Ulrich von Güttingen

Ulrich von Güttingen

Nr. 42

 

Ulrich VII. von Güttingen

 

regierte vom 14. Juni 1272 bis zu seinem Tode, am 14. Februar 1277.[i]

 

Wie wir eben gesehen, wählte am 14. Juni 1272 die eine Partei Ulrich von Güttingen. Er entstammte dem gleichen thurgauischen freiherrlichen Geschlechte, dem Abt Rudolf (1226) angehört hatte. Seine Familie hatte darum von jeher viele Beziehungen zu St.Gallen gehabt.[ii] Ulrich begegnet uns urkundlich vor seiner Wahl 1270 im Verzeichnis der Konventualen, wo er wie sein Gegner als Diakon aufgeführt ist. Der dort aufgeführte Albertus dyaconus ist Albrecht von Güttingen, ein Bruder Ulrichs, der aber später Barfüsser wurde.

 

Ulrich hatte, wie wir hörten, bei der Wahl die stärkere Partei, d. h. hauptsächlich die Ministerialen und Bürger auf seiner Seite; dazu kamen die Appenzeller und Wiler. Er, verstand es, die Werdenberger Grafen, denen er Bütschwil und die Feste Rüdberg (bei Dietfurt) gab, sowie Rudolf II. von Montfort auf seine Seite zu ziehen. Von den st.gallischen Ministerialen standen Ulrich von Ramswag, Rudolf Giel von Glattburg und Walter von Elgg auf seiner Seite. Die Bürger von St.Gallen gewann er durch die Verleihung einer Handveste[iii], welche den ersten Freiheitsbrief bedeutet, den die Stadt von den Äbten erhielt.[iv] Das Geld, das Abt Berchtold für den Rückkauf der Vogtei über Grüningen hinterlegt hatte, da man sich über die Summe nicht ganz hatte einigen können, verbrauchte Abt Ulrich in diesem Handel, so dass die Bürgen in schweren Schaden kamen.[v] Das Kirchengut ward arg verschleudert. Die 15 Kelche, die Abt Berchtold hinterlassen hatte, wurden «vertan», so dass man von auswärts einen holen musste, wenn man im Münster Gottesdienst halten wollte. Ebenso wurden die kostbaren Antipendien, auf 200 Mark geschätzt, «vertan»; man löste kaum 40 Mark.

 

Ulrich gelang es, vor allem in dem mächtig aufstrebenden Grafen Rudolf von Habsburg, der bald die deutsche Königskrone erlangen sollte, einen mächtigen Helfer zu finden. Dieser liess sich gleich von den Gotteshausleuten schwören und brach auch die Feste Neu-Bichelsee (noch vor dem 1. Oktober 1273).

 

Am 1. Oktober 1273 wurde Rudolf zum deutschen König gewählt. Schon bald suchte Abt Ulrich den König auf; wir finden ihn im November 1273 in Köln, am 13. Dezember 1273 in Speier, am 25. Januar 1274 in Zürich bei diesem. Später, am 5. November 1274 ist er wieder bei ihm in Ungarn. In Köln erwirkte Ulrich, dass Rudolf die Vogtei über das Gotteshaus dem Ulrich von Ramswag übertrug, so dass nun ein Dienstmann des Gotteshauses dessen Vogt wurde.[vi] Der Aufenthalt am Hofe – zumal mit grösserm Gefolge – war aber so kostspielig, dass Ulrich in eine sehr missliche Lage kam. Der König nützte diese auch aus, indem er Ulrich nötigte, ihm Grüningen käuflich abzutreten. Ebenso suchte der neue Vogt seine Stellung nach Möglichkeit auszunützen.

Nachdem Heinrich von Wartenberg am 26. April 1274 gestorben war, wählten seine Parteigänger Rumo von Ramstein zu dessen Nachfolger (s. u.). So ging denn der Streit weiter. Auch in Rom wurde die Sache anhängig; doch erfahren wir nur indirekt davon[vii], indem ein Prozess als schwebend erwähnt wird. Die Kämpfe gingen also weiter, wenn auch nicht mit der Heftigkeit wie früher (s. u. Rumo). Doch starb auch Abt Ulrich schon bald, am 14. Februar 1277, nachdem er 4 Jahre und 3 Monate Abt gewesen war. Er ward im Kreuzgang bestattet.

 

Urkundlich erscheint Abt Ulrich in W. III. 1000, 1001, 1004, W. IV., Ap. 124. Interessant ist, dass sein Nachfolger, der nunmehr allgemein anerkannte Rumo, anno 1280 über Ulrichs Stellung sagt: «Ulricus de Gutingen, bone memorie, qui se pro abbate sancto Galli gerebat ...».[viii]


 

[i] Kuchimeister c. 34-38; dazu Meyers Anmerkungen

[ii] Vgl. Meyer 1. c., p. 116, n. 194

[iii] W. III., Nr. 1000

[iv] S. Meyer 1. c., p. 124, n. 201

[v] S. Meyer 1. c., p. 134, n. 213

[vi] Meyer 1. c., p. 146, n. 237

[vii] W. III., Nr. 1004

[viii] W. III., Nr. 1024