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Tagung "Nach Rom gehen"

Nach Rom gehen - monastische Reisekultur im Mittelalter

Romdarstellung

Seit den Anfängen des Mönchtums im Orient sind ihre Vertreter unterwegs. Im Laufe der Jahrhunderte formte sich ein Erfahrungsschatz, der sie vor allem für den Weg über die Alpen zu den wohl erfahrensten Reisenden überhaupt machte. So überlebten teilweise nördlich der Alpen Texte und Itinerare, die für die Geschichte Italiens und im Besonderen Roms von unschätzbarem Wert sind.

 

Den Wissenstand über das frühmittelalterliche Rom in einem nordalpinen Kloster vermittelt in einzigartiger Form Codex 326 der Stiftsbibliothek Einsiedeln. Mit der darin enthaltenen Inschriftensammlung und vor allem den Wegbeschreibungen erschließt sich dem Leser die Stadt Rom im 8./9. Jahrhundert mit ihren antiken Profan- und Sakralbauten. Sie gilt als das erste systematische Inventar einer Stadtbebauung, das aus nachantiker Zeit überliefert ist. Aufgrund ihres klösterlichen Überlieferungskontextes und Inhalts steht diese Handschrift auch im Mittelpunkt des Kolloquiums.

 

Für Mönche aus dem Norden galt Italien lange Zeit als Ort, an dem das Mönchtum einen besonderen Ruf der Authentizität und der romanitas genoss. Dieses Bild des Südens als Quelle der Authentizität war im angelsächsischen Bereich besonders stark. Die Wahrheit musste in Rom und in der monastischen Landschaft Italiens gesucht werden, die mit Columban und dem "römischen Abt" Benedikt verbunden war. Im 8. Jahrhundert war das Klosterwesen in Italien offenbar so weit gediehen, dass sich auch Mönche aus dem Norden ihre Anregungen im langobardischen Italien holten. Besonders Montecassino bildete nach seiner Wiedererrichtung die bedeutendste Quelle monastischen Denkens.

 

Auch im Hoch- und Spätmittelalter behielten monastische Reisen nach Rom oder allgemein nach Italien ihre kulturelle Transferfunktion. Besonders eindrücklich sind die Reisen des friesischen Abtes Emo von Groningen oder des Abtes Rudolf von Saint-Trond dokumentiert, in denen etwa auch auf die Beschwerlichkeit des Reisens eingegangen wird. Einen neuen Aufschwung erlangten Italienreisen mit dem Aufblühen der Universitäten nördlich der Alpen: Gerade von der Pariser Sorbonne reisten immer wieder geistliche Gelehrte nach Italien, wobei damit auch ein Transfer von Wissen und Büchern in beide Richtungen einherging. Im Zuge der allgemein gestiegenen Reisetätigkeit im 15. Jahrhundert kam es schliesslich auch zu einer massiven Zunahme von Romreisenden, Pilgern ebenso wie Personen in kirchlich-diplomatischer Mission. Diese Reisenden sind sowohl durch Reiseberichte als auch durch deren Eingaben an der päpstlichen Kurie rekonstruierbar, wobei auch quantitative Schätzungen zu den Romreisen von Mönchen aus Mittel- und Westeuropa möglich werden.

 

Vedi Napoli e poi muori – Grand Tour der Mönche

Vom 4. September bis 30. November 2014 wird im Stiftsbezirk St.Gallen, 2015 in der Stiftsbibliothek Einsiedeln und vom 11. Februar bis 18. April 2016 im DomQuartier Salzburg die Ausstellung "Vedi Napoli e poi muori – Grand Tour der Mönche" präsentiert.