Professen unter Abt Bernhard Müller (1594-1630)

Professen unter Abt Bernhard Müller (1594-1630)


1. David Schaller

P. David Schaller von Überlingen. Geboren 1581 im Mai (?). Ein Verwandter von ihm, Lorenz Schochner, war Präfekt in Oberberg; dieser brachte ihn früh nach St.Gallen an die Klosterschule. Während der Pest von 1594 kehrte er aber wieder nach Hause zurück. Mit 15 Jahren wurde er sodann Novize und legte am 29. September 1597 Profess ab.[i] Abt Bernhard sandte ihn nach Dillingen in die Studien, wo er auch am 7. Dezember 1602 die Subdiakonatsweihe und von da aus an Pfingsten 1603 in Augsburg die Diakonatsweihe empfing. Dann kehrte er heim und wurde zunächst dem P. Jodocus im Vestiarium und P. Bartholomäus, der Cellerar war, als Gehülfe beigegeben. 1603 ging er mit P. Joachim Wirt und P. Balthasar Schlory nach Rheinau, um dort vor allem im Chor mitzuhelfen und zugleich bei P. Balthasar Unterricht im Bücherschreiben zu empfangen. Mit P. Balthasar kam er wieder nach St.Gallen zurück und begann hier mit dem Schreiben der Choralbücher. Bald kam er jedoch als Kustos nach St.Johann, wo er ein grosses Antiphonar schrieb. Erst jetzt wurde er nach Konstanz geschickt – mit dem St.Gallen eben damals einen grossen Streit durchfocht[ii] – um hier die Priesterweihe zu empfangen.[iii] Die Primiz feierte er am 6. Januar 1605 in St.Johann, der auch der Abt von St.Luzi, Simon Maurer (1603-24) beiwohnte, der ihm sehr zugetan war. Geistlicher Vater war P. Erasmus von Altmannshausen. Doch befiel ihn bald in St.Johann die Kolik, die ihn zwang, zuerst nach Wil, dann nach St.Gallen zu gehen. Obwohl sehr geschwächt, versah er doch das Vestiarium und als Kustos die Sakristei. Von seinem Vetter, der Stadtphysikus in Feldkirch war und den man zur Beseitigung der Kolik nach St.Johann berufen hatte, erwarb er wertvolle Kenntnisse in der Heilkunde, die er in der Folge mit grossem Nutzen verwendete. Er befasste sich gerne mit dem Destillieren von heilkräftigen Wassern, wozu er die irdenen Gefässe selbst anfertigte.

 

Als Abt Bernhard 1626 auf Bitten des Fürstabtes von Fulda, Johann Bernhard Schenk von Schweinsberg, sechs Patres zur Durchführung der Reform nach Fulda sandte, war P. David dabei.[iv] In Fulda wurde er Kustos und Gebäudeinspektor. Er schnitt eigenhändig dem Fürstabt die Tonsur und bekleidete ihn mit dem in St.Gallen gebräuchlichen Gewande. Als der Abt in seiner Eigenschaft als Erzkanzler der Kaiserin, die Gemahlin Ferdinands II., Leonora, Herzogin von Mantua, in Regensburg krönte, assistierte dabei P. David, «pretiosissime super amiculum lineum amictus, omni sua vita numquam gloriosior». Er begleitete auch sonst den Fürstabt bei seinen Reisen, da ihn dieser als Arzt gebrauchte. Jeden freien Augenblick aber benützte P. David zur Regelung des Breviers und zum Schreiben von Choralbüchern.

 

Als Gustav Adolf heranrückte, sandte ihn der Abt mit P. Robert Blödt und sechs Fratern und 13 Kandidaten[v] zuerst nach Murbach, dann nach Rorschach. Der Abt kam später selber für zwei Monate dorthin und ging von da in Begleitung von P. David und P. Robert nach Wien. Mit kaiserlichen Briefen versehen, suchte er alsdann Wallenstein auf, der bei Regensburg lag, um von diesem Mannschaft zu erhalten, die ihn mit bewaffneter Hand nach Fulda zurückbegleiten würde. Am Tage der Schlacht von Lützen, die auch Gustav Adolf den Tod brachte, wurde der Fürstabt, wie es heisst, von einem seiner Vasallen erschossen. Die beiden St.Galler Patres brachten seine Leiche nach Regensburg, wo sie begraben wurde. Dann kehrten sie über das Tirol nach St.Gallen zurück.

 

Hier wurde P. David zuerst[vi] Küchenmeister, dann Kustos. Als solcher errichtete er in der St.Otmarskirche für die Karwoche ein neues heiliges Grab, ebenso einen neuen Tabernakel. Abt Pius ernannte ihn am 16. Januar 1634 zum Subprior des Stiftes, welches Amt er bis zum 4. Mai 1636, kurz vor seinem Tode, versah. Der Subprior war meist zugleich auch Novizenmeister. Wahrscheinlich erlitt er kurz vor seinem Rücktritte einen Schlaganfall, der ihn der Sprache fast beraubte. Dazu kamen grosse Kopf- und Magenschmerzen. Ein neuer Schlaganfall führte am 26. August 1636 den Tod herbei. P. David war 56 Jahre alt geworden. Auf seinem Grabsteine, den ein damals in St.Gallen lebender Einsiedler, Bruder Klaus geheissen, der am 2. April 1638 in Rorschach eines heiligmässigen Todes starb, gemeisselt hatte, brachte man die Inschrift an:

 

Scriptor eram custosque sacrae bene providus aedis,

Nun templa in Coelis splendidiora placent.[vii]

 

«Statura fuit procera, rubicunda facie, vultu desiderabili, naso oblongo et acuminato, varis pedibus. Corpus habuit robustum, membra fortia ac nervosa, manus pilosas. Grandior aetate totus incanuit, dentes primores emisit. Vitam sine aliquo corporis languore, exceptis Colicae torminibus traduxit. Verus amator fraternitatis exstitit, pacis et concordiae adeo studiosus, ut nullum unquam re vel verbo contristarit, laboriosus insuper omnino otium omne fugiebat. Precibus ac piis animi commentationibus apprime deditus, libellos aliquos, qui in manibus habentur, sacrarum Lytaniarum variarumque orationum selectarum, pro usu quotidiano, eleganti ac diverso charactere ac colore sibi ipsi, conscripsit. Multus in libris asceticis legendis, Antonium Suequet e Soc. Jesu, De via aeternae vitae et Gabrielem Juchinum Canonicum regularem, De quatuor hominis novissimis familiarissimos habuit. Tametsi ipsi ut jam seni, quam juveni propior, aliquanto morosior, vitam quietam et solitariam plurimum diligebat, in conversatione tamen, et solita animorum recreatione iucundus et valde affabilis, ut tempus occasioque ferebat, esse poterat.»

 

Das Nekrologium nennt ihn: Egregius scriptor et Custos S. Galli.[viii] Ein Bruder von ihm, namens Peter, war Laienbruder in Kremsmünster, ein ausgezeichneter Schnitzler. (213)


Schriften:

 

1. Martyrologium Romanum Gregorii XIII. Geöchriehen von P. David 1607. – Mscr. 1187, Papier 12°, unpaginiert (Sch., p. 422).

 

2. Orationes et litaniae S. Galli. Geschrieben von einem "David monachus" 1607, der jedenfalls identisch ist mit P. David Schaller. – Mscr. 1465, Papier 8°, gehörte nach St.Johann (Sch., p. 484).

 

3. Antiphonarium in usum Chori monasterii S. Galli. Geschrieben 1614 von P. David. 2 Bände in Grossfolio. – Mscr. 1768, Perg. 191 S. XXXIII fol.; Mscr. 1769, fol. 403 und LXVII S. (nicht in Sch.).


[i] Dabei änderten seine Mitprofessen ihren Namen (das erste Mal, dass es in St.Gallen geschah, nur er und P. Theodor von Jeuckeren behielten den Taufnamen bei).

[ii] Siehe Abt Bernhard.

[iii] Nach B. 257 hätte er die Priesterweihe am 4. Juni 1605 empfangen, was kaum richtig ist.

[iv] P. Bernhard Hartmann, Modest Spiess, Bartholomäus Rüedlinger, Justus Senn und Aegidius Jonas.

[v] D.h. Schülern.

[vi] 12. Mai 1633.

[vii] Alias: Nunc tecta in coelis nobiliora colo.

[viii] Mscr. 1425, III, 4-20; Stipplin, Band 195, p. 193.


2. Columban Tschudi

P. Columban (Johann) Tschudi von Glarus. Geboren am 25. November 1580 in Wil, wo sein Vater Melchior Tschudi Kanzler und Rat des Abtes war. Die Mutter hiess Verena Giezentanner. Profess 29. September 1597. Er machte die höhern Studien in Dillingen. Darum empfing er auch die Subdiakonatsweihe am 21. Dezember 1602 in Dillingen, die Diakonats- und Priesterweihe aber am 24. Mai 1603 und 4. Juni 1605 in Augsburg. In Dillingen erwarb er sich auch den Magistergrad der Philosophie und das Lizentiat in der Theologie. 1605 feierte er seine Primiz, und bekleidete in der Folge verschiedene Ämter. So war er 1607 Novizenmeister, 1608 und wieder 1616 Statthalter in Wil; nach Rothenflue versah er 1609-1611 die Pfarrei St.Johann.

 

Als der Bischof von Strassburg, Erzherzog Leopold von Österreich, der zugleich auch Commendatarabt von Murbach und der damit verbundenen Abtei Lüders[i] war, diese Abteien reformieren wollte, erbat er sich von Abt Bernhard 1616 einige Religiosen zu diesem Zwecke. Dieser sandte ihm am 28. Februar 1616 P. Columban, der zuerst Vizedekan, dann Dekan und schliesslich Administrator der altberühmten Stiftung des hl. Kolumban wurde. 1622 finden wir P. Columban wieder in St.Gallen, wo er Statthalter ist.[ii] 1625, 6. Oktober,[iii] geht er wieder nach Murbach. Er sorgte vor allem für die Wiederherstellung der Disziplin und darum auch für eine gute Schule und guten Unterricht der Novizen, die er selbst lehrte. Die Professen sandte er nach Dillingen und St.Gallen in die Studien. Daneben vermehrte er den Kirchenschatz, besonders mit Reliquien; er selber verehrte vorab den hl. Simpertus und den hl. Deicola, den Abt von Lüders, von denen er auch nach St.Gallen Reliquien gab. Oft versah er selber das Amt eines Kapellmeisters. Für die unterstellten Klosterfrauen war er gleichfalls sehr besorgt. Nicht minder lag ihm die ökonomische Wiederherstellung des Stiftes am Herzen. Die Burg Gebweiler baute er wieder auf, die meisten Klostergebäulichkeiten erneuerte er oder vergrösserte sie. Die Silbergruben stellte er unter grossen Kosten wieder her. Von seinen Vorgängern entlehntes Geld zahlte er zurück; entfremdetes Eigentum verschaffte er dem Kloster wieder. Als 1633 die Schweden gegen das Elsass vorrückten, musste er mit seinem Konvent, der vorher durch die Pest schon schwer heimgesucht worden war, fliehen. Er kam zuerst im März 1636 nach Wil, dann im Juni 1642 nach St.Gallen, um hier einen guten Ausgang der Dinge abzuwarten, stets mit der Sorge um seine zwei Klöster beschäftigt. Vor Überanstrengung fiel er in eine schwere Krankheit, der er um 27. Mai 1643, 63 Jahre alt, im 14. Jahre seiner Administratur erlag. Er wurde beim Eingang in die «Capella nigra» begraben. Sein Grab schmückten die Worte der Hl. Schrift: «Scio quod Redemptor meus vivit. Job. 19. und Cum mortale hoc induerit immortalitatem, tunc fiet sermo qui scriptus est: Absorpta est mors in victoria. 1. Cor. 15.»

«Fuit statura parvus, vultu severiori, oculis et capite grandioribus, capillo et barba canis, natura aliquantum ferventiori, quam ad temperantiam domabat.»[iv] Stipplin berichtet auch über die von ihm in Murbach aufgenommenen 10 Religiosen,[v] von denen 9 Patres[vi] und ein Bruder waren.

Ein Bruder unseres P. Columban war Abt Dominik Tschudi von Muri (1644-1653). Ein anderer, Melchior, Lizentiat der Rechte,[vii] wurde später st.gallischer Lehenpräfekt und nach dem Tode des Vaters Kanzler in Wil.·Ein dritter Bruder, Wilhelm, war Präfekt in Oberberg. (214)


Schriften:

 

Theses theologicae ex universis S. Thomae partibus collectae et in celebri Academia Dilingana ad publicam Disputationem ... Junii propositae Praeside P. Michaele Eiselin de Soc. Jes. etc. respondente F. Columbano Tschudi ex S. Gallo Baccalaureo Theologo formato Pro gradu Licentiae in eadem facultate obtinendo. Dilingae apud Joannem Mayer. Anno MDCVII, 8°, 2 Bll., 39 S. – Stiftsbibliothek St.Gallen, GG. M. VI, 6 Adl. 6 (Grolig).

 

P. Columban soll auch in Murbach seine Betrachtungen eigenhändig niedergeschrieben haben. – In Band 195 des Stiftsarchivs St.Gallen (p. 207) findet sich auch ein lateinisches Gedicht zum Geburtstag unseres P. Columban von Georg Braecker.

 

[i] Lure in Burgund.

[ii] Nov.; Tagebuch des Abtes Bernhard.

[iii] Wenn nicht früher schon einmal.

[iv] Stipplin, Band 195, p. 201ff.

[v] Pag. 204.

[vi] Alle vom Adel.

[vii] Er hatte seine Thesen 1601 Abt Bernhard gewidmet. Gedrucktes Blatt in Band 195, p. 209, wo sich auch ein gedrucktes Gedicht zu seiner Promotion findet.


3. Br. Mathias Lüthenegger

Br. Mathias Lüthenegger (Leutenegger) von Bichelsee. Einen Teil seines Noviziates machte er in Wil als Gehilfe des Statthalters durch. Nach der Profess, am 3. März 1597, war er einige Zeit Senior der Brüder. Aber schon 1597 kam er wieder nach Wil, an Stelle von P. Martin, als Unterstatthalter. Als 1606 das Kloster St.Katharina gebaut wurde, sammelte er dafür fast in der ganzen Schweiz und im Elsass Almosen und brachte etwas über 100 fl. zusammen. Er baute auch auf Schabegg eine neue Scheuer. Für die Rechte des Klosters trat er sehr entschieden ein, wie er überhaupt ein sehr tüchtiger Arbeiter war. Daneben las und betete er gerne. Am 11. September 1611 starb er an der Pest und wurde zu Wil im Beinhaus begraben.[i] (215)

 

[i] Stipplin (Z.B.Z.) X. 59. – Mscr. 1425, IV, 2.


4. Bernhard Hartmann

P. Bernhard (Johannes) Hartmann von Tablat. Geboren am 25. Dezember 1581 als Sohn des Urban Hartmann von Waldsee in Schwaben, Lateinlehrer in St.Gallen. Die Mutter war eine Barbara Egger von Tablat. Profess 8. September 1598. Er studierte in Dillingen und empfing das Subdiakonat in Augsburg am 20. Dez. 1603; das Diakonat in Dillingen am 17. April 1604 und ebendaselbst das Priesteramt am 25. März 1606. Seine Primiz feierte er am Weissen Sonntag, 2. April 1606. Er wurde Magister der Philosophie. Als Theologe wandte er sich besonders dem Studium der Hl. Schrift zu, weswegen er später oft Scripturarius, d. h. der Bibelfeste genannt wurde. Er konnte auch gut griechisch und hebräisch.

Im Kloster bekleidete er zunächst das Amt eines Vestiarius; ebenso war er Cellerar. 1608 wurde er daheim Fraterinstruktor. 1609 oder 1610 kam er als Novizenmeister und Prediger nach Rheinau, von wo er 1611 der Pest wegen wieder heimkehrte. Am 5. Juli 1612 betraute ihn Abt Bernhard mit der Statthalterei Rorschach und am 26. Juni 1614 mit jener von Neu-Ravensburg. Wie lange er dort war, ist nicht ersichtlich. Am 1. Dezember 1616 wird er Zuchtmeister in St.Gallen, wo er 1621 Statthalter ist. Als 1626 der Fürstabt Bernhard von Fulda einige St.Galler Konventualen zur Durchführung der Reform erhielt (s. o.), ging auch P. Bernhard, damals Subprior in St.Gallen, nach Fulda, wo er Prior wurde. Von dort brachte er 1629, als er mit P. Justus zurückkehrte, viele Reliquien nach St.Gallen. Er nahm alsdann die Patres Gregor Werlin, Robert Blödt und Mathäus Klump mit sich nach Fulda. Von hier aus wurde er als Dekan nach Hersfeld geschickt, wurde aber durch den schwedischen Krieg zur Rückkehr in die Heimat gezwungen. Hier übernahm er am 5. Februar 1632 die Statthalterei Rorschach,[i] von wo er am 12. Mai 1633 als Dekan nach St.Gallen zurückberufen wurde. Nach dem Tode von P. Jodok Metzler musste er am 9. April 1639 die Statthalterei Wil antreten. Hier hatte er manchen Strauss mit den Bürgern von Wil auszufechten. Am 20. August 1656 feierte er in St.Gallen im Beisein der Äbte von St.Gallen, Einsiedeln, Pfäfers, Disentis, Muri, Rheinau, Fischingen, Beinwil, Weingarten und Ochsenhausen[ii] seine Sekundiz, wobei P. Modest Spiess geistlicher Vater, P. Markus Erler Diakon und P. Jakob Tschernemell Subdiakon waren. «Erat magnum gaudium» bemerkt dazu Abt Gallus in seinem Tagebuch.[iii] Als er am 31. August 1660 zur Rechnungsablage in St.Gallen erschien, veranstaltete der Abt eine eigene Feier zu seinem 80sten Geburtstage.

 

P. Bernhard hatte diese Ehrungen reichlich verdient. Überall, wo er wirkte, war er äusserst tätig und für die Rechte des Klosters sehr besorgt. Er erwarb neue Güter in Homburg, Ebringen, Glattburg, Wengi u. a. O.; daneben verbesserte er viele Grundstücke, insbesondere die Wälder. Er baute das Pfarrhaus in St.Georgen, restaurierte den Hof in Wil, in St.Gallen liess er die Räume für die Theologie, das Krankenhaus, das Dekanat renovieren, den Kapitelsaal[iv] erhöhte er um acht Fuss, im Refektorium brachte er zur bessern Durchlültung neue Fenster an. Ebenso leitete er den Neubau der St.Otmarskirche, wo er eine neue Orgel erstellen liess. In Wil erneuerte er im Garten die uralte Kapelle. Bei all dieser Tätigkeit blieb er ein ausgezeichneter Religiose, der keine seiner geistlichen Obliegenheiten vernachlässigte. Er hielt sich stets an einen genauen Stundenplan. Daneben war er als guter Prediger bekannt.

 

P. Bernhard besass gute dichterische Anlagen und stellte auch eine Sammlung verschiedener Dichter zusammen. Für die Novizen schrieb er ein eigenes Erbauungsbuch. Die Kongregationsäbte ersuchten ihn, Leitsätze für die Gleichförmigkeit des Lebens in den Klöstern aufzustellen, was er auch tat. Nach einem arbeitsreichen Leben starb er am 26. September 1665 in Wil, 85 Jahre alt, und wurde dort in der von ihm wieder erbauten Kapelle beigesetzt. Folgendes Epitaph wurde ihm gewidmet:

 

Lustra decem et septem vixi; tibi prospice Lector!

Una tot enim tandem sustulit hora dies.

 

Ein Bruder von P. Bernhard war P. Berchtold Hartmann in Einsiedeln; ein anderer wurde Weltpriester und wirkte später als Pfarrhelfer in Sankt Fiden, wo er starb. Die Mutter heiratete in zweiter Ehe Beat Joachim Frey, st.gallischer Lehenvogt auf Oberberg. Sie war ob ihrer Wohltätigkeit sehr bekannt und starb im Alter von 82 Jahren als Witwe.[v] (216)

 

Schriften:

 

1. Conciones, von P. Bernhard 1612-1618 gehalten. Von ihm ebenfalls die 1614 geschriebenen Notae de passione Domini. – Mscr. 1154, Papier 4°, unpag. (Sch., p. 417).

 

2. Harmonia Evangeliorum des Cornelius Jansen, Bischof von Gent. Geschrieben 1617 von P. Bernhard. – Mscr. 1173, Papier 12°, 172 Bll. (Sch., p. 420).

 

3. Ascetica, darunter: Dionysii Carthus. Documenta pro Religiosis; Regula S. Columbani; Cantilena Ratperti de S. Gallo latine reddita (von Jodoc Metzler übersetzt). Geschrieben von Friedrich Tschernemel und Fr. Jakob 1637). – (Sch., p. 422).

 

4. Instructio novitiorum et alia. v. P. Bernhard (geschrieben von Friedrich Tschernemel und Fr. Jakob 1637). – Mscr. 1350. (Sch., p. 451). Das gleiche in Mscr. 1351.

 

Durch P. Bernhard kam 1636 auch die Handschrift 369, einen Canon missae enthaltend, die für den Bischof Marquart II. von Berg von Augsburg gemalt worden war, nach St.Gallen. Er kaufte diese von einem schwedischen Soldaten und übergab sie Abt Pius. Die Handschrift weist zahlreiche Malereien von zartester Ausführung und grosser Naturwahrheit auf (Sch., p. 126/27). Cfr. Weidmann, p. 76. 


[i] Band 315, p. 446.

[ii] Die zu einer Äbteversammlung zusammengekommen waren.

[iii] I. p. 303.

[iv] Die sogen. Capella nigra.

[v] Mscr. 1425, III, 51.


5. Magnus Brüllisauer

P. Magnus (Bartholomäus) Brüllisauer von Appenzell. Geboren am 29. Januar 1582, verlor er seine Eltern früh. Der Rat von Appenzell verwandte sich in der Folge für seine Aufnahme in St.Gallen,[i] wohin er 1596 kam. Profess 8. September 1598. Subdiakon am 24. Mai 1603 in Augsburg; Diakon am 17. April 1604 in Dillingen; Priester am 11. Februar 1606 in Konstanz. Primiz an Ostern 1606, am 26. März. Seit 1603 oblag er in Dillingen den philosophischen Studien, denen sich die theologischen anschlossen, die er im Oktober[ii] 1611 mit der Erwerbung des Lizentiats abschloss. Heimgekehrt gab er zunächst Unterricht in Exeges und Moral. Offenbar aber hatte er sich zwischenhinein in St.Gallen betätigt; denn 1606 erscheint er als Paedotriba und Didascalos, als Lehrer und Vorsteher der Klosterschule. Von 1608 bis 1609 und wiederum 1615-1618 war er Pfarrer in St.Johann (Rothenflue). Er gab sich viel Mühe, die reformierten Toggenburger zu bekehren. 1613, 7. Januar, wird er wieder Vorsteher der Schule. Von 1612-1615 ist er Kapitelssekretär; als solcher legt er das erste Kapitelsprotokoll an.[iii] 1614 ernennt ihn der Abt zum·Examinator synodalis. In den Streitigkeiten mit Konstanz spielte er als Sekretär der Konferenzen eine grössere Rolle. 1618, 16. Mai, beauftragt ihn eine Äbteversammlung, alle Kongregationsklöster zu besuchen, um den Gesang zu uniformieren.[iv] Wohl um diese Zeit wurde er auch Novizenmeister. Am 18. Januar 1625 kommt er nach St.Johann. 1628 ist er vorübergehend in Wil. Am 2. Mai 1630 war er Statthalter in Neu St.Johann, erkrankte dann aber[v] an der Kolik, die man kurzweg «morbus johanniticus» nannte. Infolgedessen wurde er gichtbrüchig. Er sah sich gezwungen, diesen Posten aufzugeben; wiederhergestellt, wurde er am 22. August 1630 Unterstatthalter in Wil. Am 30. Oktober 1634 kam er wieder nach St.Johann, am 5. Juni 1635 nach St.Gallen, um die klösterlichen Konstitutionen zu revidieren. Mit P. Gregor Werli ging er sodann am 17. Januar 1636 als Unterstatthalter nach Homburg, von wo er von Juli bis September 1637 heimkehrte, um dann wieder dorthin zu gehen. Am 29. April 1639 wurde er nach Wil beordert. Abt Pius beauftragte ihn 1642, 3. Juni, mit der Überarbeitung der von P. Jodoc Metzler geschaffenen Klosterchronik, die bei seinem Tode in zwei Bänden bis zum Jahre 1442 fortgeführt war. Daneben besorgte er 1645-1646 die Drucklegung der ältesten St.Galler Urkunden im sogen. Codex traditionum S. Galli. P. Magnus war auch als Dichter tätig. Er verherrlichte in Versen die Patrone von St.Gallen. Ebenso soll er einige Lieder komponiert haben. Überdies sammelte er Gesänge; denn es heisst von ihm: «Cantiones insigniores, cum esset optimus musicus et Organista, pro Deum! quot et quantas collegit, exposuit, conscripsit!» Seine Hauptverdienste aber liegen auf dem Gebiete der Geschichtsschreibung. Da war er so eifrig und so unermüdlich tätig «ut digitos acuminatos instar chelyum cancrorum haberet». Daneben war er ein sehr frommer und gewissenhafter Mann. Er starb am 15. September 1646, 66 Jahre alt. Abt Pius schreibt (Diarium): «Magna cum eo doctrina sepulta fuit.» Sein Grab schmückte die schöne Inschrift:

 

Ingenio et Vita Magnus, non nomen inane

Hic habuit Magni, Magnus utroque fuit.

 

«Erat subtilis et prudens in conciliis dandis, unde et saepius a multis Abbatibus aliisque viris praeclaris in rebus magni momenti consulebatur, non solum in Helvetia sed et aliunde, quibus omnibus instar S. Hieronymi, uti rescripta eorum testantur, abunde semper satisfaciebat.»[vi] (217)

 

Schriften:

 

a) Gedruckte:

 

1. Confessionis Augustanae veteris et catholicae novae et haereticae comparatio et separatio in generali de sacramentis ecclesiae doctrina bipartita disputatione exposita. Primam partem defendet R.P.F. Magnus Brüllisower Benedictinus ex S. Galli Monasterio in Academia Dilingana Anno Domini MDCXI Kalend. Julijs pro prima et secunda laurea Theologica. Praeside Joanne Mocquetio S.J. Dilingae Apud Joannem Mayer, 4 Bll., 82 S. – Stiftsbibliothek St.Gallen. GG. M. VI 16 Adl. 6. (Grolig).

 

2. Confessionis Augustanae in generali de sacramentis ecclesiae doctrina comparatae . . . Pars altera, quam propugnabit idem, qui Priorem R.P.F. Magnus Brüllisower . . . Dilingae A.D. MDCXI XXIV. Octobris pro consequenda Licentia Theologica. Praeside Joanne Mocquetio S.J. . . . Dilingae Apud Joannem Mayer. 1 Bll., 40. S., 1 Bll. – Stiftsbibliothek St.Gallen. GG. M. VI 16 Adl. 7.

 

3. Directorium Benedictinum perpetuum sive ordo celebrandi divina officia . . . jussu Bernardi II. Abb. S. Galli. Rorschachii MDCXXI Apud Joa. Schröterum. (8 Bll., 204 S., 1 Bll., 201, 203, 210 S. mit besonderm Titelblatt und index perpetuus 2 Bll. 109 S.) Stiftsbibliothek St.Gallen 2 Exempl. ohne Sig. – Einsiedeln De 285. – Aarau MA 603 (Grolig).

 

4. Traditiones monasterij S. Galli (Kopftitel). Fol. 632 S. ohne Druckvermerk. Stiftsbibliothek St.Gallen P I. – Stiftsarchiv St.Gallen A 61, Band 186 (Handexemplar des Redaktors). – Bonn, Universitätsbibliothek. – Göttingen, Universitätsbibliothek. – Zürich, Staatsarchiv X, 1. (Grolig). – Einsiedeln, Stiftsbibliothek.

 

b) Ungedruckte:

 

1. Chronicon Monasterij Sancti Galli, concinnatum a.R.P.M. Br. Davon existieren eine Reihe von Handschriften, nämlich: Chronikon Monasterii S. Galli usque ad Cralonem Abbatem. 4°, Autograph Brüllisauers, die ersten fünf Bücher seiner Geschichte umfassend. Stiftsarchiv, Band 208.

Chronicon P. Brüllisoueri. Nur bis Heinrich I. Scheint aber unter Aufsicht des Autors verfertigt worden zu sein. Stiftsarchiv, Band 206.

 

Fortsetzung dazu, von P. Magnus eigenhändig geschrieben, aber in anderm Format. Bis zum Landfrieden von Kappel gehend. Stiftsarchiv, Band 207.

 

Chronicon Monasterij Sancti Galli concinnatum a.R.P.M. Br. conscriptum Anno 1672. Descriptum a.R.P. Gregorio Snider, Monacho S. Galli, Tom. I. (bis zum Tode Kralos). Tom. II (bis zum Tode Eglolfs), Stiftsarchiv, Bd. 186 u. 187.

 

Chronicon Monasterii S. Galli Tom. I. (bis Abt Kralo). Kopie nach Brüllisauer. Stiftsarchiv, Band 209. Die Fortsetzung dazu von Abt Burkard II. bis Eglolf. Von der nämlichen Hand wie Band 209. Stiftsarchiv, Band 210. – Eine Kopie der Chronik, von P. Otmar Meyer 1708 angefertigt, findet sich in Handschrift 1238/39 der Stiftsbibliothek.

 

Chronicon P. Metzleri. Kopie und fortgesetzt bis zum Tode von Abt Bernhard durch P. Magnus Br. Hierauf folgt von einem andern, anonymen Autor: Historiae Epitome de Pio Abbate. Stiftsarchiv, Band 182, Kopien.

 

Band 213 des Stiftsarchivs enthält sodann lauter Bruchstücke und Strazzen von Chroniken Metzlers, Brüllisauers, u.a. Brüllisauers eigenhändigen Entwurf des VI. und VII. Buches seiner Chronik (Abt Burkhard bis Heinrich I.). S. 295-303 Chronicon breve Magni Murer über die Reformation in St.Gallen, Band 213 (Haller III. 1317).

 

2. Acta Monasterij S. Joannis in Valle Thurae anno Domini 1626 incendio absumpti et denuo aedificati in agro Sidwaldensi. Eine Sammlung aller auf den Neubau bezüglicher Dokumente. Am Schlusse Metzlers Schriften, wie sie in Band 291 und 292 (s. Metzler) enthalten sind, Bd. 295.

 

3. Descriptio Comitatus Doggenburgici, quoad ejus limites, partes, naturam et jura ecclesiastica et saecularia, quae in eo habet Monasterium S. Galli, Band 176c.

 

4. Beschreibung der Grafschaft Toggenburg mit besonderer Hinsicht auf den politischen und kirchlichen Zustand des Landes, Band 1421 (idem in B. 176).

 

5. Vadianische Excerpte aus den lateinischen Klosterchroniken des Ludwig von Helmsdorf, Meinradi Sangallensis und Othmar Goldast. Kopie der Klosterannalen des Hepidan in Band 216a.

 

6. Ceremoniale Benedictinum Congregationis Helveticae. Geschrieben von P.M.B., Band 382.

 

7. Directorium cantus Congregationis helvet. Benedictinae. Angeordnet auf einer Äbteversammlung in Fischingen 1639, wurde das Werk laut Schenks Chronik (Mscr. 1240, p. 686-688) von P. Magnus Brüllisauer redigiert. 1691 erscheint es (wohl vermehrt) unter dem Titel Directorium seu Cantus et Responsoria etc. in der Stiftsdruckerei St.Gallen, 8°, 311 S., Mscr. 1106, Papier 2°, mit Musiknoten, unpag. (Sch., p. 408). Laut Stipplin (Band 195, p. 233) schrieb P. Magnus auch: Breviarium Benedictinum ex Romano restitum; Officia propria Abbatiae S. Galli et Joannis; Exhortationes Remi Abbatis Bernardi super omnia S. Regulae capita in drei Bänden. Doch scheint sich von diesen Schriften nichts mehr erhalten zu haben. 

 

[i] Original im Stiftsarchiv St.Gallen, Band 195, p. 237f.

[ii] 25. Oktober.

[iii] Band 366.

[iv] Mscr. 1259.

[v] Wie so mancher andere seiner Mitbrüder.

[vi] Stipplin, Band 195, p. 233. Über Magnus Brüllisauer vgl. v. Arx, Geschichte des Kantons St.Gallen, III., p. 271. – Wartmann, St.Galler Urkundenbuch I., p. VIII, Anm. 6. – Allgemeine deutsche Biographie III., 420. – Hist.-biogr. Lexikon der Schweiz II., 371.


6. Roman Bridler

P. Roman (Johann Theoderich) Bridler von Mülheim bei Bischofszell. Geboren 1581 als Sohn des Heinrich Bridler, Ammann des Kollegiatstiftes Bischofszell. Sein Pate, Johann Jakob Blarer, verwandte sich für seine Aufnahme in St.Gallen.[i] Profess 8. September 1599. Er studierte in Dillingen und empfing von dort aus, am 24. Mai 1603 in Augsburg das Subdiakonat, während er das Diakonat am 4. Juni 1605 und das Priestertum am 18. Februar 1606 in Konstanz erhielt. Primiz am 28. März 1606, am Osterdienstag. Zunächst lehrte er einige Zeit die Humaniora an der Klosterschule. Damals verfasste er auch einige Schauspiele, die vor Abt Bernhard und dem Konvent aufgeführt wurden. Erwähnt werden davon: «Elisaeus Propheta a pueris irrisus» und «Saulus in Paulum mutatus». Letzteres wurde am Feste der Conversio S. Pauli 1607, als Fr. Theodor von Jeuckeren eingekleidet wurde, aufgeführt. Noch als Priester hörte er Dialektik und Physik bei P. Robert Blödt. Die von ihm niedergeschriebenen Vorlesungen fanden sich später noch in der Bibliothek zu St.Johann. Dort weilte er nämlich einige Zeit, um diese Pfarrei[ii] sowie jene von Stein und Wildhaus[iii] zu versehen. In St.Johann erkrankte er auch und musste deshalb nach St.Gallen zurück, wo er bald darauf, am 16. März 1616, erst 35 Jahre alt, starb.

 

«Fuit statura iusta, alba facie, vultu hilari et renidenti simili. Nihil eo tractabilius, amabat omnes et amabatur ab omnibus. Omni bile caruit, pacificus et erga omnes officiosus. Ab omni fastu atque arrogantia alienus, in risum proclivior, in iram minime. Sed sciebat scribere et communem et parvam, quam rotundam vocant scripturam, ut inter caetera ex libello Antiphonarum et Hymnorum, quem apud S. Joannem scripsit, videri potest, in cujus fine sequens distichon posuit:

 

Si quaeras Lector librum, quis scripserit istum?

Fratris Romani religiosa manus.»

 

Ein Bruder von ihm, Johann Kaspar, war Kanoniker in Bischofszell, ein anderer trat als Pater Adelbert in Muri ein und wurde später Fürstabt von Disentis (1642-1655). Einen Neffen finden wir als P. Plazidus in St.Gallen (s. u.). (218)

 

[i] Stipplin, Band 195, p. 249.

[ii] 1611-1615; Rothenflue.

[iii] 1615/16; Rothenflue.


7. Gregor Werlin

P. Gregor Werlin von Langenargen. Geboren 1584. Eltern: Achill Werlin und Ottilia Gerer. Er kam mit 16 Jahren nach St.Gallen, wo er am 22. August 1602 Profess ablegte. Seine weitern Studien machte er in Dillingen. In Augsburg empfing er am 20. September 1608 das Diakonat und den darauffolgenden 20. Dezember in Dillingen die Priesterweihe. Seine Primiz feierte er am 11. Januar 1609 in Dillingen.

Daheim wurde er zunächst als Lehrer an der Klosterschule verwendet. 1610/11 ist er Novizenmeister. 1613, 7. Januar, wird er Cellerar. Am 26. Juni 1614 schickt ihn der Abt zugleich mit P. Bernhard Hartmann nach Neu-Ravensburg. Wie lange er hier weilte, ist nicht ersichtlich. Möglicherweise war er darauf Unterstatthalter in Wil; denn wir erfahren nichts Genaueres über die Zeit, da er diesen Posten bekleidete. Am 20. November 1620 finden wir ihn in St.Johann. Von 1621-1622 versieht er die Pfarrei Alt St.Johann, um dann Unterstatthalter in Rorschach zu werden. Mit P. Bernhard u. a. geht er 1629 nach Fulda und Hersfeld, von wo er jedoch nach drei Jahren wieder zurückkehrte. Alsdann kam er am 20. Oktober 1634 nach Homburg, wo er vom 17. Januar 1636 bis 4. Februar 1637 Statthalter war, um alsdann am 1. September 1637 als Unterstatthalter nach Rorschach zu gehen. Von dort kommt er am 26. April 1640 nach St.Gallen zurück. Am 4. Oktober 1640 geht er nach St.Johann, wo er am 28. November Kellerherr wird. Am 4. Oktober 1641 kommt er heim, aber 1646 finden wir ihn als Subprior wieder in Neu St.Johann, von wo er am 15. November 1652 für P. Bonaventura als Statthalter nach Ebringen geht. Von ihm als Statthalter heisst es: «Parcior aliquantulum in rebus, quam forsan oportuisset, distribuendis.» Wann er von dort zurückkehrte, ist ungewiss. Er starb am 25. Juli 1658, 75 Jahre alt, in Rorschach an einem Schlagflusse und wurde dort in der Muttergotteskapelle begraben. Seine Grabschrift lautete:

 

Gregorius jacet hic, quid agas Te Domine monstrat,

Obdormiscendum est, Te vigilare jubet.

 

Ein Bruder, Achilles, war längere Zeit Schreiber-Substitut in der äbtischen Kanzlei in St.Gallen, wo er 1629 an der Pest starb.[i] (219)

 

[i] Stipplin, Band 195, p. 269.


8. Maurus Hafner

P. Maurus Hafner von Stülingen. Geboren 1586. Eltern: Johann Hafner, dictus Schmidlin und Maria Barbara Bauknecht. Mit 17 Jahren legte er am 24. August 1603 Profess ab. Er kam zunächst nach Dillingen, um dort die Humaniora, dann Philosophie und Theologie zu studieren. In der Philosophie erwarb er sich den Doktorhut, aber auch in der Theologie besass er ausgezeichnete Kenntnisse. In Dillingen wurde er am 20. Dezember 1608 Subdiakon und ebendaselbst am 19. Dezember 1609 Diakon. Priester 22. Dezember 1613; Primiz am 26. Dezember. Zuerst wirkte er als Novizenmeister und Lehrer an der Klosterschule daheim, dann versah er die Pfarrei Wildhaus,[i] wurde 1619 Prior und Statthalter in St.Johann, welchen Posten er noch mehrmals bekleidete. Zwischenhinein war er schon unter Abt Bernhard Subprior in St.Gallen. Ungefähr 1623, als er Statthalter in St.Johann war; erkrankte er an der Kolik und musste nach St.Gallen zurück. Er übernahm dann die Stelle eines Unterstatthalters in Wil und wirkte zugleich als Beichtiger im Frauenkloster St.Katharina. Nach ungefähr fünf Jahren zwangen ihn ein Fussleiden und Hämorrhoiden, nach St.Gallen zurückzukehren, wo er wieder Subprior wurde. Nach einem Jahre wurde er Küchenmeister. Da er fortwährend kränkelte, musste er fast zwei Jahre das Bett hüten. Am 29. Januar 1632 wurde er, erst 46jährig, von seinem Leiden erlöst. Sein Grab schmückte die Inschrift:

 

Flumina benedicite Domino. Dan. 3.

Maure velut Placidum rapis ex laethalibus undis

Maurum hunc lethacis sic rape fluminibus.[ii]

 

«Staturam habuit mediocrem, faciem haud decoram, nomini suo scil. consimilem, frontem latam, reductos oculorum orbes, vultum severum ac gravem, vocem acutam. Vir fuit multae litteraturae ac lectionis. Tres eruditas linguas, Latinam, Graecam et Hebraeam, quas Christus suo in cruce sanguine consecravit, utcumque calluit. Ex natura morosus ac tetricus, alios tamen honestis facetiis exhilarare pro tempore ac loco potuit.»[iii] (220)

 

[i] 1618-1619; Rothenflue.

[ii] Mscr. 1447.

[iii] Mscr. 1425, III, 23. – Stipplin, Band 195, p. 269.


9. Notker Bussy

P. Notker (Melchior) Bussy von Glarus. Geboren am 11. März 1587 als Sohn des Fridolin Bussy, Hauptmann in Wil, Statthalter und des Rats in Glarus.[i] Seine Mutter hiess Anna Hässy; die Urgrossmutter war eine Schwester des berühmten Gilg Tschudi. Profess 24. August 1603. Wie seine Mitprofessen studierte auch er in Dillingen. Zugleich mit P. Maurus empfing er die hl. Weihen und feierte am 27. Dezember 1613 seine Primiz. Daheim wurde er Lehrer an der Klosterschule, bald darauf Vestiarius und Küchenmeister. Von 1620 bis 1624 ist er Statthalter in Rorschach. Am 29. April 1624 bestimmt ihn der Abt, auf Bitten des Nuntius, nach Disentis, da P. Robert Blödt (s. u.) von dort heimverlangt wurde. Im Juni 1624 übertrug ihm der Nuntius die Vollmachten eines apostolischen Administrators; doch verliess P. Notker am 24. Dezember des nämlichen Jahres noch Disentis, da die Widerstände zu gross waren. Heimgekehrt, kam er vermutlich zuerst nach St.Johann, wo er aber an der Kolik erkrankte, weshalb er mit dem ebenfalls kranken Abt Bernhard, als dessen Kaplan, eisenhaltige Bäder im Württembergischen aufsuchte. Alsdann versah er wieder das Amt eines Cellerars in St.Gallen, wo er bald darauf Statthalter wurde. Als solcher blieb er während der Pest 1629 im Kloster. Abt Pius ernannte ihn am 22. August 1630 zum Statthalter zu St.Johann, von wo er am 4. Juni 1633 als Kustos nach St.Gallen zurückkehrte. Am 7. November 1633 wird er Vestiarius, am 16. Januar 1634 Küchenmeister. Ende 1634 musste er von Schwyz die dorthin geflüchteten Kirchenzierden und Archivalien zurückholen. Am 12. September 1636 wurde er wieder Statthalter in St.Gallen, blieb aber noch Küchenmeister. Als Unterstatthalter in Wil fand er am 30. März 1639 einen ruhigeren Posten. Seit längerm an einem Steinleiden und Atembeschwerden leidend, starb er daselbst am 22. August 1654, 68 Jahre alt. Er wurde in St.Peter begraben. Von Wil aus muss er wohl die Pfarreien Welfensberg und Rickenbach, beide aber nur vorübergehend, besorgt haben. Als Rickenbach niederbrannte, tat er sehr viel für das unglückliche Dorf, besonders für die dortige Kirche. P. Notker galt als ein vorzüglicher Kenner des Obst- und Weinbaues. Als Statthalter in Rorschach nahm er sich besonders der dortigen Obstkulturen an. Dabei war er sehr treu und eifrig in seinen geistigen Obliegenheiten. Er schrieb sehr schöne Betrachtungen nieder, die aber nicht mehr vorhanden sind. Doch war er sehr zum Scherzen aufgelegt, wie einige bei Stipplin erzählte Anekdoten zeigen. Darauf spielt auch das Epitaph an, das ihm gesetzt wurde:

 

Ite soci! fugitote sales! procul este lepores!

Cum miro hic Bussi sale facetus adest.

 

«Staturae procerae, facie liberali et gravi, corpulentior et pinguedini propinquior, caetera comis, facetus cum gravitate tamen et discretione.»[ii] (221)

 

[i] Den Stammbaum der Familie siehe bei Stipplin, Band 195, p. 284.

[ii] Stipplin, Band 195, p. 279. Die Angabe Rothenflue's, er sei 16?? – 1667 Pfarrer in Hemberg gewesen, ist natürlich unhaltbar.


10. Br. Bernhard Egger

Br. Bernhard Egger von Remishuoben in Tablat kam mit 20 Jahren ins Kloster. Profess 20. August 1604. Zuerst betätigte er sich in der Küche, wurde aber bald Altvater und Senior der Brüder. Er erwarb ein Hans «Zum Feld». Im Tübacher Weinberg pflanzte er viele Weinstöcke neu, kaufte dort auch ein Haus für den Weinbauern. In Wald reparierte er Haus und Stall. Später kam er nach St.Johann, musste aber schon nach einem halben Jahre, der Kolik wegen, zurückkehren. Von da an kränkelte er, half aber doch im Refektorium und Vestiarium aus. Dann zog er sich ganz ins Brüderhaus zurück, wo er als Koch, Gärtner und Hostienbäcker sich betätigte.

 

Einige Jahre weckte er die Patres zur Mette und gab auch das Glockenzeichen dazu. 1629 wurde er von der Pest ergriffen und starb am 26. September. Der Diener, der ihn pflegte, schleppte den Toten auf den St.Otmarsfriedhof und begrub ihn dort in einer Ecke an der Stadtmauer.

 

«Fuit statura procera et crassa, barba prolixa, densa et canis aspersa, vultu subpallido et placido, instar Pauli Eremitae cognomento simplicis simplex, dono tamen prudentiae minime carebat, lingua balbutiebat aliquantulum, vir orationi et lectioni sacrae mire deditus, erga pauperes misericors, adversa moderanter tulit. Textrinae ac Toreutices peritus fuit.» – Eine seiner Schwestern, Anastasia, war in Notkersegg eingetreten.[i] (222)

 

[i] Stipplin (Z.B.Z. X. 59) und 1425, IV.


11. Anselm Karpfis

P. Anselm Karpfis von Rapperswil. Sohn des Konrad K. und der Ursula Büeler. Mit 13 J ahren kam er nach St.Gallen, wo er am 29. September 1604 Profess ablegte. Subdiakon 19. September 1609; Diakon 22. Dezember 1612; Priester 20. September 1614. Er verlegte sich besonders auf das Studium der Moral, war aber auch ein sehr guter Musiker und deshalb lange Jahre Kapellmeister. Als solcher schaffte er viele Musikalien an. Ebenso war er ein vorzüglicher (mirus) Schreiber; von ihm stammte das sogen. Mettenbuch. Er unterrichtete auch andere in dieser Kunst. Daneben verstand er sich auch auf die Buchbinderei.[i] Am 18. Juli 1624 kam er nach St.Johann. 1629 begleitete er Abt Bernhard, als dieser wegen der Pest auf Bitten der Patres nach Rorschach ging, als Kaplan dorthin. Am 26. April 1630 wird er Caeremoniar. Abt Pius ernannte ihn am 22. August 1630 zum Statthalter von St.Gallen, welches Amt er bis zum 12. September 1636 versah. Er wurde alsdann Kustos. Bei einem Aufenthalt in St.Johann zog er sich die Kolik zu, musste deshalb am 3. März 1637 nach Wil, kam am 18. Juni wieder nach St.Gallen, wo ihm Ende Februar 1640 die Kustorei abgenommen wurde. Am 25. Juli suchte er das Bad in Pfäfers auf. Nach längerer Krankheit starb er, vom Schlage getroffen, am 18. Mai 1644. «Omnes morimur et quasi dilabimur in terram. 2. Reg. 14», setzte man ihm auf sein Grab.

 

Ein Verwandter unseres P. Anselm war Balthasar Rauch, Pfarrer in Marbach und Gossau, der dem Kloster gegenüber sehr wohltätig sich erwies. Auch der langjährige treue Krankenpfleger im Kloster, Ulrich Kündig, war ein Verwandter. Dieser ausgezeichnete Mann, der 17 Jahre sein Amt als Krankenpfleger versah, zeichnete sich besonders zur Zeit der Pest 1629 aus. Seine zwei Kinder, ein Sohn und eine Tochter, starben an der Pest; trotzdem verliess er seinen Dienst nicht. In seinen alten Tagen sorgte Abt Pius für ihn, obwohl er ein hablicher Mann war. Er starb 1640. (223)

 

[i] Bibliopega insignis.


12. Bonifaz Rüedlinger

P. Bonifaz Rüedlinger von Sidwald im Toggenburg, wo sein Vater, Heinrich, ein treugesinnter katholischer Mann, Schreiber war. Die Mutter hiess Katharina Geiger. Profess 29. September 1604. Auch er machte seine Studien in Dillingen, wo er den berühmten Jeremias Drexelius S.J. zum Lehrer in der Rhetorik hatte. Drei Jahre widmete er sich dem Studium der Philosophie und Mathematik, dann der Theologie. In Dillingen wurde er am 20. Dezember 1608 Subdiakon. Die Diakonatsweihe empfing er in Konstanz am 19. September 1609. Ebendort wurde er am 22. Dezember 1613 Priester. Primiz am 28. Dezember 1613. Zuerst war er in St.Gallen seelsorglich tätig, dann finden wir ihn 1615 als Pfarrer in Stein (Rothenflue) und von 1616-1618 als Prior und Statthalter in St.Johann. Alsdann wurde er vom 2. Oktober 1618-1621 Statthalter in St.Gallen[i] und hierauf Münsterprediger, bis ihn Abt Bernhard 1624 zum Bibliothekar und Aedilis[ii] ernannte. Er war ein ausgezeichneter Prediger; die ältern Patres verglichen ihn gerne mit Abt Joachim, dem er in Vortrag und Aktionen glich. Als Aedilis leitete er im Verein mit P. Bernhard Hartmann die Renovation des Gallusmünsters und den Neubau der St.Otmarskirche und der Sakristei. Zu diesem Zwecke sandte ihn der Abt am 3. März 1623 nach Konstanz, um dort die Sakristeien im Münster und in der Jesuitenkirche zu besichtigen. Er übertrug den Bau einer Orgel im Gallusmünster dem Markus Genser in Augsburg, ebenso die Anfertigung von silbernen Statuen der Heiligen Maria, Benedikt, Gallus, Otmar und Notker dem Goldschmied Johann Jakob Bayer in Augsburg, die er am 13. Dezember 1623 dort abholte. Auch die Pläne für ein neu zu errichtendes Klostergebäude schuf er, ebenso das Modell für den Neubau in St.Johann. Auch für Fulda schuf er ein Modell, das aber wegen dem Tode des Fürstabtes Bernhard nicht zur Ausführung kam. Zugleich war er ein ausgezeichneter Musiker, weswegen er auch mehrmals das Amt eines Kapellmeisters bekleidete. Auch erteilte er Unterricht in der Musik. Als hervorragender Schreibkünstler verfertigte er mehrere Choralbücher. Er schrieb auch in grossen Lettern die Namen der Heiligen über die Zellentüren. Ebenso verstand er sich auf die Nadelmalerei; eine Altardecke, die er einst, als er an der Kolik erkrankt war, anfertigte, erinnerte in der Krankenkapelle noch lange an ihn. «Ipse ut homo mirificus ampullae ori satis angusto girgillum imposuit, qui ad oris aut venti flatum convertebatur. Semel cultello deficiente, calamum scriptorium terebra temperavit.» Er verfasste ein Buch über das Beichthören, darin er die «genera ac species singularium peccatorum diversis coloribus artificio mirabili distinxit. Natura mire facetus quidlibet in iocum vertere potuit, interdum tamen et melancholia obruebatur.»

 

Im Jahre 1626 gehörte er zu den nach Fulda gesandten Patres, wohin er am 8. November kam. Dort wurde er Prediger in der Erlöserkirche. An einem Sonntage im Juli 1627 wurde er von einem Schlage getroffen; er erholte sich zwar etwas, so dass er die hl. Messe wieder lesen konnte, starb aber doch im nämlichen Jahre, am 24. November, erst 40 Jahre alt. Er fand sein Grab in der Nähe der St.Bonifaziusgruft, bei seinem hl. Namenspatron.

 

«Corpus habuit sublongum, robustum et bene compactum, vocem fortem ac claram, caput areis quidem deforme, sed tonsura monachali decorum, oculos claros ac mobiles, nasum gracilem et aquilinum, manus nervosas et instar corum duras, quas esti frigus acerbum esset, chyrothecis nunquam muniebat. Ingenium illi vividum excellens, acre, versatile et ad omnes casus compositum. Vir fuit integris moribus vitaque inculpata.»

 

P. Bonifaz verfasste gerne komische Gedichte; so schrieb er über eine von ihm als Statthalter von St.Gallen ausgeführte unterirdische Wasserleitung zum Fischteich in Gossau und wiederum über eine aufgeführte Wuhr bei der Mühle in Spisegg, «cantiuncula germanica lepidissima». Auch die 1621 an Johann Ledergerber (s. o.) vollbrachte Mordtat besang er in einem grössern deutschen Gedichte, das 14 Strophen umfasste und heute noch erhalten ist.[iii] Zwei Schwestern und eine Nichte von ihm waren bei den Franziskanerinnen, eine Schwester bei den Dominikanerinnen eingetreten. (224)

 

[i] Am 4. August 1621 musste er zur Kur nach Baden.

[ii] Aufseher über die Gebäulichkeiten.

[iii] Stiftsarchiv, Band 1209. Vgl. Weidmann, p. 80. – Stipplin, Band 195, 301ff. und Mscr. 1425, III, 26.


13. Robert Blödt

P. Robert (Christoph) Blödt von Rözach in der Herrschaft Kisslegg oder Schellenberg im Allgäu. Geboren am 11. Februar 1587. Sein Vater hiess eigentlich Balthasar Siler von Ebersberg, hatte aber den Zunamen Blödt erhalten, weil er kein Blut sehen konnte. Die Mutter war Ursula Lutz. Profess 24. August 1605. Er studierte in Dillingen und empfing das Subdiakonat daselbst am 17. Dezember 1611, das Diakonat in Augsburg am 16. Juni 1612. Priester wurde er in Konstanz am 20. September 1614, worauf er seine Primiz am 28. September feierte. 1608 kehrte er für einige Zeit von Dillingen zurück und erteilte daheim Unterricht in der Philosophie, setzte dann aber seine Studien in Dillingen mit ausgezeichnetem Erfolg fort. Daheim fand er jedenfalls die erste Anstellung an der Schule. 1614 wird er Synodalexaminator, am 2. September 1615 Kongregationssekretär. Von 1618(?) bis 1621 versah er das Amt eines Offizialen. Zugleich war er Lehrer der Philosophie. Am 31. Januar 1618 absolvierte er einen «Cursus philosophicus». Am 17. November 1621 schickt ihn der Abt mit den Patres Bernhard und Gregor nach Ebringen, zur Besitzergreifung dieser Herrschaft, deren erster Statthalter er alsdann wurde. Bis spätestens 1624 weilte er daselbst. Auf Ersuchen des Nuntius kam er am 2. Januar 1624 nach Disentis, um dort eine Reform zu versuchen. Aber schon Ende April 1624 musste er krank heimkehren. Alsdann finden wir ihn bis 1629 als Statthalter in Rorschach, von wo er für den in Fulda verstorbenen P. Bonifaz Rüedlinger mit P. Bernhard Hartmann u. a. dorthin geht. Er wurde Berater und Beichtvater des Fürstabtes Bernhard Schenk von Schweinsberg, den er überallhin begleitete und dessen Leiche er nach dem unglücklichen Ende des Fürsten in Regensburg beisetzte. Dann kehrte er heim. Am 17. März 1632 sandte ihn Abt Pius nach Wien, die Regalien zu erwirken. Am 30. März 1633 wird er Küchenmeister, aber schon am 12. Mai Statthalter in Rorschach. Am 25. Januar 1635 kommt er wieder als Statthalter nach Ebringen; doch zwingt ihn die trostlose Lage daselbst, am 19. Februar wieder heimzukehren. Wegen Fulda schickt ihn der Abt am 6. Mai 1635 nach Wien zum Kaiser, von wo er am 18. August zurückkehrte. Schon am 25. August musste er zum König von Ungarn und dann nach Fulda. Er kam aber Mitte Oktober unverrichteter Dinge zurück und trat am 21. Dezember seinen Posten in Ebringen wieder an. Am 3. Juli 1638 kehrte er von Ebringen heim und wurde hier am 30. März 1639 Statthalter. Er war auch Beichtiger in St.Georgen und Notkersegg. Aber schon am 25. April 1640 starb er infolge eines Kopfleidens, erst 53 Jahre alt. Auf seinem Grabe las man die Worte:

 

Memor esto judicii mei. Eccl. 38.

Robore perstiteris licet usque, tamen separavit viribus haud

Te mors. Es victus, corpore non animo.[i]

 

«Erat statura procerus, facie liberali, serio festinus et ioco. Concionator comprimis acerrimus et gratissimus populo ob vocem virilem, claram et intelligibilem.»[ii]

 

Abt Pius schreibt zu seinem Tode: «Ipse primus fuit, qui nostra aetate Philosophiam in hoc S. Galli monasterio docere coepit, me quoque inter discipulos ejus anumerato.» (225)

 

[i] Mscr. 1447.

[ii] Stipplin, Band 195, p. 327. – Mscr. 1429f, 115b.


14. Kilian Brecheler

P. Kilian (Matthäus) Brecheler von Radolfzell. Geboren am 19. September 1586. Eltern: Andreas Brecheler und Anna Schmid von Überlingen. Als er 1603 auf Verwenden des Dekans P. Ulrich Hengartner nach St.Gallen kam, gaben ihm sowohl der Rat und Bürgermeister der Stadt Radolfzell, als auch der Ludimagister Johann Kine[i] ein Empfehlungsschreiben mit. Profess am 24. August 1605. Dann kam er nach Dillingen in die Studien. Subdiakon?; Diakon 19. Dezember 1609. Am 17. August 1610 wird er Magister der Philosophie, setzt dann die theologischen Studien fort, die er 1613 unter P. Johannes Mocquetio S.J. vollendete. Er war auch Präfekt der Sodalität in Dillingen, wo er am 17. Dezember 1611 die heilige Priesterweihe empfing. Die Primiz feierte er am 7. Januar 1612, ebenfalls in Dillingen, im Beisein von Mitbrüdern aus Einsiedeln.

 

Zu Hause wurde er zuerst Lehrer und Vorsteher der Klosterschule. 1614 ernannte ihn Abt Bernhard zum Synodalexaminator. Von 1618-1619 finden wir ihn als Pfarrer in St.Johann (Rothenflue). Alsdann bekleidete er das Amt eines Münsterpredigers, d.h. Pfarrers in St.Gallen; zugleich ist er Katechet. Schon 1629 erscheint er als Dekan; Abt Pius bestätigte ihn am 15. April 1630 in diesem Amte. Zugleich war er Novizenmeister. Am 15. Januar 1630 war ihm, wenn auch nur für kurze Zeit, das Amt eines Offiziales übertragen worden. Lange Zeit war er auch als Klosterfrauenbeichtvater tätig. Bis zum 13. Mai 1633 war er Dekan. Am 22. Juni 1633 kam er nach St.Johann, wo er vom 15. März 1634 bis zum 4. Oktober 1640 als Subprior amtete. Alsdann wurde er Katechet in St.Gallen und am 7. Januar 1642 Subprior. Am 12. Juli 1647 kam er wieder als Subprior nach St.Johann, von wo er aber am 6. Juni 1649 nach St.Gallen zurückkehrte; hier wurde er am 18. Januar 1650 Zuchtmeister. Am 3. Dezember 1652 wurde er auf ein neues als Senior nach St.Johann geschickt, um schon am 24. Dezember dort zu sterben. Abt Gallus berichtet darüber in seinem Tagebuch:[ii]

 

«Den 21. ist H. Kilian zu Neßlau auf der Cantzel ein frost ankommen, also daß er gleich von anfang der Predig wider ab der Cantzlen hatt müssen. Auf den frost ist ihme ein Catharr suffocativum vnd darauf ein schlag auf der rechten siten erfolgt, also daß er den 24. vmb 3 uhr nach mittag sich hat müssen sterben.» Er erreichte ein Alter von 66 Jahren. Man setzte ihm folgendes Epitaph:

 

Quam felix ille est, bene qui defungitur inquis,

Sic est, vive bene et non moriere male,

Nam cunctis mors certa est, incerta sed omnibus hora,

Hic sibi qui moritur, non rnorietur ille.

 

«Fuit Kilianus statura mediocri, facie vivida et pietatem spirante, barba nigra, crassiori et subcana, eloquio dulci, sed parco, nec nisi de rebus utilibus. Sibi rigidus aliisque mitissimus, supra modum patiens in rebus contrariis perferendis sive injuriis. In Choro strenuus, fervens in oratione, domi forique omnibus exemplo praeluxit. Pauperum, infirmorum et afflictorum mirificus consolator. Summus vero zelator castitatis.» [iii] Stipplin widmet ihm das schöne Distichon:

 

Si contemplari sepulchra modestia vellet,

Indueret vultui haec Kiliane tuos. (195, 333)

 

P. Kilian soll einige Andachtsbüchlein verfasst haben, von denen sich aber nichts mehr vorfindet. (226)

 

[i] Bei Stipplin, Band 195, p. 329.

[ii] I. p. 56/57.

[iii] Mscr. 1429, fol. 118b-121b.


15. Deicola Enderlin

P. Deicola Enderlin von Norsingen im Breisgau. Geboren ca. 1590. Sohn des Sebastian Enderlin[i] und der Maria Locher. Profess 25. Januar 1607. Seine Studien machte er in Dillingen. Subdiakon 16. Juni 1612 in Augsburg, ebendort Diakon 2. März 1613; Priester in Dillingen am 23. März 1613. Heimgekehrt unterrichtete er mehrere Fratres in der Moral. 1614 wird er Synodalexaminator. Auch versah er das Vestiarium. 1618, am 21. Mai, wird er mit P. Constantius Pfiffer nach Ingolstadt geschickt, um die Rechte zu studieren. Er erwarb dort 1620 das Lizentiat der Rechte. Seit 1620 war er Subprior des Stiftes, bis ihn Abt Bernhard am 5. August 1625 zum Prior und Statthalter in St.Johann ernannte, wohin er schon am 27. Januar 1624 gekommen war. Unter seiner Verwaltung brannte am 8. Februar 1626 das Kloster infolge der Unachtsamkeit eines Bedienten beim Einheizen der Öfen vollständig ab. Das Kloster wurde nicht mehr am gleichen Orte, sondern vorab aus Gesundheitsrücksichten bei Nesslau aufgebaut. Der Ort erhielt in der Folge den Namen Neu St.Johann, während in Alt St.Johann nur Pfarrkirche und Pfarrhaus neu aufgeführt wurden. Der Pfarrer von Alt St.Johann behielt aber den Titel eines Propsten. Im Dezember 1629 heimberufen, wird P. Deicola am 26. April 1630 wieder Offizial. Auch er erkrankte in St.Johann an dem Morbus Johanniticus und litt in der Folge sehr an Podagra. Am 4. März 1631 erhielt er den Auftrag, am Archiv mitzuarbeiten; daneben war er Visitator der Frauenklöster und half bei der Visitation der Pfarreien.

 

Er war ein sehr eifriger Beichtvater. Im Toggenburg hatte er sehr viele Reformierte bekehrt. Auch erwarb er dort von Akatholiken viele Güter, um so dem katholischen Glauben den Boden zurückzugewinnen. Als Offizial sorgte er sehr für die Pfarreien und ihre Einkünfte, hielt auf genaue Ordnung in den Pfarrurbarien und ordnete auch die J ahrzeitbücher. Er war einer der hervorragendsten Mitarbeiter an den «Centum quaestiones pro Confessariis territorii Sangallensis». Nach längerer Ruhezeit starb er an einem Katarrh am 10. August 1644, 54 Jahre alt. Abt Pius bemerkt: «Primus fuit qui post restituta in S. Gallo aliquantum studia coepit docere casus conscientiae.»

 

«Statura fuit inter summam et infimam, barba nigra sed rara, facie fere semper pallida, subpinguiori, voce clara, sed aliquantulum blaesa.»[ii] (227)

 

Schriften:

 

a) Gedruckte:

 

Disputatio juridica de jure personarum, quam in florentissima Universitate Ingolstadiana Praeside Casparo Denichio . . . pro sacrorum Canonum Licentia defendendam publice suscepit . . . P. Deicola Enderlin. In Auditorio Juristarum. Anno MDCXX die 2. Maij. Ingolstadii Typis Gregorii Haenlin. 2 Bll. 82 S. (Stiftsbibliothek St.Gallen GG. M. VI. 13 Adl. 12).

 

b) Ungedruckte:

 

Quaestiones de justitia et jure, dictatae a Jo. Mocquetio S. J. Ingolstadii a. 1618, exceptae a F. Deicola Enderlin. (Nebst einer gedruckten Disputation von Dillingen 1616.) Mscr. 1617, Papier 4°, 757 Bll. Gehörte nach St.Johann (Sch., p. 498). 

 

[i] Alias Sigerist.

[ii] Stipplin, Band 195, p. 345.


16. Marian Butzelin

P. Marian Butzelin von Konstanz. Geboren 10. August 1590. Vater: Andreas Butzelin; Mutter: Margaretha Azenholzer. Profess 8. September 1607. Auch er machte seine Studien in Dillingen. Er besass ein sehr gutes Talent für Latein und Griechisch, so dass man glaubte, den lebenden Cicero zu hören. In Dillingen holte er sich den Magistergrad der Philosophie; er verteidigte die These von der Aufnahme Marias in den Himmel. Subdiakon 22. Dezember 1612; Diakon 20. September 1614; Priester 22. September 1618. Primiz 14. Oktober 1618. – 1618 wurde er Statthalter in St.Johann und versah von 1622-1623 die Pfarrei Alt St.Johann.[i]

 

Als er etwas über Dreissig war, verlor er seine Stimme fast ganz und wurde deshalb nach St.Johann geschickt, wo er für sich fromm und ergeben lebte. Er forschte besonders nach den alten Urkunden des Stiftes, wobei er manches fand. Auch sonst las und schrieb er viel und leistete auch seinem berühmten Vetter in Weingarten, P. Gariel Butzelin, treue Dienste. Er übersetzte manches aus dem Lateinischen ins Deutsche. Ein Schlagfluss machte seinem Leben am 10. November 1648 ein Ende. Er wurde im Kreuzgang zu Neu St.Johann begraben, wo man ihm folgende Grabschrift setzte:

 

Induta est caro mea putredine. Job. 7

Ceu Divam vivus Mariam Mariane colebas,

Sic Maria extinctum te Mariane colit.[ii]

 

«Incredibile dictu pene est, quantas adversitates per omnem quasi vitam vir iste a mundo, diabolo, falsis maxime et discolis fratribus sustinuerit, quas tam forti et aequissimo animo invictus tulit, verum instar Job patientiae speculum.»[iii] (228)

 

Schriften:

 

Er kopierte 1613 P. Jodocus Metzlers Chronicon S. Galli, Montis Angelorum, Vallis Thurae mit dem Ordo Abbatum monasterii S. Magni in Füessen. – Mscr. 1408, 2°, 722 S. und 15 Bll. Gehörte nach St.Johann (Sch., p. 476). Ebenso bewahrt das Stiftsarchiv St.Gallen Kopien von Metzlers Chronik, die P. Marian ins Deutsche übersetzte, auf in den Bänden 183, 184, 185. 

 

[i] Rothenflue, der ihn Bürli nennt.

[ii] Mscr. 1447.

[iii] Stipplin, Band 195, p. 351.


17. Theodor von Jeukeren

P. Theodor von Jeukeren von Wesel, Diözese Köln. Geboren 1581. Eltern: Gerard von Jeukeren und Maria Christina Hündt. Er war der letzte männliche Spross einer adeligen Familie. Damit der Name nicht aussterbe, erlaubte der Kaiser, dass der Mann seiner Schwester ihn weiterführe. Er studierte in Rom am Germanikum, erlangte dort das Lizentiat beider Rechte und empfing auch dort die hl.·Weihen. Seine Primiz feierte er am 21. März 1606 in Köln. In Rom war P. Jodocus Metzler am Germanikum sein Mitschüler. Dessen Beispiel weckte in ihm den Gedanken an den Ordenseintritt. So kam er in der Oktav des St.Gallusfestes 1606 nach St.Gallen, zahlreiche Reliquien, besonders aus Köln mit sich bringend. Er lebte zunächst drei Monate mit den Kandidaten, resp. Schülern. Als man ihm die Tonsur schnitt und den schönen blonden Bart abschnitt, schickte er ihn seiner Schwester Gertrud, als Zeichen seiner Weltverachtung. Profess 25. Januar 1608. Er wurde zunächst als Beichtvater verwandt, dann, da er ein besonderes Geschick für Medizin besass, mit der Sorge für den Kräutergarten betraut, den Abt Bernhard in St.Gallen und Rorschach hatte anlegen lassen. Auch mit der Destillation gebrannter Wasser befasste er sich. Da er ein besonderer Verehrer der hl. Reliquien war, wurde er 1609 zu Kardinal Friedrich Borromäus geschickt, von dem er viele Reliquien erhielt, die er in silbernen Tafeln fassen liess. Mit Erlaubnis des Abtes verwandte er sein grosses Erbe zur Anschaffung von lateinischen, italienischen und belgischen Büchern; auch einen Kelch, Kännchen und Missale erwarb er. Er war nicht nur des Lateinischen und Griechischen mächtig, sondern sprach auch flämisch und italienisch. Als 1608 der spanische Gesandte Alphons Graf von Casatis – dem Abt Bernhard bei diesem Anlass ein Löwen- und zwei Tigerfelle verehrte – nach St.Gallen kam, begrüsste ihn P. Theodor mit einer italienischen Ansprache. Erst 31 Jahre alt fiel P. Theodor in eine schwere Krankheit, der er nach einigen Monaten, am 22. Juli 1612 erlag. Seine Grabschrift lautete: «Hic dormit Religiosus frater Theodorus a Jeuckeren Wesaliensis, decretorum Licentiatus, qui huc Colonia veniens, vitam monasticam suscepit et quarto post anno die 22. Julii Anno 1612 in pace quievit.»

 

«Statura fuit infra proceram, facie liberali, subpallida, vultu modesto et gravi. Homo fuit affabilis, comis et mire benignus».[i] Anderswo heisst es von ihm: «Ingenii acuti ac Juris canonici Licentiatus, homo dives auri et argenti, cum unica sorore sua trium arcium ex asse haeres scriptus erat. Quas tamen divitias praecipue expendebat in comparandis optimis quibusvis voluminibus, atque in colligendis maxime et exornandis sacris Reliquiis.»[ii] (229)


Schriften:

 

Stipplin sagt, dass er verschiedene Schriften hinterlassen hätte, darunter: Explanatio Sacramentorum Ecclesiae, tradita a P. Antonio Marsilio S.J. et Explanatio in sex praecepta Decalogi excepta a P. Vincentio Filutio S.J., quas Theodorus Romae in Collegio Romano Anno Partus Virginei 1602 et 1603 scripsit. Erhalten hat sich indessen nichts mehr.

 

[i] Mscr. 1425, III, 36 und Mscr. 1429f. 90-96. – Stipplin, Band 195, p. 361ff.

[ii] P. Basil Balthasar, Band 923. – Weidmann p. 78/79.


18. Paulus von Lauffen

P. Paulus (Johannes) von Lauffen aus Luzern. Geboren 24. Juli 1590 als Sohn des Johann von Lauffen und der Anna Martini. Profess 25. Januar 1608. Seine Studien machte er in Dillingen. Subdiakon 22. Dezember 1612; Diakon 20. September 1614; Priester 14. März 1615. Primiz an Ostern, 19. April 1615. Im Kloster bekleidete er die Ämter eines Vestiarius und Cellerarius. Mit P. Erasmus von Altmannshausen und Kolumban Tschudi kam er am 28. Februar 1616 nach Murbach, wo er später Dekan wurde. Der Krieg zwang auch ihn, dieses Stift zu verlassen und wieder nach St.Gallen zurückzukehren, wo er am 11. Dezember 1635 eintraf. Er hielt sich in der Folge abwechselnd in St.Johann, Wil und St.Gallen auf. Am 8. September 1637 reiste er in Angelegenheiten Murbachs nach Wien, von wo er den 14. Januar 1638 zurückkehrte. Am 6. Februar 1639 ging er nach Basel, um seinem Gotteshaus etwas näher zu sein. Am 18. Juli kehrte er endgültig- nach St.Gallen zurück. Er versah in der Folge seit dem 14. November 1644 die Statthalterei St.Gallen. Zuletzt kam er, am 10. Januar 1648, als Unterstatthalter und Beichtiger der Klosterfrauen in St.Katharina nach Wil; zugleich sollte er helfen die Pfarrei Welfensberg zu versehen. Ende Dezemher 1650 reiste er nochmals nach Murbach, doch nur auf kurze Zeit. Er starb am 1. November 1653 in Wil an einem Schlaganfall.

 

Paule cucurristi, quia belle praemia capis,

Et non, a cursu, nomen inane geris.

 

«Fuit staturae procerae sed gracili, edentulus, subcanis et vultu ad majestatem composito.»[i] Ein Bruder von ihm war P. Roman von Lauffen in Rheinau (s. d.). (230)

 

[i] Stipplin, Band 195, p. 377. – Die St.Galler Verzeichnisse geben als Geburtstag P. Romans den 25. Januar 1593 an, während nach einer verdankenswerten Mitteilung von Herrn Staatsarchivar Weber, Luzern, im dortigen Taufbuch zwei Johannes v. L. als Söhne des Johann v. L. und der Anna Martini aufgeführt sind, als deren Geburtsdatum der 16. Januar 1586 resp. 24. Juli 1590 angegeben wird.


19. Br. Felix Thurnher

Br. Felix Thurnher von Widnau im Rheintal. Profess 8. September 1608. Er hatte jeweilen die Beichtväter zu rufen, darum kannte er auch die meisten Pönitenten mit Name und Geschlecht. Besonders gut war er gegen die Armen. Zeitweilig diente er auch im Krankenhaus des Stiftes; ebenso war er eine Zeitlang Koch im Brüderhaus. Lungenleidend schleppte er sich am 17. Oktober 1623 noch in die Kirche, beichtete und kommunizierte und starb, kaum dass er auf seine Zelle zurückgekehrt war.

 

«Vir fuit valde accuratus in rebus suis, insignem nactus memoriam, ex qua Psalterium Davidis integre, aliaque sacri Voluminis verba recitare potuit, ab aliis interrogatus.»[i] (231)

 

[i] Stipplin (Z.B.Z. X.59). – Mscr. 1425, IV, 17.


20. Remaclus Schindelin

P. Remaclus Schindelin von Niederbiiren. Eltern: Sebastian Schindelin und Ursula Kern. Profess 15. September 1608. Die niedern Studien machte er in Dillingen, hörte dann bei P. Robert Blödt Philosophie in St.Gallen. Subdiakon 22. Dezember 1612; Diakon 20. September 1614; Priester 19. September 1615. Er weilte mehrfach in St.Johann, von wo aus er 1616-1618 die Pfarrei Wildhaus versah (Rothenflue). Dort erwarb er auch eine beim Pfarrhaus gelegene Wiese. Ebenso war er 1624/25 Pfarrer in Alt St.Johann selbst. An dem morbus johanniticus erkrankt, kehrte er nach St.Gallen zurück, wo er nach seiner Wiederherstellung Beichtvater wurde. Daneben arbeitete er gerne im Garten bei der alten St.Otmarskirche. Als man am 13. Oktober 1628 die feierliche Übertragung der Reliquien der Heiligen Otmar und Notker vornahm, war er Kustos, kam aber schon bald hierauf nach St.Johann. Jedoch immer etwas kränklich, hielt er es dort nicht lange aus und kehrte nach einem halben Jahre nach St.Gallen zurück, wo er am 20. Juli 1629, erst 40 Jahre alt, starb.

 

«Da requiem cunctis, Deus hic et ubique sepultis,

Ut sint in requie, propter tua Vulnera quinque.»

 

lautete das ihm gesetzte Epitaph.[i] (232)

 

[i] Mscr. 1447. – Mscr. 1425, III, 45. – Stipplin, Band 195, p. 383.


21. Justus Senn

P. Justus (Stephan) Senn von Wil. Geboren 30. März 1592. Eltern: Peter Senn und Elisabeth Heider. Profess 15. September 1608. In Dillingen absolvierte er die humanistischen und philosophischen Studien und wurde Magister der Philosophie. Subdiakon 4. April 1615; Diakon 19. September 1615; Priester 24. September 1616. Primiz am folgenden St.Gallusfeste. Er wurde zunächst als Lehrer an der Klosterschule beschäftigt, dann Beichtvater, Kapellmeister, Vizezellerar, Kapitelssekretär und schliesslich Küchenmeister[i] und Aedilis. Als solcher liess er die Kirche in St.Fiden neu decken, schmückte sie auch mit schönen Gemälden aus. Er wollte auch die Reliquien der hl. Fides suchen lassen, wurde aber daran von seinen Obern gehindert. Im Kloster wollte er den Altar U. L. Frau im Gatter neu errichten, wozu er schon viel Geld gesammelt hatte. Dann kam er aber am 16. Dezember 1620 als Küchenmeister nach St.Johann, wo er bald Prior und Statthalter wurde. 1622 feierte er auf dem neuen Altar in Krummenau das erste hl. Messopfer. Im Auftrage seines Abtes äuffnete er den Pfarrfond in Wildhaus, so dass dort wieder ein eigener Pfarrer angestellt werden konnte. Zunächst kamen einige Weltpriester dorthin, später wiederum Kapitularen von St.Gallen. Schliesslich erkrankte er an der Kolik und musste darum nach zwei Jahren nach St.Gallen zurück. Von dort ging er 1626 nach Fulda, wo er Rhetorik lehrte und dann mit P. Bernhard Hartmann nach Hersfeld, wo er Subprior wurde. Nach Fulda zurückgekehrt, erkrankte er an einem Unterleibsleiden. Dann kam er 1629 wieder nach St.Gallen, wohin er eine Anzahl Reliquien aus Fulda brachte. Auf der Rückreise nahm er mit P. Bernhard als Vertreter des Abtes von Fulda am Kapitel der schwäbischen Kongregation in Weingarten teil. Kaum war er etwas hergestellt, kam die Pest. Er wollte im Kloster bleiben und wirkte besonders als Beichtvater unermüdlich. Er zog sich darum, um die andern nicht zu gefährden, in das bei der Pforte gelegene Haus zurück. Aber bald erkrankte er schwer. P. Pius Reher versah ihn mit den heiligen Sterbesakramenten, worauf er gottergeben starb, am 21. Oktober 1629. Er fand seine letzte Ruhestätte nicht im Kreuzgang, sondern auf dem Otmarsfriedhof. An der Pest waren auch 1611, als er in Dillingen weilte, seine Eltern, ein Bruder und eine Schwester gestorben. Damals sollen im Gebiete der Fürstabtei allein 19'557 Personen gestorben sein.

 

P. Justus war ein vorbildlicher Mönch, zeichnete sich durch seinen Gehorsam, seine Ehrfurcht gegen die Obern, seine Liebe gegen die Mitbrüder aus. Dabei war er von grosser Einfachheit und frei von jedem Ehrgeiz. Der Abt von Fulda schätzte ihn besonders hoch. Auch Abt Benedikt von Neresheim, wo P. Justus von Dillingen aus seine Ferien zugebracht hatte, sowie der Abt Simon von Churwalden waren ihm besonders gewogen. Die Biographen können sich kaum genug tun im Lobe seiner Tugenden.

 

«Staturam quippe corporis habuit justam, gibbum, quem natura dederat, sacra vestis ita contexit, ut nemo, nisi vestes deponeret, animadvertere possit. Vultu fuit verecundo et miti, fronte venusta, oculis micantibus, naso gracili, voce haud ingrata.»

 

Eine Schwester, Cäcilia, war Oberin des Dominikanerinnenklosters in Weesen; eine andere Schwester hatte den spätern Hofammann in Wil, Johann Specker, geheiratet, deren Sohn Kaspar später in Freiburg i. Br. studierte.[ii] (233)

 

Schriften:

 

Casus Conscientiae P. Math. Mayle S.J. (der ein Toggenburger und Verwandter Zwinglis war). Geschrieben 1613 zu Dillingen von P. Justus. – Mscr. 1199, Papier 8°, unpag. (Sch., p.423).

 

[i] 2. Oktober 1618.

[ii] 2. Oktober 1618.


22. Probus Ritter

P. Probus (Johann Ev.) Ritter von Lichtensteig. Geboren 10. März 1590. Eltern: Wolfgang Ritter und Martha Pfyl von Schwyz; arme aber rechtschaffene Leute. Durch Vermittlung von P. Joachim Wirth kam er mit 18 Jahren nach St.Gallen, obwohl er noch kein Latein konnte. Da er aber sehr fleissig und tugendhaft war, liess man ihn zum Noviziate zu. Profess 10. August 1610. Nach dem Noviziate kam er nach Dillingen, wo er die untern Studien vollendete, drei Jahre Philosophie studierte und sich dann der Theologie zuwandte. Als Philosophiestudent empfing er zu Dillingen die Subdiakonatsweihe, später als Theologe in Augsburg die Diakonats-[i] und Priesterweihe. Seine Primiz feierte er in Dillingen, wo er auch Präfekt der Sodalität war. Zum Studium des Rechtes besuchte er Ingolstadt, wo er am 6. Juli 1619 in einer öffentlichen Disputation auftrat. Als Lehrer hatte er in Dillingen in der Philosophie Lorenz Forer S.J., in der scholastischen Theologie die Patres Stephan, Vitus und Johannes Mocquezio, in der Moral P. Mathias Mayle; in Ingolstadt hörte er Recht bei Joachim Denichius und Lorenz Menzel, alle Mitglieder der Gesellschaft Jesu. Während einer Ferie besuchte er mit Frater Augustin Rennhas die meisten Klöster in Bayern, wo sie überall «tanquam e coelo delapsi» aufgenommen wurden. Heimgekehrt war er zunächst 1619 Offizial und während zwei Jahren Novizenmeister, dann kam er am 8. Dezember 1623 für P. Robert Blödt, der mit P. Salomon Sigrist von Muri zur Durchführung der Reform in Disentis weilte, dorthin. Aber auch er erkrankte wie sein Vorgänger und kehrte schon am 18. Dezember wieder heim, worauf von St.Gallen P. Notker Bussy und von Rheinau P. Gabriel Hässy nach Disentis gingen. In Luzern hatte er dem Nuntius Alexander Scappi über den Zustand von Disentis zu referieren.

 

In St.Gallen wurde P. Probus zunächst Subprior. Als solcher machte er einen interessanten Exorzistenfall durch. Es galten drei oder vier Jungfrauen als vom bösen Geiste geplagt. P. Probus war ihr Beichtvater. Abt Bernhard befahl ihm nun, diese in der St.Otmarskirche an die Stelle zu führen, wo man die Gebeine des hl. Otmar verborgen glaubte. Durch sein Wüten zeigte der Böse an, dass dem wirklich so sein müsse. Man grub nach und fand die hl. Überreste, die in der Folge 1628 feierlich übertragen wurden. Doch gelang es P. Probus mit allen Exorzismen nicht, die Unglücklichen vom bösen Geiste zu befreien, worauf man sie P. Augustin Rennhas übergab (s. d.). Am 5. August 1625 wurde er Dekan. Im Verein mit Subprior P. Pius Reher und Statthalter P. Notker Bussy führte er während der Krankheit des Abtes Bernhard die Stiftsregierung.

 

Als in dieser Zeit[ii] das Kloster St.Johann abbrannte, liess er die dortigen Patres, die zunächst in einem benachbarten Hause wohnten, in das Haus des Hofammanns in Nesslau übersiedeln. Als 1629 die Pest kam, baten die Patres, zur grösseren Sicherheit nach dem neu erstellten Kloster in Sidwald ziehen zu dürfen, das freilich noch nicht fertig erstellt war. Man zögerte, dies zu erlauben, da man insbesondere die Feuchtigkeit in dem neuen Mauerwerk fürchtete. Am 21. Januar 1629 fand aber doch im Beisein von Dekan P. Probus der Einzug statt; doch erkrankten in der Folge auch hier, wie seinerzeit in Alt St.Johann, manche an der Kolik. P. Probus brachte auch Reliquien der Heiligen Otmar und Notker mit nach Neu St.Johann.[iii]

 

Wie P. Probus sich um die Auffindung der Reliquien des hl. Otmars bemüht hatte, so wirkte er besonders bei der 1628 veranstalteten feierlichen Übertragung der Reliquien der hl. Otmar und Notker mit. – Von Dillingen brachte er auch das Exerzitienbüchlein des hl. Ignatius nach St.Gallen, wo viele es mit grossem Nutzen gebrauchten. Nach dessen Vorbild schuf er aus den Kapitelsansprachen des Abtes Bernhard über die hl. Regel ein Betrachtungsbuch, das viel benutzt wurde. Einst sandte ihn Abt Bernhard zufolge eines gemachten Gelübdes auf eine Wallfahrt zur sel. Elisabetha Bona in Reutte. P. Probus brachte von dem Wasser mit, das Elisabeth aus dem Felsen geschlagen hatte. Der Abt trank davon und wurde von seinem Steinleiden geheilt. Zum Danke dafür sandte er aus dem Rorschacher Steinbruch einige Quadern für den Kirchenbau in Reutte.

 

P. Probus sorgte für die Drucklegung der von P. Magnus Brüllisauer besorgten deutschen Bearbeitung des Lebens und der Wunder der hl. Notker und Otmar. Ebenso liess er die von P. Magnus verfassten Statuten der St.Valentins-Bruderschaft, die Urban VIII. bestätigt hatte, drucken. Er verfasste auch eine Übersicht der Rezesse oder Constitutionen der Visitatoren. Auf seinen Rat bearbeiteten mehrere Patres ein Werklein von 100 Fragen über die Disposition der Beichtkinder. Er selber war lange Zeit Beichtvater der Klosterfrauen in Sankt Georgen und Notkersegg. Für die Laienbrüder, deren Instruktor er war, übersetzte er manches aus den Schriften des Alphons von Rodriguez und des P. Jakob de Paz. Als er Novizenmeister und Vestiarius war, betete er mit dem kranken Abte Bernhard viel und las ihm die hl. Messe. Er war überhaupt sehr bescheiden und sehr fromm; machte alljährlich die hl. Exerzitien, beichtete fast täglich. Daneben lebte er sehr mässig und war überaus eifrig in den Studien.[iv]

Als 1629 die Pest ausbrach und die Pfarrherren von St.Fiden und St.Georgen der Seuche erlagen, meldete sich P. Probus als Pfarrer nach St.Fiden. Von zwei Dienern begleitet, ging er am 23. August dorthin und wohnte, da das Pfarrhaus verseucht war, im Hause zum «Bäumli», wo er eine Kapelle einrichtete. Kamen Pestkranke oder -verdächtige zu beichten, so hörte er im Garten Beicht und gab ihnen auch dort die hl. Kommunion. Aber er suchte auch die Kranken in den Hänsern auf; benahm sich jedoch dabei immer sehr vorsichtig. Er war stets bereit zu helfen; im Tage kamen oft zehn und mehr Besuche. Er ging auch nach der St.Otmarskirche, wo er selber P. Ulrich beichtete und in einem eigenen Beichtstuhle andere beichthörte. Nach einem Monat wurde er in seiner Tätigkeit abgelöst durch Konrad Haberer von Zug, der vorher Pfarrer in Peterzell, später in Berg war. Heimgekehrt, machte er zuerst eine Quarantäne durch; es zeigte sich zunächst keine Ansteckung, aber bald darauf erkrankte er. P. Augustin war bereits der Pest erlegen, P. Plazidus sehr schwer krank. Er selber starb erbaulich und gottergeben am 27. September 1629. Abt Pius setzte ihm und seinen an der Pest verstorbenen Mitbrüdern 1645 ein Denkmal, das folgende Inschrift trug: «Obierunt RR. PP. DD. Probus Ritter, Decanus, Ss. Canonum Licent., P. Justus Senn, P. Hieronymus Keller et alii, qui peste laborantibus servierunt et prompte appetierunt Anno 1629, quibus Pius Abb. anno 1645 hoc monumentum posuit, sepulti sunt extra templum prope parietem, tribus tumulis. Irriperunt tres fortes castra Philistinorum et hauserunt aquam de Cisterna Bethlehem. 2. Reg. 23.»

 

Tres rapuere viri, Bethlehem de fonte liquorum

Aeternumque Decus tres meruere Viri.

Plus hi tres fecere Viri; sed gaudia Vitae

Aeternae pariter tres meruere Viri.

Pro lue tactorum vita, dum corpora pestis

Exagitat vitam tres posuere viri.

Ein anderer Mitbruder widmete ihnen die schönen Verse:

Tres animas dices, Lector, tria corpora dices,

Attamen in Tribus his, spiritus unus erat.[v]

 

«Habitu fuit (P. Probus) corporis egregio, statura infra proceram, aspectu, qui animi velut imago est, honesto et gravi, capite crasso, oculis magnis, fronte lata, facie pallidiori, ut icterici – cui morbo ipse obnoxius erat – esse solent, caeteroquin firma semper valitudine, nisi quod semel et iterum nimiis studiis in morbum inciderit, non admodum diuturnum.»[vi] (234)


Schriften:

 

Disputatio juridica ex secundo Decretalium Gregorii IX. circa processum juridiciarium, quam . . . Praeside . . . Joachimo Denicho . . . pro Sacrorum Canonum Licentia propugnabunt Reverendi et Religiosi FF. Probus Ritter et F. Augustinus Rennhas Ord. S. Benedicti ex S. Galli Monasterio. Anno MDCXIX ad diem . . . Julij. Ingolstadii Typis Gregorii Haenlin. – 4 Bll., 27 S., 2 Bll. – Stiftsbibliothek St.Gallen. GG. M. VI. 13 Adl. 13. (Grolig).

 

[i] 13. Juni 1615.

[ii] 8. Februar 1626.

[iii] Die feierliche Einweihung des Hauses beschrieb P. Anton Widenmann (Mscr. 1425, III, p. 72ff.

[iv] Die Kopie einer asketischen Arbeit resp. eines Gebetes findet sich noch in Mscr. 1425, III, p. 81.

[v] Mscr. 1447.

[vi] Mscr. 1425, III, 63-100, ebendort p. 85-99 eine Schilderung der Pestzeit, ferner vgl. Mscr. 1429, fol. 20-23b. – Stipplin, Band 195, p. 411-442.


23. Ambros Negelin

P. Ambros (Johann Kaspar) Negelin von Rapperswil. Geboren am 19. November 1594 als Sohn des Wolfgang Negelin und der Susanna Denzler. Profess 8. September 1611. Subdiakon 24. September 1616; Diakon 23. September 1617; Priester 22. Dezember 1618. Primiz am Dreikönigstage 1619. Er studierte seit November 1611 in Dillingen, wo er Magister der Philosophie wurde. In seinen ersten Klosterjahren bekleidete er die Ämter eines Vestiars, Cellerars und Subcustos. Auch war er als Lehrer an der Klosterschule tätig. Von 1615-1620 versah er die Ämter eines Kapitelssekretärs und Klosterfrauen-beichtvaters. Am 6. Oktober 1625 wurde er nach Murbach geschickt. Zur Zeit der Pest ging er 1629 nach Rorschach, wo er sich der Ökonomie annahm, bis er am 9. Februar 1632 dieses Postens enthoben wurde. 1632, 11. Oktober, wurde er wieder Lehrer der höhern Syntax daheim.[i] Er blieb zeitlebens ein grosser Bücherfreund; verstand lateinisch, französisch und italienisch. 1634, 30. Oktober, wurde er Unterstatthalter in Wil. Von dort bestimmte ihn Abt Pius am 4. Februar 1637 als Statthalter nach Homburg; doch blieb er daselbst nur vom Februar bis April 1637. Eine Krankheit zwang ihn zur Heimkehr. Wieder finden wir ihn in Wil, bis er am 30. März 1639 Beichtiger in Notkersegg und Bibliothekar wurde.[ii] Aber schon am 4. Oktober 1640 wird er Subprior von St.Johann und zwei Jahre später, am 25. Juni 1642, Pfarrer in Alt St.Johann. Dort blieb er bis zum 7. Oktober 1648. Am 6. Februar 1649 ging er sodann als Statthalter nach Ebringen. Von hier aus begleitete er am 27. Mai 1653 den Abt zu einer Visitation nach Ettenheimmünster. Am 3. August 1653 sagte ihm der Abt auf zweimaliges Bitten hin[iii] die Enthebung von seinem Posten zu, da er Alters halber ihn nicht mehr recht versehen konnte; doch kam der Wechsel erst am 13. Juli 1654 zustande. Heimgekehrt, wurde er am 18. Dezember 1654 Stiftsdekan, bis ihn auch hier das Alter und ein zweimaliger kleiner Schlagfluss am 8. Mai 1658 zur Resignation zwangen. Schon am folgenden 18. August traf ihn erneut ein Schlagfluss, der ihn bis auf den rechten Arm lähmte. Er starb am 24. August 1658, 64 Jahre alt.

 

Hic jacet Ambrosius, cras forte jacebis et ipse,

Disce proin prius, quam moriare, mori.

 

«Fuit statura mediocri, facie liberali et vivida, capite aliquantum glabro et cavo, corpore crassiori.»[iv]

Ein Bruder von P. Ambros war P. Stephan in Rheinau, ein anderer, P. Michael, in Einsiedeln und ein dritter, P. Peter, in Fischingen. (235)

 

Schriften:

 

In der Collectio Aichhaim (Zentralbibliothek Zürich) sollen sich nach Weidmann (p. 82) zwei Reden finden, von denen die eine das Lob der Gärten, die andere das des klösterlichen Gehorsams enthält. (Heute findet sich dort nichts.) 

 

[i] Weidmann, p. 81.

[ii] Nicht 1634, wie Weidmann hat.

[iii] Stipplin, Band 195, p. 457.

[iv] Stipplin, Band 195, p. 455. – Vgl. Hist.-biogr. Lexikon der Schweiz, V. 240.


24. Benedikt Luzenberger

P. Benedikt (Simon) Luzenberger von Kirchheim.[i] Geboren am 29. März 1592. Der Vater, Georg Luzenberger, stand in Diensten der Fugger; die Mutter hiess Marie Lendter. Profess 8. September 1611. Subdiakon 20. September 1614; Diakon 14. März 1615; Priester 24. September 1616. Primiz 18. Oktober 1616. Da er zum Studium weniger geeignet war, sandte ihn Abt Bernhard 1617 nach Muri, damit er dort bei P. Balthasar die Kunst des Buchbindens erlerne. Er verstand sich darauf auch wirklich sehr gut; unter anderm musste er auch P. Ludwig Wetzstein von Einsiedeln darin unterrichten und im Frühjahr 1650 in Einsiedeln mithelfen eine Buchbinderwerkstätte einzurichten. Daneben war er eine Zeitlang Vorsteher der Schule und Cellerar (1631). Längere Zeit wirkte er als Küchenmeister in St.Johann. Ein besonderer Freund der Blumen und Vögel, hielt er sich immer einige gefiederte Sänger. Er starb in seinem 67. Lebensjahre an Wassersucht am 14. Januar 1659 und fand sein Grab an der Seite Abt Ulrichs VIII. Dasselbe schmückte folgendes Epitaph:

 

Nomine qui Benedictus eras, Benedictus eras spe,

In coelo quidni re Benedictus eris.

 

«Staturam habuit mediocrem, caput forte inter nigros canis conspersum capillis, vultu et corpore pinguioribus.»[ii] (236)

 

[i] Pago Uf der Halden.

[ii] Stipplin, Band 195, p. 467.


25. Augustin Rennhas

P. Augustin (Kaspar) Rennhas von Goldach. Geboren 12. Juli 1595. Seine Eltern, Jakob Rennhas, Weibel in Goldach, und Magdalena Bürcki, waren wohlhabende Bauersleute. Den ersten Lateinunterricht erhielt er von Pfarrer Christophorus Graf in Goldach, auf dessen Verwenden er an die Klosterschule aufgenommen wurde. Am 8. September 1611 legte er Profess ab, musste aber kaum einen Monat später wegen der Pest mit den Fratres Probus Ritter, Ambros Negelin, Benedikt Luzenberger und Hieronymus Keller nach Dillingen, wo er Rhetorik, dann Philosophie und Theologie studierte. Die Theologie setzte er in Ingolstadt fort, wo er sich besonders dem Rechtsstudium widmete, das er mit dem Doktorate abschloss. Mit P.Probus besuchte er auch die bayerischen Klöster. In Dillingen empfing er die niedern Weihen, in Augsburg am 24. September 1616 das Subdiakonat, in Eichstätt am 22. Dezember 1618 das Diakonat und in Konstanz am 21. September 1619 die Priesterweihe. Die Primiz feierte er am 29. September in St.Gallen, wohin er nach siebenjähriger Abwesenheit wieder zurückkehrte. Hier wurde er zunächst Beichtvater, dann kam er nach St.Johann, wo er 1623-1624 Pfarrer war.[i] Beim Klosterbrand (1626) rettete er das Allerheiligste. Die Kolik zwang ihn nach ungefähr fünf Jahren zur Rückkehr, zuerst nach Wil, dann nach St.Gallen. Für P. Modest Spiess, der 1626 nach Fulda ging, wurde er Offizial. Als solcher war er sehr besorgt für Klerus und Volk. Daneben war er auch Beichtiger der Klosterfrauen in Wonnenstein, wo ein Teufelsspuk damals viel zu schaffen machte. Als die Pest 1629 nach Wonnenstein kam und die Frau Mutter sowie andere Frauen erkrankten, versah er sie am 28. August. Dabei wurde er selber angesteckt, hielt sich aber noch zwei Tage aufrecht, musste sich dann ergeben und starb am 5. September 1629. Er wurde noch im Kreuzgange begraben, wo man die Worte des 30. Psalms über sein Grab setzte: «In imagine pertransit omnis homo.»

 

Eine ungewöhnliche Reinheit der Sitten zeichnete ihn aus. Er war ein besonderer Verehrer der Mutter Gottes. Ebenso wird er als guter Prediger gerühmt. Die Klosterfrauen in Wonnenstein schrieben seine Vorträge auf, doch hat sich davon nichts mehr erhalten. Auch in der Bibliothek sollen sich früher einige von ihm geschriebene Kommentare erhalten haben, die Zeugnis von seiner Gelehrsamkeit und seinem Fleisse ablegten; doch ist heute nichts mehr davon zu finden.

 

Ein Bruder von ihm war als P. Peter Mitglied des Kapuzinerordens. Sein Oheim, Benedikt Rennhas, war Abt von Fischingen (s. d.).[ii] (237)

 

26. P. Hieronymus (Johann Jakob) Keller von Radolfzell bei Überlingen. Geboren am 6. September 1592. Sein Vater, Jakob Keller, war Magister der Philosophie; die Mutter, Sabina Günther,[iii] war eine Nichte des Arztes Joachim Buzelin. Nach dem Tode seiner Frau wurde der Vater Priester und half als solcher seinem Bruder Johannes, der Pfarrer in Radolfzell war.[iv] Auch als der Vater Priester geworden war, setzte er die Erziehung seiner Kinder fort, die nach seinem Tode unter die Obhut des genannten Johannes übergingen. P. Hieronymus kam an die Klosterschule von St.Gallen, wo er die Humaniora absolvierte. Dann trat er ins Kloster ein, legte am 8. September 1611 Profess ab und wanderte hierauf nach Dillingen, wo er nach drei Jahren den Doktorgrad in der Philosophie als der siebente unter 50 Kandidaten erlangte. Der Bischof von Augsburg erteilte ihm hier die Subdiakonatsweihe, dann kehrte er heim, um den Unterricht der Knaben zu übernehmen und zugleich in der Theologie sich weiter zu bilden. Am 22. September 1618 empfing er die Priesterweihe und feierte am 21. Oktober seine Primiz.

Bald hernach wurde er Subprior in St.Johann und Pfarrer in Stein. Die Kolik zwang ihn ebenfalls zur Heimkehr. In St.Gallen erhielt er nun das Amt eines Küchenmeisters. Zugleich wurde er Aedilis und liess als solcher die Kirchenwände in St.Fiden mit Bildern schmücken. Eine Zeitlang versah er für den erkrankten Pfarrer die Pfarrei Oberglatt. Als Beichtvater für das Volk und die Klosterfrauen in Notkerscgg war er sehr beliebt. Krankheitshalher musste er 1629 das Bad Pfäfers aufsuchen. Kaum heimgekehrt, brach die Pest aus. Bei einern Besuche der kranken Frauen in Notkersegg wurde er angesteckt. Er begab sich ins Absonderungshaus und starb hier am 19. November 1629, erst 38 Jahre alt, als das letzte Opfer der Pest, das diese aus den Reihen der Konventualen riss. Er fand seine letzte Ruhestätte bei seinen ebenfalls an der Pest umgekommenen Mitbrüdern auf dem St.Otmarsfriedhof.[v]

 

«Fuit iste Pater, vir egregia in superos pietate et religione, precibus sacris impense deditus, honestissimae et integerrimae semper vitae, nullo singulari vitio notatus, affabilis et amabilis conversatione in deliciis habebatur, serius atque attentus in rebus divinis. Habuit staturam mediocrem, faciem ingenuam, egregiam formam, vultum serenum, barbam subrufam et hispidam, vocem virilem, ab oculis non admodum valens. Tyro adhuc religionis de consilio medici conspiciliis usus fuit, bona semper valetudine (si colicam qua in S. Joanne laboravit et articulorum dolorem, quem subinde patiebatur, excipias).»

 

Ein Bruder trat als P. Joachim in St.Blasien ein.[vi] (238)

 

[i] Rothenflue; nach andern wäre er Pfarrer in Stein gewesen, was mir das richtigere scheint.

[ii] Die Angabe Scherers, er sei unter Abt Pius Kustos gewesen, ist natürlich hinfällig, denn er starb noch unter Abt Bernhard; ob er unter ihm dieses Amt bekleidete, ist nicht ersichtlich. Vgl. Mscr. 1425, III, 100. – 1429, fol. 102a bis 106a. – Stipplin, Band 195, p. 443.

[iii] Alias Buzelin.

[iv] Ein anderer Bruder, Gregor, war Coadjutor in Radolfzell; ein dritter war als P. Sebastian in Salem eingetreten.

[v] Grabinschrift siehe oben bei P. Probus Ritter.

[vi] Vgl. Mscr. 1425, III, 119. – 1429, fol. 28-30a. – Stipplin, Band 195, p. 471.


27. Br. Abraham Hofstetter

Br. Abraham Hofstetter von Straubenzell. Profess 8. September 1611. Er war eine Zeitlang Altvater oder Senior der Laienbrüder. Gestorben 5. Dezember 1645. Sein Grab schmückten die Verse:

 

Si male fecisti, tunc respice vulnera Christi,

Crimina deplora, Jesum prostratus adora. (239)


28. Anton Widenmann

P. Anton (Johannes) Widenmann von Rapperswil. Geboren am 15. Dezember 1597. Eltern: Adam Widenmann und Maria Nöringer. Profess 10. August 1614. Er studierte in Dillingen. Subdiakon 22. September 1618; Diakon 22. Dezember 1618; Priester 24. September 1622. Primiz am folgenden 16. Oktober 1622. – Zuerst war er Lehrer an der Klosterschule, wo er für die Schüler einige Komödien schrieb. Nach Rothenflue versah er alsdann von 1625/26 die Pfarrei Alt St.Johann, wohin er am 27. Januar 1624 geschickt wurde, und von 1626-1634 die Pfarrei Nesslau, was indessen nicht ganz richtig sein kann. Richtig ist, dass er 1625/26 Prior und Pfarrherr in St.Johann war, aber 1629 war er sicher wieder zu Hause. Noch findet sich sein eigenhändiges Versprechen an den Abt vor,[i] dass er, obwohl schwächlich und die Pest fürchtend, doch bei den Heiligen Otmar und Notker ausharren wolle, wenn der Abt nichts anderes verfüge. 1630 ist er Kapellmeister. Am 4. Mai 1630 kehrte er neuerdings von St.Johann zurück, wohin er am folgenden 29. Oktober wieder geschickt wurde. Als Subprior bemühte er sich dort besonders um die Bekehrung der reformierten Toggenburger. Am 15. März 1634 kehrte er nach St.Gallen zurück, ging aber 1635 der Pest wegen wieder nach St.Johann, von wo er am 23. März 1639 krank heimkehrte; doch wirkte er hier noch vor seinem Tode als Münsterprediger und Kapellmeister. Er war selber ein guter Sänger, schrieb und komponierte aber auch viele Gesangsstücke; ebenso schrieb er selbst mehrere Choralbücher. Auch war er ein guter Prediger; seine Predigten sollen[ii] noch vorhanden sein. Ebenso sollen noch einige Komödien vorhanden sein,[iii] die er in St.Gallen und in St.Johann aufführen liess. Doch hat sich nichts mehr erhalten. Er starb unversehen an einem heftigen Katarrh am 24. Mai 1641, erst 44 Jahre alt, weshalb man ihm wohl auch die Worte Markus 13 aufs Grab setzte: «Vigilate, nescitis quando Dominus veniat, sero an media nocte, an Galli cantu an mane.»

 

«Fuit statura breviori, macilentus, subniger, oculis acrioribus, vultu ad severitatem contracto, amabilis alias et affabilis.»[iv]

 

Noch hat sich ein auf die Feier seines Namensfestes 1634 verfasstes gedrucktes Gedicht erhalten:

«D. O. M. Magno Antonio abbati et anachoresis propagatori sanctissimo ipsius die festo Anni MDCXXXIV Rdo religioso . . . P. Antonio Widenmann, S. Galli monacho sacerdoti, subpriori monasterij S. Joannis novi . . . amoris et honoris erga religiosum asceterium S. Joannis Baptistae . . . L. V. offerebat. Typis impressum in ejusdem divi vallis Thurae novo monasterio.»[v] (240)

 

Schriften:

 

Deutsche Übersetzung von Walafrids Leben des hl. Gallus (S. 29-129); von Hymnen auf S. Gallus und Otmar (S. 273-282) und andern Kirchengesängen (S. 448-458); von st.gallischen Inschriften und Festliedern (S. 563-594); Leben S. Otmars, Notkers und Wiboradas in deutschen Reimen (S. 283-317, 321-403, 407-448, 459-481) und Isos, Marzells, Ratperts und vieler anderer St.Galler Mönche in Prosa (S. 487-562), nebst Gelegenheitsgedichten auf Weihnachten und Neujahr (S. 563-613). Von P. Anton geschrieben und verfasst von 1637-1641 in Mscr. 1257 (Papier 4°, 613 Seiten), (Sch., p. 435). Nach Scherer sollen auch seine Gedichte auf S. Otmar und Notker bei Gelegenheit der feierlichen Translation (1628, nicht 1633, wie Scherer irrig sagt) im Drucke erschienen sein. – Stipplin bemerkt, dass er zu seinen Versen auch teilweise komponiert haben soll.

 

[i] Fasc. XXIX, 12.

[ii] Nach Stipplin.

[iii] Wie Stipplin bemerkt.

[iv] Stipplin, Band 195, p. 485.

[v] 1 Blatt. Folio. – Stiftsarchiv St.Gallen, Band 195, Bl. 491 (Grolig).


29. Beat Keller

P. Beat (Melchior Karl) Keller von Schleitheim. Geboren am 5. Juni 1598 als Sohn des Johann Nikolaus Keller[i] und der Maria Jakoba Feldmann von Waldshut.[ii] Keller kam 1610 nach St.Gallen an die Schule, wurde aber im folgenden Jahre der Pest wegen wieder heimgeschickt. 1612 kehrte er wieder nach St.Gallen zurück, begann im folgenden Jahre das Noviziat und legte am 10. August 1614 Profess ab. 1615 empfing er mit vier andern Professen aus der Hand des Nuntius die hl. Firmung. Zunächst setzte er seine Studien fort, beendete 1616 die Rhetorik und begann alsdann mit dem Studium der Philosophie. Am 21. September 1619 wurde er Subdiakon, am 19. September 1620 Diakon. Erst 1622 begann er das Theologiestudium, wurde aber schon am 24. September dieses Jahres Priester und feierte am 23. Oktober in Dillingen seine Primiz. 1625 hatte er seine Studien beendet. Am 8. August 1625 wurde er nach St.Johann geschickt, von dort kam er im September nach Wil und im Oktober wieder in das Stift zurück. 1626, 7. Oktober, wurde er Vestiarius[iii] und Beichtvater für das Volk. Während der Pest 1629 war er einige Zeit in Wil, dann wieder Vestiarius. Am 26. April 1630 wurde er Bibliothekar. Am 31. März 1633 kam er als Lehrer nach St.Johann. Am 6. Januar 1635 wurde er Statthalter in Rorschach, wobei er in P. Roman Bauer einen Gehilfen erhielt. 1636, 17. Oktober, kam er wieder heim und war hier zunächst seelsorglich tätig. 1639 war er Gehilfe des Archivars P. Chrysostomus Stipplin. Schon 1640, 17. Februar, wurde er Kustos, welches Amt er bis zum 2. Juni 1642 beibehielt. Als solcher war er sehr besorgt für die Bereicherung des Kirchenschatzes. Daneben war er lange Zeit Unterbibliothekar. Von 1642 bis zum 13. Mai 1644 war er Küchenmeister. Am 18. Oktober wurde er wieder Kustos.

 

Obwohl er in den drei letzten Jahren seines Lebens die Kräfte schwinden fühlte, war er doch immer treu im Besuche des Chores und des Beichtstuhles.

 

P. Beat war ein sehr regeltreuer und abgetöteter Mönch. Er fiel mehrmals auf der Stiege, jedoch ohne grossen Schaden zu nehmen, so dass Abt Pius meinte, er hätte zwei Schutzengel. Überhaupt war er ein grosser «Pechvogel», wie mehrere von Stipplin erzählte Anekdoten zeigen, hatte aber doch bei allem Ungeschick immer Glück. Er starb am 2. April 1663. Schön spielt das ihm gesetzte Epitaph auf seine Tätigkeit als Kustos und seinen Namen an:

 

Sacra Beatorum servasti Lipsana Custos,

Ora proin horum iure Beate vides.

 

«Erat staturae procerioris, naturae vividae et vivacis, tantique in juventute roboris, ut ingentia onera, dentibus, ut manu, e terra sustolleret . . . Castus, purus, suavissimis moribus, affabilis, fidelis, humilis, prudens supra modum in consiliis dandis, pauper et modicus in vestitu etc., obediens, timoratus et reverentialis supra modum erga Superiores.[iv]

 

Ein Bruder unseres P. Beat, Adam Keller von Schleitheim, war Offizier in kaiserlichen Diensten; starb 1664 in Justingen. Der dritte Bruder, Hartmann, lebte fünf Jahre in Rorschach im Exil und starb wohl um eben diese Zeit; denn ein Vers bei Stipplin besagt:

 

Tres fuimus Fratres de Cella nomine dicti

Adam videlicet, Beatus, Hartmannus

Jam constituti cellarii coeli. (241)

 

[i] Gestorben 3. Januar 1623.

[ii] Gestorben 19. April 1625.

[iii] Bis zum 26. November 1631.

[iv] Stipplin, Band 195, p. 499-507; er bringt z. T. die tagebuchartigen Aufzeichnungen P. Beats, die aber nur bis 1626 reichen.


30. Modestus Spiess

P. Modestus (Mauritius) Spiess von Altdorf bei Weingarten. Geboren 24. Mai 1598. Eltern: Moritz Spiess und Christina Haim. Mit 11 Jahren kam er nach St.Gallen, wo er am 10. August 1614 Profess ablegte. Seine Studien machte er in Dillingen, wo er am 19. Dezember 1620 Subdiakon wurde. In Augsburg empfing er am 10. April 1621 die Diakonatsweihe. Wahrscheinlich ebendaselbst wurde er am 24. September 1622 Priester und feierte am 23. Oktober mit seinem Mitbruder P. Beat in Dillingen seine Primiz. Dort wurde er auch Licentiatus der Theologie. Bald nach seiner Heimkehr wurde er am 5. August 1625 Offizial, musste aber schon 1626 nach Fulda, wo er das Amt eines Subpriors bekleidete. Als er 1633 zurückkehrte, wurde er von neuem Offizial; zugleich aber war er auch abwechselnd Professor der Philosophie und Theologie, wie die häufigen Disputationen zeigen (s. u.). Diese Professur behielt er auch bei, als er am 4. Mai 1636 Subprior und Novizenmeister wurde. Als man 1642 das Studium der Philosophie und Theologie nach Rorschach verlegte, kam er am 8. Januar diese Jahres eben dorthin als Prior und Statthalter, zugleich aber auch als Lehrer. In dieser Stellung blieb er bis zu seinem Tode, am 28. September 1666. Er wurde in Rorschach in der Kapelle auf dem Marienberg vor dem Muttergottesaltar begraben. Die Beerdigung nahm P. Dekan Markus Erler vor, während der Pfarrer von Rorschach, Josef Kaspar Zehnder, die Grabrede hielt. Die ihm gesetze Grabschrift lautete: «Anno Domini 1666 die 28. Sept. obiit pie in Dno Adm. Rdus et Clarissimus P. Modestus Spieß, Ss. Theologiae Licentiatus et Eiusdem tertium Professor, Sacerdos, Senior S. Galli, Prior et Oeconomus Rosacensis. Cuius anima requiescat in pace. Amen.

Paulus ait, cunctis sit nota modestia vestra!

 

Qualiter id facias? Hic Modestus est; sequere!»[i]

 

Schriften:

 

a) Gedruckte:

 

1. Poenitentiae Sacramentum de quo mense Junio die XXI. in inclita catholica universitate Dilingana Praeside Jacobo Bidermano S.J. Ss. Theologiae Professore ordinario publice disputarunt disceptarunt Religiosi candidati FF. Modestus Spieß, Pius Reher, uterque ordinis S. Benedicti ad S. Gallum Professi. Pro utroque Baccalaureatu Theologiae consequendo. Dilingae Formis academicis. Apud Udalricum Rem. CIC IC CXXI, Bll. 84 S. (Stiftsbibliothek St.Gallen, GG. M. VI 2 Adlig. 7. (Grolig).

2. Censurae, quas mense Aprili die . . . in inclita catholica universitate Dilingana praeside Jacobo Bidermano S.J. . . . disputandas Pro Licentia theologica obtinenda proposuerunt Religiosi candidati FF. Modestus Spieß et Pius Reher uterque Ordinis S. Benedicti ad S. Gallum Professi. Etiam ante Ss. Theol. Baccalaurei. Dilingae. Formis Academicis. Apud Udalricum Rem. Anno MDCXXII, 2 Bll., 97 S. – Stiftsbibliothek St.Gallen, GG. M. VI. 9 Adl. 11. (Grolig).

 

3. Theses theologicae, quascumque de theologia universim, tum de Deo uno et trino iam antea a diversis in menstruo certamine propugnatas rursus mense Junii die . . . in celeberrimo S. Galli monasterio praeside Modesto Spieß publice examinandas proponent RRi religiosi FF. Bonaventura Schenk, Bernardus Bayer, Othmarus Kessler, Athanasius Gugger, Ignatius Zanler, Basilius Renner, Chrisostomus Stipplin, Gallus Alt, Placidus Bridler, Franciscus Hertenstein, Victor Reding, Yso Paw, Hermannus Hutler, 4°, 5 Bll. Excudebant Religiosi Fratres Bonifacius Feurer et Remaclus Negelin. Apud S. Joannem in Thurae Valle. Formis Monasterii. Anno MDCXXXV. (Grolig). – Stiftsbibliothek St.Gallen. GG. VI, 1. – GG. VI, 3 Adl. 1. – Zentralbibliothek Zürich RR 202, 200, 5.

 

4. Theses theologicae ex prologomenis (!) in universam theologiam scholasticam quas (Praeside P. Modesto Spieß) defendent Athanasius Guggerus et Ignatius Zanlerus die (11.) mens. Augusti. Typis datae apud S. Joannem in Thurae Valle Anno MDCXXXIV. – Stiftsbibliothek. GG. M. VI. 3. – Ein davon verschiedener Druck mit gleichem Titel enthält keinen Druckvermerk. 4°, 3 Bll. – Stiftsbibliothek. GG. VI. 1 Adl. 1. (Grolig).

 

5. Theses menstruae de attributis divinis (Praes. P. Modestus Spieß). Defendent Franciscus Herttenstein et Victor Reding die . . . Octobris (1634). Apud S. Joannem in Thurae valle. 1634. 4°, 4 Bll. – Stiftsbibliothek. GG. M. VI, 3. – Zürich. Zentralbibliothek RRi 202, 6. (Grolig).

 

6. Theses menstruae continuatae de Attributis divinis (Praeside P. Modesto Spieß). Defendent in Lyceo Sancti Galli RR. PP. Bonaventura Schenk et Bernardinus Bayer ibidem Professi Presbyteri, die . . . mensis Januarii. Excudebantur Formis Monasterii Sancti Joannis in Thurae Valle. Cum facultate Superiorum Anno 1635. – Stiftsbibliothek. GG. M. VI, 1 Adl. 3. (Grolig).

 

7. Theses menstruae continuatae de attributis divinis (Kopftitel) quas (Praeside P. Modesto Spieß) defendent Franciscus Hertenstein et Victor Reding, die . . . Januarii (1635). Excudebantur formis monasterii Sti Joannis in Thurae Valle Anno 1635. 4°, 13 Bll. – Stiftsbibliolhek. GG. M. VI, 1 Adl. 2. (Grolig).

 

8. Theses theologicae de praedestinatione (Praeses P. Modestus Spieß). Defenderunt in monasterio S. Galli Ignatius Zanler et Basilius Renner die 2. Februarii (1635). Excudebantur typis monasterii S. Joannis in Thurae Valle. 1635, 4°, 9 Bll. – Stiftsbibliothek St.Gallen. GG. M. VI, 1 Adl. 4. (Grolig).

 

9. Disputatio philosopho-theologica de habitibus et virtutibus cum acquisitis tum infusis in communi spectatis, quam mense . . . die . . . in inclito D. Galli coenobio praeside P. Modesto Spies(s) . . . publice proponent Bonaventura Schenk et Athanasius Gugger. Apud S. Joannem formis monasterij. Anno MDCXXXVI. 4°, 2 Bll., 94 S. (Vorrede datiert vom April). – Stiftsbibliothek St.Gallen. GG. M. VI, 1 Adl. 10; GG. M. VI, 2 Adlig. 3; GG. M. VI, 3 Adl. 4. – Zürich. RRi 202 = 199, 13. (Grolig).

 

10. Disputatio theologica de morali actionum humanarum bonitate, quam kalendis Septemb. in incl. D. Galli coenobio propugnabunt Gallus Alt et Placidus Bridler. Excudebantur apud S. Joannem in Thurae Valle formis Monasterij. Anno MDCXXXVI. 4°, 4 Bll. 74 S. – Stiftsbibliothek St.Gallen. GG. M. VI, 1 Adl. 11; GG. M. VI, 3 Adl. 2. Zürich. RRi 200, 4. (Grolig).

 

11. Disputatio theologica de vitiis et peccatis mortalibus, quam mense Januario die . . . in D. Galli coenobio propugnabunt Chrysostomus Stipplin et Victor Reding . . . Excudebantur, apud S. Joannem in Thurae Valle formis monasterii. Anno MDCXXXVII. 4°, 2 Bll., 59 S. – Stiftsbibliothek St.Gallen. GG. M. VI, 1 Adl. 12; GG. M. VI, 3 Adl. 3. – Stiftsarchiv St.Gallen. R 29, F 4/5. (Grolig).

 

12. Disputatio theologica de Fide spe et charitate. Quam die . . . . Maij in inclito S. Galli coenobio praeside r. p. Modesto Spieß . . . publice propugnabunt Bonaventura Schenk, Athanasius Gugger, Ignatius Zanler, Chrysostomus Stipplin, Gallus Alt, Placidus Bridler, Franciscus Hertenstein, Victor Reding, Yso Pfaw, Hermannus Huttler. Excudebant rdi patres Bonifacius Feurer et Remaclus Negelin. Apud S. Joannem in Thurae Valle formis monasterii. Cum facultate Superiorum. Anno 1637. 4°, 4 Bll., 160 S. – Stiftsbibliothek St.Gallen. GG. M. VI, 2 Adl. 3 b. GG. M. VI, 3 Adl. 5. GG. M. VI, 1 Adl. 13 (aber ohne Titelblatt und Vorstück). – Zürich. RRi 202, 2. (Vorrede datiert vom Januar). (Grolig).

 

13. Disputatio metaphysica de ente universo decem categoriis definito . . . ad S. Gallum 1641. 30 Dec. Typis monasterii. C. fac. super. 4°, 20 S. (nach Scherer Nr. 255). (Grolig).

 

14. Disputatio philosophica de scientia . . . In monasterio S. Galli 1642. Typis Monasterii. 4°, 28 S., Zürich. RRm. 179, 24. (Grolig).

 

15. Disputatio theologica de ignorantia, quam mense Augusto die . . . imminente divae Virginis festo Rosaci propugnabunt Jacobus a Tschernemel, Simon a Freiburg. Typis Monasterii S. Galli. Anno CI IC XLIV. 4°, 2 Bll., 62 S., 2 Bll. – Stiftsbibliothek. GG. M. VII, 2 Adl. 6. (Grolig).

 

16. Theses theologicae de Ss. Trinitate (Kopftitel ohne weitere Angaben). – Stiftsbibliothek. GG. M. VI, 1, Adl. 5.

 

17. Disputatio de Virtutibus theologicis fide, spe et charitate. Praeses P. Modestus Spieß. – Ohne Angabe der Defendenten; doch finden sich am Schluss verschiedene lateinische Widmungen an F. Fridericus Ernestus Tschernemel, F. Franz a Freiburg, F. Johan Georg Roth, F. Franz Erler (humanitatis studiosi). 158 S., 1 Bll. – Stiftsbibliothek. GG. M. VII., Adl. 13. (Grolig).

 

b) Ungedruckte:

 

1. Introductio ad partitiones astronomiae et geometriae von P. Modestus Spieß. Geschrieben von Fr. Thomas Niederist, mit illuminierten Figuren. – Mscr. 1615, Papier 4°, 272 S., 79 Bll. Rest unpag. (Sch., p. 498).

 

2. Notae ex Kalendariis P. Modesti Spieß ab Anno 1644 bis 1674 (sic!). – Stiftsarchiv St.Gallen, Band 1265 (Band IX und X des Rorschacher Archivs).

 

3. In Neomystas de Sacerdotii dignitate Carmen elegiacum. Collectio Aichhaim IV. – Zentralbibliothek Zürich. Mscr. D. 153, fol. 221.

 

4. Sapientia aedificavit sibi Domum. Affixio brevis in Festo Corporis Chr. Collectio Aichhaim. VIII. – Zentralbibliothek Zürich. Mscr. D. 86, fol. 168. 


[i] Stipplin, Band 195, p. 313s.


31. Franciscus Grubenmann

P. Franciscus (Ulrich) Grubenmann von Tablat (Schäfershorn). Geboren am 30. Januar 1593. Eltern: Ulrich Grubenmann nnd Maria Anna Schollenberg. Er besuchte zuerst die Schule in Konstanz und wurde auf Verwenden von Dekan P. Ulrich Hengartner an die Klosterschule aufgenommen. Am 10. August 1614 legte er mit sechs andern in Gegenwart des Grafen Madruzo, der damals Soldaten nach Italien führte, die Profess ab. 1618 studierte er in Ingolstadt. Subdiakon 23. September 1617; Diakon 22. September 1618; Priester 21. September 1619. Primiz 6. Oktober 1619. – Zuerst kam er als Cellerar nach St.Johann,[i] wo er sich 1626 beim Brande besonders auszeichnete. Er rettete den Tabernakel, die Sakristei, die Choralbücher, die Bibliothek und fast das ganze Archiv. Auch die schönen Bilder der beiden hl. Johannes aus dem Speisesaal und vieles andere entriss er den Flammen. Sein Vorbild sah er in Dekan P. Ulrich Hengartner, dem er es an Bussübungen gleich zu tun suchte. Bei der Grundsteinlegung von Neu St.Johann war er zugegen. Während zwei Jahren wohnte er in Nesslau und wurde alsdann im neuen Kloster wieder Cellerar. Da er lungenleidend war, kam er nach Wil, wo man ihn nach zwei oder drei Tagen im Ratszimmer tot auf dem Boden fand, 11. Dezember 1629.[ii] Er wurde in der Marienkapelle zu St.Peter begraben.

 

«Fuit statura mediocri, barba subcandida, facie pallidiori et seria, vir mitis et neminem facile offendens.»

 

Sein Bruder Lorenz war Medicus und Physicus in Ravensburg; er hatte für seine Studien ein Stipendium des Stiftes in Mailand benützt und erwies sich stets sehr dankbar dafür. Die ziemlich begüterte Familie Grubenmann stiftete in St.Fiden eine Jahrzeit.[iii] (243)

 

Schriften:

 

Libellus precum cum orationibus de S. Gallo, Otmaro, Pelagio, Conrado, Magno, Leonhardo. Geschrieben von Fr. Franciscus Gr(ubenmann?). Mscr. 494, Papier 12°, 144 Bll. (Sch., p. 157). 

 

[i] 26. November 1624.

[ii] Nach einer Angabe wäre er an der Pest gestorben, was aber auf einer spätern Annahme beruhen mag, da er im Pestjahr verschied.

[iii] Mscr. 1425, II, 126. – Stipplin, Band 195, p. 521ff.


32. Constantius Pfiffer

P. Constantius (Nikolaus) Pfiffer von Luzern. Geboren am 12. September 1596 als Sohn des Jakob Pfiffer und der Anna Krafft. Schon als Schüler zeichnete er sich besonders in Rhetorik und Poesie aus, wie das auch später als Lehrer der Fall war, wofür auch seine Lehrbücher Zeugnis ablegten. Profess 10. August 1614. Die Philosophie hörte er bei P. Robert Blödt, die Theologie in Dillingen. Am 21. Mai 1618 kam er nach Ingolstadt, um Recht zu studieren. Subdiakon 23. September 1617 in Dillingen; Diakon 22. Dezember 1618 in Eichstätt; Priester 19. September 1620. Primiz 18. Oktober 1620. Er war zuerst an der Schule in St.Gallen tätig, wo er auch als Prediger wirkte. Am 6. September 1626 kam er nach Sankt Johann. Während der Pest von 1629 war er in St.Gallen unermüdlich im Dienste der Kranken tätig. 1630, 15. April, wurde er Vorsteher der Schule. Am 4. März 1631 wurde er Archivar, kam aber schon am 6. Mai nach St.Johann, wo er, mit einigen Unterbrechungen (wegen Kolik) bis Oktober 1633 blieb. Er war einige Zeit auch als Prediger tätig und gab sich viele Mühe, die reformierten Toggenburger zu bekehren. Heimgekehrt, betraute ihn der Abt mehrfach mit Sendungen an Konferenzen u. dergl. Als die Pest 1635 wieder kam, widmete er sich gleicherweise wie früher den Kranken. Am 4. Oktober 1640 wurde er Registrator, am 1. Januar Schulpräfekt, und am 18. Oktober 1642 Praeceptor. Am 5. Oktober 1643 wurde er Philosophieprofessor. Am 6. Juni 1649 wurde er zum Pfarrer in Alt St.Johann ernannt, kam aber nach vier Wochen krank wieder heim; er hinterliess schriftliche Aufzeichnungen, wie man von der Kolik geheilt werden könne. Ein gleiches Schicksal wiederfuhr ihm, als er am 13. Juni 1654 Pfarrer von Peterzell wurde; schon am 13. Juli musste er wieder weg, starb aber bereits am 8. November 1654, «nach langer Läme der Glieder». Sein Epitaph lautete:

 

Consiliis praestans hic erat, praestantior at tunc,

Quando sibi moriens, tam bene consuluit.

 

Die Obern zogen ihn gerne und oft zu Rate. Er hinterliess einige Aufzeichnungen, die aber sehr dunkle und geheimnisvolle Dinge betrafen;[i] denn er glaubte, was er verstehe, würden andere auch ohne weiteres fassen. Als Lehrer war er aber im Erklären sehr gut. Er war auch Verfasser und Urheber der Tafeln, auf denen unter den Zeichen des Tierkreises Leben und Wunder des hl. Benedikt dargestellt und beschrieben waren, die auf eine Äbteversammlung hin angefertigt und in den Klostergängen aufgehängt wurden. Sehr gerne verfasste P. Constantius Epigramme auf Heilige, wie auf die Namensfeste der Mitbrüder (s. u.). Zu Zorn und Widerspruch geneigt, warf er sich einmal dem Abte zu Füssen und stand nicht eher auf, als bis dieser ihm den Fuss auf den Nacken gesetzt hatte; von da an war er weit mehr Herr seiner selbst. Als er sich am 6. November 1654 schwächer werden fühlte, empfing er die hl. Sakramente, legte das Glaubensbekenntnis ab und bat alle um Verzeihung. (244)

 

Schriften:

 

Von seinen Dichtungen finden sich in der Collectio Aichhaim eine Anzahl erhalten, nämlich:

De Sanctissimo Patre Benedicto. Aichhaim III. – Zentralbibliothek Zürich. Mscr. D. 81, fol. 175.

 

Benedictus alter orbis Phoebus per novem Sphaerarum radiacos curru Musarum sanctgallensium invectus. Griechisch und lateinisch mit Beihilfe der Patres Johannes, Athanasius, Basilius und Chrysostomus. ib. fol. 185b-217 mit Supplement dazu fol. 488.

 

De venerabili Eucharistia Basis anagrammatum, ib. fol. 471.

 

Anagrammatum super nomen Laurentius basis, ib. fol. 476.

 

In Neomystas de Sacerdotii dignitate carmen elegiacum. Collect. Aichhaim IV. Zentralbibliothek Zürich. D. 153, fol. 225.

 

Epigrammata tam Ecclesiastica quam profana de rebus diversis Rdi ac Doctissimi P. Constantii Pfiffer ex Schedis hincinde post mortem ejus a me in usum et bonum aliorum collecta. Collectio Aichhaim. – Zentralbibliothek. Mscr. D. 77, fol. 307b.

 

Epigrammata pro Philosophiae candidatis Panegyricis in gratiarum actionem R. P. Constantio ob Physicam exantlatos labores cantata a Discipulis suis: Aegidius Jonas, Laurentius Egger, Josef Geist, Matthäus Klump, Lucas Graw, Joannes Geiger, Romanus Agricola. Collectio Aichhaim. Zentralbibliothek Zürich. Mscr. D. 86, fol. 106b.

 

Rmo Illmo Principi Pio S. Galli Amplissimo Praesuli faelicibus vertentibus Jani Auspiciis parva sed sacra musis comitantibus amore obsequio filiali. Collectio Aichhaim. – Zentralbibliothek Zürich. Mscr. D. 86, fol. 139.

 

Epigrammata monotisticha R. R. Docti P. Constantii Pfifer de Sanctis, ib. fol. 249.

 

De venerabili corpore Christi, ibid. fol. 257. (Ob von ihm?)

 

Vitae humanae descriptio, ibid. fol. 265. (Von?)

 

Carmina in quibus aliqua de gestis Beatae Joannae recensentur, ibid. fol. 267b. (?)

 

[i] Sed valde obscure et obscura.


33. Pius Reher

P. Pius (Simon) Reher von Bleienried im Gebiete des Stiftes Weingarten. Geboren 1597 oder 1598. Eltern: Martin Reher und Anna Lang. Er studierte zuerst in Ingolstadt, kam dann auf Verwenden seines Oheims, Johann Lang, der in Ochsenhausen Abt war, nach St.Gallen. Profess 10. August 1614. Philosophie studierte er bei P. Robert Blödt, dann kam er am 21. Mai 1613 nach Dillingen, wo er das Licentiat in der Theologie erwarb. Subdiakon 19. Dezember 1620 in Dillingen; Diakon 10. April 1621 in Augsburg; Priester 24. September 1622. Er war auch Präfekt der Sodalität.

 

Heimgekehrt, wurde er Professor der Humaniora; er hob vor allem das Studium des Griechischen. Ebenso lehrte er auch Theologie und Moral. 1624 wurde er Offizial. Am 5. August 1625 wurde er Subprior und Novizenmeister. Von 1623 bis 1630 versah er das Amt eines Kapitelssekretärs. Als Abt Bernhard während der Pest 1629 nach Rorschach ging, übernahm P. Pius die Leitung des Klosters, da der Dekan P. Probus Ritter die Pfarrei St.Fiden versah. Nach dem Tode Abt Bernhards wurde er am 15. April 1630 zum Abte gewählt und regierte als solcher bis zu seinem Tode, am 9. Dezember 1654 (s. d.). – Ein Bruder des Abtes, P. Christophorus, war Kapuziner; ein anderer, Georg, war Kornführer in Rorschach; ein dritter, Hans, starb am 28. August 1635 zu Rorschach an der Pest; ein vierter, Matthias, war Kammerdiener in St.Gallen. – Ein Bruder der Mutter war, wie erwähnt, Abt von Ochsenhausen, ein anderer Abt von Marienberg, während ein dritter, Sebastian, Mitglied des Stiftes Kaisersheim war.[i] (245)

 

Schriften:

 

Ausser den von ihm als Abt herausgegebenen Akten über das Konkordat mit Konstanz, die verschiedenen Rezesse der von ihm veranstalteten Visitationen (s.Abt Pius) stammen von ihm:

 

a) Gedruckte:

 

1. Theses de poenitentiae Sacramento, Praeside Jacobo Bidermann S. J., pro utroque baccalaureatu Theologiae consequendo. Dilingae 1621 et iterum 1622 ibidem sub eodem de Censuris pro Licentia Theologiae obtinenda (erwähnt in Band 233 des Stiftsarchivs St.Gallen). (Grolig)

 

2. Tricenarius virtutum etc. soll 1690 in St.Gallen erschienen sein (Grolig), (ob auch in B. 233?). Vgl. Bemerkung Scherers p. 420 z. Mscr. 1174.

 

Nach Scheiwiler, Abt Pius Reher von St.Gallen (Schweiz. Rundschau, Stans 1920. XX. Jahrgang, p. 186) soll er ein sehr brauchbares Compendium der Theologie verfasst haben, das er für den Unterricht benützte und das Abt Gallus später im Druck herausgab.

 

b) Ungedruckte:

 

1. De Johanne Calebyta. Eine lateinische Schulkomödie von Abt Pius ins Griechische übersetzt. In Mscr. 1374 (Sch., p. 453).

 

2. Fünf Gespräche zwischen einem katholischen Gottesmann und einem evangelischen Toggenburger über Religionssachen. Soll laut beigelegtem Zettel von Abt Pius sein. In Mscr. 1257 (S. 1-28 und 131-271), (Sch., p. 436).

 

3. Adhortationes ad suos Religiosos, Mscr. 1174, Papier 8°, unpag. (Sch., p. 420).

 

4. Aphorismi Cel. ac Rev. Abbatis Pii pro Confessariis in einer Handschrift des P. Bonifaz Weyermann im Kloster Glattburg (s. d.).

 

5. Leben des hl. Gallus. Der Abt bemerkt diesbezüglich am Ende seines Tagebuches anno 1653: Mense Decemb. ad instantiam Conventualium suscepi aliquas notas scribere in vitam S. Galli, a me in germanicam linguam translatam contra haereticos. Labor hic auxit mihi pectoris angustias.» Erhalten hat sich davon jedoch nichts.

 

6. Diarium Abbatis Pii ab anno 1630 ad annum 1653. Kopie von Stipplin. Stiftsarchiv St.Gallen, Band 262a. Das Autograph des Abtes von 1630 bis Ende 1649 enthält Band 1932, während die Fortsetzung dazu von 1650 bis Ende 1653 in Band 262b sich findet. 

 

[i] Stipplin, Band 234, p. 158.


34. Mansuetus Moser

P. Mansuetus (Nikolaus) Moser von Gmunden. Geboren am 6. Dezember 1597 als Sohn des Jakob Moser, Magister der Philosophie und Ratsherr, und der Maria Heini. Den ersten Unterricht empfing er bei den Dominikanern, die auch seine musikalischen Anlagen förderten. Profess 10. August 1614. Bei P. Justus Senn hörte er sodann die Humaniora, bei P. Robert Blödt Philosophie. Zum Studium der Theologie ging er mit Pius Reher und Modest Spiess nach Dillingen. Da er aber von schwächlicher Natur und überdies Skrupulant war, kehrte er auf den Rat seines Seelenführers, P. Peter Gottrau, des spätern Rektors der Universität, wieder heim. In Konstanz empfing er die Subdiakonats-[i] und die Diakonatsweihe[ii] und·kam dann als Organist nach St.Johann. Am 19. Februar 1622 empfing er die Priesterweihe und feierte am 28. März seine Primiz. Dann wurde er Kustos in St.Johann.[iii] Aber die Kolik plagte auch ihn, so dass er nach St.Gallen zurück musste; hier studierte er, wieder genesen, bei P. Matthäus Klump Moral, wurde dann Beichtvater und Gehilfe des Cellerars P. Gallus, dem er nach dessen Tod[iv] im Amte nachfolgte. Da ihm aber ein zurückgezogenes Leben besser zusagte, kam er wieder als Organist nach St.Johann. Aber schon bald erkrankte er wieder (Dispnesia) und kehrte nach St.Gallen zurück, wo er als Organist und Beichtvater sich betätigte; auch wurde er wieder Cellerar. Im Jahre 1629 ergriff die Pest auch ihn; er ging ins Absonderungshaus, heilte sich aber durch ein selbstbereitetes Mittel. Am 6. Juni 1631 kam er wieder nach St.Johann. Da er dort bald erkrankte, ging er nach Wil und von dort am 11. Oktober 1633 nach St.Gallen. Abt Pius sandte ihn am 15. April 1635 mit P. Gregor Werlin nach Homburg; doch musste er am 8. November magenkrank wieder heimkehren. Hier starb er, völlig abgemagert, am 7. Dezember 1635, erst 38 Jahre alt. Er wurde im Kreuzgang begraben, wo ihm ein von P. Magnus Brüllisauer verfasstes Epitaph gesetzt wurde:

 

Mansueto mihi nomen erat, mansuescere discet,

Quisquis erit mortis, judiciique memor.

 

Ein Bruder war Franziskaner, ein anderer Weltpriester und Propst in Hornbach.[v] (246)

 

[i] 21. September 1619.

[ii] 19. September 1620.

[iii] 26. November 1624.

[iv] 1. Februar 1628.

[v] Stipplin, Band 195, p. 547. – 1425, III, 130.


35. Aegidius Jonas

P. Aegidius (Gabriel Daniel) Jonas von Buch (Neugüttingen). Geboren am 10. Mai 1599 auf der Burg Waldegg bei Straubenzell, wo sein Vater, Johann Philipp J.,[i] in äbtischen Diensten stand; die Mutter war eine Helena Stauder von Winkelbach.[ii] Sein Taufpate war Abt Bernhard. Er kam am 2. Januar 1607 in die Schule nach Rorschach und am 2. Februar 1611 nach St.Gallen, wurde aber am folgenden 15. November der Pest wegen heimgeschickt. Am 10. Februar 1612 kehrte er wieder zurück und wurde bald Novize. Profess 10. August 1615. Nachher setzte er seine Studien fort, begann 1616 unter P. Justus Senn die Humaniora, 1617 unter P. Ambros Negelin die Rhetorik. 1618 wurde er, obwohl in St.Gallen weilend, in die marianische Sodalität zu Ingolstadt aufgenommen. 1620 begann er das Studium der Dialektik unter P. Ambros Negelin. Am 19. September 1620 empfing er in Konstanz die Subdiakonatsweihe, studierte dann Moral unter P. Deicola Enderlin, wurde am 21. Mai 1622 Diakon in Konstanz und begann das Studium der scholastischen Theologie am 22. August 1622 unter den Patres Modest Spiess und Pius Reher. Am 19. September 1623 Priester geworden, feierte er am St.Gallustag seine erste hl. Messe.

 

Zunächst wurde er am 23. Oktober 1623 Kaplan[iii] des Abtes; am 4. Dezember des nämlichen Jahres Subcellerar und Unterbibliothekar. Seine Gesundheit zwang ihn, am 18. Mai 1624 ein Bad in Griesbach aufzusuchen; von dort ging er vom 6. bis 25. Juni nach Veldbad. In der Oktav von Maria Himmelfahrt wurde er als Lehrer nach Rorschach geschickt, von wo aus er im Verein mit Statthalter P. Robert Blödt die Kirche in Grub zu versehen hatte, wo er am 12. September seine erste Predigt hielt. Am 8. Oktober 1626 wurde er nach St.Gallen zurückberufen. P. Lukas Graf kam für ihn nach Rorschach. Er selber musste am 13. Oktober nach Fulda. Wie er und seine Genossen dort eingeführt wurden, hat er ausführlich beschrieben (s. u.). Vom 13. November 1626 bis 6. Juli 1627 war er in Fulda Praeceptor der Schule, dann versah er bis zum 19. September die Stelle eines Kaplans des Fürstabtes. Hierauf, als P. David Schaller diese Stelle übernahm, wurde er Domprediger. Als solcher hielt er am 21. September seine erste Predigt. Am 13. November 1628 wurde er Katechet, bis am 7. Februar 1629 seine Versetzung nach Hersfeld erfolgte, wo er Paedagogus, Praeceptor und Prediger war. Am 3. Januar 1630 kehrte er nach Fulda zurück, wurde hier ebenfalls Paedagogus, Lehrer der Humaniora und zugleich Registrator der Bibliothek. Der Tod Abt Bernhards rief ihn am 3. April 1630 zur Neuwahl nach St.Gallen zurück, von wo er aber am 22. April wieder nach Fulda zurückkehrte. Dort wurden am 17. Dezember 14 Novizen aufgenommen, deren Novizenmeister er am 20. Dezember wurde. Als im August 1631 Gustav Adolf heranrückte, der Hersfeld bereits eingenommen hatte, musste er sich, wie seine Mitbrüder, auf die Flucht begeben. Am 27. Oktober langte er in Rorschach an. Dort begann er am 12. Januar 1632 den Moralunterricht für die aus Fulda mitgeflohenen Novizen, bis ihn am 18. März der ebenfalls nach Rorschach gekommene Fürstabt Bernhard von diesem Amte befreite und es P. Modest Spiess übertrug. P. Aegidius kam am 28. Mai nach St.Johann, wo er Vorsteher der dortigen Schule wurde. Er erzählt, wie er von dort aus am 21. Juni den Stockberg und am 7. Juli den Speer bestiegen hätte, freilich zum ersten und letzten Male; denn es heisse: «Du sollst den Herrn deinen Gott nicht versuchen!» 1633, 9. Januar, wurde er zum Pfarrer in Stein ernannt.[iv] Aber schon am 7. Mai kam er krank nach St.Gallen zurück, wo er hierauf Beichtvater, Fest- und Hofprediger wurde. Am 16. März 1634 erfolgte seine Ernennung zum Katecheten und am folgenden 21. Mai zum Paedagogen und Praeceptor. Am 7. Oktober wurde er als «Minister stolae pro baptismo et nuptiis» bestellt. Am 22. Juni 1635 vom Schulehalten befreit, blieb er Vorsteher der Schule und übernahm zugleich die Leitung der Bibliothek.[v] Als aber die Pest wieder kam, ging er am 1. Oktober 1635 zugleich mit den Schülern nach Rorschach, wo man zunächst im dortigen Kloster (Marienberg) blieb; als aber Br. Notker an der Pest starb, nach der Burg Wartensee ging. Am 22. Dezember konnte man wieder nach St.Gallen zurückkehren. Hier wirkte er an der Bibliothek weiter, war daneben aber noch Beichtvater in Notkersegg und St.Georgen. Am 23. Juni 1637 befreite ihn der Abt von dem Amte eines Paedagogen und am 19. Februar 1638 auch von dem Amte eines Hofpredigers. Dafür wurde er im folgenden Jahre Fraterinstruktor und Cellerar. Vom 14. Juni bis 29. Juli weilte er zur Kur in Baden. 1640 wurde er auf ein neues Beichtvater in St.Georgen, am 31. Mai 1641 wieder Kellermeister, Novizenmeister und Brüderinstruktor, welche Ämter ihm offenbar zeitweise abgenommen worden waren. Am 2. November 1642 ging er als Küchenmeister und Cellerar nach Rorschach, kam aber schon Mitte August 1643 als Subprior, Vestiar, Prediger, Katechet und Konventbeichtvater nach St.Johann. Am 10. April 1646 wurde er Pfarrer in Nesslau und Krummenau, musste aber im Juli 1647 krank nach St.Gallen zurückkehren, wo er, wieder hergestellt, Katechet wurde. Im Sommer 1648 besuchte er das Bad Pfäfers und ging dann am 7. Oktober 1648 von Neuem nach Alt St.Johann, wo er Prior, Pfarrer und Unterstatthalter wurde. Doch zwang ihn die Kolik anfangs Juni 1649 auf em neues zur Rückkehr nach St.Gallen. Genesen kehrte er am 3. Oktober 1649 auf seinen Posten zurück, musste ihn aber am 24. März 1652 wieder verlassen, um schliesslich am 20. Februar 1653 neuerdings zurückzukehren. Abt Pius sandte ihn für kurze Zeit als Prediger nach Füssen. Am 5. Januar 1654 setzte der Tod diesem reichbewegten Leben, das uns P. Aegidius selbst geschildert, ein Ziel, obwohl er erst 55 Jahre alt war. Er fand in der Pfarrkirche zu Alt·St.Johann seine letzte Ruhestätte, vor dem Altar der allerseligsten Jungfrau.

 

Surge! dies tantum ternos requievit Jonas,

Aevum tune Jonas, hoc recubabis humo?

lautete das ihm gesetzte Epitaph.

 

Ebenso bewegt wie die Lehensschicksale unseres P. Aegidius waren auch die seiner zahlreichen Brüder. Einer derselben, Jakob, der Hauptmann war, verlor am 8. November 1621 vor Prag ein Bein, starb am 10. November und fand im Kloster Strachow seine letzte Ruhestätte. Ein anderer Bruder, Joachim Philipp, war zuerst Stallmeister des Grafen von Ems, wurde später Landeshauptmann des Erzbischofs Mark Sittich, Grafen von Ems, zu Salzburg, und fiel am 1. Mai 1624 bei Teckerhagen im Hessischen Räubern zum Opfer. Er wurde im Dominikanerinnenkloster zu Wartburg begraben. Ein anderer Bruder, Johann Philipp, stand ebenfalls in erzbischöflich-salzburgischen Diensten, war Obrist-Wachtmeister und erzbischöflicher Truchsess; gestorben 29. November 1641. Ein weiterer Bruder, Franz, war Kapitular von Ochsenhausen; er starb am 17. Mai 1647 auf der Burg Blatten und wurde in der Pfarrkirche zu Montlingen begraben. Ein letzter Bruder endlich war als P. Wilhelm Mitglied des Klosters Pfäfers (s. d.) und starb am 16. Juli 1633. Eine Schwester, Johanna, starb als Klosterfrau in Notkersegg am 17. Dezember 1629.[vi] (247)

 

Schriften:

 

Nach Stipplin soll er eine Abhandlung über Katechese verfasst haben, die aber nicht mehr vorliegt. 

 

[i] Gestorben 25. August 1615.

[ii] Gestorben 28. September 1635.

[iii] Orator.

[iv] Rothenflue lässt ihn 1633-1634 Pfarrer in Alt St.Johann sein, was nicht richtig sein kann.

[v] Vgl. Weidmann, p. 81.

[vi] Vgl. Stipplin, Band 195, p. 556-569, wo er die Tagebuchaufzeichnungen des P. Aegidius gibt, die sonst weiter nicht mehr erhalten sind; ebendort findet sich das Verzeichnis seiner Angehörigen sowie auch ein Stammbaum der Familie mit Wappen. Auch ein Verzeichnis der Orte, wo er gepredigt hat, liegt bei.


36. Laurentius Egger

P. Laurentius (Daniel) Egger von Tablat. Geboren am 4. Februar 1599 als Sohn des Ammann David Egger und der Justina Heer aus Rorschach. Profess 10. August 1615. Als Philosophie- und Theologiestudent zeichnete er sich besonders in der Kasuistik aus, weshalb er später ein ausgezeichneter Beichtvater wurde. Subdiakon 19. September 1620; Diakon 21. Mai 1622; Priester 23. September 1623. Primiz am 22. Oktober.

 

Priester geworden, versah P. Laurentius zuerst die Ämter eines Subcellerars, Unterkustos und Subvestiars, wurde dann, da er ein guter Sänger war, Kapellmeister. Am 18. Januar 1625 wurde er nach St.Johann versetzt. Auch ihn traf 1626 das Los, nach Fulda zu ziehen, wo er Cellerar und Küchenmeister war. Von Fulda mit den übrigen heimgekehrt, war er zuerst, seit dem 3. Februar 1632, Küchenmeister in St.Gallen, aber schon am 31. März 1633 Statthalter in St.Johann, bis er am 3. Mai 1639 für P. Bernhard, der als Statthalter nach Wil kam, Stiftsdekan wurde. Auf sein Betreiben vorab ward die grosse Glocke gegossen, ebenso in der Kirche der Hochaltar, andere Altäre und das Chorgestühl aufgestellt. Er führte die Rosenkranzbruderschaft und den Brauch, die Lauretanische Litanei zu beten, in St.Gallen ein. Die seit vielen Jahren unterbliebene Sitte, nach der Komplet das «Media vita» zu singen, wurde durch ihn wieder eingeführt. Er war auch Visitator der Frauenklöster. Lange schon von Podagra gequält, bat er um Entlassung vom Dekanate, die ihm am 30. August 1652 gewährt wurde. Er lebte nun still für sich und starb schon am 7. April 1655, 57 Jahre alt, an einem heftigen Katarrh.

 

«Erat maturus moribus, in Choro strenuus, consilio magnus et solers, affabilis, amabilis et gratus hominibus. Diligebat Fratres summopere, eos fovebat paterne et quantum disciplina et aequitas permittebant, defectus Fratrum excusabat, pullibabat, supprimebat, in iis nimium curiose indigandis sollicitus atque adeo plus sic amabatur, quam timebatur. Si quem tristem, tentatum aut alias afflictum advertisset, nihil non omittebat, dum illum pristinae quieti restituisset. Scripta, quos post se reliquit, plena sunt pietate et spiritu vere benedictino. Fuit porro Laurentius procerae satis staturae, subrufus ut David, aetate tamen perfectiori totus canus.»[i] Von seinen Schriften hat sich nichts mehr erhalten. (248)

 

[i] Stipplin, Band 195, p. 574. – Hist.-biogr. Lexikon der Schweiz II, 786.


37. Josef Geist

P. Josef (Johann Rudolf) Geist von Wildegg. Geboren im April 1601 in Rottweil, wo sein Vater, Johann Christophorus Geist von und zu Wildegg, Assessor am kaiserl. Hofgerichte war; die Mutter hiess Maria Sophia Spretterin von Kreidenstein. Er besuchte in Rottweil die Schulen und kam an Allerheiligen 1612 nach St.Gallen, besuchte vier Jahre lang die Klosterschule, trat dann ins Noviziat und legte am 10. August 1617 Profess ab. Bei P. Constantius Pfiffer hörte er Philosophie, Theologie bei den Patres Modestus Spiess und Pius Reher. Subdiakon 21. Mai 1622; Diakon 23. September 1623. Er machte bereits die Exerzitien auf den Empfang der hl. Priesterweihe hin, als ihn eine heftige Kolik ergriff, von der auch einige Patres und besonders die Fratres heimgesucht wurden; man schrieb sie einer Verunreinigung des Kellers durch den zu nahe liegenden Abort zu. Erst 25 Jahre alt starb P. Josef am 19. August 1625.

 

Das von P. Ambros Negelin, der sein Leben und seinen Tod beschrieb, ihm gesetzte Epitaph lautete:

 

Principium vitae, mediumque et clausula mors est,

Lector disce mori, namque necesse mori.

 

«Homo rectus et simplex, ambitionis expers et humilis ac pauper. Verecundus et postquam usu rationis privatus fuit ad stuporem famulorum et aliorum sibi servientium; mitis totus et semper, patiens in summis doloribus, ita ut non aperiet os suum ad conquerendum. Diligens in confitendo et communicando, discordiarum osor, solitudinis amans. Cultor B. V. M. Virtutum et pietatis maxime studiosus aemulator. Non quaerulosus, charitatis et pacis amans, ut nemo meminerit, se unquam ab eo laesum aut offensum. Reverentialis cumprimis erga Seniores omnes et Confratres.»[i]

 

Ein Bruder war P. Andreas in Weingarten, der am 28. April 1637 als Abt von Hirsau starb. (249)

 

[i] Mscr. 1425, p. 136-147; 1429, fol. 97b-101b; Stipplin, Band 195, p. 582.


38. Mathäus Klump

38. P. Mathäus (Johann Kaspar) Klump von Freiburg i. Br. Geboren am 17. Dezember 1599. Sein Vater, Bernhard Klump von Zell, war Ammann des Gotteshauses St.Gallen in Norsingen; die Mutter war Magdalena Zellenberger von Freiburg i. Br. Profess 8. September 1618; Subdiakon 21. Mai 1622; Diakon 23. September 1623; Priester 20. September 1625; Primiz 28. September 1625. Da er ein besonders guter Moralist war, erteilte er lange Unterricht in Moral. Daneben war er ein ausgezeichneter Prediger. Nach Stipplin sollen seine Predigten noch vorhanden sein, doch ist heute nichts mehr davon herum. Eine Zeitlang war er auch Katechet. 1629 wurde er nach Fulda und von dort nach Hersfeld geschickt, wo er als Lehrer und Prediger sich betätigte. Heimgekehrt, nahm er hier die frühere Tätigkeit wieder auf. Vom 15. August 1643 bis 15. November 1646 finden wir ihn als Gehilfen des Statthalters in Neu-Ravensburg. Überhaupt vertrat er hin und wieder zeitweise seine Mitbrüder in ihren Beamtungen. Am 16. Januar 1650 wurde er Kinderlehrer. 1652 war er Vizeoffizial, von 1653-1656 Offizial. Schon längere Zeit magenleidend und an Podagra krank, starb er am 19. März 1657, 58 Jahre alt, eines plötzlichen Todes. Es war gerade am Tage, da man P. Bernhardin Bayer beerdigte. Als dieser starb, meinte er, er werde noch manchen überleben müssen; als er sich dann anschickte, für den Mitbruder das hl. Messopfer darzubringen und der dienende Bruder das Nötige dafür herrichtete, fand er, als er auf die Zelle des P. Mathäus kam, diesen tot auf einem Stuhle sitzend.[i] (250)

 

[i] Stipplin, Band 195, p. 595.


39. Markus Moser

P. Markus (Ulrich) Moser von Rorschach. Geboren am 8. September 1603. Eltern: Lorenz Moser und Anna Kehner. Profess 8. September 1618. Subdiakon 21. Mai 1622; Diakon 23. September 1623; Priester 20. September 1625. Primiz am St.Gallustag. Am 21. April 1626 kam er nach St.Johann. Schon nach drei Jahren wurde er geisteskrank. Schon in der Jugend war er sehr schweigsam, so dass die Kameraden ihn nur den «Mauser» nannten. Eine der in Wonnenstein vom Teufel besessenen Klosterfrauen soll P. Augustin Rennhas (s. d.) vorausgesagt haben, dass P. Marcus vom Teufel besessen würde. Als Frater hatte er sich durch seine Tugend, seine Frömmigkeit und Regeltreue ausgezeichnet. Er wurde zunächst im Kloster eingeschlossen, später nach Rorschach verbracht. Dort erlag er am 12. Oktober 1629 der Pest und wurde im Kreuzgang begraben.

 

«Erat moribus valde compositus, summe modestus atque ad nutum obediens. Habebat staturam corporis mediocrem, corpus crassum, membra fortia, latam faciem, vultum plerumque et maxime coram aliis, si quid ageret, virgineo rubore suffusum, vocem virilem, barbam nigricantem, animum vero virtutibus admodum excultum ornatumque.» Abt Ulrich Wittwiler von Einsiedeln (1585 bis 1600) war sein Grossoheim.[i] (251)

 

[i] Mscr. 1425, III, 148. – Stipplin, Band 195, p. 603.


40. Lukas Graf

P. Lukas (Martin) Graf (Grauw, Grau) von Altkirch im Elsass.[i] Geboren 10. November 1596. Eltern: Christoph Graf und Elisabeth Cristiner. Subdiakon 21. Mai 1622; Diakon 23. September 1623; Priester 20. September 1625. Primiz 4. Oktober 1625.

 

Zuerst war er als Praeceptor und Paedagogus tätig in St.Gallen und in Rorschach, dann wurde er am 22. August 1630 Kustos in St.Gallen; ebenso war er eine Zeitlang Küchenmeister, Vestiarius und Kaplan der Äbte Bernhard und Pius. Vom 2. Mai 1630 an war er Subprior in St.Johann und wirkte dort, wie in St.Gallen, als guter Prediger. Ende Januar 1635 schickte ihn der Abt nach Ebringen; aber schon am 19. Februar kehrte er mit P. Robert zurück, da dort alles durch Pest, Hunger und Krieg verwüstet war. Er wurde am 3. September 1635 für einstweilen nach Homburg geschickt, musste sich aber Ende Dezember wieder als Pfarrer nach Ebringen begeben. Er war damals weit herum der einzige Priester. Von dort kam er im September 1639 heim, wurde hier am 27. April 1640 Küchenmeister und kam am 4. Oktober 1640 nach St.Johann, wo er am 25. Juni 1642 Subprior wurde. Als P. Roman von Lauffen aus Murbach heimkehrte, wurde er ihm am 21. August 1643 auf einige Zeit beigesellt. Am 29. August 1644 erfolgte seine Ernennung zum Pfarrer von Ebringen. Er kam freilich im November wieder zurück, weil fast keine Bewohner mehr dort waren. Am 7. August 1645 wurde er wieder hingeschickt, wo er in der Folge sein ganzes Leben zubrachte. Er starb daselbst am 24. September 1667, 74 Jahre alt, als Senior des Konventes. Vor dem Muttergottesaltar der Pfarrkirche fand er seine letzte Ruhestätte.

 

Fuit staturae submodicae, facie nigritante, caetera amabilis et affabilis, castus, cibi potuque parcus, Religiosus exemplaris, verbo: vir vitae probatae. Abt Gallus bemerkt zu seinem Tode:[ii] Erat verus frater et Israelita. Sein Bruder Christoph war ein sehr tüchtiger Arzt.[iii] (252)

 

Schriften:

 

Eine spätere Hand bemerkt bei Stipplin (195, 614), dass er in Ebringen ein Gebetbuch zum Gebrauch für seine Pfarrkinder verfasste und drucken liess; in der Vorrede hätte er daran erinnert, was er in 30 Jahren als Pfarrer von Ebringen durchgemacht. Es scheint kein Exemplar davon mehr vorhanden zu sein. 

 

[i] Mscr. 1259 und Scherer haben Gähwil.

[ii] Diarium III, 120.

[iii] Stipplin, Band 195, p. 614. – Eine Bemerkung, wonach er 1646 Pfarrer in St.Johann gewesen sei, dürfte kaum zutreffen.


41. Johann Geiger

P. Johann (Oswald) Geiger von Luzern. Geboren am 8. Dezember 1598 als Sohn des Burkhard Geiger[i] in Lichtensteig und der Katharina Hammer von Luzern.

 

Stipplin hat uns die tagebuchartigen Aufzeichnungen des P. Johannes,[ii] die bis zur Primiz 1625 reichen, aufbewahrt. Danach besuchte er seit 1606 die Schule, lernte Deutsch und Latein zugleich. 1610 kam er ans Jesuitenkolleg seiner Vaterstadt. Den Studiengang daselbst beschreibt er sehr ausführlich; ebenso gibt er am Schlusse ein alphabetisches Verzeichnis seiner Mitschüler in Luzern. Sein Vater starb am 8. September 1614 in Vercelli. Er selber kam am 19. Juli 1616 nach St.Gallen.[iii] Am 4. November 1616 trat er in das Noviziat ein; vom Heimweh ergriffen, verliess er es aber wieder unter dem Vorwande, vom Fieber geplagt zu sein. Am 1. März 1617 kam er aber wieder nach St.Gallen, wo er neuerdings unter die Schüler aufgenommen wurde.[iv] Über die nun folgenden Studien berichtet das Tagebuch sehr ausführlich, ebenso über die Examina, Disputationen usw.

 

Profess 8. September 1618; Subdiakon 21. Mai 1622; Diakon 23. September 1623; Priester 23. September 1625. Primiz 5. Oktober 1625. Er wirkte fast sein ganzes Leben lang als Lehrer der Philosophie; nur einmal gab er einen Cursus der Theologie. Auch als Lehrer der Beredsamkeit war er verschiedentlich tätig. Als die Pest 1629 kam, zog er mit den Schülern nach Rorschach, kehrte dann aber wieder mit ihnen zurück. Vom 26. April 1630 bis zu seinem Tode versah er auch das Amt eines Kapitelssekretärs. Ebenso war er Cellerar[v] und Küchenmeister. Unter Abt Pius wurde er vom 3. September 1631 bis 16. Januar 1634 Subprior und Novizenmeister. Er war auch Notarius Apostolicus. Zuletzt war er vom 27. April 1640 bis zu seinem Tode Statthalter von St.Gallen. Er starb an der Auszehrung, erst 47 Jahre alt, am 16. September 1644. Die ihm gesetzte Grabschrift lautete:

 

Sis doctus licet usque, tamen moriere Viator,

Proderit id solum, si moriare bene.

 

«Vir undique doctissimus» lautet das ihm gespendete kurze aber inhaltsreiche Lob.

 

Er schrieb 1630 ein philosophisches Lehrbuch, nach dem die folgenden Professoren der Philosophie solange ihre Vorlesungen hielten – wie es Abt Pius übrigens am 11. Dezember 1644 nach reiflicher Beratung eigens verordnet hatte – bis P. Cölestin Sfondrati ein neues Lehrbuch verfertigte.[vi]

 

Stipplin sagt von ihm:[vii] «Vir certe doctissimus, Orator, Poeta, Concionator, Philosophus, Theologus, si quispiam, absolutissimus. Scripsit et corrasit multa, Antiquitatum studiosissimus indigator, sed nihil absolvit et secretorum suorum tenax.

 

Eine Schwester, Margaretha, war am 8. September 1623 in Wonnenstein als Sr. Angelina eingetreten.[viii] (253)

 

Schriften:

 

a) Gedruckte:

 

1. Theses theologicae de quatuor virtutibus cardinalibus . . . quas posuerunt . . . ad S. Galli professi et theologiae studiosi (ohne Aufzählung der Namen). Excudebantur apud S. Joannem in Valle Thurae formis Monasterij Anno MDCXXXVII. 4°, 2 Bll. (Stiftsbibliothek GG. M. VI, 1 Adl. 14; GG. M. VI, 3 Adl. 6; GG. M. VI, 7. – Grolig). Dieses bildete nur das Titelblatt zu den nachfolgenden einzelnen Thesen, welche unter P. Johann als Präses verteidigt wurden, die Scherer in Nr. 238-241 aufführt, von denen aber nach Grolig kein Bibliotheksexemplar aufzufinden ist. Die Thesen folgen GG. M. VI, 14-17.

 

2. Assertiones de prudentia (defendent Basilius Renner et Chrysostomus Stipplin. In Monasterio S. Joannis. 1634. 4°, 6 S.

 

3. Assertiones de fortitudine defendent Gallus Alt et Placidus Bridler. In Monasterio S. Joannis 1634. 4°, 11 S.

 

4. Assertiones de temperantia. Defendent Yso Pfau et Hermannus Huttler. In Monasterio S. Joannis 1635. 4°, 29 Bll.

 

5. Assertiones de justitia. Defendent Otmarus Keßler et Athanasius Gugger. In Monasterio S. Joannis 1635. 4°, 7 Bll. (Grolig).

 

6. Septem evangelicae legis sacramenta succinctiore thesium compendio exhibita, de quibus in S. Galli monasterio disputabunt theologiae studiosi. Excudebantur apud S. Joannem in Thurae Valle formis monasterii. Anno MDCXXXVII. 4°, S. 1-17; (S. 8/9 in der Zählung übersprungen); S. 10-12. – Stiftsbibliothek GG. M. VI, 1 Adl. 32; GG.M. VI, 16 Adl. 1; GG.M. VI, 8 Adl. 2. (Grolig).

 

b) Ungedruckte:

 

1. Cursus philosophicus, der oben erwähnt wurde, aber nicht mehr erhalten ist.

 

2. De Vita et miraculis B. Notkeri Balbuli S. Spiritus Vasculi Emblemata 12, directore P. Joanne Geiger FF. Athanasius et Basilus, Chrysostomus. Collectio Aichhaim. III. Zentralbibliothek Zürich, Mscr. D. 81, fol. 82b-116.

 

3. De aliis quibusdam S. Galli Monachis et Abbatibus tam sanctitate et pietate, quam etiam Scientia et doctrina eximiis 9 Emblemata, ib. fol. 116b-140.

 

4. De Conceptione Beatissimae Virginis. Collectio Aichhaim VI. – Zentralbibliothek Zürich, Mscr. D. 77, fol. 171 bis 180.

 

5. Epigrammata quaedam pro rebus domesticis et calendis Januarii congrue exhibenda. Collectio Aichhaim VIII. Zentralbibliothek Zürich, Mscr. D. 86, fol. 128.

 

6. Venerabile Sacramentum Eucharistiae variis ornatur titulis, ib. fo1. 160.

 

7. Elegia (d. d. 6. Mai 1631), ibi. fol. 187. – De Assumptione B. V. M. ib. fol. 188. – B. Tutelonis Pictoris pium votum, ib. fol. 207b; Encomium oeconomicum circa frequens Ministerium (für Oekonom P. Anselm Megelin), ibi. fol. 208. – Elegia de S. Othmaro Abbate, ibi. fol. 218b; Bivium Christiani hominis ibi. fol. 222b; Carmen Elegiacum in ascensu publico recitandum ad literarum amatores, ibi. fol. 225.

 

8. Memoriale exercitiorum spiritualium. Bei Stipplin Band 195, 637.

 

9. Tagebuch bis 1625 (1626-1628 nur kurz) bei Stipplin Band 195, 619ff. 

 

[i] Civis Lucernensis.

[ii] Band 195, 619ff.

[iii] Das Empfehlungsschreiben der Jesuiten siehe Bd. 195, 621f.

[iv] Es waren im ganzen 15, von denen aber nur fünf ins Kloster eintraten.

[v] 7. April 1634.

[vi] v. Arx III, 272.

[vii] Band 195, p. 619-640.

[viii] Stiftsarchiv St.Gallen, Band 233.


42. Romanus Baur

P. Romanus (Johann Leonhard) Baur (Agricola) von Konstanz. Geboren am (?) 1602 als Sohn des Nikolaus Baur, der Oberamtmann der Dompropstei war, und der Magdalena Schenk. Profess 22. Oktober 1618; Subdiakon 20. September 1625; Diakon 19. September 1626; Priester 19. Dezember 1626. Zur Primiz schenkten ihm seine Eltern einen silbernen Kelch. Er hatte die Humaniora erst nach der Profess unter P. Constantius Pfiffer zu studieren begonnen, machte sodann seine philosophischen und theologischen Studien unter den Patres Modest Spiess und Pius Reher: «studio ac diligentia singulari».

 

Zuerst wirkte er als Lehrer für Latein und Griechisch und als Beichtvater, dann kam er nach Neu St.Johann, von wo aus er die Pfarrei Stein besorgte. Die Kolik zwang ihn aber, St.Johann zu verlassen, und so kam er nach Wil, wo er für P. Maurus Hafner Unterstatthalter wurde und zugleich Kaplan bei den Nonnen in St.Katharina. Wieder ging er nach St.Johann, wo er am 22. August 1630 Subprior wurde. Aber ein zweites Mal befiel ihn die Kolik. Nun kam er nach St.Gallen zurück, wurde hier Beichtvater und Kapellmeister, da er ein besonderer Liebhaber der Musik war. Er tat viel auf diesem Gebiete und unterrichtete auch die Knaben im Gesang. Ebenso war er bekannt als Schönschreiber; für die Translationsfeierlichkeiten der Heiligen Otmar und Notker schrieb er viele Inschriften. Auch andere unterrichtete er im Schreiben der Choralbücher. Die letzten zwei Jahre seines Lebens – er wurde nur 34 Jahre alt – war er Unterstatthalter in Rorschach. Hier ergriff ihn 1635 die Pest, der er am 10. November erlag.

 

Er wurde seinem Wunsche gemäss auf dem Pfarrfriedhof begraben.

 

Pater meus agricola est. Joa. 15.

Praepropera pestis consumptus febre, repente

Efficitur coeli civis hic agricola.

 

lautete das ihm gesetzte Epitaph.

 

«Erat vir ingenio versatili, velox in omnibus suis operibus, expeditus promptusque ad omnia, sobriae et continentis vitae, multae lectionis, veritatis imprimis et charitatis fraternae cultor et amator singularis. Staturam habuit iustam, faciem candidam, oculos glaucos, labium (ut B. Notkerus Labeo) latum, nasum sat crassum, vultum serenum et ad gravitatem compositum, vocem sonoram, barbam nigram et admodum densam, animum vero egregiis et homini religioso dignis virtutibus adornatum.»[i] (254)

 

Schriften:

 

Nach Weidmann (p. 68) hat er eine ganze Philosophie im Auszug hinterlassen, ebenso auch einige dramatische Stücke, die aber ebenfalls abhanden gekommen sind (v. Arx III. 270; Weidmann p. 78, Anm. 231, wo er als Todesjahr irrig 1638 angibt). 

 

[i] Mscr. 1425, III, 152. – Stipplin, Band 195, p. 644.


43. Plazidus Greuter

P. Plazidus (Johann) Greuter (Grüter) von Rotmonten. Geboren 6. Mai 1602. Er stammt von guten, ehrbaren Eltern ab, deren Name nicht genannt wird. Durch Vermittlung des P. Bartholomäus Kine kam er an die Klosterschule, wo er unter P. Maurus Hafner die niedern Studien machte. Profess 24. August 1620. Philosophie hörte er bei P. Johannes Geiger, Moral bei Pius Reher und Matthäus Klump. Subdiakon 23. September 1623; Diakon 20. September 1625; Priester 19. September 1626. Primiz 29. September 1626.

 

Schon als Frater war er dem P. Probus im Vestiariat als Gehilfe beigegeben worden. Später folgte er auf P. Augustin als Kustos. Als die Pest 1629 hereinbrach, blieb er in St.Gallen. Wie er da einmal die Kommunion austeilte, sagte ihm eine Frau, sie hätte die Pest. Darüber erschrak er so, dass er selber auch krank wurde; schon einige seiner Verwandten waren an der Pest gestorben. Er wurde in das Absonderungshaus gebracht, wo er am 17. September 1629 starb, bis zuletzt seiner Sinne mächtig, was sonst bei den Pestkranken selten der Fall war. Er wurde zuerst in der St.Peter und Paulskapelle, dann aber auf dem Otmarsfriedhof beigesetzt. «Natura dexter et habilis . . . Omnis fraudis dolique expers, eodem semper vultu, verecundus ac modestus fuit.»

 

Sein Bruder Balthasar war als P. Maurus in Fulda eingetreten, als die St.Galler dort die Reform an die Hand genommen hatten. Er wurde daselbst Subcellerar, musste dann aber fliehen und kam nach St.Gallen, wo er Priester wurde und seine Primiz feierte. Nach drei Jahren wollte er heimkehren, aber Fulda und Hersfeld waren verwüstet, auch herrschte die Pest daselbst, und so kehrte er wieder nach St.Gallen zurück. Hier teilte er am St.Gallustage dem Volke mit dem Löffel des hl. Gallus Wein aus, wobei er von der Pest angesteckt wurde, der er am 20. Oktober 1635 erlag. – Ein anderer Bruder, Landelin, war Franziskaner geworden, während von den zwei Schwestern die eine Cisterzienserin, die andere Dominikanerin[i] wurde.[ii] (255)

 

[i] Nach Stipplin Franziskanerin.

[ii] Mscr. 1425, III, 152; 1429, fol. 16b-19b. – Stipplin, Band 195, p. 655.


44. Theodor Ruop

P. Theodor (Friedrich) Ruop von Tettnang. Geboren am 15. Februar 1602. Eltern: Mathäus Ruop und Maria Magdalena Hälin von Bregenz. Profess 24. August 1620; Subdiakon 23. September 1623; Diakon 20. September 1625; Priester 19. September 1626. Primiz 4. Oktober 1626. – Er wirkte zuerst in St.Johann, wo er allein von der Kolik verschont blieb. Einige Zeit versah er die Pfarrei Stein. Länger konnte er aber keine religiösen Übungen mehr machen, wie man glaubte diabolica seu phantastica imaginatione, bis er, anlässlich der Übertragung der Reliquien der Heiligen Otmar und Notker 1628, wieder hergestellt ward. Jedenfalls war er, wie aus allem hervorgeht, sehr nervös veranlagt. 1630 war er wieder in St.Johann. Am 4. September 1631 kam er wieder nach St.Gallen zurück, wo er am 26. November Vestiarius wurde. Am 23. Dezember 1632 kam er wieder nach St.Johann. Am 25. Juni 1642 wurde er Pfarrer in Wildhaus.[i] Lange blieb er jedenfalls nicht auf diesem Posten; denn er starb, wie es heisst, nach langem Siechtum am 5. März 1648 an einer den Ärzten unbekannten Krankheit in St.Johann. Man setzte ihm, als dem ersten, der im dortigen Kreuzgang begraben wurde, folgendes Epitaph:

 

Putredini dixi etc. Job. 17.

Numinis es donum vivus, dubitavero? Numen

Post mortem munus repetiisse suum?

 

«Staturam habuit virilem.» – Ein Verwandter von ihm, Johann Kaspar Ruop, war Kanoniker und Pfarrer an der Kollegiatskirche St.Johann in Konstanz.[ii] (256)

 

[i] Rothenflue hat einen gewissen Grepp von 1640 bis 1642, der wohl identisch mit P. Theodor sein sollte.

[ii] Stipplin, Band 195, p. 667.


45. Michael Widenmann

P. Michael (Ludwig) Widenmann von Augsburg. Geboren am 8. Oktober 1603 in Elchingen als Sohn des spätern st.gallischen Pfalzratschreibers Ulrich Widenmann von Augsburg und der Katharina Müller. Er wurde von seinem Vater nach Dillingen geschickt, wo er auch Sodale wurde. Von dort kam er nach St.Gallen, wo er am 7. Februar 1621 Profess ablegte. Er studierte Philosophie bei P. Constantius, Theologie bei den Patres Modest und Pius. Subdiakon 20. September 1625; Diakon 19. September 1626; Priester 8. April 1628, worauf er seine Primiz am Ostermontag feierte. Er war als Paedagog und Praeceptor der Klosterschüler sehr tätig; verfasste insbesondere mehrere Spiele,·die er mit seinen Schülern vor dem Abte aufführte. Die Aufführung des letzten, das den ägyptischen Joseph behandelte, erlebte er nicht mehr. Daneben pflegte er auch die Musik. Ebenso war er ein vorzüglicher Schönschreiber. Der Titel des ersten Teils der deutschen Klosterannalen war von ihm geschrieben. Wegen seiner Schrift wurde er auch Notarius Apostolicus. Aber auch als Beichtvater war er sehr eifrig. Als 1629 die Pest ausbrach, ging er mit den Schülern und Fratres nach Rorschach, wohin aber die Pest ebenfalls kam. Zuerst starb ein Schüler daran, dann P. Michael und Fr. Simpert Kempf von Ancret, ein Murbacher Mönch. Die Schüler gingen dann nach Wartegg, der Abt nach Homburg. Ein Teil der Schüler wurde nach Hause gelassen. Fr. Benedikt von Wangen und Deicola von Greuth, beides Murbacher Mönche, die in St.Gallen Philosophie studierten, zogen heim. Aber auch nach dem Schloss Wartegg kam die Pest, und so wanderten die Fratres nach St.Johann, während fünf Patres nach Wil gingen.

Wie bemerkt, starb er am 2. Oktober 1629 an der Pest, erst 27 Jahre alt. Noch liegt sein schriftliches Versprechen an den Abt vor,[i] dass er, trotz der Pest, allen nach Möglichkeit beistehen wolle. Seine Füsse erlaubten ihm zwar nicht, das Volk aufzusuchen, aber im Beichtstuhle wollte er nach Möglichkeit mitwirken. Wolle man die Schüler fortschicken, so möge man doch jene, die Novizen werden wollten, da behalten. In der Folge sandte ihn der Abt mit diesen nach Rorschach.

 

«Statura erat mediocri, facie pallida, parvis oculis, capite areis obsito, voce acuta, naso modico, vultuque sereno et amabili. Homo minime malus et officiosus, in omnibus serius et attentus, censura in discipulos aliquanto rigidior.»

 

Sein Vater, der, wie bemerkt, Pfalzratschreiber in St.Gallen wurde, war gegen die Armen sehr gut. Auch dem Frauenkloster St.Georgen gegenüber, in das zwei seiner Töchter eingetreten waren, erwies er sich als sehr wohltätig. Er starb erst am 5. April 1638 und wurde in St.Fiden begraben.[ii] (257)

 

Schriften:

 

1. Qualiter S. Gallus daemonem e Gunzonis Ducis filia eiecerit et per hoc nolens volens gloriam nominis sui propagaverit. Collectio Aichhaim I. – Zentralbibliothek Zürich, Mscr. D. 76, fol. 270. – Bethlehemii exornatio (1628), ib., fol. 376.

 

2. De S. Mauri obedientia. Collectio Aichhaim. VI. Zentralbibliothek Zürich. Mscr. D. 77, fol. 126. De S.P.N. Gallo. Eijecit daemonem a Gunzonis Ducis Filia, ibid., fol. 208a.

 

3. Elegiaca descriptio Pueritiae S. Martini Ep. ad 4. cal. Novemb. in Refectorio declamanda. 1628. Collectio Aichhaim VIII. Zentralbibliothek Zürich, Mscr. D. 86, fol. 239.

 

Von den bei Stipplin erwähnten Komödien hat sich nichts mehr erhalten. 

 

[i] Stiftsarchiv St.Gallen, Fasz. XXIX, 12.

[ii] Mscr. 1425, III, 156; 1429, fol. 26a-27b. – Stipplin, Band 195, p. 677.


46. Br. Otmar Bentzegger

Br. Otmar (Johannes) Bentzegger (Binsegger) von Rotmonten. Eltern: Johann und Anna Maistrun (?) von Bernhardzell. Profess 7. Februar 1621. Gestorben 18. April 1653. «Virtute clarus et fide – Conversus hic in ordine – Jejuna membra deferens – Dapes supernas obtinet.» So änderte man einen bekannten kirchlichen Hymnus auf diesen Bruder um. (258)


47. Bonaventura Schenk von Kastell

P. Bonaventura (Werner Karl) Schenk von Kastell aus Rapperswil. Geboren am 1. Januar 1605 als Sohn des Johann Kaspar Schenk und der Anna Zollikofer. Profess 24. August 1621. Subdiakon 20. September 1625; Diakon 19. September 1626; Priester 10. März 1629. Primiz 25. März 1629. – Er machte ausgezeichnete Studien und war in der Folge ein sehr tüchtiger Lehrer; so wurde er am 4. März 1631 Lehrer der Syntax. Daneben versah er einige untergeordnete Ämter; vom 4. Februar 1637 bis 30. März 1639 war er Unterstatthalter in Wil; kurz lehrte er sodann Theologie und wurde am 2. Juni 1639 Prior und Statthalter in Neu St.Johann, wo er aber erkrankte, so dass er am 12. Juli 1647 nach St.Gallen zurückkehren musste. Wieder genesen, wurde er am 22. Oktober 1651 Beichtiger in St.Georgen und am 13. April 1652 Kaplan in Ebringen. Dort starb er plötzlich an einem Schlaganfall, am 10. Oktober 1652. Man widmete ihm das Epitaph:

 

Perenna rapuit bona Bonaventura,

Aeterna jam capit bona Bonaventura.

 

«Fuit staturae iustae et virili, facie nigritante, barba fusca, ingenio acuto et fervido.»[i] (259)

 

Schriften:

 

1. Dominium jurisdictionis et proprietatis, De cujus natura, objecto, subjecto eiusdemque acquirendi modis in monasterio S. Galli mense Junio die . . . publice disputabunt: Bonaventura Schenk, Bernardinus Bayer, Otmarus Kessler, Athanasius Gugger, Ignatius Zanler, Basilius Renner, Chrysostomus Stippli(n), Gallus Alt, Placidus Bridler, Franciscus Hertenstein, Victor Reding, Yso Pauv, Hermannus Huttler. In monasterio S. Joannis Vallis Thurae. Anno MDCXXXV. 4°, 29 Bll. – Stiftsbibliothek St.Gallen. GG. M. VI, 1 Adl. 18 (Grolig).

 

2. Theses theologicae, menstruae, de ultimo fine hominis, defendent die . . . Augusti (1635) in monasterio S. Galli Bonaventura Schenk et Bernardinus Baier. (Ohne Angabe des Präses; solcher war wohl P. Modestus Spieß.) Imprimebantur in monasterio S. Joannis in Valle Thurae. Anno 1635. 4°, 16 S. – Stiftsbibliothek St.Gallen. GG.M. VI, 1 Adl. 6 (Grolig).

 

3. Iniuriae circa bona proximi, quas in inclyto S. Galli monasterio disputandas proponent Bonaventura Schenk et Ignatius Zanler. Formis Sti. Joannis in Valle Thurae. Anno MDCXXXVI. 4°, 66 S. – Stiftsbibliothek St.Gallen. GG. M. VI, 1 Adl. 20. – GG. M. VI, 1 Adl. 17 (Grolig). – Siehe auch P. Modest Spieß. 

 

[i] Stipplin, Band 195, p. 688.


48. Bernardin Bayer

P. Bernardin (Franz) Bayer von Rorschach. Geboren am 16. Dezember 1603 als Sohn des Franz Bayer und der Katharina Hölderlin von Feldkirch. Profess 24. August 1621. Subdiakon 20. September 1625; Diakon 19. September 1626; Priester 10. März 1629. Primiz 25. März 1629. – Am 10. Januar 1636 ward er Unterstatthalter in Rorschach, wo er schon am 17. Oktober 1636 Statthalter wurde. Vom 7. Januar bis 2. November 1642 versah er Neu-Ravensburg. Am 12. Dezember 1642 wurde er Notarius apost. Am 4. Dezember 1643 wurde er Lehrer der Grammatik bis zum 10. Oktober 1648, wo er Katechist ward. Am 16. Januar 1650 wurde er Subprior und Novizenmeister.[i] Alsdann versah er vom 30. August 1652 an die Pfarrei Peterzell, aber jedenfalls nur kurze Zeit; auch in St.Gallen war er Ecclesiastes. Er galt überhaupt als ein guter Prediger und eifriger Beichtvater. Er bekehrte manche Irrgläubige. Auch war er ein besonderer Verehrer Marias und des hl. Notker, den er vor allem in der Liebe zur Reinheit und in der Flucht vor den Ämtern nachahmte. Als er 1658 am Passionssonntag predigte und nachher beichthörte, erlitt er einen Schlaganfall, dem er schon zur Vesperzeit erlag, am 18. März 1658, im Alter von 55 Jahren. Abt Gallus bemerkt zu seinem Tode:[ii]

 

«Iste erat vir vere pius et sanctus. In concionando et confessionali zelosissimus sui ipsius osor, qui plus appetiit mala mundi perpeti, quam laudes, et nulli animum voluptati dedit. In cibo et potu somnoque parcissimus. Unde natura exhausta, post concionem in Confessionali appoplexia tactus, in infirmariam perductus est, ubi sacramentaliter absolutus, extrema unctione percepta placide in Domino obdormivit.»

«Fuit statura mediocri, voce subrauca sed sonora, macilentus et pallore suffusus facie, nisi quando ex suggestu contra vitia morumque corruptelas fulminabat. Mente plerumque etiam relaxationis tempore in Deo defixus erat atque praecipue delectabatur, si quam frequentissime Thesauros vitae Christi aeterno Patri offeret. Nihil vanum in ejus conversatione, nihil inconsultum aut superfluum in sermone, nihil saeculare in omnibus ejus actionibus erat. Ex abundantia cordis de rebus divinis et spiritualibus, ut plurimum loquebatur, in sacris meditationibus totus fervidus, in oratione assiduus, etiam cum in campum fratres educeret, orare videbatur.»[iii] (260)

 

[i] Die Angabe Rothenflue's, er sei 1654 Pfarrer von Alt St.Johann gewesen, ist nicht beglaubigt; jedenfalls war er 1658 nicht Pfarrer in Hemberg, da er schon das Jahr zuvor starb.

[ii] Diarium I, 341.

[iii] Mscr. 1429, fol. 122a. – Stipplin, Band 195, p. 693.


49. Otmar Kessler

P. Otmar (Balthasar) Kessler von Gams. Geboren am 25. März 1606. Eltern: Johann Kessler, Landammann in Gams, und Anna Kesselin. Profess 10. August 1624. Subdiakon 10. März und Diakon 31. März 1629; Priester 25. Mai 1630. Primiz 9. Juni 1630. Schon als Frater muss er an der Schule beschäftigt gewesen sein; denn er verpflichtete sich 1629, als die Pest kam, schriftlich, auf seinem Posten bei den Fratres juniores auszuharren.

 

P. Otmar wurde am 2. Mai 1630 Zuchtmeister der Knaben (Paedagogus); am 4. März 1631 wurde er Lehrer der Grammatik, am 11. Oktober 1632 der Syntax; am 3. Juni 1633 Präfekt und Philosophieprofessor. Mit P. Constantius bot er sich 1635 während der Pestzeit als Beichtvater an. Im Herbst 1635 war er als Lehrer in Rorschach. Später war er Katechist, ehe er am 24. November 1639 nach St.Johann geschickt wurde; doch kam er schon am 4. April 1640 wieder zurück. 1640, 4. Oktober, wurde er Bibliothekar.[i] Am 29. April 1641 wurde er Paedagogus. Am 7. Januar 1642 ernannte ihn der Abt zum Pfarrer von Schwarzenbach bei Neu-Ravensburg. Schon am 2. November 1642 wurde er aber Statthalter in Neu-Ravensburg, wo er bis 1646 blieb. Am 12. Juli 1647 wurde er Prior und Statthalter in St.Johann, wo er bis zum 18. Januar 1650 blieb. 1649 versah er kurz die Pfarrei Alt St.Johann. Am 10. Juli 1653 wurde er Küchenmeister in St.Gallen; von da kam er am 5. September 1654 als Unterstatthalter nach Wil. 1657 zog er als Statthalter nach Ebringen, wurde am 1. Januar 1661 Statthalter in St.Gallen und schliesslich am 2. August 1674 solcher in Rorschach. Hier ereilte ihn schon im folgenden Jahre, am 18. Januar 1675, der Tod. (261)


Schriften:

 

1. Justitia virtus cardinalis ejusdemque partes subjectae in genere, de qua in monasterio S. Galli mense Aprili die . . . publice disputabunt disceptabunt Othmarus Keßler, Athanasius Gugger. In monasterio S. Joannis Vallis Thurae. Anno CI I C XXXV. 4°, 7 Bll. – Stiftsbibliothek St.Gallen. GG. M. VI, 1 Adl. 17 (Grolig). Gehört wohl zu den Thesen, die unter P. Johann Geiger als Praeses behandelt wurden (s.o.).

 

2. Theses theologicae de voluntario et involuntario universim. Defendent die . . . Septembris (1635) Othmarus Keßler et Athansius Gugger. Apud S. Joannem in Thurae Valle. Typis monasterii. Anno MDCXXXV. 4°, S. 17-26. – Stiftsbibliothek St.Gallen. GG. M. VI, 1 Adl. 7 (Grolig). Auch diese Thesen wurden jedenfalls – obwohl nichts vermerkt ist – unter dem Präsidium von P. Johannes Geiger gehalten.

 

[i] Weidmann, p. 81.


50. Karl Grunder

P. Karl (Johann) Grunder von Appenzell. Geboren 27. Juni 1606,[i] als Sohn des Ratsherrn und Richters Johann Grunder und der Barbara Näf. Subdiakon 10. März 1629; Diakon 31. März 1629; Priester 5. April 1631. Primiz 21. April, als am Ostermontag.

 

Am 26. Mai 1631 kam er nach St.Johann, wo er, nachdem er vom 14. März bis 26. November 1634 in St.Gallen war, am 28. November 1640 Küchenmeister und am 4. Oktober 1641 Kellermeister wurde. Wegen Krankheit kam er am 3. Mai 1648 heim, wurde aber am 20. Juli 1649 Pfarrer in Wildhaus. Schon am 9. August 1649 zwang ihn eine Krankheit wieder zur Heimkehr. Am 16. Dezember 1649 kehrte er nach St.Johann zurück. Vom 30. August 1653 bis 1659 war er Pfarrer in Hemberg;[ii] zwischenhinein muss er freilich Propst in Peterzell gewesen sein, denn als solcher ist er 1655 beglaubigt, während er 1659 wieder in Hemberg war. 1669 treffen wir ihn als Unterstatthalter in Wil, wo er am1. Juni 1674 starb.[iii] (262)

 

[i] Alias 18. Juni.

[ii] Nach Rothenflue nur bis 1656.

[iii] Stipplin, Band 195, p. 709.


51. Athanasius Gugger

P. Athanasius (Jakob) Gugger von Bernang. Geboren am 8. August 1608 als Sohn des Georg Gugger und der Margaretha Federer (Fäderin). Als sehr guter Sänger kam er nach St.Gallen, wo er am 24. August 1626 seine Profess ablegte. Subdiakon 25. Mai 1630; Diakon 5. April 1631; Priester 3. März 1635. Primiz 18. März 1635, am Sonntag Laetare. In der Schule war er anfänglich viel zerstreut, wurde aber später sehr tüchtig. Schon als Frater musste er Unterricht erteilen; so wurde er am 4. Juni 1633 Lehrer der Humaniora; desgleichen am 1. Januar 1635. Nach der Primiz wurde er am 2. Januar 1636 Praeceptor in Rorschach. 1637, 9. Juli, wurde er Rhetorikprofessor in St.Johann. 1639, am 27. Februar berief ihn der Abt von St.Johann an die Schule nach Rorschach. Vom 19. April 1641 bis 8. Mai 1642 kam er zum Rechtsstudium nach Ingolstadt. Fast sein ganzes Leben widmete er dem Unterrichte, zunächst als Lehrer der Rhetorik und Poesie, dann später als Professor der Philosophie und der Theologie. Seit dem 2. Juni 1642 finden wir ihn als Lehrer und Vorsteher der Schule in Rorschach, wo er 1649 Küchenmeister wurde. Am 30. August 1652 wurde er Theologieprofessor im Stifte, wo er am 22. Juni 1653 Subprior und Novizenmeister ward. 1655 versah er, freilich nur vom 4. bis 14. Oktober, die Pfarrei Wildhaus; denn er bat kniefällig um Befreiung von diesem Amte und erbot sich gerne, jede Trivialschule zu übernehmen. Am 10. November 1657 übernahm er die Rhetorik in Rorschach, wurde alsdann Küchenmeister in St.Gallen und erhielt hier wiederum, am 30. September 1659, die Leitung der Rhetorik. Am 28. Mai 1660 übergab ihm der Abt die Philosophie studierenden Fratres, um «sie in der rhetoric zu perficieren, weil ers davor in Graecis unterrichtet hette.»[i] Am 17. Juni 1661 wurde er Subprior in St.Johann, wo er zugleich Logik dozierte. Am 7. November 1664 ging er nach Disentis als Professor der Philosophie und Stiftsdekan. Doch kam er jedenfalls bald wieder zurück; denn am 14. Dezember 1667 befreite ihn der Abt vom Amte eines Brüderinstruktors. Wie er sein 60. Lebensjahr überschritten, fühlte er seine Kräfte rasch abnehmen, besonders verlor er fast vollständig sein Gedächtnis, so dass er beinahe an Kindesstatt kam. Am 24. Januar 1669 bekam er beim Mittagessen einen Anfall (convulsiones), dem er am folgenden Tage erlag. P. Chrysostomus Stipplin, der seine letzte Beicht hörte, bezeugte, dass er seine Taufunschuld voll und ganz bewahrt habe. Eine besondere Lieblingsbeschäftigung des Verstorbenen war der Fischfang; er konnte ganze freie Tage im Wasser stehen und fischen. «Otiosus nunquam fuit, occupabat a sese vel a juventute cudensis versibus et carminibus, quarum integros codices elucrubravit, ut taceam Comoedias, Dramatica, Epica aliaque elegantissima poemata et ingeniosa carmina, quae extant et suo tempore lucem typis accipient.»[ii]

 

Athanati nomen gessisti vivus inane,

Jam bene defunctus diceris Athanatos.

 

Dieses Epigramm widmete ihm sein Mitbruder P. Chrysostomus Stipplin.[iii] (263)


Schriften:

 

a) Gedruckte:

 

1. Theses theologicae ex prolegomenis in universam theologiam scholasticam . . . defendent Athanasius Guggerus et Ignatius Zanlerus die (11.) mens. Augusti (siehe Pater Modestus Spiess).

 

2. Gualterus de Castellione, Phil. Alexandris sive gesta Alexandri magni libris X. comprehensa ex veteribus Mss. bibliothecarum S. Galli. Formis eiusdem. Anno 1659. 12°, 6 Bll., 224 S., 2 Bll. – Stiftsbibliothek St.Gallen EE L IV 22. – Vadiana, St.Gallen J d 805. – Zürich, Zentralbibliothek VM 390 und Rq 233. Karlsruhe P c 1661. – London British Museum 1213 b 15. – Solothurn. Ebert 8129. – Gugger kannte die frühern Ausgaben nicht und gab das Gedicht als noch ungedruckt heraus. Brunet II 359b. Graesse Lit. Gesch. III/3: 443. Allgem. lit. Anzeiger. 1799. S. 1681 (Grolig).

 

3. Odarum sacrarum libri IV. de sanctis, quos ecclesia Romana publice per annum veneratur . . . In eodem monasterio S. Galli anno partae salutis MDCLXIV. 12°. 4 Bll. 576 S. Zürich. Zentralbibliothek Rq 234 (Grolig). – Eine zweite Auflage erschien unter dem gleichen Titel ebenfalls in St.Gallen 1693. Karlsruhe Dr 121 (Grolig).

 

b) Ungedruckte:

 

1. Mscr. 1374 der Stiftsbibliothek enthält folgende von P. Athanasius verfasste Schulkomödien: – a) Comoedia de S. Notkero Monacho S. Galli, composita a R. P. At. G. Mit gedrucktem Programm: Sanctvs Notkervs sive vita divi Notkeri alternante socco et cothurno exhibita Rorschachii Anno 1642 (die . . .) Octobris (ohne Druckvermerk). 4°, 2 Bll.

– b) Salutatio seu Exceptio SS. Martyrum Antonii et Theodori ex alma Urbe in Monasterium S. Galli illatorum. Anno 1654. (Nr. II.) – c) Justus et Pastor (Nr. VI.) (N.B. b. und c., sowie 2.a. wurden S. 38 im Anhang zu den Literaturangaben irrigerweise als von unbekanntem Autor stammend aufgeführt.) – d) Vitus Martyr Tragoedia. Mit gedrucktem Programm Tragedia Vitus Martyr, von der Jugendt in dem Gottshaus Rorschach gehalten d. 10. Oct. Anno MDCLI. (ohne Druckvermerk). 4°, 2 Bll. – e) Comoedia Edmundus puer. Die Jugendt des H. Edmundi. Von der Jugendt im Gottshaus Rorschach gehalten den 26. September Anno 1647, wie das gedruckte Programm lautet. 4°, 2 Bll. (ohne Druckvermerk).

– f) Chymera Monstrum informe mit gedrucktem Programm: Chymera Monastrum informe ingens, erudita impietas in Edmundo juvene philosopho docto scelesto omnibus philosophiae canditatis (!) ad terrorem, salutisque cautelam, in publico theatro a schola rhetorica tragice demonstrata. In mon. S. Galli a. sal. 1681 die . . . April. 16°, 4 Bll. (Diese Schulkomödie wird in Mscr. 1375 wohl irrigerweise P. Athanasius zugeschrieben.)

 

2. In Mscr. 1375 findet sich: Salutatio brevis ad SS. Antonium et Theodorum MM. pro modo actionis.

 

3. In Mser. 1376 findet sich die Tragoedia S.Othmarus von P. Ath. G. mit Musik. Öffentlich aufgeführt den 31. Mai und 1. Juni 1660 in St.Gallen. Dazu das gedruckte Programm: Comico-Tragoedia oder S. Othmarus Abbte ausz Walafrids Strabone. In dem Gottshaus St.Gallen fürgestelt vnd gehalten den 27. vnd 28. Maij (1661). Getruckt im Gottshaus St.Gallen Anno 1661. 16°, 4 Bll. (Das gedruckte Datum ist gestrichen und dafür 29. und 30. (Mai) eingesetzt.)

 

4. Annus sanctus Tomi VI. Autograph von P.Athanasius aus dem Jahre 1664/65; für den Druck bestimmt, aber nie herausgegeben. Mscr. 1377-1382. Papier 4° (Sch., p. 454). Eine Kopie von 1674 durch P. Sebastian Hertenstein von Rheinau findet sich im Rheinauerarchiv Eins. R 332. 8°, 181 Bll.

 

5. Pugna spiritualis. Aus dem Lateinischen ins Griechische übersetzt von P. Athanas (Kopie). Mscr. 1383. Papier 8°, unpag.

 

6. Tragoediae sanctae in drei Teilen: I. Julianus (aufgeführt 1643), Crisorius (aufgeführt 3. Oktober 1645), Inauguratio Abb. Galli II. Anno 1656. – II. S. Babylas (1648), S. Notker (1642), Edmundus (1647). – III. S. Vitus (1651), S. Justus (1644), S. Johannes Gualbertus. Actio salutatoria 1654. Autograph. Mscr. 1384, 1385, 1386. Papier 8° (Sch., p. 455).

 

7. Translatio Sanctorum Otmari etc. 1628. In lateinischen Hexametern von 1654. Mscr. 1387. Papier 8°, 209 Bll. (Sch., p. 455).

 

8. Hymni sacri. Authograph von 1660 zu den 1664 (nicht 1661 wie Scherer hat) gedruckten Odarum sacrarum etc. (s.o.). Mscr. 1388. Papier 8°, 384 S. (Sch., p. 455).

 

9. Translationes SS. Patronorum Monasterii S. Galli Anno 1628 et Alia de Anno 1631. Lateinische und deutsche Verse und Prosa von P. Athanas Gugger, Basilius Renner, Plazidus Bridler und Chrysostomus Stipplin. Mscr. 1389. Papier 8° (Sch., p.455).

 

10. G. de Castellio Alexandris etc. Kopie eines lateinischen Gedichtes aus dem 12. Jahrhundert, nach einer St.Galler Handschrift, die seit 1712 in Zürich ist. Autograph des P. Athanas für den Druck (s.o.). Mscr. 1114. Papier 2°, unpag. (Sch., p.410).

 

11. Poemata varia von P. Athanas G. Autograph. Mscr. 1458. Papier 8°, unpag. (Sch., p. 483).

 

12. Odae sacrae von P. Athanas G. geschrieben 1648. Mscr. 1390b. Papier 8° (Sch., p. 455).

 

13. In der Collectio Aichhaim, Zentralbibliothek Zürich, finden sich folgende Werke von P. Athanas Gugger:

 

Aichhaim I. Mscr. D 76. De S. Petro Apostolo et ejus visione, qua Linteum vidit e caelo descendere cum variis animantibus, fol. 169.

 

De Beatissima Virgine Maria a) de Laudibus B. V. M. visitantis Elisabetham. Concertatio Poetarum. b) Historia Dedicationis B. V. ad nives (ob von Gugger?), ib. fol. 180.

 

De S. Stephano Levita Protomart, ibi. fol. 387.

 

Arbor praedicamentalis substantiae, ibi. fol. 448.

 

Dazu bemerkt P. Ulrich Aichhaim beim Index dieses Bandes (D 76): Heroica carmina, qui adhuc plura desiderat, inveniet inter Opuscula R. P. Athanasii Gugger in Opusculo quoddam in 8° descripto et in nigro impacto, praeter 12 Libros Translationis Ss.Othmari et Notkeri Confessorum adhuc sequentia, nimirum sunt haec: 1. Descriptio Rosaci. 2. Visio S. Petri ut supra. 3. De Epiphania. 4. De tribus Regibus. 5. De S. Gallo. 6. De Assumptione B. V. 7.De Purificatione B. V. 8. De Pentecoste. 9. De S. Laurentio. 10. De S. Notkero, Casus Wolonis. 11. De S. Bartholomeo. 12. De S. Mauro Abbate. 13. De Navigatione SS. Mariae Magd., Marthae et Lazari. 14. De S. Scholastica Virg. 15. De Nativitate B. V. – Item in Libro 25 Orationum Anno 1665 habitarum impacto in 4° sequentes 1. de S. Marco Evangelista; 2. de S. Stephano Protomart.; 3. de Christo nato et tribus regibus.

 

Aichhaim III. (Mscr. D 81) enthält von P. Athanas: Vitae S. Galli carminice compositae Pars Ima. fol. 1. Descriptio et laus totius Helvetiae (I. Helvetia beata; II. religiosa; III. politica; IV. fortis; V. ferax), ibid., fol. 140b-168a. De venerabl. Sacramento Eucharistae. Von verschiedenen, dabei von P. Ath. Pars VI. Deo vero et aeterno Patri applaudunt Pastores Ecclesiae, ib. fol. 282. Pars VII. Duci supremo bellatori fortissimo Jesu Chr. Dei Filio hoc Armentarium ejusque multiplicia instrumenta consecrantur, ib., fol. 288 mit Supplement dazu, fol. 461. – Pars IX. De cruore animalium sanguine Christi applicato, ibid., fol. 296 mit Supplement dazu, fol. 454. – Pars XI. Jesu Christo ultima sua coena seipsum in cibum et potum dante a variis sanctis haec instruitur coena, ibid., fol. 307.

 

Libri VII de Nativitate Christi. 1. Mirabilia circa nativitatem Chr.; 2. Corpus et circumstantiae Corporis Chr. (das gleiche auch von P. Basil Renner und Chrysostomus Stipplin); 3. Christo nato varia offeruntur munera; 4. nicht von ihm; 5. Nativitas mirabilis; 6. Hymnus a solis ortu cardine; 7. Lectulus floridus (ob von P. Ath.?), ibid., fol. 319-364.

 

Da variis martiriis continens Affixiones: I. Jesu Christo summo omnium Christianorum Pastori Pastores varii applaudunt, ibid., fol. 364. II. Vivo Pani vero Pastori Jesu Chr. varii panes offeruntur, ibid., fol. 372b. III. Vinea figurans, ibid., fol. 378. IV. Domus Dei sive Ecclesia aedificata super Fundamentum Apostolorum et Prophetarum et aliorum Sanctorum, ibid., fol. 394. VIII. Laus musices desumpta ab Inventore a Musis a variis vocibus, a variis instrumentis, a variis canticis, a Cantoribus et ab effectibus (1637), ibid., fol. 420. IX. De Resurectione Christi, ibid., fol. 444b.

 

In diesem Bande befinden sich auch die von P. Athanas, Basil, Chrysostomus und Johannes auf die Translationsfeierlichkeiten 1628 gemeinsam verfassten Verse:

 

De vita et miraculis Smi Abbatis Othmari poematis illustratis Emblemata 22, fol. 19b-82. Aichhaim IV. (Mscr. D 153). Elegia de nativitate, fol. 29. Pro susceptione Abbatis Pii una cum Legato Apostolico ex Eremo B. V. a Solemni Benedictione redeuntis, ibid., fol. 81. Collectio Aichhaim VI. (Mscr. D 77). De Praesentatione B. V. M. in templo, fol. 180-191. De S. Gallo, fol. 215. Collectio Aichhaim VIII (Mscr. D 86). De resurgentis B. V. M. facto, fol. 270. Prosopopeia 4 Elementorum Christo resurgenti adgratulantium, fol. 276. De S. Catharina Virg. Mart. (1643 Rosaci), fol. 280.

 

Weidmann (Geschichte der Bibliothek etc.) erwähnt in seinem S.423 angehängten Verzeichnis der im Jahre 1712 nach Zürich abgeführten und nicht zurückgegebenen st.gallischen Handschriften ausserdem folgende Werke von Pater Athanas, die sich (ausserhalb der Collectio Aichhaim) noch dort befinden sollen: Odeum sacrum de Sanctis quos romana ecclesia veneratur libri IV. per 12 menses distributi, 8°. – Pugna spiritualis ex latino in teutonicum versa, 8°. – Vita S. Galli carminica, 4°. Translatio Ss.Otmari, Notkeri caetrorumque Monasterii S. Galli Patronorum celebrata Anno 1628 et carmine heroico composita a . . . 8°. 203 S. (Zentralbibliothek, Mscr. D 221). Ebenda Himnorum Liber p. 213 bis 407. Ob sich diese noch vorfinden, wird aus dem im Erscheinen begriffenen Katalog zu ersehen sein; jedenfalls sind die Dichtungen alle anderweitig bekannt, weshalb ein Nachforschen sich kaum lohnte.

 

[i] Diarium Abbatis Galli II. 121.

[ii] Stipplin, Band 195, p. 717; v. Arx III. 273. Hist.-biogr. Lexikon der Schweiz IV. 3. Verhandlungen der St.Gall.-Appenz. Gemeinnütz. Gesellschaft 1855, p. 16ff. – Von seinen Schriften sind nur ganz wenige veröffentlicht worden. – Über P. Athanas Gugger als Dichter ist eine Doktorarbeit von Dr. August Bischof, Schwyz, in Vorbereitung. Genannter Autor hat sich kurz mit Gugger befasst in: Schule und Theater. II. Jahrbuch der Gesellschaft für Schweizerische Theaterkultur 1929/30. (Basel, Hess) Klosterbühnen, p. 22: St.Gallen.

[iii] Collectio Aichhaim, Zentralbibliothek Zürich D 86.


51. Chrysostomus Stipplin

P. Chrysostomus (Johann Konrad) Stipplin von Biberach. Geboren am 5. September 1609 als Sohn des Wolfgang Stipplin, Stadtschreiber in Biberach, und der Katharina Puttamer. Diese kam als Witwe nach St.Gallen und starb hier am 29. April 1663 «in domo ancillarum auf der Schuol». Sie wurde bei St.Otmar begraben. Der Sohn setzte ihr die Grabschrift:

 

Ecce mater tua. Joan.19. Non moderis. 2. Reg. 12.

Sis defuncta licet mater dulcissima, certe

In corde aeternum non moriare meo.

 

Stipplin legte am 24. August 1626 Profess ab. Subdiakon 6. März 1632; Diakon 3. März 1635; Priester 16. Februar 1636. Primiz 25. Februar, als am Feste des hl. Matthias. Zuerst kam er nach St.Johann, wo er am 4. Juni 1637 als Registrator mit der Ordnung des dortigen Archives betraut wurde. Dann kehrte er 1639 nach St.Gallen, wo er bis zu seinem Tode das Amt eines Registrators oder Archivars bekleidete. Daneben lehrte er seit dem 18. Oktober 1639 die Syntax, seit 2. Juni 1642 die Humaniora. Am 18. Dez. 1649 ernannte ihn Abt Pius zum Notarius Apostol. Er war der erste aus den Konventualen, der die Stelle eines Archivars versah; früher war das Archiv den Stiftskanzlern unterstellt (Wegelin). Von 1654-1672 war er überdies Kapitelssekretär. Am 17. November 1662 wurde er Unterkustos; 1669 war er Kustos. Wohl nur vorübergehend hielt er sich in Kempten auf, von wo er am 19. Juni 1664 zurückkehrte. Auch Kapellmeister war er eine Zeitlang. Er starb am 20. März 1672.

 

«War ein unermüdlicher Archivar. Er brachte sein ganzes Leben mit Sammeln und Schreiben zu und lieferte in sechs Foliobänden Beiträge zu der Geschichte und zum Leben der Äbte und der Geistlichen von St.Gallen.»[i]

 

Er hatte sich selber folgendes Epigramm als Epitaph geschrieben:

 

Historiam, Annales, Vitas, Epigrammata scripsi,

Invida mors, punctum, dum paro pluru, facit.

 

Ein Bruder, Hieronymus, war Praemonstratenser; ein anderer Bruder, Franz, wurde 1634 im Juni unschuldig ermordet und in Ebringen begraben; einen Bericht darüber in Band 195, p. 731. Im ganzen waren 12 Kinder, deren Verzeichnis in Band 195, p. 729 von P. Chrysostomus Hand sich findet. Ebendort ein Stammbaum der Mutter.[ii] (264)

 

Schriften:

 

1.-8. Collectanea P. Chrysostomi Stipplin:

 

Tomus I. Abbates Monasterii S. Galli ab Eglolfo ad Joachimum. – Stiftsarchiv, Band 193.

 

Tomus II. Fulda et alia Monasteria Congregationis (Nr. 13-26). 1462-1631. (Alte Signatur 459; heute bei den Kongregationsakten im Stiftsarchiv Einsiedeln).

 

Tomus III. Congregatio Helveto-Benedictina 1602-1665. (Alte Signatur 460; ebenfalls im Stiftsarchiv Einsiedeln).

 

Tomus IV. Vita, Regimen ac regestae Bernardi II. Abbatis (umfasst aber nur die zwei ersten Regierungsjahre). Stiftsarchiv, Band 194.

 

Tomus V. Insignia et Vitae virorum illustrium sub Abbate Bernardo II. Mit vielen Wappen, fol. 778 S. und Register, Band 195. (Dieser wie der folgende Band leisteten ausgezeichnete Dienste für die Aufstellung der Leben der damaligen Konventualen).

 

Tomus VI. Electio et Confirmatio Abbatis Galli II. et vitae virorum illustrium qui sub eo floruerunt. Mit vielen Wappen, Band 196.

 

Tomus VII. Annales Sangallenses ab Anno 781 ad 894. Das ausführlichste Werk über diesen Zeitraum, Band 197.

 

Tomus VIII. Viri illustres a S. P. N. Gallo ad Salomonem. Enthält meist Urkunden aus dem Codex traditionum, Band 198.

 

9. Necrologium Sangallense, antiqua anniversaria, confraternitates, fratres conscripti, censuales proprii S. Galli, Foeminae conscriptae, Monasteria provinciae Moguntinae; Reformatio Monasterii S. Galli; Monasteria Monialium S. Gallo subjecta; Coenobium Capucinorum Lichtensteigae et Wilae etc. Tomus I. (Es waren noch ähnliche Bände da, die aber verschleppt wurden.), Bd. 231.

 

10. Rerum ab antiquis Patribus S. Galli monachis, qui ab anno 1559 ad annum usque 1643 in ejusdem S. Galli coenobio vixere gestarum commentarius. Anno 1638, 4°. Zuerst Fragmente und Strazzen von anderer Hand; Stipplin beginnt erst p. 171, Band 256.

 

11. Biographische und genealogische Notizen über Konventualen unter den Äbten Pius und Gallus II. mit vielen Wappen. (Vorauf geht eine Strazze Metzlers zu De viris illustr. Libri III; doch nur zwei Bücher da). Fol. 386 S., Band 234.

 

12. Catalogus Fratrum Conversorum S. Galli ex Necrologio et aliis tabulis collectis industria et labore P. Chr. St. Fol. – Staatsarchiv Zürich, Abt. St.Gallen X 59.

 

13. Acta S. Galli et S. Joannis. Urkunden: Annalen bis 1544, Band 294.

 

14. Vitae Ss. Galli, Magni, Othmari, Notkeri cum observationibus, collectore R. P. Chr. St. Archivista, Band 224.

 

15. Varia poetica in vitam S. Galli. Collegit P. Chr. St., Band 225.

 

16. Leben des heiligen Beichtigers Abbts Galli von Walafrido Strabo beschrieben, 4°. Deutsche Übersetzung von P. Chr. St., Band 227.

 

17. Bündtnus-Buch, Band 127.

 

18. Acta Toggenburgica Miscellanea, Band 1547-1658, wozu ferner die Bände 1659-1676 gehören. Diese Sammlung, worunter der 2. Band (Band 1548) historische Notizen von Stipplin enthält, birgt alles mögliche, darunter auch sehr viele Korrespondenzen, auch Briefe von Patres; doch – wie eine Bemerkung Scherers besagt – nichts Nennenswertes. P. Chrysostomus hat wohl nur den Anfang dazu gemacht.

 

19. Annales Sancti Galli von P. Joh. Chrysostomus Stipplin. Zwei Bände. Von 494 his 1648 reichend. Autograph, Mscr. 1258 und 1259 der Stiftsbibliothek St.Gallen, Papier 4°, unpag., mit sehr vielen unbeschriebenen Seiten und wenig Text (Sch., p. 436).

 

20. Translationes Ss. Patronorum Monasterii S. Galli Anno 1628 et Alia de Anno 1631. Darunter finden sich auch Verse von Stipplin, der, wie die folgende Aufzählung zeigt, auch dichterisch sich betätigt hat. – Mscr. 1389, Papier 8° (Sch., p. 455).

 

21. In der Collectio Aichhaim (Zentralbibliothek Zürich) finden sich folgende poetische Arbeiten von P. Chrysostomus Stipplin:

 

Aichhaim I. Mscr. D 76:

 

De S. Mauro. Fol. 25. – Contra impugnantes Ss. Reliquias. Fol. 27. – Hortus, ubi describitur: Rosa, Lilium, Ortus Augusti. Fol. 28. – Descriptio alicuius urbis (forsan S. Galli). Fol. 33. – De S. Laurentio ejusque in Craticula insuperabili animi fortitudine. Fol. 187. – B. V. in Coelos Assumptae praecedentia ad Christum suspiria, migratio et in coelos angelica deductio (1643), fol. 208. – De S. Michaele Archangelo videl. ejusdem victoria et triumpho contra Luciferum et ejus aseclas (1643). Fol. 223. – Mapale Christi per Phaleuciam erectum a R. P. Chr. St., fol. 362. – De S. Joanne Evangelista, fol. 395. – Dirae in Herodem ob necem parvulorum innocentum (1643) fehlt; ist nur im Index vermerkt; s. u. Aichhaim IV.

 

Aichhaim III., Mscr. 81:

 

De miraculis quibusdam post mortem S. Galli patratis. Pars II., fol. 86. – De venerabile Sacramento Eucharistiae. Pars VIII. Effectus S. Eucharistiae, fol. 295b. De Nativitate. Pars IV. Christum natum sancti invisunt, fol. 335. – VII. Pietas Locis et Tropis rhetoricis illustrata in gratiam Rdmi nri Abbatis Pii Principis certe piissimi (11. Juli 1642), fol. 416.

 

Aichhaim IV. Mscr. D 153:

 

Dirae in Herodem ob caedem SS.Innocentium, fol. 47b. – Mapale Christi nati, fol. 49b. – Vindicta a Deo de Herode sumpta propter SS. Innocentes ejus jussu crudeliter in Bethlehem trucidatos, fol. 52. – Epinicium ad B. virginem sugente Filio Jesu, fol. 54. – Pugna Gallarum gallinaccorum, fol. 56b. – Joannis Armandi Plessaci Richelii S. R. E. Cardinalis eminentissimi Franciae Ducis Potentissimi et Regis Christianissimi Ludovici XIII. Ministri famosissimi Vitae synopsis inscribenda tumulo (prosaice), fol. 76b. – Anappaesticum: Caedes infantum seu Innocentium, fol. 60. – Quaerela mortis quod Christus Angeli monitu fugiens manus impii Herodis evasit, fol. 68.

 

Pro exceptione Alexandri Farnesii Legati Apostolici ad S. Gallum, fol. 80. – Epigrammata varia, fol. 245.

Aichhaim VI., Mscr. D 77:

 

De purificatione B. V. fol. 17. – De S. Michaele Coeli Archistrego, fol. 24. – De Assumptione B. Virginis Epicum, fol. 192-202. – De S. Benedicto Victoriam e variis hostibus hujus mundi reportam, fol. 202b.

Aichhaim VIII., Mscr. D 86:

 

Epitaphia post mortem P. Chrysostomi reperta in illius Scriptis, fol. 103b.

 

Elegia ad Christum in Aegypto existentem caedem Infantum innocentium memorans, fol. 215. – Pastorum ad Christum vocatio et adventus, fol. 216b.

 

Liber S. Galli et Othmari carminice, 8°, 307 Bll. Enthält kurze Verse auf den Heiligen jeden Tages. – Zentralbibliothek Zürich, Mscr. D 219. (Vgl. Weidmann, Verzeichnis der 1712 nach Zürich entführten Handschriften, p. 431). 

 

[i] v. Arx III, p. 273.

[ii] Stipplin, Band 195, p. 726ff.


53. Ignaz Zanler

P. Ignaz (Jakob) Zanler von Geiserswald. Geboren am 16. Juni 1608. Eltern: Johann Zanler und Katharina Gerschwiler. Auf Verwenden des Pfarrers Christoph Studerus kam er ungefähr 12 Jahre alt nach St.Gallen. Das Studium ging ihm zuerst recht hart, doch war er immer sehr fleissig. Profess 24. August 1626; Subdiakon 14. Juni 1631; Diakon 6. März 1632; Priester 3. März 1635. Primiz 21. März 1635, am Feste des hl. Benediktus. Am 19. Oktober 1634 begann er seine theologischen Vorlesungen. Am 10. April 1639 siedelte er mit seinen Schülern nach St.Johann über. Er wurde am 28. Oktober 1640 nach Ingolstadt geschickt, um dort die Rechte zu studieren. Heimgekehrt, lehrte er in Rorschach Theologie.[i] Später war er in St.Gallen Vestiarius und Beichtvater in Notkersegg. Vom 6. Februar 1647 bis 10. Januar 1648 bekleidete er das Amt eines Offizials, dann wurde er Statthalter in St.Gallen. Als solcher brachte er Ordnung in den Betrieb, regelte vor allem die Zehnten und Zinsen, wozu er neue Urbarien anlegte. Da er rote Haare hatte, hiess er nur der «rote Statthalter». Am 10. Juli 1653 wurde er zum Statthalter von Ebringen ernannt. Abt Gallus, der dort die Huldigung Ende August entgegennahm, führte ihn selbst ein. Beim Hinreiten zog er sich ein Bruchleiden zu. Dazu kam, kaum dass er in Ebringen angekommen war, ein Schlagfluss, dem er am 10. Tage, nachdem er hingekommen, am 2. September 1653, erst 46 Jahre alt, erlag. Schon früher hatte er sich ein Bruchleiden zugezogen, woran er immer litt. Ebenso war er ein grosser Skrupulant, verstand es aber sehr gut, mit Skrupulanten zu verkehren und sie zu heilen. Er soll ein eigenes Werklein darüber geschrieben haben. Auch auf Arithmetik und Astronomie verstand er sich sehr gut. P. Ignaz wird überhaupt als ein vorzüglicher Religiose gerühmt. Er wurde in Ebringen bestattet. Das ihm gesetzte Epitaph lautete:

 

Vix solem vidi hic diei, cum mors inopina,

Jussit ad auctorem plasma redire suum,

Horas post paucas, heu forte citaberis et Tu,

Ergo animae rebus fac cito prospiciare.

Es findet sich auch das auf ihn gemachte Distichon:[ii]

Martyr uti roseus, quia cuncta adversa tulisti,

Jure, Ruber, merito dictus es Oeconomus. (265)

 

Schriften:

 

1. Theses theologicae de praedestinatione . . . Defenderunt in Monasterio S. Galli RR. FF. Ignatius Zanler et Basilius Renner ibid. Professi die 12. Februarii (1635). (Siehe P. Modestus Spieß).

 

2. Theses 27theologicae de voluntatis actibus in finem ordinatis, defendent die . . . mensis . . . (1636) in monasterio S. Galli Ignatius Zanler· et Hermannus Hutler. Anno 1636 (ohne Angabe des Präses und ohne Druckvermerk). 4°, S. 27-28 (soll heißen 43). Stiftsbibliothek St.Gallen GG. M. VI, 1 Adl. 8 (Grolig).

 

3. Theses menstruae de legibus. Defendent Ignatius Zanler et Yso Pfaw. In monasterio S. Galli Anno MDCXXXVII mense Januario, 4°, S. 44-63. – Stiftsbibliothek St.Gallen GG. M. VI, 1 Adl. 9 (Grolig). – Alle drei Thesen wurden wohl unter dem Vorsitze von P. Johannes Geiger verfochten. 

 

[i] Seit 2. Juni 1642.

[ii] Mscr. 1447.


54. Basilius Renner

P. Basilius (Johann Melchior) Renner von Wil. Geboren 29. März 1609. Sohn des Johann Georg und der Elisabeth Mezger. Profess 24. August 1626; Subdiakon 14. Juni 1631; Diakon 6. März 1632; Priester 3. März 1635. Primiz 25. März 1635. Noch als Frater wurde er am 19. Juni 1630 Lehrer der Rudimenta, am 4. März 1631 Lehrer der Rhetorik, am 3. November 1632 der Philosophie und am 29. April 1633 der Physik.

 

Nach der Primiz lehrte er zuerst einige Zeit in St.Gallen. Als man 1638 die Schule, die man während der Belagerung von Konstanz durch die Schweden nach St.Johann verlegt hatte, wieder nach Rorschach nahm, wurde P. Basilius am 30. April 1638 daselbst Praeceptor. Am 30. März 1639 wurde er zum Studium des Rechts nach Ingolstadt geschickt, wo er am 20. Dezember 1639 als Referent unter Professor Kaspar Manz einen juridischen Casus zu verteidigen hatte; Coreferent war P. Aegidius Raubeck O.S.B. aus Scheyern.[i] Als Licentiatus juris am 13. Mai 1641 heimgekehrt, wirkte er wieder als Lehrer und Oberer in Rorschach. Am 2. Juni 1642 wurde er Offizial und zugleich Lehrer des Kirchenrechtes bis zum 10. Oktober 1646, worauf er am 20. Januar 1647 als Statthalter nach Ebringen versetzt wurde. Von dort kehrte er am 30. Januar 1649 wieder heim. Am 11. März 1650 kam er wieder an die Schule und am 22. Oktober 1651 wurde er neuerdings Offizial. Als solcher starb er am 1. Februar 1653, erst 44 Jahre alt, nachdem er schon länger podagraleidend gewesen war.

 

Contegor hoc tumulo, Laurum cui jura dederunt,

Mors nigra me vicit, viribus usa suis,

Mors sua jura tenet, tu collige vasa, sequeris,

Si non primus eris, forte secundus eris.

 

«Staturae mediocris, macilentus, visu debilis, acuti et versati ingenii, sermonum suorum ita accuratus expensor, ut eum in verbo facile capere non posset.»[ii] (266)

 

Schriften:

 

1. Assertiones theologicae de prudentia, virtute cardinali, in exempto monasterio S. Galli ad diem 17. Kal. Junij Anno p. Ch. n. 1634 publicae disputationi subiicendae et defendendae a . . . Basilio Renner et Chrysostomo Stipplin (siehe P. Johannes Geiger).

 

2. In Mscr. 1389: Translationes Ss. Patronorum Monasterii S. Galli Anno 1628 et Alia de 1631, finden sich auch Verse von ihm (Sch., p. 455).

 

3. In der Collectio Aichhaim, Zentralbibliothek Zürich, finden sich von ihm:

 

Aichhaim I. Mscr. D 76: De Nativitate Christi (1651), fol. 367.

 

Aichhaim III. Mscr. D 81: De Urso S. Galli comite assiduo, famulo obsequentissimo, qui hic in Theatrum poeticum producitur. Pars III. a. fol. 12.

 

De venerabili Sacramento Eucharistiae: Pars I. Jesu Christo Vero Veri Dei Filio gemmae pretiosae Margaritae absconditae, ibid., fol. 218 (ohne Autor, aber vielleicht von ihm).

 

Pars II. In partes Corporis singulas, von P. Basil, fol. 225. – Pars X.: Convivia quaedam apposita in honorem Excellentissimi convivii Eucharistici, ibid., fol. 298b.

Corpus ecclesiasticum, ibid., fol. 406.

 

Collectio Aichhaim IV. Mscr. D 153. Pro Exceptione Legati apostolici unacum Abbate Pio ex Eremo a solemni benedictione redeuntis, ibid., fol. 81. – De Assumptione B. Virginis, fol. 150.

Aichhaim VI. Mscr. D 77: De Nativitate Domini, fol. 120b.

 

Aichhaim VIII. Mscr. D 86. De Sanctis quibusdam Themata pro faciendis epigrammatibus a mense Januario usque ad mensem Aprilem inclusive, fol. 173-185. 

 

[i] Einblattdruck von Wilhelm Eder in Ingolstadt 1639; bei Stipplin Band 195, p. 753.

[ii] Stipplin, Band 195, p. 751.


55. Br. Joachim Germann

Br. Joachim (Balthasar) Germann aus dem Geiserswald. Profess 29. August 1627. Senior der Brüder. Gestorben 12. Februar 1643. (267)


56. Br. Joseph Wolschiessen

Br. Joseph (Georg alias Balthasar) Wolschiessen von Bregenz. Geboren 11. März 1603. Eltern: Martin Wolschiessen und Katharina Pfanner. Profess 29. August 1627. Er war 1654 Altvater oder Senior der Brüder. Am 24. Juli 1661 wurde er zum Hofkeller ernannt.[i] Am 30. Mai 1676 erkrankte er und starb am 5. Juni 1676. «Pater pauperum et orphanorum», wie Abt Gallus in seinem Tagebuch[ii] schreibt. (268)

 

[i] Cellerarius aulae exterioris.

[ii] IV. 112.


57. Gallus Alt

P. Gallus (Jakob) Alt v. Oberriet im Rheintal. Geboren 10. September 1610. Profess 8. September 1628; Subdiakon 6. März 1632; Diakon 3. März 1635; Priester 16. Februar 1636; Primiz 2. März, am Sonntag Laetare. Am 23. Juni 1637 wurde er Paedagogus, schon am 23. Februar 1638 Küchenmeister. Am 30. März 1639 sandte ihn Abt Pius nach Ingolstadt, damit er dort die Rechte studiere. Am 26. September 1640 kehrte er zurück. Seine Studien setzte er vom 4. Oktober 1640 bis zum 22. Mai 1642 in Rom fort, wo er Doktor wurde. Heimgekehrt, wurde er Lehrer des Rechts, ebenso 1645 Vizeofficial. Am 14. November 1645 wurde er als Statthalter nach Ebringen geschickt, von wo er aber am 19. März 1647 wieder zurückkehrte. Am 23. April dieses Jahres erfolgte seine Ernennung zum Novizenmeister und am 12. Juli zum Subprior. Am 18. Januar 1652 schickte ihn Abt Pius als Prior und Statthalter nach St.Johann. Dort blieb er aber nur bis Ende August 1652; denn am 30. August wurde er als Stiftsdekan eingesetzt. Vom 28. Mai bis 11. Juni 1653 weilte er in Ettenheimmünster, mit dessen Reform man damals beschäftigt war. Am folgenden 16. September predigte er an der Engelweihe in Einsiedeln. Schon am 17. Dezember 1654 erfolgte seine Wahl zum Nachfolger des Abtes Pius. Gestorben 4. März 1687. (269)

 

Schriften:

 

a) Gedruckte:

 

1. Fortitudo virtus cardinalis ejusdemque praecipuus actus Martyrium. De quibus in monasterio S. Galli mense Septembri die . . . publice disputabunt . . . Gallus Alt et Plazidus Bridler (kein Prases angegeben). In monasterio S. Joannis Vallis Thurae. Anno MDCXXXIV. 4°, 11 S. – Stiftsbibliothek St.Gallen GG. M. VI, 17.; GG. M. VI, 1 Adl.15 (Grolig).

 

2. Disputatio juridica ex 3. Decretalium Gregorii IX. de regularibus, quam . . . publice disputandum composuit Theogeris Gästlin. Ad V. idus Sept. Anno Chr. MDCXLIII. Formis monasterii S. Galli. 4°, 4 Bll., 64 S. – Stiftsbibliothek St.Gallen GG. M. VII, 14. Unvollständiges Exemplar (Grolig). P. Gallus war Präses.

 

b) Ungedruckte:

 

Tagebuch des Abtes Gallus in fünf Bänden (I.: November 1645 bis September 1657; II.: Oktober 1657 bis Ende 1664; III.: 1665-1672; IV.: 1673-1680; V.: 1681-1687). Stiftsarchiv St.Gallen, Band 263-267. Die Bände 268-270 enthalten eine nach bestimmten Geschäftsrubriken geordnete Kopie.


58. Bonifacius Feurer

P. Bonifacius (Jakob) Feurer von Tablat. Geboren am 12. Oktober 1609 als Sohn des Hofweibels Ulrich Feurer und der Barbara Teschler von Teschlihusen. Profess 8. September 1628. 1630, 1. März, wurde er mit P. Gallus Alt durch Franz Letter, Konventualen von Muri, in die Sodalität zu Dillingen aufgenommen,[i] was darauf hinweist, dass man sich von St.Gallen aus, auch nachdem man nicht mehr in Dillingen studierte, immer noch dort in die Sodalität aufnehmen liess. – Subdiakon 6. März 1632; Diakon 16. Februar 1636; Priester in der Fastenzeit 1636; denn er feierte die Primiz am 2. März 1636, als am Laetaresonntag in St.Johann. Zunächst war er wohl dort tätig; denn er erscheint dort schon 1635, aber auch 1637 mit P. Remaclus Negelin als Typograph.[ii] Am 22. November 1639 wurde er nach St.Gallen zurückberufen. Noch 1652, als die Druckerei bereits seit 1641 im Stifte St.Gallen selbst aufgestellt war,[iii] erscheint er als Typograph. Zugleich war er aber auch als Lehrer tätig. Vom 23. März 1657 bis 26. Juni 1658 war er Novizenmeister, wurde dann Subprior. Daneben versah er noch seit dem 17. November 1662 das Amt eines Cellerars. Er starb am 21. (alias 19.) Juli 1663. Folgende Verse wurden ihm gewidmet (Mscr. 1447):

 

Nomen ab igne geris, divinoque igne flagrabas,

Empireis merito jungeris ergo choris.

Sola Maria mei rapuit sibi pectoris ignes,

Pro centro Luna scilicet ignis habebat.

Ac tandem in cineres extincte resolveris ignes,

An cineres inter flamma latere cupis?

Ignis eram, sed cum morer, sic flebile dixi,

Terra vale; Centrum nempe reviso meum.

Vixit ut Elias: similis si mortuus esset

Eliae, nondum mortuus ipse foret:

Vita hominis motus, mortalis mobile: Vitae

Et motus idem terminus est requies. (270)

 

Schriften:

 

1. Proposita vitae melioris P. Bonifacii Feurer. Ein sittlich-religiöses Tagebuch von 1662. Mscr. 1643. Papier 3°, 437 S. (Sch., p. 500).

 

2. Nach Weidmann (p. 68) soll er auch Aufzeichnungen über Metaphysik und Physik hinterlassen haben, von denen aber nichts mehr erhalten ist. 

 

[i] Original bei Stipplin, Band 195, p. 756.

[ii] Excudebant Religiosi Fratres Bonifacius et R.N. Apud S. Joannem in Thurae Valle. – Excudebant rdi patres B.F. et R.N.; siehe Thesen von P. Modestus Spiess.

[iii] Weidmann, p. 70.


59. Desiderius Ammann

P. Desiderius (Johann) Ammann von Luzern. Geboren am 17. September 1606 als Sohn des Melchior Ammann und der Agatha Holzer. Profess 8. September 1628; Subdiakon 6. März 1632; Diakon 28. September 1632; Priester 16. Februar 1636. Primiz 7. März 1636. – Er war Lehrer an der Klosterschule sowie Cellerar[i] und Vestiar in St.Gallen. 1646 war er in Alt St.Johann, wo er, wie auch in Wildhaus, eine Zeitlang Pfarrer war. Am 6. Juni 1649 wurde er endgültig nach St.Gallen gerufen. Er war immer etwas schwächlich wegen der zu Hause in seiner Jugend ausgestandenen Not; starb darum auch früh, am 8. April 1651, einem Karsamstag, erst 45 Jahre alt. P. Constantius Pfiffer, sein Landsmann, setzte ihm das folgende, etwas dunkel gehaltene Epitaph, von dem P. Basilius Renner meinte, zu dessen Lesung sei eine Leuchte (Lucerna) nötig:

 

Qua desiderio, Christus desidero nocte,

Ante necem dixit sumere Pascha vetus,

Hac jam non ultra biduo coenatus abivi,

Mors desiderio nil nisi Pascha novum.[ii]

 

Ein Oheim von P. Desiderius war P. Benedikt Ammann, Dekan in Einsiedeln. (271)


Schriften:

 

Nach Stipplin zeichnete er seine Ermahnungen an die Studenten auf, die von seiner innigen Verehrung zum hl. Altarssakrament und zu Maria ein schönes Zeugnis ablegen, die aber nicht mehr erhalten sind (Stipplin 195, 768).

 

[i] 4. Oktober 1640.

[ii] Mscr. 1447.