphabetarium breviarii, der baum der hystorien von der biblien; Handschrift A. 135 der Stadtbibliothek Zürich, Papier 12°, 175 Bl. (zitiert und beschrieben in Lehmann, Mittelalterliche Bibliothekskataloge, p. 64 u. 119).

 

25. Diversarius multuram rerum. Enthält viele Traktate, Verse, Excerpte buntesten Inhalts, teils von Gall Kemly gesammelt, teils von ihm verfasst. Stadtbibliothek Zürich C 101 (vgl. J. Werner, Beiträge zur Kunde der lateinischen Literatur des Mittelalters, Aarau 1905, S .152-183, geschrieben von Gall Kemly (zitiert in Lehmann, Mittelalterliche Bibliothekskataloge, p. 64).[iii]

 

Über P. Gall Kemly existiert bereits eine kleine Literatur. Wir geben sie hier an Hand des von Lehmann gebotenen Verzeichnisses:

 

Scherer, Verzeichnis der Handschriften der Stiftsbibliothek St.Gallen, S. 366f. und 632; L. Traube, Textgeschichte der Regula S. Benedicti (2), S. 35; J. Werner, Beiträge zur Kunde der lateinischen Literatur des Mittelalters, S. 152ff., 206ff.; A. Fäh, Kolorierte Frühdrucke aus der Stiftsbibliothek in St.Gallen, Strassburg, Heitz, 1906, Einleitung; Lehmann, Mittelalterliche Bibliothekskataloge Deutschlands und der Schweiz, I. Band: Die Bistümer Konstanz und Chur, München 1918, S. 119ff., siehe dort auch ein Verzeichnis, das zeigt, welche der von Kemly in seinem Katalog verzeichneten Bücher sich heute noch vorfinden. – Die von Kemly in seinen Bänden eingestreuten Einblattdrucke hat Ildephons von Arx in einem eigenen Bande vereinigt; Siehe auch: Weidmann, Geschichte der Bibliothek von St.Gallen, St.Gallen 1841, S. 53 Anm. Ildefons von Arx, Geschichte von St.Gallen, p. 290 u. Zusätze II., p. 18, 39 (nach Scherer). (10)


 

[i] 1477 trägt er selbst noch den Tod Karls des Kühnen in Mscr. 692, p. 392 ein, wie er auch in Mscr. 919 die Schlachten von Grandson und Murten erwähnt.

[ii] P. Lehmann, Mittelalterliche Bibliothek-Kataloge Deutschlands und der Schweiz, I. Band: Die Bistümer Konstanz und Chur (C.H. Beck'sche Verlagsbuchhandlung, München 1918), p. 119, wo das Bücherverzeichnis des Gall Kemly, um 1470, genau beschrieben und abgedruckt ist (s.u.).

[iii] Lehmann a. o. O. bezeichnet auch die St.Galler Handschriften 767 und 932 als von Kemly herstammend, doch last sich aus Scherer nichts diesbezügliches entnehmen. – Es ist zu beachten, dass Lehmann von einer Herausgabe des Handschriftenkatalogs der Zürcher Zentralbibliothek die Auffindungen weiterer Werke dieses interessanten Mannes erhofft.


11. Hans Hammerer

Hans Hammerer, Konversbruder unter Abt Eglolf. Nach Scherer 1431 erwähnt. (11)


12. Cuoni im Grüt

Cuoni im Grüt. Konversbruder unter Abt Eglolf. Nach Scherer 1431 erwähnt. (12)


13. Ruodi Schüchti

Ruodi Schüchti. Konversbruder unter Abt Eglolf. Nach Scherer 1431 erwähnt. (13)


14. Johannes Ostertag von Leinstetten

Johannes Ostertag von Leinstetten.Er war anfänglich Mitglied des Eremitenordens vom heiligen Paulus und gehörte dem Kloster in Kaiserstuhl an. Laut einem Schreiben des Abtes von St.Gallen an den Obern des «frater Johannes, lapicida vestri ordinis et professionis», wünschte dieser in das Kloster St.Gallen überzutreten, «religionis zelo et reformacionis, quam in nostro monasterio inchoavimus, intuitu». Zudem stände es in St.Gallen um die Gebäulichkeiten, insbesondere um den Chor der Kirche schlimm, weshalb man einen so erfahrenen Meister in seinem Handwerk sehr gut brauchen könnte.[i] Die Sache kam offenbar vor die Synode in Basel, die am 19. Dezember 1438 dem Abte Alexander des Klosters Vezelay (Diözese Autun) die Vollmacht erteilte, Johannes Ostertag den Eintritt in das Kloster St.Gallen zu gestatten.[ii] Am 4. Februar 1439 erteilte Abt Alexander in Basel, auf Grund der erwähnten Bulle, die ihm durch Johannes Hulling, Kanonikus an der Kirche St.Johannes in Konstanz, überreicht worden war, die nötige Erlaubnis, den Übertritt zu vollziehen. Ostertag wird auch in der Folge als Bauleiter beim Neubau des Chores von den Chronisten erwähnt. Er starb am 5. März 1452 und wurde bei St.Otmar begraben. (14)

 

[i] Das Schreiben siehe St.Galler Urkundenbuch p. 894 zu Nr. 4114.

[ii] St.Galler Urkundenbuch Nr. 4114.


15. Ludwig von Helmsdorf

Ludwig von Helmsdorf von Zukkenriet,mon. pbr., wird 1436 als Schreiber eines Buches erwähnt (s. u.). Er war Münsterprediger[i] von St.Gallen, wie die noch erhaltenen Predigten zeigen.[ii] Über seinen Tod erfahren wir nichts Genaues.

 

Schriften:

 

1. Sermones et Themata. Mscr. 1044, Papier 4°, 994 S., darunter viele leere (Sch., p. 392). Die Predigten sind zum Teil von ihm geschrieben 1436 (p. 313) und wohl auch gehalten, zum Teil aber von andern.

 

2. Dialogus inter dominum et peccatorem Innocencii quarti (soll heissen tertii), S. 719-730 im Sammelband 918, geschrieben von Fr. Ludwicus (de Helmsdorf). Auf dem Deckel die nekrologischen Notizen über Hieronymus von Brünn, Heinrich Bösch und Friedrich Cölner (s.o.), (Sch., p. 345). (15)


[i] Nach Weidmann p. 53, 1476 (?).

[ii] Scherer (p. 392) scheint mir richtiger 1436 anzugeben.


16. Johannes Stoffer

Dieser «Conventual und Cantor des Gotteshauses» nimmt am 28. Oktober 1439 im Namen des Abtes Eglolf auf der Pfalz eine Lehensverleihung vor.[i] Ebenso sass er im Namen des Abtes zu Gericht.[ii] – Das Nekrologium (1442) verzeichnet auf den 4. November (ohne Jahresangabe) einen Johannes Stoffer. Vermutlich ist der von Scherer aufgeführte Johannes Höffiner, Conventherr und Cantor (1441), identisch mit diesem Johann Stoffer (o. Stöffer).[iii] (16)

 

[i] St.Galler Urkundenbuch V, 4193.

[ii] Der Eintrag ist ohne Datum; St.Galler Urkundenbuch V, Nachtrag 36, p. 1076.

[iii] Siehe unten Johannes Stöffer, Kustos, der am 19. März 1509 starb; dieses Todesdatum gibt Scherer auch hier für Johannes Höffiner an.


17. Georius Vetter

Georius dictus Vetter. Nur bei Scherer, der ihn zum Jahre 1441 vermerkt. (17)