
Rudolf von Güttingen
neues Fenster
Nr. 38
Rudolf I. von Güttingen
regierte vom 24. September 1220 bis zu seinem Tode, am 18. September 1226.[i]
Der Nachfolger Ulrich VI. entstammte einem thurgauischen Freiherrengeschlechte. Urkundlich erscheint er vor seiner Wahl erstmals 1208[ii], wo er im Einverständnis mit Abt und Konvent den Hof in Merishausen auf fünf Jahre an Berthold, Leutpriester in Schaffhausen, verpfändet. Als Zeuge haben wir ihn sodann jedenfalls unter den: «Ruodolfus, Uolricus, Hainricus carnales fratres de Güttingen» 1209 zu suchen.[iii] In den Jahren 1211, 1212, 1217 erscheint er als Propst[iv] und 1219 als «praepositus ac decanus».[v] Als solcher trifft er Verfügungen über die festliche Feier von Pauli Bekehrung, auf welchen Tag, wie auch auf den zweiten Pfingsttag er eine Stiftung macht. Nach Konrad de Fabaria war er auch Cellerarius. Von ihm als Propst stammt auch eine zeitlich nicht weiter bestimmbare Jahrzeitstiftung.[vi]
Der am 24. September 1220 zum Abt Gewählte wurde durch Kaiser Friedrich bestätigt. Er fand, nebst grossen Schulden seines Vorgängers, die dieser, wie Conrad de Fabaria sagt: «pro honore hujus ecclesiae et pro imperii expenderat negociis», an barem Geld 400 Pfund Silber und 70 Mark vor. Die Schulden wurden aber alsbald noch vermehrt. Denn zum Heerbanne des Königs aufgeboten – möglicherweise war der Befehl dazu noch an seinen Vorgänger ergangen – zog Rudolf es vor, sich mit 300 Mark der Verpflichtung zu entziehen, während er doch, wie Conrad de Fabaria meint, mit 200 Mark König und Kloster hätte dienen können, zumal alle Fürsten, die dem Aufgebote folgten, reich beschenkt heimkehrten. Um die Schulden zu tilgen, wollten er und die Brüder von ihren Einkünften zusammenlegen; aber es half nichts. Die Schulden stiegen im Gegenteil. Als 1221 durch den Tod des Bischofs Arnold von Matsch (24. Dezember) die Churer Kirche erledigt worden war, suchte Rudolfs Bruder, Albert von Güttingen, Propst von St. Stephan in Konstanz und Domherr von Konstanz und Chur, Bischof zu werden. Eine Gegenpartei aber war für den Churer Domherrn Heinrich Realta. Der Abt von Disentis suchte vergeblich zwischen den beiden Parteien zu vermitteln. Der Handel kam nach Rom, und hier suchte Rudolf durch reiche Geldspenden für seinen Bruder Stimmung zu machen. Allein, bevor ein Urteil erging, starben beide Bewerber (1222-1223). Nun suchte Rudolf, um nicht vergebens so grosse Opfer gebracht zu haben, die Churer Inful für sich zu erlangen, was ihm auch – jedenfalls unter weitern finanziellen Opfern – gelang. Er wollte aber die Abtei St.Gallen zugleich beibehalten, und so kam er um Dispens ein. Diese wurde ihm am 23. Februar 1224 gegen eine Gebühr von 300 Mark Silber gewährt, freilich nur auf drei Jahre, dann sollte er die Abtei aufgeben müssen.
Die Tätigkeit Rudolfs als Bischof von Chur war kurz und wenig glücklich. Um die ausgelegten Gelder wieder einzutreiben, legte er den Gotteshausleuten von Chur und St.Gallen grosse Abgaben auf. Auch erlaubte ihm der Papst, um die von seinem Bruder hinterlassenen Schulden bezahlen zu können, die überschüssigen Einkünfte jener Pfründen, die Albert von St.Gallen – offenbar durch Vermittlung Rudolfs – hatte, verwenden zu können.[vii]
Während Rudolf als Abt urkundlich mehrfach erscheint[viii], finden wir ihn als Abtbischof selten.[ix] Als Bischof von Chur verglich er sich am 16. Januar 1226 mit dem Trienter Domkapitel wegen Besitz von Tiroler Pfarreien. In St.Gallen weihte er am 3. Mai 1225 die Kirche St. Leonhard ein; ebenso weihte er die Kirche in Herisau, die Kapellen im Siechenhaus am Linsenbühl und in der Krypta des Münsters (22. u. 23. Sept. 1225). Als in den Jahren 1224 und 1225 Kardinallegat Konrad von Urach in Süddeutschland und der Schweiz weilte, um für den Kreuzzug zu wirken, kam dieser auch nach St.Gallen, wo er am 6. Februar 1225 einen Ablass für das Fest des hl. Gallus und den Kirchweihtag gewährte.[x] Konrads Bruder erhielt von Abt Rudolf auch st.gallische Lehen. Mit dem Kardinal zog Rudolf im März 1226 nach Italien, wo er in Pescara mit Friedrich II. zusammentraf, der damals im Kampfe mit den Langobarden lag. Rudolf folgte zunächst mit dem Kardinal dem Kaiser, dann aber wandte er sich mit diesem nach Rom, wo er offenbar in der Churer Angelegenheit neue Zugeständnisse über die drei bewilligten Jahre hinaus erlangen wollte. Doch gelang ihm dies nicht; denn am 25. Mai 1226 liess Honorius III. an den Konvent von St.Gallen den Befehl ergehen, innerhalb 20 Tagen, nach Ablauf der dem Bischof für die Beibehaltung von St.Gallen gewährten Frist, einen neuen Abt zu wählen.[xi] Die 1400 Mark Silber, die Rudolf für seinen Italienzug aufgenommen hatte, wie Konrad de Fabaria meldet, waren daher so gut wie verloren.[xii]
In Rom ergriff den Abt ein Fieber und raffte ihn nebst sehr vielen aus seiner Umgebung dahin. Er starb am 18. September 1226.[xiii] Das St.Galler Nekrologium hat zu diesem Tage: «Ob. Rudolfi de Guttingen abbatis et episcopi Curiensis.» Kardinal Urach sorgte für ein ehrenvolles Begräbnis in der Laterankirche. Die Regierungszeit dieses Abtes wird gemeinhin um ein Jahr zu hoch angegeben, sieben statt sechs Jahre.
[i] Conrad de Fabaria c. 18-20; dazu Meyers Anmerkungen
[ii] W. III., Nr. 837
[iii] W. III., Nr. 838
[iv] W. III., Nr. 841; W. IV., Ap. 16
[v] W. III., Nr. 847
[vi] W. III., Nr. 92
[vii] W. IV., Ap. 25
[viii] W. III., Nr. 852-56; W. IV., Ap. 23-25
[ix] W. III., Nr. 858; W. IV., Ap. 25-28
[x] W. III., Nr. 857
[xi] W. IV., Ap. 28
[xii] Vgl. Meyer 1. c., p. 196, n. 174 und W. III., Nr. 868
[xiii] Notiz bei Goldast. – Vgl. Mayer J.G., Geschichte des Bistums Chur, I. Bd., p. 229-31; Hist.-biogr. Lexikon der Schweiz IV., 1.