Weinzehntbüchlein

Weinzehntbüchlein

Weinzehntbüchlein

StiASG, Bd. LA 382: Beschreibung der Witterung für das Jahr 1795 im Weinbüchlein für den Schildtorkel in Berneck

 

 

1795

Dieser Jahrgang ware schon von Angang sehr ge-

fährlich für den Rebberg, dan noch zu End des

1794 Jahrs hat ein heftige Kelte schon den Anfang

gemacht und hernach bis über 6 Wochen ohne Schne

gedauret, das wenig Leüth dergleichen erlebt

haben und grad darauf erst ein diker Schne

mit ebenso anhaltenter Kelte wie vorhin noch

etliche Wochen continuiert das männiglich glau-

ben könte es hät den ganzen Rebbau zu Grund

gericht. Es hat zwar grossen Schaden gethan doch nicht

durchaus. Besonders haben sich getrochene

Reben noch wohl durch bringen mögen und am

Frühling ein zimmlichen Schuss hervor gebracht.

Wan nur die Bluest ein bessern Witterung

angetrofen häte, dan die Monathe Junij und

July waren mehrenteils nass und kalt, und

dan noch darzu mit ein und dem anderen

Hagel begleitet, das man bald häte zweiflen

solle, man werde dises Jahr keine zeitige

Trauben wemmlen können. Aber gähling en-

derte sich das Wetter: Zu Anfang des August

und waren die 2 folgenden Monath so günstig,

das man den 23. September schon hat können

wemmlem bei ebenso günstigem Wetter, als

man nicht einmahl hätte wünschen dörfen.

Nur schad das mans dem so gnädigen Gott

nicht noch 8 oder mehr Tag anvertraut hat!

[Seitenwechsel]

Dan in allen Reben ohne Ausnam kein unge-

sundes Beer gefunden. Dem unangesehen

wolte man doch wemlen. Das aber nichts

desto weniger der Wein sehr guet werde,

last sich nicht zweiflen, wan er schon noch besser

häte werden können. So seye doch Gott

um das gebenedeit, ietz und in Ewigkeit.