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Hartmann

Nr. 14

 

Hartmann

 

Er regierte von 922 an bis zu seinem Tode, am 21. September 925.[i]

Hartmann begegnet uns im Liber Promissionum (XII, 9) sowie in den Confraternitätsbüchern von Reichenau und Pfäfers, wo zwar mehrere Träger dieses Namens vorkommen. Er ist wohl identisch mit dem Hartmannus diaconus, der im Mönchsverzeichnis von 895 vorkommt.[ii], dem Schreiber der Urkunde W. II. 710 von 897 und dem spätern Camerarius, der uns 910-13 begegnet.[iii] Anno 920 wird er als Praepositus erwähnt.[iv] Er war ein Schüler Notker des Stammlers und betätigte sich später selber als Lehrer und Dichter von Hymnen.[v] Seine Schrift über die Geschichte seiner Zeit ist leider verloren gegangen.

 

Wie aus allem hervorgeht, wurde Hartmann nicht unmittelbar nach dem Tode Salomons, sondern erst 922 zum Abte gewählt.[vi] Die Gründe, die diese Verzögerung verursachten, werden von den einen in den äussern Unruhen im Reiche gesucht, die nach König Konrads Tod und Heinrich I. Thronbesteigung sich folgten; nach andern aber in innern Parteiungen.[vii] Schon zu Lebzeiten Salomons scheint Cozolt[viii] eine gewisse Rolle in gegensätzlicher Stellung zum Abtbischof gespielt zu haben. Er erscheint auch nach Salomons Tod an der Spitze der Mönche, die vor öffentlichem Gericht Klage erhoben gegen den Neffen Salomons, Waldo, Bischof von Chur, der Ansprüche auf die Abtei Pfäfers erhob (8. März 920).[ix] Später (im Oktober 920 und 921) tritt ein Dekan Alberich als im Namen des Klosters handelnd auf.[x] Erst in einer Urkunde, die zwischen Juli 922 und September 925 liegen muss[xi], erscheint Hartmann – zugleich das einzige Mal – als Abt.

 

Ekkehard schildert uns Hartmann – nach dem Hörensagen – als einen klugen und vor allem sehr frommen Mann, der sich besonders um die innere Klosterzucht bemühte. Den Brüdern suchte er in allem gerecht zu werden. Besondere Sorge wandte er der Schule und dem Choralgesang zu.[xii] Daneben aber vernachlässigte Hartmann – wenn wir Ekkehard glauben dürfen – stark das Ökonomische, so dass die Beamten und Angestellten des Gotteshauses allzu frei sich bewegten.

Schon nach drei Jahren und vier Monaten – wie der Äbtekatalog ziemlich genau sagt – starb Hartmann. Das Nekrologium sagt zum 21. September:

 

«Ob. Hartmanni magistri atque Abbatis.» Als Todesjahr ist jedenfalls 925 anzunehmen, nicht 924, wie die Annales Sang. maj. haben, oder gar 923, wie Hermann der Lahme sagt.[xiii] In seine Regierungszeit fällt nur die Urkunde W. III. 784.


 

[i] Ekkehard c. 47, n. 596 bis c. 48, n. 617

[ii] W. II., Nr. 697

[iii] W. II., Nr. 763, 768, 771, 774

[iv] W. III., Nr. 781

[v] So für die Rogationstage, auf den hl. Magnus u.a.; ebenso ein Empfangsgedicht, wohl für Karl III.

[vi] Die Annales Sang. maj. haben zwar: 921, Hartmannus abba effectus est.

[vii] Vgl. Meyer, Ekk. Cas. c. 47, p. 165, n. 596

[viii] S. unter Mönche

[ix] 8. März 920, W. III., Nr. 779

[x] W. III., Nr. 780, 781, 783

[xi] W. III., Nr. 784; s. Anmerkung dazu

[xii] Was Ekkehard über die Einführung des römischen Chorals in St.Gallen unter Karl dem Grossen berichtet, ist freilich sehr vorsichtig aufzunehmen.

[xiii] Vgl. darüber Meyer, Ekk. Cas. c. 48, p. 176, n. 617. – Über Hartmann vgl. Meyer v. Knonau, Allgemeine deutsche Biographie 10, 678. – Idem Bemerkungen zu den Casus Ekkehardi, bes. S. 5, 23, 24 und zu den Cap. 47 und 48, die Hartmanns Regierung beschlagen.

 

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