
Referenten
Hans Ulrich Glarner
Kulturbeauftragter des Kantons Aargau
«Der Schwerkraft entrinnen. Perspektiven für die Kulturvermittlung»
Das neue Kulturfördergesetz des Bundes rückt Kunst- und Kulturvermittlung ins Blickfeld. UNESCO-Kommission und Pro Helvetia ziehen mit Forderungen und Angeboten nach. Verschiedene Kantone haben Kulturvermittlungsprogramme lanciert. Der Kanton Aargau führte 1968 als erster Kanton ein Kulturgesetz ein. Seither ist Kulturvermittlung in verschiedenen Bereichen systematisch auf- und ausgebaut worden. 2005 wurde das Programm "Kultur macht Schule" lanciert, 2007 Kulturverantwortliche an Schulen eingeführt. Nun liegen Evaluationen vor. Welche Schlüsse kann man daraus für die Weiterentwicklung oder die Implementierung von Programmen ziehen? Wo setzt der Aargau zukünftig Akzente?
Zentrale Fragestellungen:
Warum gehört Kulturvermittlung zu den Kernaufgaben staatlicher Kulturpolitik?
Welches ist die Rolle von Kulturverantwortlichen und weshalb sind sie zentraler Erfolgsfaktor bei der Kulturvermittlung an Schulen?
Wodurch zeichnet sich Qualität von Kulturvermittlung aus?
Inwiefern können wir uns vom Manifest „Arts&Education“ der Schweiz. UNESCO-Kommission leiten lassen?
Biografie:
Hans Ulrich Glarner, geboren 1959 in Wildegg AG, wohnt in Lenzburg.
Ausbildung: Schulen in Möriken-Wildegg und Lenzburg, Lehrerseminar Aarau 1979, Studium Deutsch, Geschichte, Geografie und Kulturmanagement in Zürich und Salzburg, Master of Advanced Studies MAS 1998. Executive Education Harvard Kennedy School 2010.
Beruflicher Werdegang: Kulturredaktor am Aargauer Tagblatt (84-88). Geschäftsführer Aktion Begegnung 91 zur 700-Jahr-Feier der Eidgenossenschaft (88-92). Leiter Stapferhaus Lenzburg, Ort für Kultur und Begegnung (92-02). Leiter Abteilung Kultur Kanton Aargau seit 2002.
Lehrtätigkeit: Seit 2000 Dozent an der Universität Basel und am Stapferhaus Lenzburg für Kulturmanagement und seit 2008 an der Pädagogischen Hochschule FHNW und am SAWI für Kulturvermittlung und Kulturpolitik.
Nicole Reber
Kindergartenlehrperson, Kulturverantwortliche
«Kulturverantwortliche arbeiten im Team»
Begegnungen mit Kunst und Kultur in der Familie wie auch in der Schule sind prägend. Eine Erkenntnis, die Nicole Reber am Beispiel ihrer eigenen Biografie bestätigen kann. Kulturelle Bildung darf demnach kein Luxus sein, sondern soll vielmehr allen offen stehen. In dieser Absicht engagiert sich die geschulte Kindergartenlehrperson in Niederlenz nach Abschluss des CAS «Kulturverantwortliche in Schulen» auch in der von ihr mitbegründeten Arbeitsgruppe Kultur, getreu dem Leitsatz: «Alle Schülerinnen und Schüler sollen Kunst und Kultur erleben.» Unterstützt, beraten und vernetzt werden die aargauischen „Kulturverantwortlichen in Schulen“ von der Fachstelle Kulturvermittlung. Zwei Mal pro Jahr lädt die Fachstelle alle Kulturverantwortlichen zu einer Weiterbildungsveranstaltung ein.
Zentrale Fragestellungen:
Weshalb arbeiten die Kulturverantwortlichen von Niederlenz im Team?
Wie findet die Kultur den Weg ins Schulhaus?
Kann an unserer Schule Offenheit für und Neugierde auf Kultur wachsen?
Biografie:
Nicole Reber, geboren 1966, lebt in Niederlenz, Kindergartenlehrperson und CAS „Kulturverantwortliche in Schulen“ PH FHNW. Von 2000 bis 2010 Mitarbeit und Leitung eines Kleintheaters
Danja Erni
Wissenschaftliche Mitarbeiterin Insitute for Art Education, ZHdK, Mittelschullehrerin für Bildnerisches Gestalten, KS Olten, Animationsfilmerin
«Dimensionen von Kunst- und Kulturvermittlung – eine kritische Auslegeordnung dreier Projekte»
Der Beitrag zeichnet Kulturvermittlung als umkämpften Begriff und als Aktivität, in die sich die Verfasstheit der darin involvierten Akteur/innen einschreibt. Kulturvermittlung wird als ein Schauplatz aufgefasst auf dem unterschiedliche, mitunter widersprüchliche Interessen und Erwartungen aufeinander treffen und verhandelt werden müssen. Die Teilhabe an diesen Verhandlungen produziert Ein- und Ausschlüsse entlang dominanter und marginalisierter gesellschaftlicher Positionen. Damit werden Kulturvermittlerinnen zu Playern im politischen Spiel um Definitionsmacht und gesellschaftliche Mitbestimmung.
Drei Projekte: «Stadt als Bühne», «Artist in Residence Programm» und «Artefix» werden vorgestellt und daraufhin befragt, mit welchem Kulturvermittlungsverständnis sie arbeiten. Das so entstehende «Panoptikum» wird mit weiteren Beispielen ergänzt und dient als Basis dafür, die eigenen Vorstellungen von Kulturvermittlung und die Auslegung der Rolle als Kulturvermittler/in in den Blick zu rücken und immer wieder neu zu überdenken.
Zentrale Fragestellungen:
Was wird vermittelt und was vermittelt sich wenn wir Kultur vermitteln?
Wie zeigt sich Kunst- und Kulturvermittlung in den vorgestellten Projekten?
Was heisst es Kunst- und Kulturvermittlung als kritische und selbstreflexive Praxis aufzufassen?
Welche Möglichkeiten schaffen wir uns, wenn wir Kulturvermittlung als immer wieder neu verhandelbaren Begriff denken?
Biografie:
Studium am Lehramt für bildende Kunst der Hochschule für Gestaltung und Kunst (HGK) Basel. Seit 2004 Unterrichtserfahrung auf verschiedenen Schulstufen, u.a. als Fachlehrerin für Bildnerische Gestaltung an der Kantonsschule Olten (seit 2006) und als Dozentin für Zeichnen und Atelier an der Hochschule der Künste Bern (2006 – 2009). Seit 2008 als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institute for Art Education der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) im Bereich der formellen Kunstvermittlung (Schule) tätig. Leitet da gemeinsam mit Anna Schürch das Forschungslabor für Künste an Schulen (FLAKS). Lehrt als Dozentin im Master of Arts in Art Education, Vertiefung bilden + vermitteln der ZHdK. Seit 2001 künstlerisch tätig in den Bereichen Animation, Illustration, Video und Konzeptkunst. Atelierstipendium in Berlin (Juli 2012 – Dezember 2012).
Georges Pfruender
School of Arts an der Witwatersrand University in Johannesburg,
MitgliedSchweiz. UNESCO-Kommission
«Dislocations: von Kunst zu Vermittlung zu Bildung»
Im Kontext von Gegenwartskunst präsentiert Georges Pfruender Projekte, die sich mit sozialen Themen auseinandersetzen. Anhand von konkreten Beispielen stellt er dar wie Kunstprojekte zwischen Schule und Museen zirkulieren, und in welcher Art Institutionen mit Künstlern arbeiten könnten. Zudem thematisiert er die individuellen und institutionellen Hindernisse, die Projekte oft zum Scheitern bringen und stellt Möglichkeiten für institutionelles Umdenken, Neudenken vor.
Zentrale Fragestellungen:
Was kann Kunst bewegen?
Welche Ansätze gibt es heute in der aktuellen Kunstproduktion, die eine simultane Einbeziehung der Klassenzimmer und der Kunsthallen erlauben?
Unter welchen Bedingungen könnten Museen und Schulen in fruchtbarer Art zusammenarbeiten?
Biografie:
Neben eigener künstlerischer Tätigkeit war Georges Pfruender Direktor der Walliser Schule für Gestaltung (1997 bis 2009), Präsident der DKKD ( 2004-2008), Koordinator für Kunst und Bildung der Unesco Schweiz. Gegenwärtig leitet er die School of Arts an der Witwatersrand University in Johannesburg, die Musik, Film, digitale Medien, Theater, freie Kunst, Kunst- und Kulturtheorien vom BA zum PhD Niveau anbietet. Als Künstler und Forscher hat er an Konferenzen, nationalen und internationalen Forschungsprojekten , Künstler in Residenzprogrammen in Asien, Europa Nord und Süd Amerika teilgenommen.