Ausstellung St.Galler Fasnachtsplakate

St.Galler Fasnachtsplakate

St.Galler Fasnachtsplakate

Im Ausstellungssaal der Kantonsbibliothek Vadiana

 

Mohrenball und Födlebürger – Fasnacht in St.Gallen

Während der Olma zeigt die Kantonsbibliothek Vadiana St.Galler Fasnachts-Plakate von 1974 bis heute. Die Ausstellung ruft in Erinnerung, wie stark sich das Fasnachtsleben in der Stadt St.Gallen über die Jahre entwickelt hat und welche Bildsprache damit verbunden war. So wird die Reihe der Plakatausstellungen der Kantonsbibliothek Vadiana während der Olma fortgeführt, die bisher die Plakate von Olma, Openair St.Gallen, Zirkus Knie und Theater St.Gallen im Fokus hatten.

 

Fasnacht in St.Gallen

Die St.Galler Fasnacht hatte es von Anfang an schwerer sich zu entfalten, als die Fasnacht in anderen Schweizer Städten wie Luzern oder Basel. Die Gründe dafür gehen bis ins 14. Jahrhundert zurück. Das lustige Treiben zur Fasnachtszeit war über Jahrhunderte hinweg Obrigkeit und Kirche ein Dorn im Auge. Verkleidungen und fasnächtliche Lustbarkeiten wurden verboten. Davon liessen sich richtige Fasnächtler aber nie ganz abhalten.

 

Ende des 19.Jahrhunderts lebte die St.Galler Fasnacht langsam auf. Zu jener Zeit war sie hauptsächlich geprägt von Maskenbällen, Maskenparaden und dem Kinderumzug. Vor allem lässt sich eine intensive Produktion von Fasnachtszeitungen nachweisen, wie "Die Wanze", "Postheiri", "Rätschbäsi" und Fasnachtsbeilagen von Tageszeitungen (Vitrine 3). In anderen Orten des Kantons entwickelten sich zu dieser Zeit andere Traditionen, beispielsweise die "gfürchigen" Holzmasken im Sarganserland und in Walenstadt (Vitrine 1).

 

Neuen Schub erhielt die Fasnachtstradition St.Gallens Ende der 1960er Jahre. Unter dem Einfluss Hugo Trüssels, eines zugezogenen Luzerners, und weiterer Auswärtiger, setzten es sich die aktiven St.Galler Fasnächtler zum Ziel, der Fasnachtskultur neuen Schwung zu verleihen. Sie sammelten neue Ideen und daraus resultierte beispielsweise die Gründung der Guggenmusik "Göllemusig". Diese Gründung läutete eine neue Ära St.Gallischer Guggenkultur ein (siehe unten).

 

Das moderne Erscheinungsbild der Fasnacht prägt vor allem die 1991 gegründete St.Galler Fasnachtsgesellschaft. Neue Aktivitäten wurden ins Leben gerufen, darunter die Führung einer Fasnachtsbeiz im Waaghaus, das Aufstellen von Verpflegungs- und Getränkeständen, die Begleitung des Ehren-Föbüs (siehe unten) zur Richtstätte durch möglichst viele Guggen am Samstag, die Wiederbelebung des Kinderumzuges am Sonntag und die Kinderfasnacht am Dienstag. Durch diesen Effort wurde die St.Galler Fasnacht weiterentwickelt und um einige Attraktionen reicher.

 

Mohrenball

Bälle waren fester Bestandteil der St.Galler Fasnacht. Wichtig war der Mohrenball, der von 1958 bis 2000 entweder im Hotel Ekkehard oder in der Olma Halle 1 stattfand. Aufgrund von Publikumsschwund wurde er 2001 eingestellt. Die meisten anderen Bälle fielen bereits früher dem allgemeinen "Ballsterben" zum Opfer.

 

Die Plakate und Broschüren zum Mohrenball (Vitrine 2) wurden von 1965 bis 1999 vor allem von den Künstlern Robert Geisser, Hansjörg Rekade und Alexander Blanke (Alibert) gestaltet (siehe Übersichtsplakat). Bei der ausgestellten Sammlung lassen sich Schwerpunkte erkennen, so zum Beispiel ähneln sich die frühen Plakate von Robert Geisser in Sujet und Farbwahl. Die späteren Plakate wurden entweder von Rekade oder Blanke gestaltet und verändern sich in Bildsprache und Stil.

 

Födlebürger-Verschuss

1974 entstand während einer Zusammenkunft von diversen Fasnächtlern und Guggenmusikern die Idee zum "Födlebürger-Verschuss". Ausgangspunkt war die Überzeugung, dass es in St.Gallen zu viele Födlebürger, das heisst Personen ohne Zivilcourage, gäbe. Deshalb wurde beschlossen, diese symbolisch auszumerzen, indem jährlich ein Födlebürger gekürt und mit Konfetti abgeschossen wurde. Da sich aber sicher kein echter Födlebürger dafür zu Verfügung stellen würde, sollte an seiner statt eine Person "mit Födle", also das pure Gegenteil eines Födlebürgers, dieses Prozedere über sich ergehen lassen.

 

So wurde während der Fasnacht 1974 der Künstler Max Oertli zum ersten Ehren-Födlebürger erklärt und auf dem Blumenmarkt "hingerichtet". In den kommenden Jahren wurde dieser Brauch vielen kritischen Stimmen zum Trotz weitergeführt und in das Fasnachtstreiben eingebunden, so dass er bis heute ein wichtiger Bestandteil der St. Galler Fasnachtstradition geblieben ist (Vitrine 2).

 

St.Galler Guggen

Bevor in St.Gallen die erste Guggenmusik gegründet wurde, war die Stadtmusik dafür verantwortlich, die Fasnacht musikalisch zu begleiten. Daneben gab es seit den 50er Jahren die vom Apotheker Hans Stehle gegründete "Guggenmusig Sanggalle" sowie Tambouren, Schnitzelbänkler, und andere musikalischen Ensembles.

 

Auf Anregung von Hugo Trüssel wurde 1968 die "Göllemusig" als erste Guggenmusik ihrer Art gegründet. Auf sie folgten die "Galleschränzer" und die "Pflotschguuge". Die immer zahlreicher werdenden Guggen leisteten einen Beitrag zum neuen Erscheinungsbild der St.Galler Fasnacht, indem sie eigene Plakate gestalteten (siehe Plakat "Galleschränzer"). Sie belebten die fasnächtliche Innenstadt mit ihren Einlagen und mit einem Monsterkonzert aller Guggen am Abend des Schmutzigen Donnerstags. Mit der Zeit wurden in den umliegenden Orten weitere Guggenmusiken gegründet.

 

Plakatsammlung in der Kantonsbibliothek

Die Sammlung der Kantonsbibliothek umfasst vor allem Fasnachtszeitungen, Plakate vom Mohrenball und einige Dokumente aus anderen Regionen des Kantons. Allerdings bestehen noch immer Lücken, gerade was die frühen Plakate des Mohrenballs und Fasnachtszeugnisse umliegender Orte betrifft. Mit der Ausstellung möchte die Kantonsbibliothek dazu anregen, ihr Stücke zu übergeben, die noch irgendwo erhalten sind, damit sie für die Nachwelt gesichert werden können.

 

Dank

Die St.Galler Fasnachtsgesellschaft und der ehemalige Präsident des Mohrenballs, Gallus Kappler, haben der Kantonsbibliothek Vadiana die noch vorhandenen Plakate geschenkt. Herzlichen Dank!

Ein Dank geht zudem ans Stadtarchiv, das die Ausstellung mit einigen Stücken ergänzt hat.

 

Ausstellung

St.Galler Fasnachtsplakate

12.-22. Oktober

Mo-Fr 8-18 Uhr, Sa 8-16 Uhr

 

Im Ausstellungssaal der

Kantonsbibliothek Vadiana

Notkerstrasse 22

9000 St.Gallen

 

Eintritt frei